Erinnerung an einen verstummten Poeten – Mit Friedhelm Sikora ist ein Lyriker von uns gegangen, dem die deutsche Sprache ein paar wundervolle Gedichte verdankt. Ich hätte mir noch einige mehr davon gewünscht. Von Michael Zeller. Als mich dieser Tage aus Bamberg die Nachricht von seinem Tod erreichte, mit dreiundsechzig Jahren, fand ich nach dem ersten Entsetzen keinen besseren Trost, als zu seinen beiden Lyrikbänden zu greifen, die bald schon ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel haben: „Wer nie sein Brot mit Zähnen aß“ und „Freier Fall“, beide 1989 auf einen Schlag
Read More Die Entdeckung der Langsamkeit – Vollgestopfte und Kontinente überbrückende Chartermaschinen, überfüllte Strände, All-inclusive-Hotelanlagen und mit klickenden Kameras von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzende Touristengruppen – so sieht das (Klischee-)Bild des modernen Tourismus aus, das schon den großen Reiseschriftsteller Bruce Chatwin zu dem Ausspruch verleitete: „Tourismus ist eine Todsünde.“ Von Karsten Herrmann Ganz in diesem Geiste stellt Dan Kieran in seinem Buch „Slow Travel“ eine andere Art des Reisens dar, die sich fernab vom „Zwangskorsett“ der Reiseführer und der damit verbundenen Touristenrouten abspielt. Erhellend zeigt er, wie die Sehnsucht so vieler Menschen
Read More Rockstar im Herzen – Shakunda im Stern, ein kleines Lesecafé im Leipziger Süden, perfekt gelegen auf der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße. Normalerweise findet hier die Lesebühne Leipzig statt, eine freie Lesebühne, zu der zwei Autoren oder Autorinnen durch die Moderatorin geladen werden. Außerdem gibt es vier Leseplätze für Autorinnen und Autoren, Schreibende und Dichtende, die gern ihre Texte einem Publikum präsentieren möchten. Ein Mischkonzept, dass auch am vergangenen Freitag, den 07. Juni wieder mehr als gut funktionierte. Ein Bericht von Sophie Sumburane. Geladen war dieses Mal jedoch nur einer, der Essener Autor
Read More Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang: Ab Juni erscheint bei CULTurMAG wöchentlich für ein Jahr Michael Zellers SEH-REISE in zweiundfünfzig Ausfahrten, ein „Tagebuch in Bildern”: Betrachtungen zu Kunst und Leben, von den ägyptischen Pharaonen über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute: René Magritte: Der falsche Spiegel. (Alle Folgen hier). Dreiundvierzigste Ausfahrt „Der Verrat der Bilder“ heißt ein frühes Werk René Magrittes. Das ist die Sache mit der Pfeife. Fotogetreu abgemalt, prangt sie mitten im Bild und sammelt alle Aufmerksamkeit auf sich. Der Maler
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche, jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die zweite Fuhre, viel Vergnügen: „Please to you will post my link on your blog.Your book is a shit.“ ~ God, I hope English is her second language. — TheBloggess (@TheBloggess) 5. Juni 2013 Heute gelernt, dass der Fachbegriff für „Bücher so in ein Regal quetschen, dass möglichst viele reingehen“ die „chaotische Aufstellung“ ist. — Stephan (@therealstief) 5. Juni 2013 Das beste stilistische Mittel ist immer noch
Read More Fällt auseinander 1 bild / 100 worte Dieses – All voller Löcher und Fliehkräften fällt irgendwann auseinander, sofern die Buchstaben von Feuer an der Wand richtig gelesen wurden von den Herren & Damen Wissenschaftlern, welche via öffentliche Förderung die Apokalypse beschwören. Was lässt sich mit Steuergeldern auch Besseres anstellen? Letzte Dinge trösten, zumal, wenn sie in dunkler, mächtiger Sprache von einer Vernichtung erzählen, die hinter dem hintersten Licht der Sterne auf uns zurast, oder doch auf das, was von uns in dieser fernen Zukunft noch da sein wird, ohnmächtig Strebende,
