Posted On Dezember 8, 2010By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Virtuoses Blendwerk – Adam Thirlwell wurde nach seinem hochgelobten und international erfolgreichen Debüt „Strategie“ (2004) als „Wunderkind der britischen Literatur“ gefeiert. Sein jetzt auf Deutsch erschienener zweiter Roman „Flüchtig“ hinterlässt allerdings einen zwiespältigen Eindruck. Von Karsten Herrmann Adam Thirlwell erzählt hier die Geschichte von Haffner, einem schillernden Geschäftsmann, Schöngeist, Jazz-Liebhaber und Bewunderer der Antike. Vor allen Dingen aber lebte und lebt dieser Haffner für die Frauen, „war lüstern, egoistisch, eitel – ein ganz normaler Mann“. Wie von selbst und fast zwangsläufig scheint er sich mit seinen Affären dabei immer wieder
Read More Wo der Irrtum beginnt – Michael Krügers neue Gedichte der Ungewissheit und Unsicherheit, die einen schwer loslassen. Von Carl Wilhelm Macke „Lyrik“, so hat es einmal Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky gesagt, „schult einen enorm in Unsicherheit und Ungewißheit.“ Als Motto passend zu jedem Gedichtband von Michael Krüger, Verleger und Freund von Brodsky. Nehmen wir das Titelgedicht seines neuesten Bandes als Beispiel: „Wir haben meine Kindheit nachgestellt/ mit unscheinbaren Dingen./ Einem Tannenzapfen, Brotkrumen,/ Schlüsseln, einem schwarzgeäderten Stein,/ alles, was zur Hand ist und beweglich./ Nur haben die Dinge die Neigung,/ nach eigenem
Read More In dieser Woche unternimmt unsere Autorin Christina Mohr einen literarischen und musikalischen Streifzug durch die Caféhauskultur vergangener Tage. Und apropos vergangen, eines ist klar: Loungemusik im Café ist total Neunziger, aber echt!
Read More Außerirdische – 1 bild / 100 worte – Wenn sich die Küche nachts um zwei in ein Raumschiff verwandelt und mit uns in den Weltall fliegt, dann ist Wodka unser Pilot und wir rauchen wie die Weltmeister. Die Zigaretten gehen aus. In der Ladeluke erscheint Thomas Mann. – Meister! Bringen Sie Kippen? – Ich schmauche nicht mehr. – Hihi hi hi hi hi! – Was gibt’s da zu kichern? – Nichts. (Schmauchen!) *PRUST* Excusez! – Accepté. Stellt jetzt eure Fragen! – Wir denken nach: – Verehrter Meister, in Sachen Außerirdische:
Read More The Future von Leonard Cohen: Give me back my broken night my mirrored room, my secret life it’s lonely here, there’s no one left to torture Give me absolute control over every living soul And lie beside me, baby, that’s an order! Give me crack and anal sex Take the only tree that’s left and stuff it up the hole in your culture Give me back the Berlin wall give me Stalin and St Paul I’ve seen the future, brother: it is murder. Things are going to slide, slide in
Read More Der Roman: Ein ekelhafter Leichnam (Un cadáver asqueroso) – Vergangenes Jahr begannen die Diez Negritos einen Online-Krimi zu verfassen. In ironischer Anlehnung an die surrealistische Methode des cadavre exquis („köstlicher Leichnahm“) betiteln sie ihren Gemeinschaftsroman mit „Ein ekelhafter Leichnam“ („Un cadáver asqueroso“); und tatsächlich präsentiert uns im ersten Kapitel ein Gerichtsmediziner einen unerklärlich ekelhaften Leichnam in einer Stadt, die Merkmale von allen möglichen hat und keine einzige ist … Nach der Maxime von Paco Ignacio Taibo II, derzufolge die Anarchie die einzige natürliche Ordnung ist, folgt der Roman keinem vorgefertigten
