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Der Geruch des Rheines. Eine Sammlung aus Texten, replizierten Originaldokumenten und Bildzeugnissen über das komplizierte Verhältnis von Heinrich Böll zu Köln animiert dazu, die Ansichten eines Literaturnobelpreisträgers mal wieder aus dem Bücherregal zu ziehen. Vor allem die Domstädter selbst könnten sich verwundert die Augen reiben. Von Bruno Arich-Gerz Bei „Böll und Köln“, mutmaßte Werner Koch 1979 in einem Gespräch mit dem Literaturnobelpreisträger, das sich wiederabgedruckt in dem soeben erschienenen Text- und Bildband „Köln gibt‘s schon, aber es ist ein Traum“ findet, liegen die Dinge anders als bei „Grass und Danzig“Read More

Posted On November 26, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Christoph Brumme: Ein Gruß von Friedrich Nietzsche

Zwischen Morgenröte und Repression – Zum 25jährigen Jubiläum des Mauerfalls legt der 1962 in der ehemaligen DDR geborene Christoph Brumme einen Roman über die Endphase seines Heimatlandes vor und beleuchtet dabei ebenso die paranoide Logik der Macht als auch die sich im real existierenden Sozialismus eröffnenden Freiräume und Schlupfwinkel der Subkultur am Prenzlauer Berg. Von Karsten Herrmann Christoph Brumme erzählt in seinem dreiteiligen Roman von dem Trio „Bobby“ Fischer, Paul Hansen und Franz Schönlein, die in Berlin ein Leben abseits der eingefahrenen Bahnen und der angsterfüllten Anpassung leben. So schlägtRead More

Posted On November 26, 2014By Senta WagnerIn Bücher, Litmag

Bernd Schuchter: Föhntage

Erinnerungen purzeln aus dem Mund –Was den Föhn angeht, hat man es mit einer speziellen Wetterlage zu tun. Die warmen Fallwinde können einem viele milde Tage bescheren. Der Föhn in Innsbruck muss ein noch speziellerer sein; er ist emblematischer Teil des Romantitels „Föhntage“ des Innsbrucker Schriftstellers Bernd Schuchter, der nach 2013 seinen zweiten Roman veröffentlicht. Von Senta Wagner Gleich zu Beginn trocknet der Föhn die Tränen des Protagonisten Josef Lahner – Auslöser des Gefühlsausbruchs, der von Peinlichkeit und Scham bis zu Fremdheit reicht, ist eine schlichte Zeichnung tirolerischer Herkunft. EsRead More

Posted On November 22, 2014By Thomas WoertcheIn Bücher, Crimemag

Tom Clancy/Mark Greaney: Command Authority

Der Kalte Krieg lebt – Good news für Kalte Krieger. Putin baut sich die gute, alte Sowjetunion wieder auf (minus ethnischen Minderheiten), die Amis haben was dagegen, die Europäer gucken dumm aus der Wäsche, und alle prügeln sich wieder fröhlich wie anno dunnemals. Selbst posthum schafft es Tom Clancy, mit seinem drolligen, aber manchmal auch sehr unterhaltsamen Weltbild, so zu tun, als liefere er der Realität die Drehbücher: „Command Authority. Kampf um die Krim“ heißt deswegen auch landserstramm seine neuestes Werk. Aber dennoch hat sich Thomas Wörtche köstlich amüsiert. „WennRead More

Posted On November 22, 2014By Alf MayerIn Bücher, Crimemag

Reading ahead (4): Gerald Seymour

Lean Thriller – Gerald Seymours „Vagabond“ – gleichzeitig Porträt eines verschollenen Autors. Von Alf Mayer Sechzehn Jahre, seit ein Buch von ihm ins Deutsche übersetzt wurde. Es war die tief ins Innere einer Mafiafamilie vorstoßende „Informantin“ (Killing Ground, 1997; dt. 1998), seitdem gibt es ihn nicht mehr bei uns. Dabei ist Gerald Seymour tatsächlich DER BESTE THRILLERAUTOR DER WELT. Jedes Jahr legt er einen neuen Roman vor, der höchsten Thrilleransprüchen mehr als Genüge tut. Ich finde ihn einen unglaublich soliden und dazu ausgesprochen politischen Autor. Seine Romane leisten, was JournalismusRead More