Read More Der Interpret Er bekommt keine Briefe, hinterläßt keine Nachsendeadresse; nimmt ohne Ausweis und ohne Reiseziel Flüge auf verlassenen Rollbahnen. Er interpretiert Zeichen, die längst niemanden mehr kümmern; er jagt entweichenden Horizonten der Welt hinterher, die einst Heimat war. Seine Hände zittern, seine Schuhe sind abgeschlurft, sein Geist ist gespalten in Zonen unaufgesprengter Muscheln. Eines Tages wird er die Paßwörter vergessen: Falltüren werden gähnen zwischen seinen Substantiven und den Dingen, die sie benennen. Aus dem Englischen übertragen von Jürgen Brocan Dichter wie den 1969 in Bombay geborenen Ranjit Hoskotè sind
Read More Am 7. Juni vor 33 Jahren ist Henry Miller in Los Angeles gestorben. Christopher G. Moore hat die Memoiren des Fotografen Brassaï („Henry Miller: The Paris Years”) gelesen und blickt zurück auf Millers Frankreich-Aufenthalt, dessen stürmische Ehe mit June Edith Smith Mansfield seine und Beziehung zu Anaïs Nin. Re-imagining Henry Miller – In Bangkok and New York, Barney Rosset told me many stories about Henry Miller. He’d published Miller and knew the author personally. My views about Henry Miller have been shaped by Barney’s recollections over the years. Richard Seavers also
Read More Posted On Juni 5, 2013By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, das MusikMag pausiert, im LitMag erwarten Sie folgende Themen: Am 7. Juni vor 33 Jahren ist Henry Miller in Los Angeles gestorben. Christopher G. Moore hat die Memoiren des Fotografen Brassaï („Henry Miller: The Paris Years”) gelesen und blickt zurück auf Millers Frankreich-Aufenthalt und dessen Beziehung zu seinen Musen June Edith Smith Mansfield und Anaïs Nin. Das Jean-Paul-Gedächtnisjahr rund um den 250. Geburtstag des Dichters bringt weiter interessante Bücher hervor – Wolfram Schütte stellt die fulminante Bildbiografie „Das Wort und die Freiheit“ vor. Außerdem empfiehlt Tina Manske die Christian
Read More Klischeefreier Blick auf das Reich der Mitte – Christian Y. Schmidt, Ex-Redakteur der Titanic und mittlerweile wohnhaft in Peking, schreibt regelmäßige Kolumnen für die taz, in denen er aus seinem Alltag in China berichtet. Ein Alltag, der so ganz anders ist, als das, was man in den sogenannten „Leitmedien“ über das Riesenreich erfährt. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die deutsche Komikerin Martina Hill („Knallerfrauen“) in China ungefähr so bekannt ist wie bei uns Mr. Bean, und ebenso beliebt? Vielleicht liegt es ja daran, dass ihre Sendung bei den Chinesen
Read More Fulminantes Eingedenken – Die Jean-Paul-Bildbiografie blättert Leben & Werk einlässlich auf. Von Wolfram Schütte. Zeitgenau zum 250. Geburtstag hat man es nicht geschafft. Aber das literarische Prachtstück, das jetzt der Schweizer Nimbus Verlag mit seiner Bildbiografie von Jean Paul unter dem Titel „Das Wort und die Freiheit“ vorlegt, ist dennoch das opulenteste Geburtstagsgeschenk für das Erinnern des großen, einzigartigen Jubilars. Der Herausgeber & Autor Bernd Echte, der den großformatigen Band mit Zeugnis-Materialien aus einer Vielzahl von Museen gepflastert (wie einst der Weg zur Rollwenzelei mit Granitsteinen) und gespickt hat wie
Read More Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang: Ab Juni erscheint bei CULTurMAG wöchentlich für ein Jahr Michael Zellers SEH-REISE in zweiundfünfzig Ausfahrten, ein „Tagebuch in Bildern”: Betrachtungen zu Kunst und Leben, von den ägyptischen Pharaonen über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute: Tafelbild einer Heiligen in der Kathedrale von Santa Fé (Alle Folgen hier). Zweiundvierzigste Ausfahrt Große Kunstgenüsse, flüstert mir die europäische Blasiertheit ein, sollte ich hier nicht erwarten. Allzu neu kommt mir ihr Inneres vor. Im späten 19.Jahrhundert erst ist die Kathedrale von