Read More Lange Reise an die Macht – „What’s new, Tony?“ Hatte Tony Blair nicht schon alles gesagt über New Labour – Reformversuche und die Edelbruderschaft mit George W.? In seinen Memoiren „A JOURNEY“ („Mein Weg“) plaudert er nun über Gott und die Welt, Liebe und Familie, Partei-Intrigen, Fingerhakeln mit Intimfeind Gordon Brown. Wenn es aber um die Unterstützung der US-Invasion im Irak und um geheime Vereinbarungen mit Bush geht, verliert sich seine Eloquenz im diffusen Orakeln. Von Peter Münder Dieses Buch sollte anders sein als die üblichen politischen Memoiren, betont Tony
Read More Heiliger Luigi – Früher war das mal ein Gütesiegel: Literatur aus Sizilien. Tempi passati, wie es scheint. Nun fällt auch Andrea Camilleri, obwohl – oder weil? – er Bücher im Akkord produziert, nichts Rechtes mehr ein. In seinem vorerst letzten Roman geht ein hoher Bankangestellter in Pension. Zugleich wird er mittels eines anonymen Briefchens darauf gestoßen, dass seine Frau Adele ihn seit langem betrügt. So richtig unerwartet kommt das nicht, die Dame ist immerhin 25 Jahre jünger und eine Ausgeburt von Sinnlichkeit. Allerdings, und diese Erkenntnis kommt unserem Mann schon
Read More Bloody Chops – Heute choppen für Sie: Joachim Feldmann (JF), Klaus Kamberger (KK) und Thomas Wörtche (TW) über Kurt Palm, Christopher Reich und Pablo Tusset. Jödeldööö! (JF) Dass auf den letzten Seiten des nach seinem Handlungsort betitelten Romans ein Unwetter apokalyptischen Ausmaßes über dem österreichische Bergnest Bad Fucking aufzieht, könnte religiös orientierte Leser zu der Annahme verleiten, hier sorge ein rachsüchtiger Gott dafür, dass all die im Lauf der Handlung vergossenen Körperflüssigkeiten in einem Aufwasch hinweggespült werden. Allein – es ist doch nur der Autor Kurt Palm, der seine aus
Read More Harold Pinter 1960: Durchbruch mit dem Hausmeister – Nach den Einaktern „Das Zimmer“, „Der stumme Diener“ und seinem ersten abendfüllenden Stück „Die Geburtstagsfeier“ (1958), das auf großes Unverständnis stieß und nach nur einer Woche abgesetzt wurde, steckte Harold Pinter in einer Krise. Der große künstlerische Durchbruch gelang ihm dann vor 50 Jahren mit „Der Hausmeister“. Peter Münder mit einem Check dieses Theater(Neo)Klassikers. Was für ein Flop! Sechs Zuschauer in einer Vorstellung, Gesamteinnahmen nach einwöchiger Spielzeit der „Birthday Party“ am Londoner „Lyric Theatre“: Genau 260 Pfund, elf Shilling, fünf Pence –
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Charlotte von BausznernIn Bücher, Litmag
Einladung angenommen – Ein Erfahrungsbericht zu Dorothee Elmigers Debütroman „Einladung an die Waghalsigen“ mit einem Versuch, sie zu verstehen. Zwei Schwestern machen sich in einem Endzeitgebiet, unter dem seit Jugendgedenken ein Grubenfeuer glüht, auf die Suche nach einem vielleicht nicht existierenden Fluss, nach ihrer Geschichte und ihrer möglichen Zukunft. Für mich ist es auch eine Beschreibung der Gegenwart. Von Charlotte von Bausznern An einem Dienstag, vielleicht, erreicht mich per Post endlich ein Band in dritter (!) Auflage, dessen Titel trotz seiner Jugend bereits altbekannt in den Feuilletons ist: Es ist
