In den Kerkern kleinbürgerlichen Glücks Mit seinem radikalen Realismus taucht Raymond Carver auch in seinem dritten Erzählband in die Abgründe des Alltags und zeigt das Scheitern der Hoffnungen . Joe Penny ist Vater zweier Kinder, hat eine Frau, die er liebt, einen Beruf den er mag, ein Haus und ist glücklich darüber, wie die Dinge laufen. Aus irgendeinem Grund beginnt er eines Tages mehr zu trinken als sonst. Lange Zeit Bier, nur Bier, alle Sorten, bis er irgendwann auf Gin Tonic übergeht. Bald fängt er an, nach der Arbeit auf
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Auf schmalem Grat zwischen Abbild und Wirklichkeit Unbändige erzählerische Energie – „Kleines Mädchen mit komischen Haaren“ von David Foster Wallace. Sein Sportsakko hat er auf dem Rodeo Drive gekauft, seine Krawatte trägt das Wappen der Westminster Militär-Akademie, sein Sportwagen hat Ledersitze und Sechsganggetriebe. Auch der Lebenslauf lässt sich sehen: Privatschule in Alexandria, Militär-Akademie, Business-School, Jura auf der Universität von Yale, ein Job in einer Anwaltskanzlei mit einem Jahresgehalt von über 100.000 Dollar. Wie kommt dieser seitengescheitelte, wohlpafümierte, konsumsüchtige Yuppie dazu, mit einer Horde Punks loszuziehen, die Stahlkappenstiefel und abgewetzte Lederklamotten
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Zwischen Psychoanalyse und Physik Hochpoetisch, wortmagisch und voller Widersprüche. Ein weltfremder Dichter auf seinem Weg zum Medienstar. Der einbeinige Alakar Macody ist ein seltsamer Kauz. Wohnt in einem Haus jenseits des Flussufers, in einer stillen Bucht, mitten in der Einöde. Ein Einzelgänger, der sich mit Pflanzen und Pilzen auskennt wie kein zweiter. Ein Naturbursche, würde man sagen, wenn er nicht mit dem Lyriker T.S. Eliot im eingebildeten Zwiegespräch stehen, sämtliche Dichter zitieren und eigene Gedichte verfassen würde. Ein verrückter Poet also? Ein durchgeknallter Philanthrop? Ja, vielleicht, aber wenn, dann einer
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Lifestyle-Casanova mit System Die öde Geschichte eines jungen Mannes, der „sich einmal durchs Alphabet fickt“. Die Geschichte liest sich gut. Zumindest die, die rund um das Buch gesponnen wird. Eine junge Frau mit wohlklingendem Namen und vorteilhaftem Äußeren bekommt rund 150.000 Mark Vorschuss für ein unfertiges Manuskript, in dem es um viel Sex gehen soll. Steht die Anpassung des Buchmarktes an andere Popvermarktungsindustrien unmittelbar bevor? Ist das „die neue Vorschusspanik?“ – Ein Spiegel-Artikel macht Rebecca Casati zum Synonym für den gemachten Literaturstar – bekannt und berüchtigt, ehe überhaupt ein Buch
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Sex und Literatur Ironischer Seitenhieb gegen die französische Literaturszene und haufenweise Sex – Djians 11. Roman Philippe Djian hat einmal gesagt: „In einer kurzen, gutgeschriebenen Sexszene kann man mehr über seine Figuren sagen als auf 40 normalen Seiten.“ Wenn das stimmt, dann müsste sein elfter Roman „Schwarze Tage, weiße Nächte“ einer der aussagekräftigsten Romane aller Zeiten sein. Denn auf seinen 421 Seiten gibt es haufenweise Sex. In den verschiedensten Konstellationen. Davon abgesehen hat der Roman (fast) alles zu bieten, was Fans von einem Djian-Roman erwarten. Einen kauzigen Helden: Francis ist
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„Was zählt, ist der Stil!“ Zwischen Aufruhr und Alltagspoesie – Djians Figuren altern mit dem Autor Französische Autobahn: Paris – Nantes. Eine kleine Abfahrt kurz vor Le Mans. In der engen Kabine der Mautstelle verbringt ein junger Franzose seine Nächte. Er hat wenig zu tun, selten kommt ein Auto vorbei. Um so mehr Zeit hat er, auf seiner Schreibmaschine seinen ersten Roman runter zu tippen. Der 1949 in Paris geborene Schriftsteller Philippe Djian ist kein Intellektueller. Nach zwei Semestern Literaturwissenschaft und dem kurzen Besuch einer Journalistenschule schlug er sich jobbend
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Christian Kracht: Der unzuverlässige Erzähler Dekadent, provozierend, rätselhaft – Ein Interview mit einem Autor, der Interviews hasst. 1995, als die Begriffe „Popliteratur“, „Generation Golf“ und „Tristesse Royale“ noch nicht durch die Medien kreisten, schrieb Christian Kracht einen Roman über einen jungen Mann, der teilnahmslos durch das sinn- und morallose Deutschland der reichen, hippen und hedonistischen Partygeneration reist. Von Sylt bis zum Bodensee, von der einen Sex- und Drogenparty zur nächsten. Trotz schlechter Kritiken wurde „Faserland“ zum Kultbuch einer Generation und Auslöser der „Popliteratur“-Welle, die von Fans als „neue Lust am
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Party, Party, Party „Ferien im Koma“, Frédéric Beigbeders Versuch, mit der Schilderung einer Nacht in Paris an große Vorbilder anzuknüpfen, wäre auch dann gescheitert, wenn man die Messlatte weiter unten anlegt als er selbst. Ein Sittengemälde des zu Ende gehenden Jahrtausends sollte es werden – ein zweiter „Gatsby“ oder „Ulysses“ – und ist doch nur ein zerstückelter Patchwork-Roman über die Crème de la Crème der Pariser Szene. Eine Nacht in Paris. Von sieben Uhr Abends bis sieben Uhr morgens. Klischee oder Traum? Romantisches Rendezvous oder Jet-Set-Party? Von Baudelaire bis Hemingway,
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