Der Mut zur Skepsis – Dzevad Karahasan über Literatur und Journalismus in Zeiten des Krieges. Vorbemerkung: Vor zwanzig Jahren, am 26. Juli 1991, wurde Egon Scotland, Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“, in Kroatien von vermutlich serbischen Milizionären ermordet. Der Tod des 42-jährigen deutschen Journalisten im damals gerade beginnenden „Jugoslawien-Krieg“ war Anlass zur Gründung der deutschen Sektion von „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) sowie des Vereins „Journalisten helfen Journalisten“ (JhJ). Beide Organisationen wiederum sind Mitglieder eines inzwischen weltweit agierenden Netzwerks „Journalists in distresss“, das sich der Hilfe für Journalistinnen und Journalisten in Krisengebieten
Read More Trommeln im Global Village – Am 21. Juli wäre der kanadische Medienprophet Marshall McLuhan 100 Jahre alt geworden – was ist geblieben von seinen Thesen? Von Peter Münder Das Foto aus dem weißen Haus, während der „Aktion Geronimo“ aufgenommen, ging um die Welt: Präsident Obama starrt zusammen mit hohen Militärs und der Außenministerin Hilary Clinton gebannt auf einen riesigen TV-Screen und verfolgt die Erschießung des Top-Terroristen Osama bin Laden im pakistanischen Abbottabad, die von einer unbemannte Drohne übertragen wurde. Hohe Politik und Hightech-Medien inklusive einer „Big Brother“-Überwachungsmaschinerie sind hier zur
Read More Posted On Juli 19, 2011By Juergen VerdofskyIn Litmag
Gestaltschmerz ist kein Alibi für New York und Shanghai – Zum Siebzigsten des Wort- & Bildkünstlers Schuldt. Von Jürgen Verdofsky. Schuldt ist Sohn eines Reeders und ging schon aus ästhetischen Gründen der Hamburger Bourgeoisie verloren. Allein sein Gelächter würde im Überseeclub Gläser bersten lassen. Bereits im Namen ist alles Private getilgt, erst recht im Werk. Schuldt kann man sich nicht nähern, ohne seine Exzentrik als eine Unbedingtheit in künstlerischen Belangen zu verstehen. Wer sich dem gewachsen zeigt, und man unterschätze das nicht, wird hinter seinen Wortkaskaden nicht nur einen Schnelldenker
Read More Nebeltropfen 1 bild / 100 worte Annemarie Schwarzenbach erwähnte einst am Rande einer Einkaufsliste mit Brot, Gemüse ein Volk im Hochland der Paschtunen, das über Nebeltröpfchen Nachrichten von Verstorbenen empfängt. Was die Toten sagen: Ihr Kinder des namenlosen Elends, Hoffnung naht, harret der Ziegen! Aha: – Klopf klopf. – Wer da? – Der Erlöser. – Was wollen Sie? – Erlösen! – Aber wovon? – Von all euren Ängsten und Sorgen. – Und wo sind nun die Ziegen? – Comme toujours auf Drogen. – Ach! – – – Wir befragen dazu
Read More Fußball und Literatur – Die Frauenfußball-WM geht in ihre entscheidende Phase und die deutschen Spielerinnen schienen bestens gerüstet für das Unternehmen Titelverteidigung. Die Kanadierinnen: über weite Strecken nach Belieben beherrscht, die knüppelharten Nigerianerinnen: niedergekämpft, den Geheimfavoriten Frankreich: aus dem Stadion geschossen – und dann diese Pleite im Viertelfinale gegen Japan. Tja, so ist der Fußball. Wasser auf die Mühlen der Skeptiker (nicht wahr, Herr Hansen), dabei haben unsere Mädels nach wie vor unsere volle Verehrung verdient, natürlich steht auch CULTurMAG trotz des WM-Aus wie eine Frau hinter der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft!
