Jürgen Nendza: Hinterland I-IV. – Anspielungsreich komponiert, wird dieser Zyklus insgesamt selbst zu einem „Gedächtnissprung“, in dem sich das eigene Erleben der Alltagsumgebung vermengt mit einer (immer) noch zu ergründenden Geschichte, und so ein völlig neues Licht wirft auf alles, was einem doch allzu vertraut, ja bisweilen heimatlich erscheinen will.
Read More Das Jahr 2009 begann mit „Ruhm“ (Daniel Kehlmann) und endet mit Ruhm (Herta Müller). Dazwischen, im Sommer, verließ ein amerikanischer jest nach brillanter Eindeutschung den PC des Übersetzers Ulrich Blumenbach und materialisierte sich in einem Backstein. Und obwohl Ziegel in Mengen die Büchertische beschwerten, war es doch dieser weiße, der sich dem Jahr auf- und einprägte wie die schwarze Schrift dem Buchdeckel. Von Gisela Trahms
Read More Jan Wagner: steinway. – Ein Kind kniet auf einem zugefrorenen See, schaut durch die Eisschicht hinab ins Dunkel und entdeckt „zwischen algen und kristall“ große, silbrig schimmernde Fische, die still im Wasser stehen. Gibt man als Leser noch etwas Wintersonne und dampfenden Atem hinzu, glaubt man sich selbst zu sehen, vor langer, langer Zeit.
Read More Das persönliche Chaos als Voraussetzung für die Liebesanbahnung. Das wäre doch was, dann hätten wir bald keine Singles mehr, die es geben soll wie Sand am Meer. Ein bisschen Chaos kriegt doch jeder hin. Das Romandebüt von Rainer Moritz, Direktor des Hamburger Literaturhauses, macht das jetzt mal auf charmante Weise vor. Von Senta Wagner
Read More Posted On Dezember 19, 2009By Matthias PenzelIn Bücher, Litmag
Werwolf auf dem Altenteil, hat mal jemand den guten Ozzy Osbourne genannt. Jetzt hat er seine Autobiografie geschrieben. Und wer wollte sich Weihnachten im Knast mit Ozzy entgehen lassen? Wir nicht. Matthias Penzel erklärt, warum …
Read More Philip Maroldt: sepsis. – Was mich an Philip Maroldts sepsis schon beim ersten Hören beeindruckt hat, ist die Unerbittlichkeit der poetischen Notaufnahme. Verblüffend deutlich steht dem Text die ganz und gar nicht selbstverständliche Gewissheit eingeschrieben, dass die kontaminierte Paradies-Wirklichkeit des Körpers Keimzelle des Schönen ist.
Read More Posted On Dezember 8, 2009By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Nach seinem mit Ben Kingsley verfilmten Haus aus Sand und Nebel erweist sich Andre Dubus III auch in seinem neuen Roman als ein Meister der sublimen psychologischen Spannung und der schicksalhaften Verkettung von Menschen und Ereignissen. Von Karsten Herrmann
Read More Farhad Showghi: Erst das Fenster zeigt. – Wie schon in "Ende des Stadtplans" (2003) wird in den Texten des Bandes eine Landschaft kartographiert, die eigentlich nicht kartographierbar ist. Showghis Schreiben beginnt dort, wo wir bekanntes Terrain verlassen, der Stadtplan zuende ist. Der Blick wandert zwischen Vertrautem und Fremdem. Poetische Linien zeigen sich, die nicht auf Europa beschränkt sind, sondern tief in die persische Poesie führen.
Read More Alles verschwindet, nur das Verschwinden nicht. Und ist es nicht seltsam, wie viel Melancholie das Wort umweht? Sollten wir uns nicht freuen, dass Pest und Pranger verschwunden sind, jedenfalls bei uns? Aber daran denken wir selten. Eher besinnen wir uns unter stummen Seufzern auf das, was ein Stück Leben mit sich nahm. Jenny Erpenbeck breitet es in 31 Miniaturen vor uns aus. Von Steffen Rizz
Read More Wirf es an die Wand und schau, ob es kleben bleibt! – Michael Wolffs Biografie des Medien-Tycoons Rupert Murdoch. Eine grundsätzliche Rezension von Peter Münder in zwei Teilen.
Read More Alexandra Bernhardt: Schwalben. – Lukas klappt die Formelsammlung auf, schaut aus dem Fenster. Man sagt, wird’s regnen, so fliegen sie tief. Nisten in der Nähe des Menschen. Und pfeilschnell, der Hirondellenflug. Lukas denkt: „Ihr aber...“, Lukas wird emporgehoben, schwankend, Segel tragend, jubelt: ganz leicht- und licht-gemacht, durch gewandtes Wort und selbst plötzlich wendig.
Read More Benjamin Maack: Zimmer mit Aussicht – Maack ist eine Art Punk-Romantiker. Keiner von der Hölderlin-Sorte, eher einer, der die Poesie auch in Multiplexkinos sucht. Der einerseits den Ausverkauf der Gefühle beklagt, wütend, traurig, komisch, der andererseits Oasen errichtet, poetische Inseln, wenn nötig auf dem Grund einer Coladose, und diese Inseln, um mal ein Bild zu verwenden, das Benjamin Maack hassen würde, weil es so aufgedonnert ist, trotzen dem stärksten Tsunami.
