Zwischen Meeresblick und Mafiasumpf Veit Heinichen war einst Mitbegründer des Berlin-Verlages und hat ihn bis zu seinem Ausscheiden 1999 zu einer der ersten Adressen für gute Literatur in Deutschland gemacht. Nun hat er selber seinen ersten (Kriminal-) Roman geschrieben – und auch das ist ihm wunderbar gelungen. „Gib jedem seinen eigenen Tod“ spielt im hochsommerlichen Triest, der Wahlheimat Veit Heinichens, und führt mitten hinein in einen Mafia-Sumpf aus Prostitution, illegalem Menschenschmuggel und Korruption. Der eigentliche Fall beginnt mit dem mysteriösen Verschwinden des zwielichtigen Geschäftsmannes Bruno de Kopfersberg und hat eine
Read More
Pfiffiges Spiel Peter Jacobi hat mit „Mein Leben als Buch“ einen höchst vergnüglichen und grotesken Roman geschrieben, der durch seine reichen literarischen Bezüge zu einem wahren Schmankerl für alle Bibliophilen wird. Stellen Sie sich vor, Sie wachen eine Morgens als Buch auf und es macht Ihnen rein gar nichts aus – und genau dies widerfährt dem „Büchertonnen“-Antiquar Dietrich Oger alias „Diogenes“. Die seltsame und Franz Kafkas „Verwandlung“ kolportierende Metamorphose schützt den fanatischen Büchernarr vor den banalen Zumutungen des alltäglichen Lebens. Statt sich mit seiner Frau Gisela und den Finanzproblemen seiner
Read More
Comeback einer schnoddrigen Kultfigur Kemal Kayankaya is back! Seit dem durchschlagenden und von Dorris Dörrie verfilmten Debut „Happy Birthday, Türke“ genießt Jakob Arjounis eigenwilliger Frankfurter Detektiv unter den deutschen Krimi-Freunden unbestrittenen Kultstatus. Ein ganzes Jahrzehnt mussten sie jetzt nach dem mit dem „Deutschen Krimipreis“ ausgezeichneten „Ein Mann, ein Mord“ auf den neuen und damit vierten Fall für Kayankaya warten. Mit Vollgas und deftigen Slapstick-Elementen steigt Jakob Arjouni in seinen neuen Roman „Kismet“ ein: Kayankaya und sein alter Spezi Slibulsky hocken im Geschirrschrank des Lokals „Sausade“ und warten auf zwei Schutzgelderpresser.
Read More
Geld regiert diese Welt Wolfgang Hilbigs zweiter Roman „Das Provisorium“ ist kein literarisches Vergnügen und mutet über weite Strecken wie eine schon fast anachronistische Kultur- und Konsumkritik an. Der Schriftsteller C. aus Leipzig reist in den späten achtziger Jahren mit einem Visum in den Westen und fühlt sich schon bald „überhaupt keiner Welt mehr zugehörig“. Sein Leben ist aus den Schienen gelaufen und hat unter der unentscheidbaren Frage „Wohin soll ich gehen“ nurmehr provisorischen Charakter. In endlosen Monologen sinniert C. über die verachtete, vergiftende DDR auf der einen und die
Read More
Blasser Traum Jakob Hein erweist sich in seinem schmalen Roman als ein ganz und gar unspektakulärer Erzähler, der seine ruhig dahinströmende Prosa mit sublimen Witz und einer angenehmen Selbstironie grundiert. Jakob hat einen großen Traum: New York. Jakob hat aber auch ein großes Problem: Er lebt in der DDR und die verlockende Stadt mit der Freiheitsstatue scheint für ihn frühestens im Rentenalter erreichbar. So bleibt der Traum fern, wird aber emsig mit geheimen Lektüren unter der Bettdecke, einem Pullover mit dem Aufdruck „n.y.c.“ sowie englischen Wörtern genährt, die er lutscht
Read More
Radikal und provozierend Kurz nach dem Erscheinen seines ersten Romans „Die Tochter“ hat Maxim Biller auf einem Autorentreffen in Tutzing dem deutschen Literatur- und Intellektuellenbetrieb eine schallende Ohrfeige verpasst und damit eine heftige Debatte ausgelöst. „Feige das Land, schlapp die Literatur“ betitelte er seine grandiose Schmährede wider die „fast schmerzhafte provinzielle Bedeutungslosigkeit“ und „vollkommene Morallosigkeit“ unserer gegenwärtigen Kultur. Der scharfzüngige Kolumnist charakterisierte die Deutschen in seiner Rede als ein „Volk von selbstsüchtigen, neurotischen Feiglingen“ in einem „Kartenhaus aus Besitzstandswahrungslügen“. An die Stelle von utopischen oder moralischen Kategorien sei einzig und
Read More
Bizarrer Kunst-Krimi Georg Klein, der schon 1998 mit seinem Agenten-Roman „Libidissi“ aufhorchen ließ und im vergangenen Jahr für einen Auszug aus „Barbar Rosa“ mit dem Ingeborg Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, ist ein einzigartiges Phänomen in der deutschen Gegenwartsliteratur. Mühler ist ein wahrhaft skurriler Held: Er leidet nicht nur an einer unappetitlichen Bläschenallergie und trägt einen grünen Anzug, der genau drei Tage älter ist als er selber, sondern ist zudem auch noch mit einem „Hang zum Zaudern“ und einer „stupenden Blödigkeit“ geschlagen. Nichtsdestotrotz wird dieser Mühler regelmäßig von einer geheimnisvollen Firma engagiert,
Read More
„Revoluzzer in Gucci“ Frédéric Beigbeder hat ein wütendes und provozierendes Buch über eine Welt geschrieben, in der nur noch das Marketing und der Gewinn zählen. „39,90“ kann in dieser Welt ebenso als ein kritischer Gegenangriff wie auch als ein genialer Schachzug zur Selbstvermarktung gelesen werden – denn „Die Revolte gehört zum Spiel“, heißt es gleich zu Beginn des allemal lesenwerten Romans. „Ich bin der Typ, der Ihnen Scheiße verkauft. Der sie von Sachen träumen lässt, die Sie nie haben werden“ – mit starken Sprüchen, grellen Überzeichnungen und Provokationen am laufenden
Read More