Vermächtnis Von Heinrich Heine Nun mein Leben geht zu End‘, Mach ich auch mein Testament; Christlich will ich drin bedenken Meine Feinde mit Geschenken. Diese würd’gen, tugendfesten Widersacher sollen erben All mein Siechtum und Verderben, Meine sämtlichen Gebresten. Ich vermach euch die Koliken, Die den Bauch wie Zangen zwicken, Harnbeschwerden, die perfiden Preußischen Hämorrhoiden. Meine Krämpfe sollt ihr haben, Speichelfluß und Gliederzucken, Knochendarre in dem Rucken, Lauter schöne Gottesgaben. Kodizill zu dem Vermächtnis: In Vergessenheit versenken Soll der Herr eu’r Angedenken, Er vertilge eu’r Gedächtnis. 1851 (aus dem „Romanzero)
Read More Posted On Juni 22, 2011By Tobi KirschIn Musikmag
Festival in toller Hafen-Atmosphäre – Barkassen, Kräne und Bläser, Schmuddelwetter, Improvisation und Gesangskunst beim Elbjazz 2011. Tobi Kirsch war dabei. Rückblickend muss man auch als ehemaliger Bewohner der Stadt eingestehen, dass einem manche Ecken in Hamburg gar nicht bekannt waren. Das Elbjazz-Festival, das in diesem Jahr am 27. und 28. Mai stattfand, hat diese Orte wieder vor Augen geführt, sei es das Betriebsgelände von Blohm & Voss, der alte Elbtunnel, den man zu Fuß nachts durchquerte, oder die nur unausgegoren zu beschreibende Architektur der HafenCity. Der erste Festivaltag begann mit
Read More Posted On Juni 22, 2011By Die RedaktionIn Musikmag
Neue Platten: Staubgold-Tracks, kompiliert von den Gebrüdern Teichmann, sowie Neues von Cults, dem Quartett Konitz, Haden, Motian und Mehldau, Smoove + Turrell, Atari Teenage Riot, Telebossa, Cherry Sunkist und Is Tropical, gehört und besprochen von Tina Manske (TM), Christina Mohr (CM) und Thomas Wörtche (TW).
Read More Posted On Juni 22, 2011By Die RedaktionIn Musikmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, die Mittwochsausgabe heute mit einem MusikMag-Soloauftritt; passend zum meterologischen Sommerbeginn und zur laufenden Festivalsaison stehen bei uns heute Live-Beiträge im Vordergrund: Tobi Kirsch berichtet für uns vom Elbjazz Festival in Hamburg, bei dem ihn u. a. Klaus Doldinger und Nik Bärtsch überzeugten. Paul Kalkbrenner hat sein neues Album „Icke wieder“ in Berlin vorgestellt. Judith Faustmann war dabei. Und Peter Münder schwärmt von den mitreißenden Auftritten des Boogie-Pianisten Marcus Paquet. Außerdem: Tina Manske hat mit „Invasion Of The Mysteron Killer Sounds“ ein höllegutes Album voller Dancehall und Elektro-Futurismus gehört.
Read More Posted On Juni 22, 2011By Judith FaustmannIn Musikmag
"Icke wieder": Paul Kalbrenner stellte am 4. und 5. Juni sein neues Album unter freiem Himmel vor. Judith Faustmann berichtet.
Read More Posted On Juni 22, 2011By Tina ManskeIn Musikmag
Wenn Kevin Martin und Stuart Baker zusammen eine Platte mit elektronisch infiziertem Dancehall/Ragga kompilieren, was kommt dann dabei raus? Ein höllegutes Doppelalbum! Findet jedenfalls Tina Manske.
Read More Posted On Juni 22, 2011By Christina MohrIn Musikmag
Gebt ihr Tiernamen! Christina Mohr hat eine neue Möglichkeit entdeckt, wie man Platten sinnvoll sortieren kann, nämlich nach ihrem Tierbezug. Willkommen zu einer tierischen Ausgabe von Mohr Music.