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Gisela TrahmsIn Litmag, Lyrik
In alle Himmelsrichtungen und darüber hinaus – Kreuz und quer über den Globus, welch ein Traum! Und dann ein tiefes, tiefes Loch durch die Erde graben, bis man in Down Under wieder rauskommt… Jan Wagners vierter Gedichtband reist durch die Welt und schaut in den Zeitenschacht. In südlichen Urwäldern beginnt die Reise. „älter als der bischofsstab, / den es hinter sich herzieht“, sitzt dort das Chamäleon „auf seinem ast“. Es kann nicht nur seine Farben wechseln, sondern bewegt auch die Augen unabhängig voneinander: „mit einem blick am himmel und dem
Read More Neue Häppchen, heute: Christiane Geldmacher (CG) und Senta Wagner (SeWa) mit einem Ausstellungstipp, einer Preisverleihung und den Romanen von Siri Hustvedt und Moritz Rinke. Fügungen Es heißt ein Dichter ist einer der Worte zusammenfügt Das stimmt nicht Ein Dichter ist einer den Worte noch halbwegs zusammenfügen wenn er Glück hat Wenn er Unglück hat reißen die Worte ihn auseinander (Erich Fried) Terézia Mora erhält den Erich-Fried-Preis 2010 Eine in Berlin lebende Ungarin, die Deutsch schreibt und aus dem Ungarischen übersetzt, bekommt auf Vorschlag eines Schweizer Jurors den nach dem großen
Read More Posted On Dezember 1, 2010By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Hinaus, ins Fremde! „Willkommen woanders“ ist das Motto des frisch gegründeten „Corso-Verlags“, der in seinen Publikationen von der Lust zu reisen und zu lesen erzählt. Carl Wilhelm Macke ist Horst Günther „Hinaus, ins Freie“ gefolgt. Schon wieder ein Reisebuch? Man muss nur flüchtig in diesem schmalen Band blättern, um sofort zu bemerken, dass es nicht diesen Erwartungen entspricht. Es handelt sich eben nicht um eines der üblichen, jedes Jahr in Massen auf den Markt geworfenen Bücher über Reisen in nahe oder ferne Gegenden. Jedes Fleckchen auf dem Globus ist doch
Read More Entropie – 1 bild / 100 worte – Über Entropie dachte Thomas Pynchon lange nach, bevor er eine Story dieses Namens schrieb, in der kein physikalisches Fakt an seinem rechten Ort saß. Amen! Später der Ruhm, kam, nahm ihn mit und spülte ihn an die Westküste der USA. Dort lagerte Elfriede am Strand. – A bong, a bong, a Königreich for a bong! – Kommt sofort, Thommy. – And you are? – A scribbler from Austria. – Ah, ah, Austria. Hitler was born there. – True. – Die beiden kiffen,
Read More Queen Daphne ist von Beruf Was-mit-Medien sowie Seismographin und wohnt in Berlin-Neukölln. Die Aufzeichnung ihrer Wege und (im Winter nicht geräumten) Umwege ist für uns ein selbstverständlicher Akt der modernen Aufklärung...
Read More Sven Regeners Roman "Neue Vahr Süd" läuft in der ARD; Sendungen in Funk und Fernsehen zu H.C. Artmann; die ersten Genmücken dürfen fliegen; Kathrin Passig über das Buch als Geldbäumchen; eine neue Nummer der Literaturzeitschrift "Bella triste" ist erschienen - Der Newsletter für die Woche Nr. 48.
Read More Heute choppen Tomás Borchte (ToBo), Joachim Feldmann (JF), Henrike Heiland (HH), Friedemann Sprenger (Frip) und Thomas Wörtche (TW).
