Die Revolten und Utopien der Avantgarden Die „Kleine Bücherei für Hand und Kopf“ der Hamburger Edition Nautilus ist seit vielen Jahren eine Fundgrube für die Texte der Avantgarde, der Vergessenen und Verfemten. Mit einer – unkommentierten! – Sammlung von Künstler-Manifesten des 20. Jahrhunderts bietet sie nun einen exemplarischen Spaziergang durch die gesamteuropäischen Revolten und Utopien von den Futuristen über die Dadaisten, Surrealisten, Lettristen und Situationisten bis hin zu Joseph Beuys berühmten Diktum „Jeder ist ein Künstler“. Mit einer gehörigen Portion Pathos werden in diesen Manifesten schallende „Ohrfeigen für den öffentlichen
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Verzwicktes Verbrechen im Moloch Berlin Manfred Lührs erzählt seine kriminalistische Geschichte unter abrupten Perspektiv-Wechseln und stattet sie mit einer Vielzahl von Nebenschauplätzen und Verstrickungen aus. Das Berlin der 20er Jahre ist ein ebenso magischer wie janusköpfiger Mythos: auf der einen Seite steht das atemlos dahinrauschende Nachtleben, auf der anderen Seite die rasende Inflation und Armut sowie (konter-) revolutionäre Umsturzversuche von links und rechts. In seinem Roman „Im Dunkel Berlins“ lässt Manfred Lührs diese ambivalente Zeit und ihre Atmosphäre nun noch einmal plastisch auferstehen. In filmreifen – und manchmal allzu klischeehaften
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Dümpelnde (Liebes-) Suche Der junge spanische Autor Ignacio Garcia-Valino überzeugt zu Anfang dieser Geschichte durchaus mit seiner poetisierten und reizvoll flanierenden Großstadtprosa. Doch im Fortgang des Buches verflachen sowohl – zumindest in der Übersetzung – Sprache wie Spannungsbogen und Ignacio Garcia-Valino verfällt zunehmend in einen banalen bis pseudo-philosophischen Plauderton. Eine verzwickt-verwickelte „ménage à trois“ bildet den fast klassischen Ausgangspunkt für Ignacio Garcia-Valinos Roman „Der kirschrote Schuh“: Im Kampf um die Liebe der mysteriösen Sara, die später einmal als „ein Polyeder mit scharf geschliffenen, gläsernen Kanten“, als eine „Katastrophentombola“ beschrieben werden
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Mit frischen Schwung durch eine grausam-groteske Welt In kurzen, knackigen Episoden von einer geradezu heiteren Obszönität lässt der 1955 geborene Ire Patrick McCabe das Leben und Träumen seines zwielichtigen Protagonisten aufblitzen. Mit einem alten Hauskittel und Kopftuch hockt Mütterchen Riley in einem kleinen Appartment und schreibt für ihren Psychiater in „schmutzigen, saftigen Einzelheiten“ ihr Leben auf: Auf die Welt gekommen war sie nach einem wollüstigen Fehltritt des katholischen Paters Bernard Mc Ian im nordirischen Kaff Tyreleen als Patrick Braden. Abgeschoben zu einer schlampigen Ersatzmutter und inmitten von bitterer Armut und
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Im Strudel aus Hoffnung, Liebe und Hass Andre Dubus erzählt diese Geschichte aus den wechselnden Ich-Perspektiven seiner Protagonisten und reißt den Leser immer tiefer hinein in einen Strudel aus Angst und Verzweiflung, Hoffnung und Liebe. Tagsüber sammelt Massoud Behrani für ein paar Dollar den Müll von den hitzeflirrenden Asphaltbändern der Highways rund um San Francisco. Abends steigt der 56jährige mit einem frischen Anzug in seinen klimatisierten Buick und fährt zu Frau und Kindern heim in die 3000-Dollar-Wohnung. Massoud Behrani ist ein hochdekorierter und exilierter Colonel der kaiserlich-persischen Luftwaffe und muss
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Ein Dandy in der weiten Welt Christian Kracht betrachtet die Welt konsequent als ein rein ästhetisches Phänomen: das zeigte schon sein Debut-Roman „Faserland“, in dem er seinen blasierten Ich-Erzähler quer durch die Republik schickte, das zeigte sich in dem zusammen mit Benjamin von Stuckrad-Barre, Joachim Bessing und anderen verfassten Manifest „Tristesse Royale“ – und das bestätigt sich nun wiederum in seinem neuesten Werk. In „Der gelbe Bleistift“ sind Reisereportagen aus allen Ecken und Winkeln Asiens versammelt, die Christian Kracht zwischen 1992 und 1999 für die „Welt am Sonntag“ geschrieben hat.
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Verloren im Mahlstrom des Jetzt Locker verbunden durch die scheiternde Liebe seiner Protagonisten Katharina und Benjamin montiert Rainald Goetz in „Dekonspiratione“ ein zersplittertes Medien-Panorama zusammen. Im Zentrum steht die Agentur „Public Sword“, die den „Hunger“ der Medienbranche „nach Inhalt“ stillt und neue Konzepte für die Harald Schmidt-Show oder den nächsten „Dietl“ erarbeitet. Am Rande murmeln „SZ“, „Zeit“ und „Spiegel“ in Zitaten und Schlagzeilen vor sich hin, da lesen Thomas Kapielski und Durs Grünbein, da dekliniert sich der Kulturschickeria- und Intellektuellen-Diskurs auf Vernissagen und Szene-Events virtuos durch – bis zum „Rausch
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Das Glück der Bilder Nach der Lektüre bleibt nur die Erinnerung an einige faszinierende poetische Bilder, in denen Patricia Görg ihr literarisches Talent aufblitzen lässt. Patricia Görgs Protagonist Maat ist ein einsamer Pendler zwischen den Welten, er ist ein Pendler zwischen dem Heiligen und dem Profanen, zwischen der Ewigkeit und dem Vergänglichen: Jeden Morgen tritt er ein in seine grüne „Museumsschachtel“ mit ihren mythendurchwehten mittelalterlichen Meisterwerken, in denen Heilige ihre Segel setzen, fliegende Fische und Engel erscheinen und das Gold in den Zwischenräumen wächst – und jeden Abend taucht der
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