Geschrieben am 1. Mai 2024 von für Crimemag, CrimeMag Mai 2024

Alf Mayer: »Falcone« von Roberto Saviano – Realität als Protest

Die Wirklichkeit als Grenze der Fiktion

Alf Mayer über ein Epos von bleibender Bedeutung

»Das Motiv für Realismus ist nie Bestätigung der Wirklichkeit, sondern Protest.«
(Kernsatz in Alexander Kluges »Gelegenheitsarbeit einer Sklavin. Zur realistischen Methode«, edition suhrkamp 733, Frankfurt/M. 1975, S. 216)

Ein Buch, dessen Ausgang man schon vor der ersten Zeile kennt. Die Chronik eines angekündigten Todes. Und so viel mehr. Giovanni Falcone wusste, dass er sterben würde, nur nicht wann. Auch Roberto Saviano, der Autor von »Falcone«, hat ein schwarzes Kreuz auf dem Rücken. Die Mafia will seinen Tod. Seit dem 13. Oktober 2006, zwei Monate nach Erscheinen seines undercover recherchierten Buches »Gomorra – Eine Reise in das Wirtschaftsimperium der Camorra und ihren Traum von der Vorherrschaft«, so der vollständig übersetzte Titel, steht Saviano unter Personenschutz und lebt seitdem versteckt an wechselnden Orten, die er alle zwei Tage verlassen muss. „I Am Still Alive“ verkündete er trotzig per Graphic Novel (Cross Cult, 2023, Besprechung bei uns hier nebenan).

»Mut macht einsam« oder »Einsam ist der Mutige« heißt der italienische Originaltitel von »Falcone«, jenem Buch, für das Robert Saviano geboren worden ist, jenem Buch, für das er wie kein anderer auf diesem Planeten geeignet und berufen ist. Viele einsame Tage und Nächte hat dieser Saviano, der 26 Jahre alt war bei der Veröffentlichung von «Gomorrha – Viaggio nell’impero economico e nel sogno di dominio della camorra» seitdem selbst ausloten können und müssen, was es heißt und welche Konsequenzen es hat, sich offen gegen die Mafia zu stellen. Sein Roman erschien in Italien zum 30. Todestag von Giovanni Falcone, der wohl größten Symbolfigur Italiens im Kampf gegen die Cosa Nostra. Im historischen »Maxi-Prozess« von 1986 ergehen, von Falcones Ermittlungsarbeit und der verschworener Kollegen in die Wege geleitet, 346 Schuldsprüche und werden 2665 Jahre Haft verhängt. »Heute hat die Justiz endlich einmal nicht verloren«, vermerkt dazu der Roman.

Das Buch ist nicht nur eine Verneigung vor einem mutigen Mann, »der den Tod erwartet wie ein Samurai« und unbeirrt seine Ermittlungsarbeit tut, nicht nur eine für alle Zeiten aufzubewahrende Chronik, nicht nur eine literarische Leistung, vor der es den Hut zu ziehen gilt – es ist selbst ist Teil jenes Staffellaufs, von dem darin die Rede ist. An uns Nachgeborenen und uns Zeitgenossen ist es, unsern Teil dafür zu tun, dass solcher Mut nicht vergeblich bleibt. »Die Gegenwart ist ein verlorener Krieg … In welche Schublade soll er seine Hoffnung legen?«, heißt es einmal im Buch. Wer gegen die Mafia kämpft, kann bald »einen kleinen persönlichen Friedhof alleine mit den Gräbern von Freunden und Kollegen füllen«. Italien ist »ein Land, das sich auf seine Märtyrer verlässt«.