Posted On November 22, 2014By Michael WuligerIn Bücher, Crimemag

Reading ahead (5): Tod Goldberg – Gangsterland

Unser Rabbi, der Killer – Tod Goldbergs Mafia-Farce „Gangsterland“  ist nicht sehr realistisch. Aber sehr vergnüglich, Mike Wuliger hat sich amüsiert. Falls Sie Mitglied einer jüdischen Gemeinde sind und Ihnen Ihr neuer Rabbiner irgendwie komisch vorkommt, sollten Sie Tod Goldbergs „Gangsterland“ nicht lesen. Es könnte sie weiter verunsichern. Sal Cupertine ist ein erfolgreicher Auftragskiller der Mafia in Chicago. Hunderte Jobs hat er bereits effizient erledigt, ohne je belastende Indizien zu hinterlassen. Bis er  eines Tages einen Blackout hat und in einem Hotel drei FBI-Agenten umbringt, minutiös aufgezeichnet von einer Überwachungskamera.Read More

Posted On November 22, 2014By Die RedaktionIn Bücher, Crimemag

Bloody Chops

Bloody Chops – schnell, auf den Punkt, rare … Heute choppen Klaus Kamberger (KK) Leonhard M. Seidls „Letzte Ausfahrt Giesing“, Thomas Wörtche (TW) Andrea Grosso Cipontes und Dacia Palmerinos Comic-Adaption von Friedrich Schillers „Geisterseher“ und Alf Mayer (AM) Charly Wellers „Eulenkopf“. Zahnstocher ins Ungewisse (KK) Man könnte sich das etwa so vorstellen: Ein gestandener Schreibkünstler, der sich schon hier und dort dichtend versucht hat – prosaisch, theatralisch, verseschmiedend – beschließt, erfolgsorientiert in einen Mainstream einzumünden und gleichzeitig zum Behuf eines Alleinstellungsmerkmals den ganz, ganz neuen Ton zu finden, will sagen:Read More

Posted On November 22, 2014By Alf MayerIn Bücher, Crimemag

Alf Mayers Nachtrag zum Charles-Bowden-Nachruf

Das hätte Chuck gefallen Ein Nachtrag zu unserem Nachruf auf Charles Bowden – von Alf Mayer „Das hätte Chuck gefallen, als Autor serialisiert zu werden wie Dickens“, mailte mir vor einigen Tagen Molly Molloy, die Lebensgefährtin des kürzlich verstorbenen amerikanischen Autors Charles „Chuck“ Bowden. (Zu seinem CM-Nachruf geht’s hier.) Er starb am 31. August dieses Jahres, wenige Tage, nachdem er seine letzte Geschichte Korrektur gelesen hatte. Jetzt ist sie erschienen, zwischen dem 17. und 20. November 2014, als Dreiteiler, prächtig illustriert vom New Yorker Künstler Matt Rota, als ein MusterbeispielRead More

Posted On November 19, 2014By Frank GoehreIn Bücher, Litmag

Debütantinnen (Teil 2): Lappert, Trompeter, Pfeifer

Frank Göhre wirft einen Blick auf aktuelle Debütromane. Diesmal betrachtet er die deutschen Autorinnen Simone Lappert, Julia Trompeter und Judith Nika Pfeifer. Genauer Blick Ihr Vorname beginnt und endet mit einem „a“. Es ist ein kurzer Name: Ada. Und ebenso kurz ist ihre Geschichte. Sie endet, wie sie begann. Anfangs nämlich steht Ada im Pyjama am Fenster und kaut auf dem Ende ihres Haarzopfs herum. Und das tut sie auch im Schlusskapitel des Debütromans der Schweizerin Simone Lappert. Nur den Pyjama trägt sie da nicht mehr. Den legt sie inRead More
Wütende Streitschrift mit ernüchterndem Fazit – Tina Manske über Karen Duves gut recherchierten Essay, der provozieren, unterhalten und aufrütteln möchte. Jeder, der die Nachrichten sieht und die Zeitung liest, weiß es: Die Menschheit steht am Abgrund. Kein Tag vergeht, ohne dass eine verheerende Naturkatastrophe oder neue Klimarekorde gemeldet werden. Auf Klimagipfeln treffen sich die Mächtigen der Welt, diskutieren eine Weile über Maßnahmen zur Bewältigung der sich rasch verändernden Verhältnisse, und trennen sich dann wieder, ohne verpflichtende Maßnahmen zu beschließen, während in der Arktis ein Eisbär auf seiner letzten Scholle treibt.Read More
Wahrhaft große Bücher – Eine Feier des Geistes und der menschlichen Selbstreflektion – Alf Mayer über Georg Brunolds Mammutwerke „Nichts als die Welt“ und „Nichts als der Mensch“. Man muss sich Georg Brunold als einen glücklichen Sisyphos vorstellen. Seinen großen Arbeiten gelingt immer wieder ein glückliches Ende – und das macht auch uns als Leser glücklich, ja überglücklich. Einige wahre Wackersteine hat Brunold uns über die Jahre seit seinem „Afrika gibt es nicht“ (1994) beschert. Es sind Bücher, von denen sich lange zehren lässt. Bücher, die als Eckpfeiler einer häuslichenRead More