Read More Menetekel 1 bild / 100 worte Songtext für die nächste goldene Schallplatte Richtung Universum: O SUPERSTAR, O VFTS 682, ÄUßERST HELLER STERN WENNGLEICH VERSCHLEIERT DURCH ROTEN STAUB, DU FLÜCHTLING AUS DEM RMC-136 CLUSTER, WIRD AUS DIR WOHL EINE SUPERNOVA, ODER GAR EIN MIT BLOßEM AUGE ZU ERKENNENDER GAMMASTRAHLENAUSBRUCH, URKNALLGLEICH IN SEINER HELLIGKEIT? – Refrain: LALA OJ, OJA, LALA OJ, KATALOGISIEREN WIR DAS DOCH MAL, LALA OJ, OJA, LALA OJ, UNTER DER NUMMER GRB 080319C ODER SO. – Brücke. Zweite Strophe. Refrain. Enden mit OJ! OJ! – Vertonung durch LAURIE ANDERSON,
Read More „Kommerziell“ ist oft in aestheticis ein Schimpfwort. Mainstream auch. Aber alle Autoren möchten kommerziell erfolgreich sein. Kriminalliteratur ist zur Zeit erfolgreich und Mainstream, aber das ist auch nicht wieder jedem recht. Henrike Heiland untersucht diese seltsame Dialektik … „Nee, die sind mir jetzt zu kommerziell.“ – Vom bösen Mainstream Von Henrike Heiland Ich weiß noch, damals, als das bei mir mit dem Vinyl kaufen anfing – wie alt war ich da, dreizehn, vierzehn – was haben wir auf dem Schulhof Bands und ihre Alben diskutiert. Da galt es noch, alles
Read More Posted On Juni 18, 2011By Die RedaktionIn Crimemag
Liebes CrimeMag-Publikum, Erfolg macht im besten Fall auch nachdenklich. Kriminalliteratur ist momentan extrem erfolgreich. Deswegen befassen sich heute Henrike Heiland und Thomas Wörtche mit diesem Phänomen. Henrike Heiland denkt über „Mainstream“ und „Kommerz“ nach, Thomas Wörtche nimmt zwei Romane von Bettina Raddatz und Gregor Weber zum Anlass, die programmatischen Produktionsbedingungen von „Krimi“ zu mustern. Von Carlo Schäfer erfahren wir, wie’s mit dem Helden seines nie realisierten Großwerkes weitergeht: Rammsauter ist back! Über die „Godfather“-Trilogie und ihre filmischen Folgen gibt es neues, von Norbert Grob et al herausgegebenes lehrreiches Buch, Friedemann
Read More Politik, Kriminalliteratur & Grimmi – Glanz und Elend des deutschen Kriminalromans lagen selten so nahe beisammen wie in zwei aktuellen bemerkenswerten Debüt-Romanen, die sich mit aktuellen politischen Ereignissen befassen. Thomas Wörtche über zwei Bücher und ein grundsätzliches Problem … Gregor Webers „Feindberührung“ thematisiert den Krieg der Bundeswehr in Afghanistan und dass Krieg etwas mit Menschen macht, was man nicht unbedingt öffentlich thematisiert sehen möchte. „Der Spitzenkandidat“ von Bettina Raddatz dekliniert am Fall eines ermordeten Politikers in Niedersachsen die Porosität und den allmählichen Kollaps der „demokratischen“ Verfasstheit unserer Gesellschaft und ihrer
Read More Post-Pfingst-Gedanken und ein unendliches Frühwerk … have fun! Liebe Leserinnen und Leser, ich spüre ganz deutlich den vielfachen Wunsch nach pfingstlicher Heiterkeit! Würzige Ewigkeitsluft wollen wir atmen in diesen frischen Frühlingstagen, doch, doch, das merke ich! Ich merke es konkret an einem leisen Ziehen in der rechten Leiste. Und an einem Knistern im linken Knie. Mir ist auch so brandig weh und mild hinter dem Brustbein. Die linke Ohrwaschel dagegen bebt im Takt einer fernen Klage. Daher: Teil drei (Teil eins hier, Teil zwei hier) und Ende meines niemals offiziell
Read More DU SOLLST DEINE FEINDE NICHT HASSEN – Mafia-Filme sind cool. Top-cool ist immer noch DER PATE. Und der hatte Folgen. Friedemann Sprenger hat ein GODFATHER-Fanbuch für die gebildeten Schichten gefunden. Filmliebhaber mögen den sekundären Diskurs, das unterscheidet sie von Krimi-Freunden. Deshalb gibt es eine relativ blühende, qualitativ ziemlich elaborierte Film-Publizistik an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kritik. Da stören dann auch ein paar ziemlich unzeitgeistige Themen nicht. Wie zum Beispiel ein schönes Buch über die Godfather-Trilogie von Coppola und ihr Echo in den korrespondierenden Filmen von Sergio Leone, Brian de
