Heute: In der Unsicht-Bar – Unser Kellner holt uns an der Tür ab und geht mit uns in die Lichtschleuse. Er stellt sich vor, Rohit heißt er, fragt uns nach unseren Namen, fragt, ob er uns duzen darf, sehr nett. Dann geht das Licht aus, und es ist verdammt dunkel. Schwarz. Wir machen eine Polonaise durch das Restaurant, meine Hände liegen auf Rohits Schultern, die meines Mannes auf meinen. Rohit marschiert voran, man hört Stimmen, Leute reden und lachen, erstaunlich viele Leute, scheint es, Rohit macht hier eine Kurve und
Read More Posted On Januar 12, 2011By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Erinnerung an ein „vergessenes Ideal“ – Rob Riemens humanistisches Plädoyer „Adel des Geistes“ und die Faulheit der Kritik. Von Carl Wilhelm Macke Manchmal stolpert man in die Lektüre eines Buches hinein. Vielleicht hätte ich das Buch „Adel des Geistes“ nie gelesen, wenn der Autor Rob Riemen nicht ein im besten Sinne neugierig machendes Widmungszitat an den Anfang gesetzt hätte. „Wer wirklich wissen will, wie es um diese Welt bestellt ist, muß mindestens einmal sterben. Und da dieses das Gesetz ist, ist es besser, jung zu sterben, wenn man noch alle
Read More Posted On Januar 12, 2011By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Profane Erleuchtungen am laufenden Band – Am Ende seines Schöpfungsakts „spritzte der Herr das letzte bisschen Beton einfach auf ein abgelegenes Fleckchen Erde, als gerade keiner hinsah. So entstand unsere Siedlung“. So skurril der Anfang von Lidia Amejkos Debütroman „Die Vorstadtheiligen“ ist, so skurril und von überschäumender Fantasie ist auch sein Fortgang. Von Karsten Herrmann Ort dieser respektlosen Schöpfungsgeschichte ist eine polnische Plattenbausiedlung, die vom Rest der Welt scheint vergessen zu sein und in ihrem ganz eigenen Kosmos schwebt: „An zwei Orten wurde der Andrang quasi immer größer: in der
Read More Posted On Januar 12, 2011By Klaus KambergerIn Bücher, Litmag
Husarenritt gegen Amerikas gefährliche Infantilismen – Die Journalistin Barbara Ehrenreich knüpft sich in ihrem neuen Buch „Smile or Die. Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt“ die „Think-positive“-Verkünder vor und schildert und die wahrlich makabren Folgen dieser Bewegung. Von Klaus Kamberger Angela Merkels Neujahrsansprache, ganz sicher inspiriert vom viel beschworenen Weihnachtswunder, hat es gerade wieder belegt: Man muss nur an etwas glauben, dann ist alles (wieder) gut, die Krise weg, die Zukunft im Griff. Amerikas positive Denker machen es vor: Glaub nur fest daran, dass es aufwärts geht,
Read More Posted On Januar 12, 2011By Christiane GeldmacherIn Bücher, Litmag
Nach den Sternen greifen – Es ist eine heikle Sache, wenn man an den Anfang seines Debütromans das Zitat eines berühmten Autors setzt. Und dann gleich Franz Kafka. Sein „Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen“ ist ein Klassiker, ganze Generationen von Schriftstellern haben das schon irgendwo mal gebracht. Damit legt man die Messlatte hoch. Kafkahoch. Von Christiane Geldmacher. Wir erinnern uns: Kafka ist einer der berühmtesten deutschsprachigen Schriftsteller. Okay, es gibt auch noch andere. Georg Büchner, Thomas Bernhard und Friedrich Hölderlin
Read More URKNALL 1 bild / 100 worte Dass der deutschen Übersetzung der ironische Unterton fehle. Entstehung von Materie und Raumzeit als BANG (Big). Sofort danach: Beginn der Gut-Ära, Beginn der Quark-Ära, Beginn der Hadronen-Ara, Beginn der Leptonen-Ära. Die Zeit war knapp (10s), aber jede Menge Betrieb. Bunga bunga! Beginn der Nukleosynthese, Ende der Strahlungs-Ära und Beginn der Materie-Ära. Beginn der Bildung großräumiger Strukturen, Ta da, tada. Anmerkung: Dieser Artikel besteht hauptsächlich aus Listen, ein Fließtext wäre vorzuziehen. Verlinkt: „Wie schreibe ich einen guten Artikel“. Verlinkt: SPIEGEL (Anm. dazu Borges: Spiegel =
Read More Die literarische Woche Nr. 2 - "Martin Suter - Romancier und Gentleman-Farmer" im BR, "König der Spione - John LeCarré" auf 3sat, dazu im Radio: "Mythisch, deftig und postmodern - Das literarische Spektrum des jungen Estland" auf Deutschlandradio Kultur. Tipp der Woche: Michael Pilz' epischer Dokumentarfilm Himmel und Erde. Außerdem: Lettre Nr. 91.