Read More Schlaues Buch – Erinnern Sie sich an die Donald-Duck-Story „Das Goldene Vlies“? Carl Barks schuf diese Geschichte um einen sagenhaften Goldschatz im Jahr 1955, der er in seinem unvergleichlichen Stil ein plausibles historisch-antikes Setting verpasste. Als Kind (und auch noch heute) beeindruckten mich besonders die Harpyien: unansehnliche Wesen mit Vogelkörpern und Frauenköpfen, die eklige Speisen zubereiten und dem goldgierigen Dagobert aufdrängen. Dazu kreischen und lachen sie die ganze Zeit und wirken mehr als furchteinflößend. Dass die Harpyien nicht Barksʼ lebhafter Fantasie entsprungen waren, wusste ich damals natürlich noch nicht. Irgendwann
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche. Ab sofort, jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die erste Fuhre, viel Vergnügen Spandau Ballets »Gold« als Margarinewerbespotsoundtrack. Hole den Maya-Kalender wieder aus dem Altpapier. — fuchsbrom (@formschub) 28. Mai 2013 The next time you’re thinking of reading the comments, do a Google image search for „fluffy puppies“ instead. — Don’t Read Comments (@AvoidComments) 30. Mai 2013 Verwendet man statt Lehm eine leckere Backmischung, kann man den Golem zur Not auch wieder
Read More Kinder-Kriegsgeschichten – Der Film „Lore“ bezaubert zurzeit das europäische Publikum mit der Geschichte eines Mädchens im Sommer 1945. Lore ist Tochter strammer Nazi-Eltern, die nach der deutschen Kapitulation interniert werden und Lore mit ihren drei kleinen Geschwistern und einem Säugling zurücklassen. Ihre einzige Hoffnung ist die tausend Kilometer und drei alliierte Zonen entfernt lebende Großmutter. Rachel Seiffert hat die Romanvorlage „Die dunkle Kammer“ bereits 2001 veröffentlicht und landete mit diesem Erstling prompt auf der Shortlist zum Booker Prize. Dieses Roadmovie der anderen Art flankiert zwei weitere Kinder-Kriegsgeschichten, die weniger dramatisch
Read More Nicht viel Bruch Martina Hefter Tanzen Vorgestellt von Lara Rebecca Rüter tanzen auf einer Party, inmitten von anderen Gästen, die man nicht kennt Von der Bewegung den Aspekt des Imperialen isolieren. Vier Eckchen festzwecken mit einem Hupf. Was in deinem Blickfeld lebt, gehört jetzt dir, aber schlupfe unter, wo du nicht ruhen darfst, flirre im Glitter, aufs nächste Level: fünf Eckchen beherzigen, sie poppen beim Drauftreten auf. Bausche aus Raum. Tauch hinein, grätsche in Nester, lese von Scheiteln der Gäste Pailletten im Gestus des Verschwendens, hangel dir Lämpchen von Wänden,
Read More Posted On Juni 5, 2013By Die RedaktionIn Litmag
Veranstaltungstipp – CULTurMAG-Autorin Sophie Sumburane präsentiert am Freitag den 07. Juni ab 20:00 Uhr eine Lesung von Myk Jung. Der Autor aus Essen kommt zu Besuch nach Leipzig und wird mehrere skurrile, schillernde schwarzhumorische oder surreale Kurzgeschichten lesen. Hier bei Facebook können Fans über die zu lesenden Geschichten abstimmen. Wo: Shakunda im Stern, Karl-Liebknecht-Str. 102, 04275 Leipzig.
Read More Schiller! 1 bild / 100 worte Vor Schillers Gartenhaus gestanden, in die Büsche gestarrt… Rehlein sprang heraus, Rehlein, Rehlein, auf der Wiese von Schillers – das sagten wir schon. Hinterm Gartenhaus thront Goethes Planetarium, läuft grad mit Regen voll, das olle Ding… Nochmal von vorn. Schiller! Es war ein aufregender, beklemmender Frühling im Jahre – das schauen wir später nach – und die Liebeswirren nahmen kein Ende. Bis heute schweigen sämtliche Beteiligten zu den Vorgängen, denn sie sind tot, erlöst von der Kälte jenes trüben Lenzes, im Jahre – eben
Read More Die Geschichte von Ödipus Er hatte versucht, die Rätsel zu lösen, die Dunkelheit zu erhellen in der sich alle bequem einrichteten so sehr sie sie auch bedrückt. Er erschrak nicht vor dem, was er sah, sondern vor der Weigerung der anderen es einzugestehen. Würde er immer die Ausnahme bleiben? Er ertrug die Einsamkeit nicht mehr. Und um seine Nächsten zu finden stach er sich die zwei Stifte tief in die Augen. Doch wieder erfasste er mit dem Tastsinn die Dinge, die niemand sehen wollte. Titos Patrikios Übersetzt von Anna Lazaridou
Read More Das monatliche Preisrätsel – ordnen Sie die Traumwirren und gewinnen Sie einen Buchpreis!