Im dem Moment, in dem der Richter Falcone den Kronzeugen Tommaso Buscetta zum Reden bringt, zum ersten Mal authentisch und dezidiert Auskunft aus dem Innenraum der Organisation erhält – von »Ritualen«, von der «Initiation», von »Angeschlossenen«, »Repräsentanten«, von der absoluten Pflicht zum »Schweigen«, von »Soldaten«, Zehnergruppen, lokalen Banden, »mandamenti«-Bezirken, von »Familien«,  Bezirksbossen, »sottocapi« und „consiglieri«, Ratgebern –, sich vorkommt wie ein Insektenkundler, ein Botaniker, Naturforscher, der einen Begriff nach dem andern aufschreibt (»Wenn man einen Namen nicht kennt«, sagte Karl von Linné, der Vater der Gattungen und Spezies, »stirbt auch das Wissen von den Dingen«), in diesem Moment, von dem an die Mafia nicht mehr die Mafia heißt, sondern ihr wahres Gesicht als Cosa Nostra zeigt, lässt der Romanautor den geständigen Mafiaboss an einen Film denken, den der vor vielen Jahren gesehen hat. An Pietro Germis IM NAMEN DES GESETZES aus dem Jahr 1948, wo ein Richter auf Sizilien zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Kampf gegen die Diktatur der Mafia aufnimmt und einen lokalen »capo« davon überzeugt, sich der Justiz zu stellen. Der Terminus, der ihm dabei in den Sinn kommt, ist der von der gelassenen Stärke der Justiz. Das steht ziemlich in der Mitte des Buches. Es ist sein sozusagen utopischer, hoffnungsvoller Angelpunkt. Und es zeigt auch die historische Dimension auf. Buscetta wird Falcones Kronzeuge für den sogenannten Maxi-Prozess. Und Saviano ist unserer, wiederum eine Generation später.

Savianos großer Roman hat die Wirklichkeit als Grenze der Fiktion, ist Literatur mit so wenig »Zugabe« wie nur möglich. Fiktion als Gegensatz zur Faktizität – im Geist der großen realistischen Erzähler des 19. Jahrhunderts, deren Anspruch es war, das Vergangene wie eine zweite Gegenwart erscheinen zu lassen, was Ranke das »Vermögen der Wiederhervorbringung« nannte. Oder um es mit Jacob Burckhardt zu sagen: Geschichte macht nicht klug für ein andermal, sondern weise für immer.

Wie bei Marquez und dessen »Chronik eines angekündigten Todes« von 1981 ist klar, von der ersten Romanzeile an allen klar: Es wird ein Mann getötet werden. Was, so Walter Böhlich damals in seiner Besprechung, »wohl heißen soll, dass die gemeinten Verbrechen nur möglich sind, weil sie unbewusst auch von denen gewünscht werden, die sich allein durch Unglauben von ihnen distanzieren«. In der Erzählhaltung konstativ (die entsprechende Theorie bei John Austin, 1962, »How to do things with words«), könnte Savianos Buch auch den Untertitel von Kluges »Schlachtbeschreibung« von 1964 tragen: »Organisatorischer Aufbau eines Unglücks«. Das Thema dort: der Russlandfeldzug der Deutschen Wehrmacht. Die Erzählform: »Ein Gitter, an das sich die Phantasie anklammern kann, wenn sie sich in Richtung der Explosion bewegt« (A. Kluge).

In anderer Weise als beim traditionalen Erzählen stellt das exemplarische Erzählen die Zeit still, verräumlicht sie. Macht uns zum Mitbewohner. Nicht nur für Arno Schmidt (»Also ster’m wa halt: Prost! Ich zog den Kork aus der nächsten Flasche«) ist dieses hier Absolutprogramm: »Der einzige bewohnbare Ort ist die Literatur.« Auch deswegen hat Saviano sich dieses Buch eingerichtet. Man spürt ihn atmen.

Roberto Saviano aus Neapel ist zwölf Jahre alt, als am 23. 5. 1992 um 17:57 Uhr eine gewaltige Detonation auf der A29 bei Capaci, 15 Kilometer vom Flughafen von Palermo entfernt, die Autokolonne von Giovanni Falcone zerfetzt – und ganz Italien erschüttert. 500 Kilogramm TNT in einem Drainagerohr versteckt. Ein Krater wie nach einem Bombeneinschlag. Eine der Fiat-Limousinen wird 60 Meter weit weggeschleudert.

Zur Größenordnung: Zehn Kilo TNT reichen aus, um ein normales Auto in die Luft zu sprengen. Sieben Kilo TNT in einem Paket von der Größe einer Schultasche auf dem Gepäckträger des Fahrrads deponiert, lassen am 30. November 1989 Alfred Herrhausen am Seedammweg in Bad Homburg vor der Höhe in seinem Fahrzeug verbluten. Mit 200 Kilo Sprengstoff zerlegt die RAF 27. März 1993 die komplette Justizvollzugsanstalt Weiterstadt in Südhessen.