Read More Im Osten nichts Neues – Verklärendes Helden-Epos oder Anti-Kriegsdokumentation? Kritische Überlegungen zu Sebastian Jungers Kriegsreportage „War“ aus dem umkämpften Afghanistan. Ein Essay von Peter Münder Den extremen Nervenkitzel vor einer entscheidenden Schlacht ließ schon Winston Churchill 1898, damals noch hoch zu Ross, intensiv auf sich wirken: „Ritten wir mitten hinein in Tausende von wartenden, wütenden aufständischen Wilden? Was würde uns oben auf dem Gipfel erwarten? Jetzt konnte jeder Schritt tödlich sein“, berichtete der Kavallerist und Kriegsreporter Churchill im September 1898 von der Schlacht im sudanesischen Omdurman, bei der 20 000
Read More Carlo denkt heute über Leichenschändung, Weltmeisterschaften, Albanien und seinen Zipadäus nach … Folgen Sie ihm andächtig. Nein, nichts zum neuen Jahr. Nein, nein, nein. Und vorläufig auch nix mehr über Guido Westerwelle. Leichenschändung verbietet sich ja dann doch. Ebenfalls tot: das Bahn-Bashen. Inzwischen wird das nämlich schon von Leuten betrieben, die kein Sekündlein unter Verspätungen gelitten haben, niemals Zug fahren. Aus demselben Grund verkneife ich mir auch das große Greinen, dass Lebensversicherungen höher besteuert werden sollen (war doch so?), die Gaunerbanken nun schon im dritten Jahr hartnäckig nicht rentabel beraten,
Read More Der Roman: Ein ekelhafter Leichnam (Un cadáver asqueroso) – 2009 begannen die Diez Negritos einen Online-Krimi zu verfassen. In ironischer Anlehnung an die surrealistische Methode des cadavre exquis („köstlicher Leichnahm“) betiteln sie ihren Gemeinschaftsroman mit „Ein ekelhafter Leichnam“ („Un cadáver asqueroso“); und tatsächlich präsentiert uns im ersten Kapitel ein Gerichtsmediziner einen unerklärlich ekelhaften Leichnam in einer Stadt, die Merkmale von allen möglichen hat und keine einzige ist … Nach der Maxime von Paco Ignacio Taibo II, derzufolge die Anarchie die einzige natürliche Ordnung ist, folgt der Roman keinem vorgefertigten Plan
Read More Von einem, der auszog, ohne zu wissen warum – Kind entführt, Frau verschwunden, Detektiv beauftragt – und alles ist ganz anders. Kennt man? Ja. Ist trotzdem spannend. Nur diesmal anders spannend. Von Henrike Heiland Vor drei Jahren lebte der schwedische Schriftsteller Håkan Nesser in New York. Wenn man ihn während dieser Zeit im Gespräch erwischte, schwärmte er einem die Ohren von der Stadt voll. New York, beste Stadt der Welt, Wahnsinnslocation und so was. Folgerichtig lebt der ich-erzählende Protagonist aus „Die Perspektive des Gärtners“ (von dem der Umschlagtext fälschlich behauptet,
Read More Mit Schirm, Charme und Skurrilität – Nicht wirklich gesamt, aber doch eine Menge: Kirsten Reimers ist begeistert von der Gesamtedition „Mit Schirm, Charme und Melone“. Vor 50 Jahren, am 7. Januar 1961, lief im britischen Fernsehen die allererste Folge von „The Avengers“ (Die Rächer) – „Hot Snow“ hieß sie. Im Mittelpunkt stand der Arzt Dr. Keel (gespielt von Ian Hendry), dessen Verlobte ermordet wurde. Keel schwor Rache – daraus erklärt sich der etwas blasse Originaltitel, der für die gesamte Serie beibehalten wurde – und traf im Zuge seiner Ermittlungen auf
Read More Clash of Characters – Kumpels im Knast müssen in der Freiheit keine bleiben. Elmore Leonard macht aus unzertrennlichen „Road Dogs“ coole Kontrahenten. Von Jörg von Bilavsky Leonards neuestes Kabinettstück hat gute Chancen auf den coolsten Krimi des neuen Jahres. Mit „Get Shorty“ oder „Out of Sight“ hat er mehrfach gezeigt, dass Schwerverbrecher und Schwerverbrechen nicht nur brutale, sondern auch höchst unterhaltsame Seiten besitzen. Und unterhaltsam heißt bei Leonard Spannung und Schmunzeln im Blick zu behalten. Vor allem aber Sympathien zu wecken für kriminelle Charaktere mit unkonventionellen Einstellungen und Verhaltensweisen. Jack
