Zeugnis des Ersten Weltkrieges aus einem belgischen Schützengraben – Kurz bevor Stefan Hertmans‘ Großvater starb, vermachte er seinem Enkel sein Tagebuch, das in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg beginnt und kurz vor seinem Tod endet. Der Enkel brauchte drei Jahre um den richtigen Ton zu finden, um die Tagebücher herauszugeben. Nun setzt er mit “Der Himmel meines Großvaters” seinem Vorfahr ein Denkmal – und den meist bitterarmen flämischen Soldaten, die unter französischsprachigen Offizieren als Kanonenfutter in einen ungleichen Krieg geschickt wurden. Wer überlebte, trug sein Trauma ein Leben lang
Read More Faultlines 1 bild / 100 worte Nanosekunden nach dem Big Bang entstanden: kosmische Faultlines. Falls es sie denn gibt. Noch taugen sie vor allem für Science Fiction, als Bruchstelle zwischen zwei All-Zonen, die unterschiedlich schnell abgekühlt sind. Wer durch die proton-dünnen Spalten schlüpft, geht rückwärts in der Zeit und weiter bis zur Sphinx mit ihren scharfen Klauen… Wie das? – Was anderes. Alexander der Große! 32 Jahre wurde der Perserkönig alt, doch bis heute werden Kinder nach ihm benannt: Geh aus, mein Herz, erobere die Welt und dann – Stirb jung
Read More Die Dinge ganz lassen In einem Feld bin ich das, was es nicht ist. Immer ist das der Fall. Wo ich auch binbin ich das was fehlt. Wenn ich gehe, teil ich die Luft, und immer strömt sie nach, um die Räume zu füllen, wo mein Körper gewesen ist. Alle haben wir Gründe, uns zu bewegen. Ich bewege mich, um die Dinge ganz zu lassen. Keeping Things Whole In a field I am the absence of field. This is always the case. Wherever I am I am what is
Read More You are not a gadget – Am Sonntag wird der diesjährige Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Jaron Lanier scheint prädestiniert für die Auszeichnung: der Internetpionier setzt sich seit Jahren für die Entlohnung von künstlerischer Kreativität unter digitalen Bedingungen ein. Aber Laniers Argumentation ist komplexer als ein Plädoyer für Urheberrecht und Buchpreisbindung. Von Kerstin Schoof Jaron Lanier ist Informatiker und Musiker mit Faible für seltene akustische Instrumente, er arbeitet für Microsoft und lehrt an der University of California in Berkeley. Als Entwickler im Silicon Valley der 80er- und 90er-Jahre hat er
Read More Der ideale Reisebericht – Henry D. Thoreau auf „Kap Cod“ – von Alf Mayer. Er sähe nicht ein, warum er nicht genauso gut ein Buch über Kap Cod schreiben sollte wie sein Nachbar eines über „Menschliche Kultur“. Es sei nur ein anderer Name für die dieselbe Sache und wohl kaum der sandigere Teil davon. Jener Nachbar war Ralph Waldo Emerson, als Buch erschienen die Betrachtungen von Henry D. Thoreau über Cape Cod erst drei Jahre nach seinem Tod; 1865, in einer Auflage von 2000 Exemplaren. Der österreichische Residenz Verlag hat
Read More Frank Göhre wirft einen Blick auf aktuelle Debütromane. Diesmal betrachtet er die deutschen Autorinnen Anne von Canal, Ela Angerer und Christine Koschmieder. Immerkalte Hände „Hier bin ich wieder.“ So meldet sich der im Jahr 2005 siebenundvierzigjährige Barpianist Victor Alexander Laurentius Simonsen, Laurits genannt, zu Wort. Geboren und aufgewachsen ist er in einem reichen Stockholmer Vorort, der Vater ein Klinikarzt, die Mutter nervig und mit „immerkalten Händen“. Er blickt zurück, der nur äußerlich erwachsene, in dem ihm von der Autorin Anne von Canal, Jahrgang 73, zugeschriebenen Denken und Fühlen aber noch
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne: Michael Zellers SEH-REISE! Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus und hängt sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen bleibt. Was darauf zu sehen ist, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelt, darüber berichtet Michael Zeller wöchentlich in CULTurMAG. Heute: „Die Saporoscher Kosaken schreiben einen Brief an den türkischen Sultan” von Ilja Repin. Wär‘ doch gelacht! Lachen steckt an –
Read More Therapy Session and Biography – Yalom’s Cure is a biography/documentary on the life of Irvin D. Yalom, Existential Psychotherapist, Emeritus Professor and Writer; living Giant of Existential Psychotherapy. The film is a combination of his biography and his existential therapy philosophy and practice. It is the culmination of all his works both fiction and non-fiction and Yalom attempts to impart the wisdom of his eighty plus years combined with his many years of experience as an Existential Therapist. By Sandi Baker Yalom and his wife and their relationship dominate the