Posted On November 19, 2014By Sophie SumburaneIn Bücher, Litmag

NoViolet Bulawayo: Wir brauchen neue Namen

Aus dem Paradies nach „mein Amerika“ – In einem zunächst namenlosen afrikanischen Land lebt die zehnjährige Darling mit ihren Freunden und der Mutter in einer Blechhüttensiedlung namens „Paradies“. Täglich ziehen sie los, um in „Budapest“, dem Stadtteil der Reichen, Guaven zu klauen, was nicht selten das Einzige ist, was ihre Kinder am Tag zum Essen bekommen. In ihrem Debütroman „Wir brauchen neue Namen“ zeichnet die Autorin NoViolet Bulawayo, die gebürtig Elizabeth Zandile Tshele heißt, eine Kindheit nach, die zwischen Sehnsucht, Freude und Enttäuschung pendelt. Von Sophie Sumburane Darling erscheint demRead More

Posted On November 12, 2014By Peter MuenderIn Bücher, Litmag

Lutz Seiler: Kruso

Es war noch nie so wie bei Kruso – Ist Lutz Seilers mit dem Buchpreis ausgezeichneter „Kruso“ wirklich ein Roman? Oder eher eine anthropologische Studie, die das Leben einer Außenseitertruppe auf Hiddensee aus der Perspektive eines hypersensiblen Trakl-Adepten beschreibt? Von Peter Münder Als Tellerwäscher-SK (Saisonkraft) hatte Lutz Seiler, jetzt 51, auf der Insel Hiddensee im „Klausner“-Gasthof während des Wendesommers ’89 gearbeitet. Die damaligen Erfahrungen in dieser äußersten DDR-Ecke mit dem Blick aufs verheißungsvolle dänische Inselchen Møn – für einige Republikflüchtlinge das ultimative, erlösende Refugium – hatte Seiler damals zwar schonRead More

Posted On November 12, 2014By Die RedaktionIn Bücher, Litmag

Thomas Pynchon: Bleeding Edge

Ein Buch, zwei Lesekonsequenzen: Während Karsten Herrmann den Roman als „furioses Literaturspektakel“ euphorisch begrüßt, hat Gisela Trahms die Lektüre entnervt abgebrochen. Unfassbar cool Thomas Pynchon, die Galionsfigur des postmodernen Romans, ist einer der bedeutendsten und zugleich unsichtbarsten Vertreter der Gegenwartsliteratur. Seit Jahrzehnten gibt es von dem studierten Physiker keine öffentlichen Auftritte und noch nicht einmal Fotos. Zahlreiche Gerüchte und Geheimnisse ranken sich um den offenbar wie ein Geist durch seine Heimatstadt New York streifenden 77-Jährigen, der jetzt mit wieder einem großen Roman über die Wochen nach dem Platzen der Dotcom-Blase undRead More

Posted On November 12, 2014By Doris WieserIn Bücher, Litmag

Ngugi wa Thiongʼo: Der Fluss dazwischen

Von der Unvereinbarkeit zweier Kulturen und Religionen – Das Aufeinanderprallen zweier Kulturen, zweier Weltsichten, zweier Religionen, die beide für sich Anspruch auf Alleingültigkeit, Wahrheit und Reinheit stellen, ist das zentrale Thema von „Der Fluss dazwischen“ des kenianischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Ngugi wa Thiongʼo (*1938, Kamiriithu), der im Mai dieses Jahres den Ehrendoktor der Universität Bayreuth erhielt. 1966 erstmals erschienen, drei Jahre nach Kenias Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, spielt der Roman noch während der Kolonialzeit, als das zentrale Hochland der Gikuyu (auch Kikuyu), im Gebiet zwischen Nyeri und Nairobi, noch nichtRead More