Read More Heute greifen für Sie zum Beilchen: Frank Rumpel (rum), Anna Veronica Wutschel (AVW) und Kirsten Reimers (KR). Wuchtiges Debüt: (rum) Ein wuchtiger, vielschichtiger und klasse geschriebener Roman über das von Gewalt geprägte Leben in einem fiktiven Arbeiterviertel Philadelphias. Dexter ist nah an seinen Figuren, hat ein sicheres Gespür für deren emotionale Befindlichkeiten und lässt einen immer wieder ein gutes Stück weiter in Abgründe und Sackgassen menschlicher Psyche blicken, als einem lieb sein mag. Selbst der immer wieder aufblitzende Humor ist bitter. „God’s Pocket“ war 1983 Dexters Debüt, das auch 27
Read More KickAss – Bloody Splinters aus dem Wahnsinn unserer Branche: (TW) SPIEGEL ONLINE hat uns schon immer viel Freude gemacht mit Artikeln zur Kriminalliteratur, die so ulkig sind, dass man sie für Parodien auf Kompetenz-Journalismus halten könnte, oder auch, besonders apart. Nur noch ärgerlich hingegen, weil indolent üblen Realien gegenüber, ist allerdings dieses perfide Stückchen Gefühligkeitskitsch-Journalismus, das Tobias Gohlis aufgespürt und hier zu Recht gegeißelt hat. Bitte beachten Sie auch den vertiefenden Kommentar der Ärztin, Psychotherapeutin und Autorin Anne Kuhlmeyer zu der ganzen ekligen Kiste. (TW) Richtig putzig und drollig, nachgerade
Read More Wir freuen uns, Ihnen ab heute Christopher G. Moores Views from Bangkok präsentieren zu dürfen. Wöchentlich! Moore hat wegen seiner großartigen Vincent-Calvino-Romane, die seinerzeit bei metro erschienen waren, in Deutschland immer noch eine große Fangemeinde, die mit neuem Stoff zu versorgen, uns Ehrensache ist. Avoiding farangs Or TRIBAL SEATING ARRANGEMENTS NOT FOUND IN THE LONELY PLANET When someone says the past is a foreign land, they describe a lot of old movies and TV shows. Minorities were cut out figures in films and TV that played to our collective prejudices.
Read More Le vin de l´assassin / Der Wein des Mörders (Auszug) von Charles Baudelaire: Je l´ai jetée au fond d´un puits, Et j´ai meme poussé sur elle Tous les pavés de la margelle. – Je l´oublierai si je le puis! Ich stieß sie in den Brunnenschacht Und warf auf sie sehr froh und munter Die Mauersteine noch hinunter. – Vielleicht vergeß ich sie heut Nacht! (Übersetzung: Carl Fischer, 1960) Charles Baudelaire greift mit diesem Vers ein Motiv des „Lykanthrop“ (Wolfmann) Pétrus Borel auf, der, 1809 geboren, – Mario Praz in „Liebe,
Read More Buchstaben 1 bild / 100 worte Im Schleppnetz gefangen, getötet & ausgenommen für Belugakaviarperlen so winzig schwarz wie schwarze Löcher made by CERN wo’s aber noch hapert & die Löcher noch winziger geraten wollen, wenn überhaupt… O! du Luftblase im seichten Tümpel, o du Stern auf dunklem Grund, sei meine Schnauze, sei meine Schleimschuppe, sei meine Eleganz & symmetrische Störung! Erkenntnis! Erkenntnis! sag Vonnegut, willst du, leg deine Flosse in meine, willst du, o Vonnegut, wir eins in eins, Vonnegut? Fischige Liebe make me young, flitsch flitsch darling & höre!
Read More Zum Jahresbeginn hat unsere Autorin Christina Mohr ein wenig über all die Möglichkeiten kontempliert, die nun vor uns liegen - und gleich noch die passende Musik dazu herausgesucht. Wem das nicht reicht, dem gibt sie auch noch was zu lesen mit auf den Weg.