500 Kilogramm TNT sind ein Statement. »Sie wollen eine Superstaatsanwaltschaft machen? Also machen wir das Superding. Basta», hat der Boss der Bosse, der Kurze genannt, zu den capi mandamenti, den Bezirksbossen gesagt, die mit ihm um einen Tisch sitzen. »Ich will Falcone.« Der ist in Rom, ins Justizministerium versetzt, wo er das Ohr des Ministers hat und die wider besseres Wissen immer noch und immer wieder zersplitterten Instanzen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen mit einer neuen Behörde, der DNA (Direzione Nazionale Antimafia), endlich schlagkräftig machen will: mit 20 Stellvertretern, 26 Bezirksstaatsanwaltschaften und ihm als Chef. Das alarmiert die Gegenseite. Zuträger aus der Justiz hat sie genug.

Mit der Ausschaltung von Salvo Lima, Andreottis Mann in Sizilien, der den Salvo-Vettern nahesteht, ist zudem ein fragiler Mechanismus zerstört, der bisher Teile des Staates und die Mafia miteinander kommunizieren ließ. »Sie wollen keinen Mittelsmann mehr«, sagt Falcone auf Seite 502 zum Innenminister Martelli. »Damit sagen sie uns, dass die Konfrontation jetzt direkt zwischen der Cosa Nostra und dem Staat stattfindet. Und das bedeutet, dass sie immer höher hinauf zielen werden, wenn wir nicht tun, was sie wollen. Immer höher hinauf.« Was das bedeute, fragt der Minister. »Das bist du, Claudio. Bitte entschuldige, aber jetzt werden sie … Wenn ich mir ausmale, was sie jetzt tun werden, dann denke ich, dass sie einen Politiker aufs Korn nehmen. Keinen Vermittler, sondern eine politische Persönlichkeit, einen Vertreter des Staates… Erst werden sie einen Politiker töten. Danach bin ich dran«, sagt Falcone. Er bedenkt nicht, dass viele in ihm keinen Richter mehr sehen, sondern einen Politiker. (Seite 503)

Falcone weiß, worauf er sich eingelassen hat. Weiß, dass er vom Tod gezeichnet ist. Weiß, so die Formulierung im Roman, »dass es ein Staffellauf geworden war. Jeder läuft eine Strecke, überreicht die Papiere dem nächsten und stirbt. Verstehst du diesen Wahnsinn?« Den Gerechten ist ein schwarzes Kreuz auf den Rücken gemalt, heißt es an anderer Stelle. Nüchtern und ohne hohles Pathos beschreibt der kraftvolle, dosiert poetische Roman Leben und Kampf eines aufrechten Mannes und den mit seiner Arbeit zusammenhängenden wahrhaft politischen Moment, dass wir – wenn wir mutig genug sind – die Mafia als Macht erkennen, gegen die jedes Gemeinwesen sich stellen MUSS.

Dass dieser Autor einen Auftrag hat und über ein Wissen verfügt, von dem wir als Gesellschaft lieber nicht so richtig Kenntnis und Gefühl haben wollen, spürt man in jeder Zeile. Bewundernswert ist, welche Form und welche Stimme Roberto Saviano dafür gefunden hat. 75 Kapitel, chronologisch erzählt, »show, don’t tell«, die Erzählperspektiven intelligent verschränkt, Didaktisches vermieden, Poesie, Lieder und Arien wie Musikstücke gesetzt, sparsam dosiert, aber ein wunderbar durchgängiger Kammerton. Mehr als die Realität. Eben Literatur.