Read More Posted On Mai 29, 2013By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, herzlich willkommen zur Doppelausgabe von LitMag und MusikMag: Science Fiction und Fantasy hatten bisher kaum einen Platz im CULTurMAG. Dies wird sich nun ändern: In ihrer Kolumne „Annes Andere Welten“ schreibt Anne Schüßler ab sofort regelmäßig über interessante Bücher aus Genre und Subgenre vor. Diesmal hat sie ein paar Apokalypsen für uns. Lucy Renner Jones checkt für uns in regelmäßigen Abständen aktuelle Neuerscheinungen deutscher Autoren auf Ihre Aussichten auf dem englischsprachigen Markt. Diesmal hat sie sich Astrid Rosenfeld und ihren neuen Roman „Elsa ungeheuer“ angesehen. Dennis Hopper hielt
Read More Science Fiction und Fantasy kamen bislang im CULTurMAG nur recht selten vor. – Dies wird sich nun ändern: In ihrer Kolumne „Annes Andere Welten“ stellt uns Anne Schüßler ab sofort regelmäßig interessante Bücher aus Genre und Subgenres vor. Diesmal versorgt sie uns mit ein paar interessanten Weltuntergängen. Ein Weltuntergang kommt selten allein – Diesen Monat konnte ich gleich mehrere Apokalypsen erleben, wenn auch glücklicherweise nur auf dem Papier. Sieben Staffeln „Buffy“ haben mich zwar abgehärtet, was Apokalypsen angeht, allerdings konnte man sich damals in Sunnydale wenigstens auf ein paar Konstanten
Read More Wie wird deutschsprachige Literatur eigentlich im Ausland aufgenommen? CULTurMAG wirft einen ungewöhnlichen Blick auf aktuelle Neuerscheinungen. Lucy Renner Jones übersetzt (u.a.) deutschsprachige Literatur ins Englische – und klopft für uns in unregelmäßigen Abständen Neuerscheinungen interessanter Autoren auf Ihre Aussichten auf dem englischsprachigen Markt ab. Diesmal hat sie Astrid Rosenfelds Roman „Elsa ungeheuer“ gelesen. Like opening a can of air freshener – Spanning an arc from the 1960s in southern Germany to the 1980s art scene in Düsseldorf, Astrid Rosenfeld’s latest novel will have you in stitches of laughter, as you
Read More Genie irgendwie – Tom Folsom porträtiert in seiner Biografie einen Schauspieler, dessen Ziel es anscheinend war, vom Enfant terrible direkt zum „grumpy old man“ zu werden. Dennis Hopper hielt den Widerstand gegen den Mainstream wohl wesentlich länger als alle anderen Hippies durch, dennoch musste auch er am Ende kleinbeigeben. Und so stellt sich die Frage, welche Karriere der Mann aus Dodge City gemacht hätte, wenn seine Kapitulation früher erfolgt wäre. Von Andreas Pittler Mit gedruckten Biografien ist das ja heutzutage so eine Sache. In Zeiten, da ein Buch schon vor
Read More Nullnummer – TOOOOR … in Deutschland brüllt uns ein Suhrkamp(!)bändchen entgegen und verspricht: die dramatischsten Schlusskonferenzen aus 50 Jahren Bundesliga. Carlo Schäfer schaltet ein (bzw. ab). Fußballbücher sind Geldmaschinen, spätestens seit 2006. Unzweifelhaft liefert dieser Sport Geschichten, Skandale, Dramatik und nicht zuletzt auf der Ebene des Zitats geradezu surreale Kostbarkeiten. Es gibt die besten Trainersprüche, Spielersprüche, Vorfälle auf dem Spielfeld (Sepp Maier auf Entenjagd, Trainer Rausch von einem Polizeihund in den Arsch gebissen …). Es gibt Enzyklopädien für knapp am Autismus vorbeischrammende Fans, natürlich jede Menge Zitatsammlungen voller Poesie: „Klinsmann
Read More Gedicht-Gedicht Ulrike Almut Sandig alle Anderen blieben verschwunden Vorgestellt von Fabian Thomas alle Anderen blieben verschwunden „schreib auf, was wir hatten.“ wir hatten ein zwei Gedichte, drei bis vier Wochen die hohen Gebäude als unser Urwald tief drinnen wir beide im farbigen Licht einer Straßenbeleuchtung, zwischen den Baumstämmen aus Glas und Metall. Sonne kam nicht vor, so lang ich mit dir ging, so lang hielt sich Regen über uns auf. so lang schwamm uns alles davon: dein Geld, meine Schuhe, die Zeit und mein Wunsch nach Tieren in einem
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