Read More Posted On Oktober 8, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Im Spiegelkabinett der Realitäten und Identitäten – Gerhard Roth ist ein Grenzgänger zwischen den literarischen Genres und hat sich nicht nur durch seine monumentalen Zyklen „Archive des Schweigens“ und „Orkus“ einen Namen gemacht, sondern auch durch zahlreiche Essays, Porträts, Stadt- und Kunsterkundungen oder auch seine Fotografien des Alltäglichen. Er ist ein Autor und Künstler, der sich und die Wirklichkeit nicht gerne festlegt, sondern alle Möglichkeiten offen lässt. Und so führt Roth den Leser auch in seinem neuen, aus den verschiedenen Perspektiven der Beteiligten erzählten Roman „Grundriss eines Rätsels“ in ein
Read More Es gibt so bange Zeiten – Michael Zeller über Oleksandra Kowaljowa, die gerade zwei Sammlungen mit deutschen Gedichten in der von Unruhen gebeutelten ukrainischen Stadt Charkiw herausgegeben hat. Selten ist der Name „Charkiw“ so häufig in deutschen Medien aufgetaucht wie in den letzten Monaten. Die Stadt im äußersten Osten der Ukraine, gerade mal zwanzig Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt, ist mit Beginn dieses Jahres schlagartig ins Zentrum weltpolitischer Auseinandersetzungen gerückt. Der Aufstand der ukrainischen Bevölkerung gegen seine Regierung, der mit dem Name „Maidan von Kiew“ verbunden ist, wurde
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche. Jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die nächste Fuhre. Diesmal dabei: Hey was geht's? Was sind so eure Erkenntnisse aus der Planktonforschung? — FrauNova (@FrauNova) October 1, 2014 Dachte jetzt eine Weile, Alva Noë rede über Play-Doh. Es ging um Plato. Aber wenn ich gross bin, werde ich intellektuell. — z_observer (@z_observer) October 2, 2014 Parents should always tell the truth to their children. Except when children ask how many Indiana Jones movies
Read More An den Rändern 1 bild / 100 worte Wer dort noch lebt: Feen, Trolle, Riesen und Zwerge. Schatten natürlich, und schwebende Gespenster. Tanzende Fichten? Der Haupterzählverlauf schert sich nicht darum, prescht voran, hetzt Menschen auf Menschen (in Freud und Leid), das A und O des Storytelling. Aber die Kinder!, die kein Zauberer täuschen kann. Sie wissen nicht, wo Haupt- und Nebensache liegt und sind für Tricks unempfänglich. Was an den Rändern über bleibt, erleben sie in Träumen… erst Samstag hörten wir davon. Die Anuriden, spinnenartige Wesen, höckeln gleichsam außerhalb des
Read More Durch den Spiegel Liebste, so weit voneinander schlafend teilen wir doch die Nacht. Und wir träumen einander. Erwachte ich jetzt, wäre ich nicht. Ich träume dich, die mich träumt. wenn ich dich wecke, werde ich verschwinden. Aus dem Schwedischen von Verena Reichel Bei der Lektüre der Gedichte von Lars Gustafsson hält man immer irgendwann inne. Man kommt nicht weiter im Verständnis der Verse und fragt sich, was man sich bei vielen Dichtern fragt. Was will uns der Autor damit sagen? Und bei Gustafsson beginnt es manchmal schon bei den
Read More Der Schaman und sein Bär – Stefano Riccis „Die Geschichte des Bären“ ist ohne Frage eins der ungewöhnlichsten Werke der graphischen Literatur. Großflächige Wälder und verlorene Landschaften ziehen als Bilderstrecken am Leser vorbei, mit seltenen Sprechblasen, weiße Schrift auf schwarzem Grund. Oben und unten an den Seiten läuft ein einzeiliger Text mit, der eine eigene Spur verfolgt, ein Reden, ein Erinnern, ein poetisches Wahrnehmen von Welt, das sich mal vom Bildgeschehen weit entfernt, sich dann wieder eng mit ihm verschränkt, und in diesem Miteinander an nichts so sehr erinnert wie
Read More OZ ist tot – Hamburg hat sein Lächeln verloren. Walter Josef Fischer, alias OZ, Hamburgs – und wohl auch Deutschlands – bekanntester Sprayer und Graffitikünstler ist tot. Am 25. September, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wurde er in der Nähe des Hauptbahnhofs Hamburg beim Sprühen eines Tags von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt. Er ist 64 Jahre alt geworden. Sein gewaltsamer Tod, der auf verstörende Weise seinem risikoreichen Leben zu entsprechen scheint, ist eine furchtbare Tragödie und hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen ist. Ein Nachruf
Read More Das vierteljährliche Preisrätsel – finden Sie die gesuchte Knobelexpertin aus der Literaturgeschichte und gewinnen Sie einen Buchpreis!