Read More Queen Daphne ist von Beruf Was-mit-Medien sowie Seismographin und wohnt in Berlin-Neukölln. Die "Feldaufnahme" ihrer Wege und Umwege ist für uns ein selbstverständlicher Akt der modernen Aufklärung…
Read More Botschaften 1 bild / 100 worte Während er sein Labor aufräumt, singt der irre Wissenschafter Weihnachtslieder. Vom Himmel hoch. Es ist ein Ros. Kommt ein Schiff. Maria durch. Draußen der eisige Winter; drinnen die Destille blubbert grün und karmesinrot. – Der irre Wissenschafter am Telefon: Hallo? Eine Empfängnis durch das Ohr ist kein Wunder, ein Wunder ist, wer daran glaubt! – Auf der Fensterbank liegt die Karte von Maman: Geliebter Sohn, achte auf die Botschaften, die Dir die Tiere im Schnee hinterlegen. – Maman ist lange tot. Noch immer rätselt
Read More Der Roman: Ein ekelhafter Leichnam (Un cadáver asqueroso) – Vergangenes Jahr begannen die Diez Negritos einen Online-Krimi zu verfassen. In ironischer Anlehnung an die surrealistische Methode des cadavre exquis („köstlicher Leichnahm“) betiteln sie ihren Gemeinschaftsroman mit „Ein ekelhafter Leichnam“ („Un cadáver asqueroso“); und tatsächlich präsentiert uns im ersten Kapitel ein Gerichtsmediziner einen unerklärlich ekelhaften Leichnam in einer Stadt, die Merkmale von allen möglichen hat und keine einzige ist … Nach der Maxime von Paco Ignacio Taibo II, derzufolge die Anarchie die einzige natürliche Ordnung ist, folgt der Roman keinem vorgefertigten
Read More Superhelden – Mythen – Trikots – Ein XXL-Prachtband beschäftigt sich mit Superman & Co und mit dem Geschäft des Mythenmachens. Thomas Wörtche hat ein paar Assoziationen dazu … Als Prometheus den Adler, der ihm ein paar Ewigkeiten lang zugesetzt hatte, dann letztendlich wie ein gemeines Brathähnchen zubereitet seinen Freunden servierte (nachzulesen in André Gides „Prométhée mal enchaîné“), konnte man deswegen noch nicht davon ausgehen, dass „Mythen“ ab sofort nur noch ins Ästhetische – denn diese Pointe ist ästhetisch – entsorgt und so von den Modernen Zeiten erledigt worden wären. Au
Read More Verbrechen kennt keine Ideologie – „Wenn du auf die Welt kommst, greift ein Engel nach der Geige und spielt eine Melodie, nach der du dein Leben lang tanzen wirst. Immer dasselbe Lied. Bei deinen Geschäften, deinen Freunden, bei allem. […]. Der Geige des Engels entkommt keiner“ (S. 126). Zu allen Zeiten gibt es Verbrechen, in demokratischen Ländern genauso wie in sozialistischen oder in Diktaturen. Verbrecher finden immer und überall ihre Nische, arrangieren sich mit Polizei, Militär, Wirtschaftsbossen und Funktionären und scheren sich meist reichlich wenig um politische Ideologien oder ethische
Read More Bloody Chops – Heute choppen Henrike Heiland (HH), Frank Rumpel (rum) und Friedemann Sprenger (Frisp) Must-Have (HH) Doch, unbedingt. „Vatermord“ ist der sechste Fall für DCI Jordan und Profiler Hill, eignet sich aber auch für Quereinsteiger. Es geht um einen Serienkiller, um Jugendliche, die via soziale Netzwerke geködert werden, um politische Streitigkeiten – Revierpissen eigentlich – innerhalb der Bradforder Polizei. Jordan kämpft an allen Fronten, Hill darf diesmal nicht direkt am Fall mitmachen. Er wühlt dafür in seiner eigenen Vergangenheit rum, was an sich schon Stoff für ein Buch ist.
Read More Posted On Dezember 15, 2010By Peter MuenderIn Kunst, Litmag
Kunstwerke aus Polizeiklamotten – Der Künstler Peter Rösel arbeitet mit viel Witz und Fantasie – Peter Münder hat sich die Hamburger Ausstellung im Ernst Barlach Haus angesehen. Eine schrumpelige kaktusartige Dornenhecke an der Eingangstür des Barlach Hauses, prächtige grün-weiß schimmernde Seerosen im geräumigen Atrium: Man könnte das für dekoratives Beiwerk für eine dieser nervtötenden Klimakatastrophenkonferenzen halten. Doch Peter Rösel, 44, in Marokko und dem Irak aufgewachsen und in Berlin-Weißensee lehrender Kunstprofessor, fordert dem Betrachter mit seinen Installationen, Skulpturen und Bildern gern den zweiten Blick, das genauere Hinsehen ab: Die Dornenhecke besteht
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