Aufriss-Tipps eines falschen Professors „Dear Professor Romance“ heißt die Kolumne, die der sich als selbigen Professor ausgebende Doug Guthrie als Geschäft betreibt. Und so heißt der neue Roman des amerikanischen Noir-Autors Mark SaFranko, von dem uns auf Deutsch schon „Amerigone“ (2023) erfreute. Dass beide Romane im Original bisher nicht erschienen sind, liegt wohl daran, dass sie keine Mainstream-Krimi-Erwartungen bedienen, sondern höchst originell und eigen sind. „Dear Professor Romance“ handelt von drei Männern und ihren, um es nett zu sagen, Beziehungsproblemen. Doug Guthrie ist als Professor Romance der Mann, der weiß,
Read More Ein US-Noir, den es (bisher) nur auf Deutsch gibt Dave Zeltserman gehört schon seit einigen Jahren zu den herausragenden Noir-Thriller-Autoren aus den USA. Das ist auch auf Deutsch nachzuprüfen. Zwischen 2013 und 2017 veröffentlichte der kleine Berliner Verlag Pulp Master seine „Man out of prison“-Trilogie, die aus den voneinander unabhängigen Titeln „Paria“, „Small Crimes“ und „Killer“ besteht. Drei absolut brillante Noir-Romane. Nun gibt es endlich neuen Stoff von Zeltserman, mit dem er seinen Ruf bestätigt und weiter festigt: „Alles endet hier“ ist von Pulp Master schon seit mehreren Jahren angekündigt
Read More No daylight in that face – Vintage Noir, Pulp, Hardboiled … Kleiner Marktrundgang von Alf Mayer, anlässlich der Jubiläums-Anthologie von Stark House. Rick Ollerman, Gregory Shepard (Hg.): The Stark House Anthology. Stark House Press, Eureka/ Ca. 2024. Trade Paperback, 448 Seiten, 21.95 USD. Alle Versuche der letzten 30 Jahre, ein Pulp-Crime-Segment (außerhalb der großartigen Reihe Pulp Master by Frank Nowatzki) im deutschsprachigen Raum zu etablieren, sind schnell verpufft – die Reihe Hard Case Crime bei Rotbuch zum Beispiel. Ganz schön viel also, was Frank Nowatzki da seit längerer Zeit alleine
Read More Gerald Kersh hat es mit dem gerade erschienen “ Hirn und zehn Finger“ überraschend in die Publikums-Endausscheidung der Hotlist 2024 der Unabhängigen Verlage geschafft. Argumente zur Abstimmung finden sie hier, eigentlich aus anderem Anlass von Übersetzerin Angelika Müller und Pulp Master-Verleger Frank Nowatzki zusammengetragen – aber why not. We burn for independents… d. Red. A million candles burning for the help that never cameYou want it darker … We kill the flameLeonard Cohen Als Gerald Kersh 1968 in New York im Alter von siebenundfünfzig Jahren verstarb, hatte die Welt sowohl
Read More Das Tanzen traf es am Härtesten. Als das Bürgertum im Zuge seiner Machtübernahme vor ein paar hundert Jahren auch die Künste gemäß ihren Vorstellungen und Ideologien auf Leistung, Individualismus und Erfolg ausrichtete, erwischte es die darstellenden Künste besonders hart. Ihnen wurde das Spielerische, Improvisatorische, das Leichte ausgetrieben, Zirkus, Puppentheater oder Pantomime und die Musik, die dazugehört, wurden mit all ihrem Können und dem ganzen Spaß ins Abseits der bloßen Unterhaltung und des billigen Tingeltangel abgeschoben, Sprechtheater, Oper, Symphonieorchester und Ballett hingegen als Hochkultur etabliert und großzügig finanziert, allerdings dabei auch mit
Read More Megan Abbott: Aus der Balance (The Turnout, 2021). Übersetzt aus dem Amerikanischen von Karen Gerwig und Angelika Müller. Herausgegeben von Frank Nowatzki. Pulp Master, Band 58, Berlin 2023. 420 Seiten, 16 Euro. – Hier der Link zur Direktbestellung beim Verlag, ohne Versandkosten. „Zurichtungen“ überschreibt Thekla Dannenberg ihr lesenswertes Nachwort zu einer beträchtlichen publizistischen Sensation dieses Frühjahrs. Es ist nämlich ein kleiner Independent – Frank Nowatzkis Ein-Mann-Verlag Pulp Master – der uns endlich mit der Autorin Megan Abbott bekannt macht. Eine Erzählung gab es bisher von ihr bei uns: „Burlesque„, dt. von Frauke
