Im Jahr 1984 fährt eine Gruppe Jugendlicher, getarnt als christlicher Chor, ins Wendland, um dort gegen den Castor-Transport zu demonstrieren. Mitten drin ist der 17 Jahre alte Florian Beutler. Wie alle seine Begleiter trägt er einen Anzug. Seiner ist braun und viel zu klein, doch er wird die gesamte Geschichte lang nichts anderes tragen – und am Ende wird er sogar sein Totenhemd. Von Tina Manske
Read More Die wirklichen Gegner der Demokratie, so die immer wieder von Bobbio formulierte paradoxe Position, sind nicht ihre erklärten Feinde, sondern ihre unkritischen Claqueure. Ein Porträt des Philosophen Norberto Bobbio, dem ‚Maestro' des demokratischen Italiens, der am 18.Oktober vor 100 Jahren in Turin geboren wurde. Von Carl Wilhelm Macke
Read More Elke Erb: Präsenz. – Präsenz heißt manchmal bloß: vorhanden sein. Aber sie ist auch eine mystische Qualität, die sich am deutlichsten bei gewissen Schauspielern zeigt. Robert Mitchum etwa hielt Kopf und Körper hin auf diese nur ihm eigene Weise (lazy) und war da. Auch im Alltag begegnen wir (selten) Menschen, die diese Gabe besitzen: Sie betreten einen Raum und alle anderen werden zu Statisten.
Read More Federman ohne Worte Am 6. Oktober ist der amerikanische Avantgarde-Autor Raymond Federman im Alter von 81 Jahren im kalifornischen San Diego gestorben. Macondo-Herausgeber Frank Schorneck nimmt Abschied. Lieber Ray, es war Dein Verleger Stefan Weidle, der mir als erster von Deinem Tod berichtete. Ich war darauf gefasst, ich hatte eine solche Nachricht erwartet – und dennoch traf mich der Schock tief. Im letzten Sommer, kurz nach Deinem 80. Geburtstag, warst Du unser Gast in Bochum, stelltest Deinen Prosaband Mein Körper in neun Teilen vor. Obwohl die Abhandlungen über Deine Körperteile
Read More Der Wälzer beginnt, wie es sich für ein Standardwerk gehört, mit einer Widmung an den Leser: „Egal, woran Sie glauben, was Sie gut finden, wem Sie vertrauen oder wen Sie bewundern - wir sind dagegen! (Und das seit 1979) In Liebe, Ihre TITANIC“. Diese Punk-Attitüde ist der Auftakt zu einem Werk, mit dessen mehr als 400 Seiten man ganze Sonntagnachmittage sinnvoll verbringen kann, schlägt Tina Manske vor...
Read More China als Gastland der Buchmesse – das scheint vor allem Ärger und Eiertänze zu produzieren. Glücklicherweise aber auch schöne Bücher wie dieses. Die Auszeichnung „Suggestivstes Cover“ trüge es mit Leichtigkeit davon. Aber drin steckt auch eine Menge, findet Gisela Trahms.
Read More So vieles kann das kleine Mädchen sich nicht erklären, so vieles macht ihm Angst. Woher kommt das Dunkel der Nacht? Aus dem Tintenfass? Und muss man dann nicht darin ertrinken? Das Mädchen ahnt nicht, dass „die Tinte“, also das Schreiben, später einmal zur Rettung werden wird... Von Gisela Trahms
Read More Nora Bossong: Rattenfänger. – Letztlich ist es das Dunkeln der Ungewissheit, das dieses Gedicht dominiert, flankiert von der Düsternis der Stimmung und der Verbindung von Eros und Thanatos. Es herrscht Nacht, viel zu erleben gibt es nicht mehr, es sei denn, man verfügt über das nötige Kleingeld.
Read More Hartwig Mauritz: großmutters erzählung: früher. – Mauritz beherrscht die Kunst des verschränkenden Enjambements, mit dem er die Bilder in Fluss bringt, die doch nie unscharf werden, vielmehr von höchster sinnlicher Konkretion sind. Seine sprachlichen Fügungen sind kühl und kühn zugleich, der Ton ist sachlich, technisch bisweilen, und dringt doch tief ein durch die Sehrinde in Traum und Schläfe des Lesers und mündet schließlich: in die Kopfwerdung der Bilder.
Read More Ein wunderbares Romandebüt: Klasse geschrieben, gut geplottet, witzig erzählt, abwechslungsreich gestaltet – und voller Wärme für die gut gemachten, lebendigen Figuren. Von Ulrich Noller
Read More Keine Frage: das Tier bei Elfriede Jelinek, das ist der Mann. Wenn die Österreicherin also dazu anhebt, einen Text über Prostitution zu schreiben, dann weiß man, was man zu erwarten hat. Subtilitäten haben Elfriede Jelinek noch nie interessiert. Andererseits geht es in den Bordellen von Deutschland, Österreich und sonst wo eh nicht subtil zu, so viel hat man als aufgeklärter Bürger schon mitbekommen. Von Tina Manske
Read More Udo Grashoff: Zoo. – Udo Grashoffs Gedicht tritt leise und langsam, Zeile für Zeile, immer näher an uns heran, genau wie die weißen Wölfe, die ganz langsam bis an den Rand ihrer Betonfestung kommen. Am Ende blickt es uns mitsamt seinen Wölfen tief in die Augen und tief ins Herz, dass wir darüber sanft erschrecken müssen. Genauso erschrecken müssen, wie die Personen innerhalb des Gedichts.