Read More Bill Moody ist Jazzprofi mit erheblichen Meriten und Kriminalschriftsteller von Rang. Seine Romane um den Jazzpianisten Evan Horne, der hin und wieder in kriminelle Malaisen rutscht, genießen Kult-Charakter. Jazz & Crime gehen nicht nur literarisch zusammen. Oft leider auch lebensweltlich. Wie zum Beispiel bei dem großen Trompeter Lee Morgan … The Shooting of Lee Morgan If ever jazz and crime met on a collision course, it was on a cold February night in 1972 at a jazz club—ironically called Slugs—in New York’s lower east side. On the bandstand in the
Read More Blut, Ironie und Bodenschätze – Der Kongo ist eine der schlimmsten Krisenregionen dieses Planeten. Gleichzeitig eine der schönsten Gegenden der Welt. Lena Blaudez kennt den Kongo bestens, sie erkennt ihn auch wieder in einem hervorragenden Buch von Andrea Böhm. Gleich im Vorwort von Andrea Böhms „Gott und die Krokodile. Eine Reise durch den Kongo“ wird klar, dass in diesem Buch nicht die tausendfach wiedergegebenen Klischees über die Projektionsfläche europäischer Ängste und Vorstellungen schlechthin – also über den Kongo – zu erwarten sind. Andrea Böhm schreibt in erster Linie über die
Read More Bloody Chops – bluttriefend heute aus Romanen & Comics von Thomas Wörtche (TW), Joachim Feldmann (JF) und Kirsten Reimers (KR) Wunderbar rhythmisch erzählt und gezeichnet (TW) Bei dem Hype um die Parker-Romane von Donald E. Westlake alias Richard Stark vergisst man gerne die nicht minder großartigen Romane, die vom genialen, aber meist erfolglosen Dieb John Dortmunder und seinen jeweils neuen, sehr komischen Katastrophen erzählen. Der erste Dortmunder-Roman erschien 1970, „The Hot Rock“ (auf deutsch damals: „Finger weg vom heißen Eis“, 1991 bei Ullstein, eine Verfilmung unter dem Titel „Vier schräge
Read More Wir denken bei Thailand automatisch an Sex-Business, Sex-Tourismus, Korruption und organisierte Kriminalität. Von außen. Christopher G. Moore lebt in dieser Gesellschaft. Heute dreht sich alles um Verbrechen, Polizeiarbeit, unterschiedliche Interessen und betrübliche Relativitäten … Psychic Justice and the Predatory Class Three cases stand out this week in the world’s criminal justice system. One was a police raid, helicopters, cars, reporters all descending on a rural farmhouse outside Houston, Texas on a psychic’s claim of having a vision of a mass grave on the premises. The second and third cases arose
Read More Vier Treppen hoch bei Dämmerung Joachim Ringelnatz Du mußt die Leute in die Fresse knacken. Dann, wenn sie aufmerksam geworden sind, – Vielleicht nach einer Eisenstange packen, – Mußt du zu ihnen wie zu einem Kind Ganz schamlos fromm und ärmlich einfach reden Von Dingen, die du eben noch nicht wußtest. Und bittst sie um Verzeihung – einzeln jeden –, Daß du sie in die Fresse schlagen mußtest. Und wenn du siegst: so sollst du traurig gehen, Mit einem Witz. Und sie nie wieder sehen. (1923)
Read More Byron und Bond – Er war Spion, Reiseschriftsteller und Kulturträger beim British Council – vor allem aber war er ein kultivierter Abenteurer: Peter Münder zum Tod von Sir Patrick Leigh Fermor, der am 10. Juni mit 96 Jahren in Worcestershire verstorben ist. Als Kreuzung von Indiana Jones, James Bond und Graham Greene bezeichnete die BBC Patrick Leigh Fermor, als er 2004, im Alter von 89 Jahren, zum Ritter geschlagen wurde. Als Leser weiß man kaum, was man mehr bestaunen soll: seine grandiosen Erzählungen oder die abenteuerliche Biographie dieses Draufgängers, der
Read More Posted On Juni 15, 2011By Die RedaktionIn Litmag