Read More »Good to do a little business amidst all the horseshit.« Jim Nisbet, ein wahrer Meister des Noir, ist tot (1947-2022) Jim Nisbet wurde 75 Jahre alt. Seine Lebensgefährtin Carol Collier schrieb mir in einer E-Mail, dass Jim am 28. September dieses Jahres in seiner neuen Heimat Sausalito verstorben ist. Dass er schon zwei Chemos hinter sich hatte, wusste ich aus unserem E-Mail-Austausch, aber die Hoffnung, dass wir uns doch noch mal wiedersehen, stirbt bekanntlich zuletzt. Nun bleiben nur noch Erinnerungen. Mit Black Lizard im Pedigree – Jim war einer der
Read More Ein Meistererzähler beweist sich erneut Nun also ein neuer Held. Der Australier Garry Disher, jetzt im August 73 geworden und unermüdlich kreativ, legt seit 20 Jahren zuverlässig jedes Jahr einen neuen Kriminalroman vor. Und das geradezu unheimlich beständig stets auf Weltklasse-Niveau. Es gibt nur wenige Autoren in diesem Genre, die ihm das Wasser reichen können, ein solcher Reichtum an immens guten Büchern und Geschichten, prall und lebensecht, ist Königsklasse. Vier Mal „Deutscher Krimi Preis“ und vier Mal der australische „Ned Kelly Award“, darunter auch die Auszeichnung für sein Lebenswerk, unterstreichen
Read More Wolfgang Franßen Working-Class Hero Werden Schriftsteller gemacht? Müssen sie wie ein mainstreamtauglicher Serienkiller eine öde, beschädigte Kindheit vorweisen? Mit Filmhelden wie Robert Mitchum, Kirk Douglas, James Cagney aus dem Alltag entfliehen? Nachts den Stapel literarischer Vorbilder abarbeiten? Im Genre am besten noch in einer Absteige schreiben, um den eigenen Mythos zu begründen? Wie wird jemand zum Klassiker? Gemeinhin gilt als Bezugsgröße für die Bedeutung eines Werks der Ausdruck: Ein Klassiker ist der, auf den andere sich beziehen, dessen Werk so bahnbrechend war, dass die nachfolgenden Generationen ihre Bücher in
Read More Heute: Garry Disher von Marcus Müntefering Niemand weiß mehr über Garry Disher als Crimemag’s own Alf Mayer. Deshalb möchte ich hier, anstatt selbst etwas Halbgebildetes zu verfassen, auf Alf Mayers gelehrte und lehrreiche Beiträge verweisen: Zum einen ein Interview von Anfang 2016, das er in der australischen Heimat des Autors geführt hat – und das weit mehr ist als ein Q&A. Zum anderen hat er bereits 2014 den Roman „Bitter Wash Road“ besprochen, der erst im Februar 2016 auf Deutsch im Unionsverlag erschienen ist. „Manche Passagen in Bitter Wash Road
Read More Bad-ass crime fiction Ungewöhnliche Bücher können auch mal einen ungewöhnlichen Auftritt haben. Weil uns der Schneid imponiert, mit dem Frank Nowatzki unbeirrt seinen Verlag Pulp Master macht, fahren wir anläßlich des Zwischen-allen-Stühlen-Buches „Der Vergewaltiger“ (The Rapist) von Les Edgerton ein Spalier von Kollegen auf, die diesen heftigen Noir in je ihrer Weise empfehlen. Angeführt wird die Springprozession von Guillermo O’Joyce, den es gerade aus den USA ins Exil nach Grenada verschlagen hat. Les Edgerton, Jahrgang 1943, hat in jüngeren Jahren wegen Einbruchs, bewaffneten Raubüberfalls und versuchter Hehlerei zwei Jahre im
Read More Papier – Dave Zeltsermans Roman „Killer“ ist bei genauem Hinsehen ein Text aus dem literarischen Labor. Findet Thomas Wörtche … Eine klassische Roman-noir-Erzählung handelt meistens vom schlimmen Schicksal eines Menschen, dessen Lebensumstände nur tragisches Scheitern zulassen. Die Atmosphäre eines noirs ist – idealtypisch – düster, klaustrophobisch und hoffnungslos. Frauen ist mit größtem Misstrauen zu begegnen. Es werden die „Schattenseiten“ des menschlichen Daseins in einer kalten, feindseligen Welt ausgeleuchtet und die Abgründe der menschlichen Seele erforscht und gleichzeitig ein illusionsfreies Bild der gesellschaftlichen Zustände gezeichnet, die mit diesem Schicksal möglicherweise in
Read More