Read More Posted On September 28, 2014By Die RedaktionIn Comic, Litmag
HINWEIS auf das 8. COMICFESTIVAL HAMBURG Aus Anlass des 8. Comicfestivals Hamburg, das vom 2. Oktober bis 5. Oktober stattfindet, drucken wir eine Rede von Anke Feuchtenberger zum Buch von Stefano Ricci, „Die Geschichte des Bären“ ab. Am Comicfestival stellen die beiden Künstler das gemeinsame Verlagsprojekt Mami Verlag mit der Gruppenausstellung „Mummy!“ vor. Stargäste des Festivals sind: Luke Pearson („Hilda“, „Was Du nicht siehst“), Till Thomas („Rezzo & Elisabeth“) und zwei Künstlerinnen aus dem Umfeld des neuen Comic-Atlas Finnland (hrsg. von Sascha Hommer), Amanda Vähämäki und Anna Sailamaa. Weitere Highlights:
Read More Deutscher Geschichtsunterricht oder: Gespräch mit sich selbst – Christian Petzolds „Phoenix“: ein falsches Melodram als ein richtiges Gedankenspiel. Von Wolfram Schütte Das außerordentlich Schöne an Christian Petzolds brillantem „Phoenix“ ist seine Vieldeutigkeit: eine traumwandlerische Unsicherheit, die dem Thema & Petzold/Farockis künstlerischer Annäherung entspricht. Es ist nicht das Zeichen einer (Aus-)Flucht, wenn Vieles in „Phoenix“ vage bleibt; sondern Ausdruck des geistig-politischen Respekts & des ästhetischen Skrupels Petzolds – im Blick auf das riskant-prekäre Thema. Die Vieldeutigkeit des Films erlaubt den Zuschauern nicht nur, sondern verlangt geradezu von ihnen, sich jeweils selbst
Read More Posted On September 24, 2014By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, willkommen beim Double Feature von LitMag und MusikMag. Alf Mayer blickt ein wenig neidisch in die Schweiz, wie sich die NZZ das Filmmagazin „Frame“ in einer Auflage von 140.000 Exemplaren leistet; Wolfram Schütte hat sich Christian Petzolds vieldeutigen Film „Phoenix“ angesehen und macht sich in einer neuen Folge seiner „Petits riens“ Gedanken über diefeudalistische Struktur der DDR-Gesellschaft, den dänischen Filmregisseur Carl Theodor Dreyer, G.K. Chestertons eben erstmals auf Deutsch erschienene Essays „Euthanasie und andere Übel“ und illegale Zusatzabschöpfungen in der bürgerlichen Gastronomie. Im literarischen Teil interviewt Britta Behrendt
Read More Zeitungskrise? Trotzdem macht der NZZ-Verlag ein Filmmagazin – Ein Blick über den Gartenzaun, von Alf Mayer. Der „Bayernkurier“ wird vom Wochenblatt zum Monatsmagazin, bei der „Liberation“ werden 93 der 250 Stellen gestrichen, auch beim Wiener „Standard“ wird die Axt an die Redaktion gelegt, der „stern“ spart 26 Fachkräfte ein und setzt den Henri-Nannen-Preis aus, angeblich aus Pietätsgründen, weil eine Zwei-Mio-Preisfeier nicht in die Landschaft passe – welch eine verlogene Krokodilsträne, gegen die zu Recht demonstriert wurde, blieb doch die jährliche Rote-Teppich-Gala von Gruner + Jahr (minus 400 Stellen) von Einsparungen
Read More Auf E-Tour (1) – Neue digitale Originalausgaben, frisch durchgewischt von Sophie Sumburane. Auf der Suche nach dem nächsten richtig guten Text – nach guter Literatur – durchforste ich regelmäßig die Feuilletons, Blogs und Bestenlisten. Auf so manche Perle bin ich so bereits gestoßen oder gestoßen worden, doch eines fällt mir auch immer wieder auf: Wo sind die E-Book-Originale? Gibt es keine tollen literarischen E-Books, oder gibt es unter den Rezensenten schlicht keine E-Book-Leser? Ich glaube der Grund dafür liegt nicht bei fehlender Qualität. So manch ein Kritiker und Journalist würde