Read More Berlin ist voller Stars und solcher, die es werden wollen oder sich bereits für welche halten. Außerdem wird gesoffen, gekokst und gekotzt. So weit, so bekannt. Tex Rubinowitz möchte mit seinem „Ramses Müller“ dieser Berlin-Dekadenz ein hämisches Denkmal setzen, verstolpert sich aber. Von Tina Manske
Read More Uljana Wolf: understand. – Die Worte wirken auf mehreren Ebenen: ihrer Optik, ihrer Bildlichkeit, ihrem Gehalt, ihrem Zusammenhang, ihrem Klang. Jede einzelne sprachliche Sinneinheit, jede Silbe, jede Wurzel nimmt Bezug auf sich selbst und auf ihr Umfeld innerhalb der Verse, der Sätze, des ganzen Gedichts, gar des ganzen Zyklus. Dadurch entstehen unzählige Lesarten.
Read More Posted On November 14, 2009By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Blühende Landschaften Monika Maron findet nach knapp dreißig Jahren wieder den Weg nach Bitterfeld. Statt eines Himmels voller Flugasche entdeckt und lobt sie dort nun die blühenden Landschaften. Jörg von Bilavsky hat die Reportage gelesen. Die „Bitterfelder seien nicht mehr gut auf sie sprechen“, hat ihr jemand einmal erzählt. Weil sie mit ihrem Debütroman „Flugasche“ zum schlechten Ruf der Region beigetragen habe. Doch das Image des berüchtigsten Chemiekombinats der DDR hätte man 1981 längst nicht mehr aufpolieren können. Deswegen tat Monika Maron gut daran, zumindest ein paar Wahrheiten über die
Read More Carl Wilhelm Macke hat die neue Ausgabe von Akzente, der „Zeitschrift für Literatur“ gelesen.
Read More Bärbel Klässner: Worte meine ersten lieben. – Vielfältig ist das Sprachecho, das die Vergangenheit der Autorin im Text hinterlassen hat. Da klingen die Magdeburger Jahre an und die allmählich reifende Erkenntnis der Lächerlichkeit jener Parolen, die einmal die Verwirklichung einer welthistorischen Utopie befördern sollten. Da ist der Untergang der DDR und die Wiedervereinigung, die denjenigen, die das „westdeutsche“ zu erlernen hatten im Schweiße ihres Angesichts, mehr abverlangte als den anderen.
Read More Posted On November 8, 2009By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
"Brodecks Bericht" ist ein Buch, das gegen das Vergessen schreibt und dem es mühelos gelingt, beim Leser tiefe Erinnerungsspuren zu hinterlassen. Wie schon in seinem Erfolgsroman "Die grauen Seelen" siedelt Philippe Claudel das Geschehen in einer kleinen eingeschworenen Dorfgemeinschaft an. Von Karsten Herrmann
Read More Am 1. September 1989, wenige Wochen vor dem Sturz der Mauer, übersiedelte Ronald M. Schernikau aus der BRD in die DDR und wurde deren Staatsbürger; nicht nur deswegen wird er der „letzte Kommunist“ genannt, wie auch das in diesem Frühjahr erschienene Buch heißt, das sein langjähriger Begleiter Matthias Frings über ihn schrieb. Von Tina Manske
Read More Eine Erinnerung an Heinz Czechowski, Lyriker und Essayist, der am 22. Oktober in Frankfurt am Main nach langer Krankheit starb. Von Gisela Trahms
Read More Einspruch! Man macht es sich doch etwas sehr leicht, die seit einiger Zeit in den Feuilletons köchelnde "Sloterdijk-Honneth"-Debatte über das Elend des Sozialstaates und den Großmut der ‚Leistungsträger’ als „Kasperltheater der gehobenen Stände“ (Jens Jessen in der ZEIT) abzutun. Das sei doch, so ist weiter zu hören und zu lesen, nur ein Gedankenaustausch zwischen zwei philosophischen Gockeln, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Kulturjournalisten, ein Seminarangebot im Fachbereich Philosophie des Aufbaustudiums für Senioren usw. Carl Wilhelm Macke widerspricht.
Read More Timo Berger: Botanischer Garten – Nein, kein nackter Wilder. Und Gespött gilt allenfalls dem Klischee. Aber so entschlossen das Gedicht die plumpen Dichotomien gleich zu Beginn beiseite wischt, so sehr wehrt es sich gegen das Übersehen tatsächlicher, sozialer Gegensätze. Unterschiede, die unverkennbar (und, wenn es das gibt, unverschweigbar) sind für den, der kritisch und „mit leichtem/ Rotstich“ sieht.
Read More Wie und wann wir unsere Kindheit hinter uns lassen und erwachsen werden, ist bei jedem anders. Anne Wiazemsky hat den aufregenden Lebensabschnitt in einem autobiografischen Roman festgehalten, der 2007 in Frankreich mehrfach preisgekrönt wurde. Von Senta Wagner
Read More Posted On November 2, 2009By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Mit seinen großen Romanen "Fette Welt", "Der große Bagorozy" und "UC" hat sich Helmut Krausser in die erste Riege der deutschen Gegenwartsautoren geschrieben und genießt gerade bei der jüngeren Leserschaft Kultstatus. Mit "Einsamkeit und Sex und Mitleid" blickt er nun in das kalte Herz unserer Metropolen-Gegenwart. Von Karsten Herrmann
Read More Posted On Oktober 26, 2009By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
David Albaharis grandiose Abrechnung mit den Gesetzen des Literaturmarkts. Von Carl Wilhelm Macke
Read More Thomas Kunst: Wenn Gott in meinem Tagebuch… – Thomas Kunst hat im letzten Jahr einen Band Sonette vorgelegt. Keine formalen Salti. Keine inhaltlichen Grenzüberschreitungen. Keine Revolution in der Form, und gerade deshalb ein Salto Mortale. Flic Flac gestreckt eingedreht, rückwärts über die Stange und stehen. Mann o Mann.
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