»Hier erwacht der Boden lange vor der Sonne. Er beginnt zu atmen, wenn es noch dunkel ist«, hebt das Buch 1943 außerhalb des sizilianischen Corleone an. Die »Geschenke aus Eisen«, die Bomben der Amerikaner, die die Bauern aus den Äckern bergen, sind eine »Brut aus Dracheneiern, zwischen den Erdschollen abgelegt« und wertvoll »wie Schweine. Nichts wird weggeworfen.« Eine solche Bombe ist es, die den Kleinbauern Giovanni und zwei seiner Söhne zerreisst. Nur Totò Riina, zwölf Jahre alt, bleibt unverletzt. Er ist jetzt Familienoberhaupt. Später der oberste Boss der Cosa Nostra. Er ist es, der den Befehl gibt »Falcone muss weg«. Für das Superding fehlt noch Sprengstoff. Sie holen sich ihn aus der amerikanischen Drachenbrut, die Fischer immer noch manchmal aus dem Meer ziehen. Was für eine Klammer, die hier, von Saviano gesehen, die grausame Wirklichkeit um das Geschehen legt.

Dieses Buch wird ein Klassiker, aufzubewahren für alle Zeiten, und verdient jede Beachtung. Mich hat das Buch an die Heike Monogatari erinnert, jenes große Samurai-Epos (hier von mir besprochen), das uns von den großen Machtkämpfen im Japan des 12. Jahrhunderts wissen lässt, und mit seiner die Jahrhunderte überdauernden Überlieferung zur Sühne für die Seelen der in den beschriebenen großen Schlachten Gestorbenen diente. In »Falcone« überkommt einen öfter ein Frösteln. Eine Beklommenheit. Ein Flügelschlag von Benjamins Engel der Geschichte, den nun wirklich längst nicht jede Lektüre evoziert.

»Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.« (Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte,1940, These IX)

Im April 2016, zehn Jahre nach Erscheinen der italienischen Originalausgabe, beschreibt Saviano sein schwieriges Leben unter Polizeischutz ausführlich in einem neuen Vorwort zur Taschenbuchausgabe von »Gomorrha«. Der Text schließt so: »In diesen zehn Jahren … habe ich jede Naivität verloren und jeden Glauben an eine gesellschaftliche Veränderung, aber ich hege immer noch eine fast dogmatische Hoffnung: die Hoffnung, dass das Erzählen einer Geschichte retten kann, was der Mensch noch an Menschlichem in sich trägt.«

Insofern ist «Falcone» auch eine große Glocke, geschrieben, gegossen, gehärtet und geläutet, auf dass wir sie hören. Hören und erleben wie eine Oper, ihre Gefühle, Schmerzen und Wahrheiten buchstäblich, wie ja früher auch das Buch, in Blei gegossen. Groß und wahr. Drei sich überlagernde Bilder evoziert Saviano ab Seite 500, als »das Fleisch«, wie die Mafiosi in ihrer brutalen Sprache ihr Zielobjekt nennen, vom Flughafen von Palermo zur A90 unterwegs ist. Es ist die Zeit der tonnarotti, der Thunfischfänger, die auf den Laichzug der riesigen Schwärme vorbereiten, auf jenes Schlachtfest auf offener See, das man in Sizilien mattanza nennt. Die Freiheit, die Falcone sich gegen alle Angst wieder und wieder bewahrt, wie ein Samurai, versteckt sich an diesem Tag hinter dem Monte Cuccio, leckt ihre Pfoten. Frühlingsluft weht vor der Abreise aus Rom ins Zimmer. Verdi klingt ernst, zu ernst, an diesem Abend: »Weh! Was werd ich Armer sagen? / Welchen Anwalt mir erfragen/ Wenn Gerechte selbst verzagen?…«

Das Amtszimmer, das Falcone hinterlässt, ist aufgeräumt. »Er war sich sicher, dass er in Kürze in ein anderes Büro ziehen würde. Dass er Leitender Staatsanwalt der Direzione Nazionale Antimafia werden würde… Dass man ihm die Chance geben würde, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch dieses Mal richtig. Ein echtes Licht … Eine Welt ohne Mafia war die Idee, die in seiner Brust brannte, und wenn ein Gedanke die Körper beherrscht, die Geister erfüllt, beherrscht er früher oder später auch die ganze Welt«, heißt es im drittletzten Absatz des Buches.

Diese letzten Zeilen gehören Falcones Freund und Kollegen, dem Richter Paolo Borsellino. Was das Buch nicht mehr erzählt: Keine zwei Monate später wird auch er auf ähnliche Weise ermordet. Seit 2017 ist der Flughafen von Palermo nach Falcone und Borsellino benannt.