Read More Posted On September 24, 2014By Christiane QuandtIn Bücher, Litmag
Das Haus der toten Dichter oder: Gespenster gibt es überall. Christiane Quandt über „Die Schwerelosen“ von Valeria Luiselli. Erstaunlich leicht geht die Lektüre dieses hochkomplexen ersten Romans („Los ingrávidos“, 2012 bei Sexto Piso erschienen) der mexikanischen Kosmopolitin Valeria Luiselli von der Hand. Auf verschiedenen erzählerischen wie zeitlichen Ebenen entspinnt sich hier die Geschichte einer jungen Autorin, die sich mit derjenigen des berüchtigten mexikanischen Dichters Gilberto Owen verflicht. Die Geschichten spielen in New York, Mexiko Stadt und Philadelphia, doch erschöpft sich die erzählte Räumlichkeit nicht im Urbanen, auch Innenräume spielen eine
Read More Petits riens (VII) –Wolfram Schütte mit Beobachtungen zu der feudalistische Struktur der DDR-Gesellschaft, dem dänischen Filmregisseur Carl Theodor Dreyer, G.K. Chestertons eben erstmals auf Deutsch erschienenen Essays „Euthanasie und andere Übel“ und illegalen Zusatzabschöpfungen in der bürgerlichen Gastronomie. Glück gehabt. – Klassentreffen von Über-Siebzigjährigen, die in der DDR gelebt haben. Darunter ein Physik-Prof., der sich in der DDR habilitiert hat & mehrfach während dieser Jahre im Ausland (z.B. zweimal in Nordkorea) & sogar zeitweise in den USA gelehrt hat. War er also ein „Reisekader“, der jeweils nach seiner Rückkehr aus
Read More Posted On September 24, 2014By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Das wirkliche Leben als verblassende Randnotiz – Wie lebt und liebt es sich in Zeiten von Facebook, Twitter und MyFace abseits von digitaler Romantik und postmoderner Experimentierfreude? Diese Frage beantwortet der 1983 geborene Amerikaner Tao Lin in seinem autobiografisch grundierten Roman „Taipeh“ auf eine literarisch höchst wagemutige Art und Weise: Von Karsten Herrmann Tao Lin ist Galionsfigur einer schon bei David Foster Wallace anklingenden „New Sincerity“-Bewegung, die auf eine Literatur des radikalen Realismus und der Ehrlichkeit bis zur Selbstentblößung setzt. Hier wird nichts beschönigt, überhöht, dramatisiert, emotionalisiert, ironisiert oder zum
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne: Michael Zellers SEH-REISE ist zurück! Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus und hängt sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen bleibt. Was darauf zu sehen ist, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelt, darüber berichtet Michael Zeller wöchentlich in CULTurMAG. Heute: „Porträt Isabel Rawsthorne auf einer Straße von Soho” von Francis Bacon. Ego hinter Glas Ein innerer Widerspruch
Read More Tabus erledigen sich nicht von selbst – Bald wird niemand mehr einen schlesischen, ostpreußischen oder karpatendeutschen Zungenschlag erkennen können. Das Schlaflied der Grossmutter wird zur fernen Erinnerung, die Flechtfrisur der Karpatendeutschen untergegangenes Kulturgut. Die Generation der im Zuge des Zweiten Weltkrieges vertriebenen Deutschen stirbt langsam aus. Da schreibt ein junger Österreicher einfach einen Vertriebenenroman und setzt so ein altes Thema, das nur noch die Ewiggestrigen zu bewegen scheint, in neues Licht. Britta Behrendt traf Constantin Göttfert in Amsterdam und sprach mit ihm über “Steiners Geschichte” und darüber, ob ein Beziehungsende
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