Read More ode an natze: natze ging immer quer auf den platz durchs leben die torlinie war nie ihr aus ihre pupillen scharfmacher suchmaschinen sie zoomt den ball auf augenhöhe jeder blickwechsel ein reflex sie sieht was kommt was kommen muss bevor es kommt ein fuss der schuss ihr gegenschuss die sprung gelenke photomotoren bild für bild belichtet sie die mauern traumpässe rücken die im abseits stehen den regen die stadien in der kälte der städte das herzschlagfinale sie lässt kein tor zu und öffnet es in die welt für die weite
Read More Stell dir vor, du bist elf Mann. – Wir befinden uns in der Kabine. Der Geschmack von Deodorant liegt bitter auf der Zunge. Es riecht nach Schweiß, Rasen, feuchter Erde. Füße scharren, Aluminium auf PVC. Nase hochziehen, räuspern, ausspucken. Schritte auf dem Gang. Die letzten Worte des Trainers. »Ok Freunde, wir spielen 4-3-3, wobei die Außenstürmer tief steh’n. Doppelsechs im Zentrum mit der Zehn als Kreativ-Gen. Im Offensivverhalten rückt die Kette weit mit vor, und die Außen in der Abwehr auch mal ruhig mit Zug zum Tor. Aber: Lasst den
Read More Ein Mann mittleren Alters – (Bochumer Fassung) Linkes Schwein haben sie mich genannt, war ja auch so. Über Außen keine Schnitte, eher landet der im Jenseits als im Strafraum. Na, wat denkst du denn … Dann hat er Pech gehabt, dann is er abgeflogen, Bänderriss. Hat geknallt wie die Peitsche von der Roswitha aufm »Eierberg«. Na, wat denkst du denn … Ball gespielt, klar. Mit Picke ans Leder und mitm Schraubstollen ans Sprunggelenk. Dann is er gehüpft und hat gejodelt und phasenweise nachm Schiri und der Mutter geplärrt. Ich hab
Read More Aknes – Vier Tage geht das Trainingscamp schon, und es ist jede Nacht dieselbe Leier: Kaum hat Agnes das Licht gelöscht, fängt die Türkin drüben zu plärren an. Sie wälzt sich auf ihrer Matratze herum, presst dann irgendwann den Kopf ins Kissen und legt los. Sie heult Rotz und Wasser literweise,und erst später, gefühlte Lichtjahre später, setzt ihr Schnarchen ein. Das kommt von den Haaren, hat Kristin gesagt: Weil ihr die Schamhaare in der Nase wachsen, da fängt sich der Rotz. Das Geplärr heute ist nicht schlimmer als sonst, trotzdem
Read More Es ist das schmerzhafte Los des Abwehrspielers: Schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit habe ich beim Autorenfußball die außerordentliche Ehre, die blind abgefeuerte Granate eines meiner prominenten Mitspieler mörderisch in die Nüsse zu bekommen. Doch Ehre ist nicht immer gleich Vergnügen. Im Gegenteil, diese beiden Bruderbegriffe stehen einander oft so unversöhnlich gegenüber wie Kain und Abel. Nach Luft ringend, wälze ich mich auf dem angefrorenen Kunstrasen. Wenige Minuten später geht es wieder. Ohne weitere Zwischenfälle bringen wir das Trainingsspiel zu Ende. Hernach begutachte ich unter der Dusche meinen violett
Read More Der Torwart: Wenn zwanzig Männer durch die Gegend hasten, beschaut er das Geschehen müden Blicks: »Ein Tor? Nein, tut mir leid, das wird heut nix. Ein Tor? Hört auf zu träumen, ihr Phantasten. Hier stehe ich. Mit Armen, stark wie Masten. Hier fällt kein Tor. Dafür bin ich zu fix. Hier fällt kein Tor. Ich kenne alle Tricks. Hier fällt kein Tor. Hier stehe ich im Kasten.« Da naht in hohem Bogen etwas Rundes, dem er erst reichlich spät Beachtung schenkt. Er kratzt sich unentschlossen hinterm Ohr, verfolgt die Lederkugel
Read More Gammastrahlenrülpser 1 bild / 100 worte Beuys trug fast ständig einen Hut, als sei er stets Fußgänger. Damit war er immer in der Rolle des Wanderers. Auch Sterne wandern gerne und verirren sich dabei manchmal in die Nähe supermassiver schwarzer Löcher, die still und hungrig auf der Lauer liegen. Dramatische Vorgänge sind die Folge. Der Stern wird ratzfatz verschlungen, das schwarze Loch emittiert einen orgiastischen Gammastrahlenrülpser, welcher 3,8 Milliarden Jahre später, am 28. März 2011, den Swift-Satelliten der NASA erreicht. Kurzzeitig ergreift eine gnostische Extase das überdimensionale Daseins-All. Spiritualität schwappt