Liebes CULTurMAG-Publikum, willkommen zum heutigen Doppel-Feature von LitMag und MusikMag: Vor einigen Tagen ist der britische Autor Patrick Leigh Fermor gestorben – Peter Münder erinnert an den Abenteurer, Spion und eleganten Erzähler. Eric T. Hansen ist ein wenig enttäuscht: „EHEC… nein, das war kein großer Wurf“. Dabei schien doch zu Beginn so vieles auf eine vielversprechende Massenpanik hinzuweisen. Vollkommen relaxt kam Isabel Bogdan zurück in die Redaktion, nach Ihrem Besuch einer Wellnessoase auf der Reeperbahn zum „Floating“, einem Kurzurlaub für Geist und Körper. Und war auch gleich wieder weg: Ab
Read More Das waren noch Zeiten! – Jetzt, wo das Ende sich abzeichnet, kann man es laut sagen: Ehec … nein, das war kein großer Wurf. Erste Anzeichen für eine gelungene Massenkrankheit waren ja vielversprechend. Sie war schick: Es handelt sich immerhin um eine Panikmache, die den Stempel „Bio“ mit Stolz trug. Auch für eine geheimnisvolle Atmosphäre wurde gesorgt: Aus dem nebeligen, sagenumwobenen Norddeutschland stammten die Gerüchte, dass Kliniken überlastet und Patienten in Panik geraten seien. Auch, dass der Hype anfangs bis in die obersten Führungsetagen des Landes eindrang, war beeindruckend: Als
Read More Posted On Juni 15, 2011By Christina MohrIn Musikmag
Christina Mohr hatte ihre Bedenken, doch das Gespräch lief gut: Andreas Dorau verriet ihr am Telefon so einiges zur neuen Platte "Todesmelodien"...
Read More Gelungene Persiflage über den Islam in Deutschland – Schwer und bedeutsam und angestrengt, so wird meistens diskutiert und erzählt, wenn Moscheebauten, Kopftuchträgerinnen und das Verhältnis von Muslimen und Nicht-Muslimen in Deutschland das Thema sind. Es geht auch anders – das beweist Birand Bingül mit seinem Roman „Der Hodscha und die Piepenkötter“. Von Ulrich Noller Eine Kleinstadt, irgendwo in NRW. Ein neuer Imam, der samt seiner Tochter aus der Türkei anreist. Eine CDU-Bürgermeisterin, die in Amt und Würden bleiben will. Und ein Showdown von gut anderthalb Monaten bis zur Wahl. Das
Read More Floating – Isabel Bogdan begibt sich für CULTurMAG ins Handgemenge mit den Dingen und probiert skurrile, abseitige und ganz normale Sachen aus. Diesmal ist sie baden gegangen. „Die versteckte Wellnessoase auf der Reeperbahn“, das klingt wie, nun ja, irgendwas, wo ich normalerweise nicht hingehen würde. Ich will aber Floaten. Die „Oase“ ist tatsächlich etwas versteckt, man muss sie schon gezielt ansteuern. Zufällig finden geht nicht. Man steigt eine schmale Treppe hinauf in den ersten Stock und steht in einer Art Höhle, vollgestopft mit Massagestühlen, Massageliegen, Sonnenbänken, Raumteilern, Klimpervorhängen, Plastikblumen, Plastikbuddhas
Read More Ein Meister des Sub- und Kontextes – „Der letzte Sommer auf Long Island“ des afroamerikanischen Schriftstellers Colson Whitehead ist ein an der Schwelle zwischen Kindheit und Adoleszenz angesiedelter, autobiografisch anmutender Roman, der in unerwartete Textlandschaften führt. Von Karsten Herrmann. Whiteheads Alter Ego Benji erzählt vom Sommer 1985, den er wie schon viele Sommer zuvor gemeinsam mit seinem Bruder Reggie und seinen Eltern im Ferienort Sag Harbor verbringt. In diesem Jahr kommen seine Eltern jedoch nur noch sporadisch aus Manhattan in das Ferienhaus, und so erlebt der 15-Jährige gemeinsam mit seiner
Read More Päderastie als Waffe Den Knaben die er im Kino getroffen hatte gestand André Gide im Bett oder am Morgen nach einer durchliebten Nacht: Du kannst deinen Freunden sagen du hast mit einem berühmten Mann geschlafen mit einem Schriftsteller Mein Name ist François Mauriac Geradezu „hinterfotzig“ ist der Inhalt des Gedichtes von Erich Fried (geboren 1921 in Wien, gestorben 1988 in Baden-Baden), der vor allem durch seine berühmten und in hoher Auflage verbreiteten Liebesgedichte und seine engagierten, politischen Gedichte (z.B. zum Vietnamkrieg) bekannt und berühmt geworden ist. Hinterfotzig, weil sich im Gedicht
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