Posted On November 8, 2014By Thomas WoertcheIn Bücher, Crimemag

Declan Burke: Absolute Zero Cool

Uncool – Alter Wein in neuen Schläuchen heißt die etwas schräge Metapher für den Versuch, Altbekanntes als besonders originell zu verkaufen. Ein Musterbeispiel für ästhetische und intellektuelle Abzocke ist „Absolute Zero Cool“ von Declan Burke. Mundus vult decipi ist alles, was Thomas Wörtche dazu einfällt. „Absolute Zero Cool“ von Declan Burke ist kein Kriminalroman, wie auf dem Umschlag zu lesen ist. Das Buch des irischen Schriftstellers ist ein Meta-Kriminalroman. Ein Roman über mehrere Romane, über das Verfertigen von Romanen, über die vorsätzliche Vermischung von Fiktionen und Realitätsfiktionen, ein Roman überRead More

Posted On November 5, 2014By Markus PohlmeyerIn Bücher, Hörbuch, Litmag

Theodor Fontane: Der Stechlin (Ein Essay)

Nur ein See? Der Große Stechlin – Fontanes Reise in die Unterwelt. Ein Essay von Markus Pohlmeyer  Prolog Beim wiederholten Hören von Theodor Fontane „Der Stechlin“, gelesen von Gert Westphal[1] … Der Stechlin der Wanderungen Er ist eine Provinzgröße und steht in empathischer Verbindung mit der ganzen Welt. Er ist ein Seismograph für politische Umwälzungen. Er ist ein See: der Große Stechlin. Fontane hat ihm ein literarisches Denkmal gesetzt, in seinen Wanderungen und im gleichnamigen Roman „Der Stechlin“. Hier soll nur auf den Stechlin der Wanderungen eingegangen werden. Die WanderungenRead More

Posted On November 5, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

David Cronenberg: Verzehrt

„Gerade krank genug, um gut zu sein“ –Mit 70 Jahren legt der mit Filmen wie „Die Fliege“ oder „Naked Lunch“ berühmt gewordene Regisseur David Cronenberg sein literarisches Debüt vor. Die spannende Frage dabei: Gelingt es ihm in der Schriftsprache wie in seiner Bildsprache eine suggestive Sogkraft zu entfalten und in magisch-dunkle Welten zu entführen? Von Karsten Herrmann. Diese Frage ist zunächst einmal mit „Jein“ zu beantworten. In abwechselnden Wellenbewegungen enttäuscht und packt der Roman, der ohne Zweifel gut geschrieben ist, aber vom Plot her ziemlich krude erscheint. Doch worum gehtRead More
Des Meisters Erfolgsrezept: Der Klassik-Krise mit Bezug zu aktuellem Kontext beikommen! –Peter Münder über Kent Naganos „Erwarten Sie Wunder“. In der nächsten Spielzeit wird Kent Nagano in Hamburg als Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Oper sowie der Philharmoniker den Spielplan gestalten. Der Dirigent ist zwar kein Missionar, aber er will unbedingt verhindern, dass sich der Dornröschenschlaf in den Konzerthallen fortsetzt, wo ein eher betagtes Publikum sich an einen Spielplan mit Evergreens der klassischen Musik gewöhnt hat und keine neuen Impulse mehr erwartet. Nagano will dagegen sozusagen als „Groß-Motivator“ der Klassik einRead More

Posted On November 5, 2014By Elfriede MuellerIn Bücher, Litmag

Olga Grjasnowa: Die juristische Unschärfe einer Ehe

Heute hier, morgen dort – Elfriede Müller über Olga Grjasnowas zweiten Roman. Die Globalisierung brachte ein internationales akademisches Prekariat nach Berlin, das sich von früheren Einwandergenerationen mehr unterscheidet als von eingeborenen Hipstern. Wenn Vertreter dieser Spezies literaturtauglich sein sollen, muss ihre Originalität durch Ursprungsmythen begründet werden. Die preisgekrönte Autorin Olga Grjasnowa bemüht „den wilden Kaukasus“, wie ihre Heimatstadt Baku in Aserbaidschan im Klappentext genannt wird, um „Jules und Jim“ zu erzählen. Das sind Leyla, Altay und Jonoun. Altay und Jonoun lieben Leyla und Leyla liebt vor allem sich selbst. WeilRead More

Posted On Oktober 29, 2014By Joachim FeldmannIn Bücher, Litmag

Willi Winkler: Deutschland, eine Winterreise

Altbekanntes, wohlformuliert –Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sich der Verlagsangestellte Johann Gottfried Seume vom sächsischen Grimma auf in die Welt. Zweimal musste er während dieser Wanderung, die ihn bis nach Sizilien führen sollte, seine Stiefel neu besohlen lassen. Bereits 1803 erschien sein Reisebericht „Spaziergang nach Syrakus“ und wurde ein beachtlicher Erfolg, der ein neues Genre begründen sollte. Schon bald waren allerorten Schriftsteller zu Fuß unterwegs, um anschließend ihre Erfahrungen zu Papier zu bringen. Auch im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert war der literarische Reiz der Wanderung ungebrochen: DerRead More