Read More „Sei wie das Veilchen im Moose …“ Warum verkaufen sich schlechte Bücher so gut, warum wird deutsche Kriminalliteratur gebasht und warum sind Frauen immer unterrepräsentiert? Das ist die Trinität der Themen, die immer wieder in allen möglichen Zusammenhängen aufkommen und von denen es immer heißt, sie seien längst erledigt. Sind sie aber überhaupt nicht. Zoë Beck hat sich heute der Frauen-Frage angenommen – ein Aufruf! Dauerthema, sobald ein Haufen deutschsprachiger Krimischreiberlinge zusammensitzt: zu wenige Frauen, die Preise bekommen oder in Best-of-Listen gewählt werden. Dass es mehr Männer sind, ist statistisch
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, heute knüpft Zoë Beck an einen Aspekt an, der letzte Woche in unserem CrimeMag-Gespräch eine Rolle gespielt hat: Warum gibt es so wenige kompetente Krimi-Kritikerinnen? Zoë Beck erweitert das Thema erheblich und stellt es in die richtigen Kontexte. Carlos hingegen ist unter die Lehrer gefallen, ein realer Moment des obwaltenden Irrsinns. Peter Münder ist besorgt über die politische Lage in Nord-Irland und hat sich die neuen Entwicklungen des Konflikts in Belfast anhand der Romane von Stuart Neville angeschaut. Unseren Nachruf auf den allseits beliebten Peter Falk alias Columbo
Read More Unter Lehrern, im Eselpark, im Wahnsinn – Carlos zum Ferienbeginn: Ich habe Post bekommen! Von Lehrer G. aus Hamburg. Zuvor hatte er mir schon freundlich gemailt, dass er mit einer Literatur AG einen meiner Jugendkrimis behandle und um meine Privatadresse für Leserbriefe seiner Schüler bitte – das ist ja durchaus nett und ich zögerte nicht, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Gestern war der Brief da. Hier sind – leider nur sehr wenige – Buchkritiken zu Ihrem Roman „Schattendasein“ von Schüler/innen des Wahlpflichtkurses Literatur Jahrgang 7. Die Jungen und Mädchen, die
Read More Killer, Kirchen und Neurosen – Geht der Wahnsinn nun wieder los? Diese Gemetzel zwischen Protestanten und Katholiken in Belfast sollten doch längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet sein? Gab es nicht Tony Blairs Strahlemann-Erfolg einer permanenten Aussöhnung? Und nun wieder diese idiotischen Straßenschlachten unter UVF, UDA, IRA, Sinn Fein-Anhängern usw.? Diesen Wahnsinn militanter Profilneurotiker hat der Autor Stuart Neville in seinen Noir-Krimis beschrieben. Henrike Heiland hat ihn jüngst bei CrimeMag literarisch gewürdigt (zur Rezension), Peter Münder war nun bei einer Ortsbesichtigung in Belfast. Es mutet alles so Bullerbü-artig und harmlos-touristisch an: Der
Read More Posted On Juli 2, 2011By Michael WuligerIn Crimemag
„Eine Frage hätte ich noch …“ „Columbo“ ist am 23. Juni gestorben – konnte man ihn eigentlich NICHT mögen? Zum Tod des Schauspielers Peter Falk ein Nachruf von Michael Wuliger. Schauspieler zu werden war für Peter Falk beruflich nur die zweite Wahl gewesen. Eigentlich hatte er nach seinem Politikstudium zur CIA gehen wollen. Doch als halb Blinder – Falk hatte mit drei Jahren das rechte Auge verloren und trug seitdem ein Glasauge – hatte er als Spion bei der Agency keine Chance. So blieb nur die Bühne, erst in der
Read More Movie-Check: „The Fighter“ – Boxerfilme gehen oft in die Falle, aber „The Fighter“ hat was. Findet Dirk Schmidt. Als Eddie Murphy noch komisch war und sein Talent nicht in unsagbar schlechten Komödien vergeudete, hatte er eine schöne Nummer im Programm, die davon handelte, wie ein Italo-Amerikaner gerade eine Kinovorstellung von Rocky II verlässt. Weil Rocky seinen schwarzen Widersacher schon zum zweiten Mal auf die Bretter geschickt hat, ist der junge Mann zu der Überzeugung gekommen, jeder Italo-Amerikaner könne immer und prinzipiell jeden Schwarzen umhauen. Das geht sehr schief, war damals
Read More Von Schoßhündchen und Wanderfalken – C.J. Box erzählt aus dem Innern der USA. „Blutschnee“ verwandelt die Berglandschaft Wyomings in ein Territorium staatlicher Paranoia. Thomas Wörtche ist begeistert. Hinter Unspektakulärem verbirgt sich manchmal große Klasse. Das ist bei den Joe-Pickett-Romanen von C.J. Box der Fall, die auf den ersten Blick so gar nichts von sich hermachen. Das liegt nicht nur an der eher arg unauffälligen Präsentation bei Heyne (wo die Box-Romane in der Flut der Taschenbücher untergurgeln), das liegt auch an dem auf den ersten Blick biederen Gesamt-Design der Reihe. Outdoor-Romane