Read More Posted On September 28, 2009By Peter MuenderIn Bücher, Litmag
Mythenbeschwörung – Verstörende Erinnerungsfragmente, infantile Ausbruchsversuche, riskante Neuanfänge: Mirko Bonnés eindrucksvoller Roman Wie wir verschwinden. Von Peter Münder
Read More Die PARTEI agiert professionell und den Regeln konform - und legt gerade deswegen den Politbetrieb in viel überzeugenderer Weise bloß als beispielsweise ein Horst Schlämmer. Eine Wahlempfehlung von Tina Manske
Read More Christian Filips: Zur Strafe: jetzt ein paar Stunden irrwitzige Übernahmen an die Wand malen. –Aktueller geht es nicht. Und vielschichtiger wohl kaum. Christian Filips’ Gedicht, ein (Ab)Gesang auf die vergeblichen Fusions- und Abstoßungsphantasien der Wirtschaftsakteure, liest sich als lyrische Quintessenz der weltweit grassierenden Finanzkrise. Und bedient sich dabei aller Register des hohen, anspielungsreichen Tons.
Read More Posted On September 21, 2009By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Spätestens mit diesem Roman hat sich der 44-jährige Colum McCann in der internationalen Riege der großen Erzähler etabliert, stellt Karsten Herrmann fest.
Read More In einer beeindruckenden Sammlung von Tondokumenten aus den Jahren zwischen 1989 und 1997 reflektiert Jurek Becker über das eigene Leben und den Stellenwert der Literatur in der Welt des Home-Entertainments. Von Jörg Auberg
Read More Posted On September 14, 2009By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
"Waltenberg" ist ein Roman wie aus einer anderen Zeit: Gleichsam monumental wie epochal nimmt er in geschliffener Prosa nicht weniger als unser gesamtes vergangenes Jahrhundert mit seinen großen Utopien, Barbareien und Kapriolen in den Blick und fragt nach der Vernunft der Geschichte. Von Karsten Herrmann
Read More Posted On September 12, 2009By Gisela TrahmsIn Bücher, Litmag
Vor neun Jahren hießen die um 1970 Geborenen „Generation Golf“ und waren ein Bestseller. Dann zog sich ihre Zukunft hinter den Horizont zurück und die Gegenwart fiel ins Nixpassiert. Wie man das erzählt, zeigt Florian Voß in seinem Debütroman. Von Gisela Trahms
Read More Posted On September 7, 2009By Carola EbelingIn Bücher, Litmag
Grenzüberschreitungen Noémi Kiss ist eine eigenwillige, junge Stimme in der lange von Männern dominierten ungarischen Literatur. Carola Ebeling über ihren kürzlich auf Deutsch erschienenen Erzählband. In einem Interview brachte die ungarische Autorin Noémi Kiss deutlich zum Ausdruck, dass ihr die männliche Dominanz in der ungarischen Literatur missfalle: „Unsere ganze Literatur ist von Männern besetzt. Für mich war es eine unheimlich starke Erfahrung, als ich studiert habe, dass wir nur männliche Texte gelesen haben.“ Kiss, 1974 geboren, zog die bestmögliche Konsequenz – die Dozentin für Vergleichende Literaturwissenschaft hat mit ihrem Buch
Read More Posted On August 31, 2009By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Der engagierte Liebeskind Verlag macht sich seit einer Weile um das Werk des 2001 verstorbenen kanadischen Schriftstellers Mordecai Richler verdient, dessen zahlreiche Bücher in deutscher Sprache entweder noch gar nicht vorliegen oder aber – wie im Fall von Der Traum des Jakob Hersch – nur noch auf antiquarischem Weg zu ergattern waren. Von Frank Schorneck
Read More Posted On August 31, 2009By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Alles hängt mit allem zusammen – dies stellt Norbert Zähringer in seinem begeisternden neuen Roman Einer von vielen unter Beweis, in dem sich Welten, Zeiten und Schicksale auf gerade zu magische Weise zu einem schillernden Erzählkosmos verbinden. Von Karsten Herrmann
Read More Die meiste Zeit wirkt Almatastr. wie ein Tourette-Monolog auf LSD und zu vielen Downern. Tina Manske war mal genervt, mal amüsiert.
Read More Posted On August 24, 2009By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik
Patrizia Cavalli, eine italienische Poetin in einer „Zeit inzwischen untergegangener gesellschaftlicher Utopien“ wird zum ersten Mal in einer Auswahl ihrer verstörenden Gedichte dem deutschsprachigen Publikum vorgestellt. Von Carl Wilhelm Macke
Read More Jedem, der sich schon mal über langweilige Interviews geärgert hat, sei dieses Buch hier empfohlen. Von Tina Manske
Read More Auf den grünen Fünfmarkschein hatte ihr Bild es immerhin geschafft, und als kleines Geld unter die kleinen Leute zu kommen, hätte Bettina von Arnim, geborene Bettine Brentano, sicher gefallen. Ein Porträt von Gisela Trahms.
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