Posted On Oktober 29, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Thomas Melle: 3000 Euro

Ausflug in die Unterschicht – Schon lange beklagt das deutsche Feuilleton, dass gerade auch in der jungen Literatur hierzulande das wirkliche Leben am sich vergrößernden Rande der Gesellschaft ausgeblendet bleibt und die mehr oder weniger vom Ennui geprägte Selbstbespiegelung bürgerlich-akademischer Mittelschichts-Töchter und –Söhne vorherrsche. Dankbar wurde daher Thomas Melles in der Welt der Discounter und der Pornos, der Tafeln und Obdachlosenasyle angesiedelte Roman „3000 Euro“ aufgenommen und prompt auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gehievt. Doch leider erweist sich Melles Ausflug in die Unterschicht beim näheren Lesen als Flop. ImRead More
Gerechtigkeit vor Recht Das Krimigenre feiert den Untergang des Rechtssystems als großen Erfolg von Moral und Gerechtigkeit. Ein Essay von Walter Delabar.  1. Das irritierte Recht Die Verunsicherung über die Funktionsfähigkeit des Rechtssystems geht weit zurück und hängt eng mit der Konstitution der modernen, mithin offenen Gesellschaft zusammen. Gerade das Krimigenre hat dem immer wieder Ausdruck gegeben. Die Ermächtigung gesellschaftlicher Instanzen wie des Individuums, wie sie in der politischen Philosophie diskutiert werden, basiert direkt auf der Ablösung des ancien regime, das ja selbst bereits – so sehr es noch derRead More

Posted On Oktober 25, 2014By Thomas WoertcheIn Bücher, Crimemag

James Lee Burke: Regengötter

Reinstes Genre, reinste Literatur – Endlich ist er wieder da, James Lee Burke, der wuchtige, kantige, kauzige, spökenkiekerische und grandiose Schriftsteller, der wesentlich dazu beigetragen hat, Genre als Literatur zu etablieren und dabei Genre zu bleiben. Heyne Hardcore startet sein James-Lee-Burke-Projekt mit „Regengötter“. Eine Besprechung von Thomas Wörtche. „Imperien kamen und gingen. Die unbezwingbare Natur der menschlichen Seele hingegen lebte ewig fort.“ So lautet der vorletzte Satz von James Lee Burkes monumentalem Roman „Regengötter“. Eine philosophischen Sentenz also, die zu dem mythischen Grundakkord des Titels passt. Ganz und gar prosaischRead More

Posted On Oktober 25, 2014By Peter MuenderIn Bücher, Crimemag

Donna Tartt: Der Distelfink

Kunst, Koks, Chaos – Sie lässt sich neun oder zehn Jahre Zeit für einen Roman: Wenn Donna Tartt jetzt ihren dritten Roman „Der Distelfink“ vorlegt, dann steht dahinter nach Ansicht vieler Kritiker auch der Anspruch, mindestens Proust, Tolstoi, Dostojewski und JD Salinger zu übertrumpfen. Eine Rezension von Peter Münder. Steckt eigentlich in jedem Menschen ein Hang zum „fatal flaw“, ein morbider Drang zu düster-pittoresken Effekten und psychischen Extremsituationen um jeden Preis? Diese Frage stellte sich der Ich-Erzähler Richard Papen schon im ersten Satz von Donna Tartts erstem Roman „The SecretRead More

Posted On Oktober 22, 2014By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag

Kenneth Mackenzie: Was sie begehren

Glück & Elend der Pubertät –Wolfram Schütte über den vielgesichtigen Internatsroman „Was sie begehren“. Wer mag bei Hanser Berlin auf den Autor gestoßen & auf die Idee gekommen sein, Kenneth Mackenzies Roman „The Young Desire It“ nun unter dem deutschen Titel „Was sie begehren“ zu publizieren? Schließlich passiert es ja nicht alle Tage, dass einer unserer Verlage ein 1937 ersterschienenes Buch eines für uns ohnehin völlig unbekannten australischen (!) Autors übersetzen lässt & ohne publizistischen „Begleitschutz“, gewissermaßen „schutzlos“, dem deutschen Markt zuführt, auf dem die Kritiker wie die von ihnenRead More