Read More Spurensuche – Zum 13. Mal schickt Sara Paretsky ihre toughe Privatdetektivin V. I. Warshawski auf Verbrecherjagd. Kann das heute noch gutgehen?, fragt sich Kirsten Reimers. Es beginnt unspektakulär: V. I. Warshawski übernimmt etwas widerwillig den Auftrag, einen Mann zu suchen, von dem seit über vierzig Jahren jede Spur fehlt. Wenig Aussicht auf Erfolg, geringe Bezahlung, mauernde Zeugen, misstrauische Klienten – nicht gerade die besten Voraussetzungen. Als Warshawskis junge Cousine Petra verschwindet (womöglich entführt wurde), konzentriert sich die Privatermittlerin weitaus stärker auf diese Familienangelegenheit. Sie stößt auf ein komplexes Geflecht aus
Read More Chronik eines unangekündigten Todes – Der 1981 geborene Kevin Power zertrümmert mit seinem furiosen Romandebüt jegliches Klischeebild der grünen Insel. „Die letzte Nacht des Sommers“ zeigt ein Irland fernab saftiger Kerrygold-Weiden und Tourismus-broschüren, blickt hinter die Fassade eines ritualisierten Trinkens, offenbart die Perspektivlosigkeit der Jugend und das Funktionieren alter Seilschaften des in der letzten Dekade wirtschaftlich boomenden Landes. Das Buch wäre uns beinahe durchgerutscht, aber was schert uns Aktualität … Frank Schorneck auf jeden Fall ist beeindruckt … Eskalation Ein junger Mann ist getötet worden in einer Sommernacht in Dublin
Read More Posted On Juli 2, 2011By Die RedaktionIn Crimemag
Bloody Chops – heute führen das Beilchen Frank Rumpel (rum), Christiane Geldmacher (CG), Joachim Feldmann (JF), Thomas Wörtche (TW) und Henrike Heiland (HH). Killer beim Camping (rum) Familienvater und Profikiller, das sind die beiden Leben, die Juan Pérez Pérez unter einen Hut bekommen muss. Im Alltagsmodus gibt er den leidenschaftslosen, etwas trotteligen Pharmavertreter, um im Auftrag seiner „Firma“ Leute zu ermorden. In der Rolle des Familienvaters will er mit seinen Kindern Urlaub machen, doch lotst ihn die Firma in letzter Minute auf einen FKK-Campingplatz, um dort den nächsten Kunden zu
Read More KickAss – Bloody Splinters aus dem Branchenwahnsinn – Wir sind schon ein klein wenig besorgt. Eigentlich ist die Zielgruppenfokussierung des sehr geschäftstüchtigen Heyne-Verlags ziemlich verlässlich. Auch ist uns bekannt, dass die als Techno-Thriller gehandelten Krawumm-Schwarten des Engländers Patrick Robinson nicht nur in Sachen amerikanischer Patriotismus Dick Cheney und Donald Rumsfeld aussehen lassen wie schwule, kommunistische Mädchen. In Robinsons neuem Roman („Mission auf Leben und Tod“) geht es darum, dass amerikanische Patrioten toll sind, französische Patrioten aber böse Waffenhändler und nicht etwa deswegen, sondern wegen ihrer patriotischen Politik (französische Staatsaufträge für
Read More Verrisse sind oft nicht ganz fair. Manchmal sogar richtig unfair. So wie bei uns: Gunter Gerlach stößt sich an Büchern, die anderen gut gefallen – dabei hat er sie noch nicht einmal zu Ende gelesen … Heute: Donna Leon – Auf Treu und Glauben Wer liest eigentlich Donna Leon? „Ich will’s mal wieder versuchen“, sage ich und schiebe das Buch über den Ladentisch. Die Buchhändlerin blickt auf mich voller Sorge herab und gesteht, sie hätte die letzten auch nicht mehr gelesen. „Aber im Fernsehen sind die doch ganz gut?“ Sie
Read More Das Kriminal-Sonett Auf steilen Dächern rennt ein Herr im Frack, Ein Polizeihelm stieg aus dunklem Schachte. In Höfen ward es laut. Ein Browning krachte. Man prügelt Fremde. Einen rührt der Schlag. Im Haus der Gräfin tanzte man und lachte; Die Kenner freuten sich am Japan-Lack. Fred nebenan schob Erb-Schmuck in den Sack, Indes der Freund die offne Tür bewachte. Der Spürhund wedelt eifrig durch die Stadt; Ein Kommissar führt wichtig seine Liste. Die Zeugensprüche füllen manches Blatt. Zu Haus greift Fred in die Importenkiste. Der Freund am Spiegel streicht den
Read More Posted On Juni 30, 2011By coerIn Rätsel
Die richtige Lösung eingeschickt und den Buchpreis gewonnen hat Dr. Albrecht Thiel aus Dortmund. Herzlichen Glückwunsch!
Read More