Read More Der Roman: Ein ekelhafter Leichnam (Un cadáver asqueroso) – Vergangenes Jahr begannen die Diez Negritos einen Online-Krimi zu verfassen. In ironischer Anlehnung an die surrealistische Methode des cadavre exquis („köstlicher Leichnahm“) betiteln sie ihren Gemeinschaftsroman mit „Ein ekelhafter Leichnam“ („Un cadáver asqueroso“); und tatsächlich präsentiert uns im ersten Kapitel ein Gerichtsmediziner einen unerklärlich ekelhaften Leichnam in einer Stadt, die Merkmale von allen möglichen hat und keine einzige ist … Nach der Maxime von Paco Ignacio Taibo II, derzufolge die Anarchie die einzige natürliche Ordnung ist, folgt der Roman keinem vorgefertigten
Read More Heute: Aus der Reihe großer, noch unpublizierter Prosawerke Liebe Leserinnen und Leser. Was ist das: Gisbert, der stille Sachwalter aller Kontrakte seiner exilpersischen Herrschaft, ging durch den Schlosspark, der in einem milden Frühlingslicht dem Advokaten neu und voller Verheißung schien. Neues und Verheißungsvolles widerfuhr ihm ja auch, wenn er bedachte, wie schicklich und dabei rührend unglaubwürdig die Jungfer Hedwig seinen Antrag vorerst abschlägig respondiert hatte. Das Billet trug er bei sich, am Herzen sogar. Sollte wirklich eine bessere Zeit beginnen? Sollte auf die Finsternis das Helle folgen, ganz so, wie
Read More Patrick Rotman: Die Seele in der Faust Wer glaubt, dass Quentin Tarantino sich seine jüdische Freischärlertruppe in „Inglourious Basterds“ komplett aus den Fingern gesogen hat, kann sich durch Patrick Rotmans „Die Seele in der Faust“ eines Besseren belehren lassen. Es gab tatsächlich im besetzten Frankreich eine Gruppe von Partisanen, die den Nazis ihre eigene Medizin zu schmecken gab: Terror. Ihr spektakulärster Erfolg war das Attentat auf den SS-Standartenführer Julius Ritter am 28. September 1943 mitten in Paris. Patrick Rotman hat die reale Geschichte dieser Gruppe namens FTP-MOI (Francs-tireurs et partisans
Read More Martin Booths posthum erschienener Roman „A Very Private Gentleman“ war die Vorlage für den Film „The American“ mit George Clooney. Er liefert eher das Psychogramm eines paranoiden Außenseiters als einen klassischen Action-Krimi. Es lohnt jedoch, sich auf den bedächtigen Erzählstil, die grandiosen italienischen Impressionen und auf die kulturträchtigen Exkurse vor dem bleihaltigen Showdown einzulassen. Von Peter Münder
Read More Verzweifflungs-gedichte von Christian Hofmann von Hofmannswaldau Die augen schloß ich traurig zu / Die hände deckten meine stirne / Ich war entblöst von lust und ruh / Der kummer füllte das gehirne / Bald wacht ich auff / bald schlieff ich ein / Bald wolt ich tod und asche seyn / Bald wünscht ich weit von hier zu leben; Und daß ja nichts sey unbekannt / So hat die thorheit meiner hand Papier und feder übergeben. Auff auff mein sinn und du mein fuß / Ich kan nicht länger hier
Read More Am Sonntag ist die internationale Messe BUCH WIEN mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen. CULTurMAG-Mitarbeiterin Senta Wagner hat sich Österreichs größte Branchenshow betrachtet, sympathische Verlage besucht und interessante Neuerscheinungen entdeckt, die sie uns in den nächsten Wochen näher vorstellen wird.
Read More Posted On November 24, 2010By Brigitte HelblingIn Comic, Litmag
Dieser zweiteilige Beitrag erwähnt: „Kick-Ass“, die Britische Helden-Alchemie, afrikanische Kindersoldaten, Superhelden als Variationsgenre, 9-11 im Comic, Thomas von Steinaecker, Bier als Abenteuer, eine Heldin für die eigene Mutter, Gebäudewäscher in Hannover und die Frage, wo Superhelden sich im deutschen Comic-Sprachraum eigentlich versteckt halten. Teil 2.
Read More Unangestrengt universell in der Schwebe: Am Thalia-Theater in Hamburg wird derzeit Ibsens Klassiker „Peer Gynt“ gespielt. Stefan Beuse hat sich die Inszenierung von Jan Bosse angesehen – und fand sie durchweg gelungen. Um die Wahrheit zu sagen: Ich bin nicht so der Theatertyp. Ich bin auch nicht so der Museumstyp. Was vielleicht daran liegt, dass mein Verständnis von Kunst eher konservativ ist. Wenn mich ein Bild nicht anspricht, gehe ich weiter. Ich setze keine Brille auf, um das Kleingedruckte daneben zu lesen. Ich gehe einfach weiter und warte darauf, dass
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