»Diese Seiten sind ein Tableau, entstanden mit Hilfe der Mittel, die die Romanform zur Verfügung stellt. Jede Szene ist ein Ausschnitt des Dramas eines ganzen Landes, wo die Wahrheit so verzerrt ist, dass sie die kühnsten Phantasien übertrifft. – Alle auftretenden Personen hat es wirklich gegeben, jedes Ereignis ist tatsächlich geschehen. All das ist gewesen«, heißt es in der Vorbemerkung. So lesen wir das Buch. – Lesen Sie!

Alf Mayer

Roberto Saviano: Falcone (Solo è il coraggio. Giovanni Falcone, il romanzo, 2022). Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Carl Hanser Verlag, München 2024. Gebunden, 544 Seiten, 32 Euro. – Eine vom Hanser-Verlag als PDF zur Verfügung gestellte 50-seitige Bibliografie dokumentiert die Vorarbeiten, die für das Schreiben des Romans notwendig waren, und die Vielzahl an Texten, Verweisen und audiovisuellen Materialien, auf denen die einzelnen Szenen beruhen.

PS: Es ist schön, für das zu sterben, woran man glaubt. Wer Angst hat, stirbt jeden Tag, wer Mut hat, stirbt nur einmal, steht auf Falcones Grabstein.
** IM NAMES DES GESETZES (In nome della legge) ist ein italienisches Filmdrama in Schwarzweiß von Pietro Germi von 1948. Das Drehbuch verfasste er selbst zusammen mit vier weiteren Autoren, darunter Federico Fellini – dessen zehnte Drehbucharbeit (für insgesamt 19 Filme des Neorealismus, auch von Roberto Rosselini), ehe er selbst Filmregisseur wurde. Der Film basiert auf dem im gleichen Jahr entstandenen Roman »Piccola pretura« von Giuseppe Guido Lo Schiavo. Es ist der erste italienische Film nach dem Zweiten Weltkrieg, der die mafiösen Strukturen differenziert beschreibt, ein Amalgam aus Neorealismus, Mafiafilm und Western. »Berittene Gesetzlose mit geschultertem Gewehr geben auf unbefestigten Straßen einen staubigen Hintergrund ab für eine Handlung, die vom Gesetz des Stärkeren und Pietro Germis Verehrung John Fords erzählen«, hieß es bei der Retrospektive im Berliner Arsenal.

** Nach Roberto Savianos erstem Buch entstand 2008 der Spielfilm Gomorrha von Regisseur Matteo Garrone und 2014 die Fernsehserie Gomorrha.

** Internetzugang zur Stiftung von Giovanni Falcone hier.

** 30 Jahre nach dem Anschlag auf den Mafia-Jäger Giovanni Falcone am 23. Mai 1992 hat Italiens Oberstes Gericht am 15. Juni 2022 die lebenslängliche Haft für vier Mafia-Bosse bestätigt. Sie waren an der Organisation des Anschlags beteiligt und besorgten den Sprengstoff für das Attentat. Das ursprüngliche Verfahren war aufgrund der Aussagen des abtrünnigen Mafioso Gaspare Spatuzza, der mit den Staatsanwälten zusammenarbeitet, in die Wege geleitet worden. Spatuzza war zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Bei einem weiteren Prozess wegen der Ermordung Falcones wurden zusätzlich 39 Personen zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

** Giovanni Brusca hingegen, den sie auf Sizilien ‚u verru nannten, das Schwein, der beim Falcone-Attentat den Auslöser drückte, wurde 1996 festgenommen und trotz zahlreicher nachgewiesener Morde – gestanden davon hatte er 150 (!) – wurde zu nur 25 Jahren Haft mit zahlreichen Erleichterungen verurteilt, denn er kooperierte umfassend mit der italienischen Justiz. Am 31. Mai 2021 wurde er unter Auflagen freigelassen, tauchte mit einer neuen Identität und unter dem Schutz der italienischen Behörden ab. Auch das gehört zur gelassenen Stärke der Justiz, der Falcone sich verschrieben hatte.

Tags : , , ,