Ein Lob auf die italienische ‚Nekrologie’ Von Carl Wilhelm Macke Scheinbar ist das Urteil eindeutig: die italienischen Medien sind verkommen, verrottet, korrupt und gehören sowieso alle Berlusconi. Über die Qualität des italienischen Fernsehens kann man sich tatsächlich kaum noch streiten. Die staatliche RAI, wenn auch nicht, wie in Deutschland oft einfach behauptet wird, zum Berlusconi-Konzern gehörend, hat sich dem Niveau der Privatsender in fast allen Sendeprogrammen erschreckend angenähert. Wer die Nachrichtensendungen („Telegiornale“) verfolgen will, muß sich auf eine wirre Bilderjagd einstellen, deren Zusammenhänge niemand versteht. Und es werden unentwegt dieselbenRead More
Täter, Opfer, Zuschauer Wir, die nach Kriegs- und Faschismusende Geborenen, verdanken den Arbeiten des amerikanischen Historikers Raul Hilberg sehr viel. Von C.W. Macke Als im Jahr 1950 die von den Nationalsozialisten aus Deutschland in die Vereinigten Staaten vertriebene Philosophin Hannah Arendt zum ersten Mal nach dem Krieg wieder mit Europa, ihrer alten Heimat konfrontiert wurde, notierte sie in ihr Reisetagebuch: „Nirgends wird dieser Alptraum von Zerstörung und Schrecken weniger verspürt und nirgendwo wird weniger darüber gesprochen als in Deutschland. Überall fällt einem auf, daß es keine Reaktion auf das GescheheneRead More
„Männer haben Schwerdienst leicht / außen hart und innen geeicht“. Petra Vesper über eine willkommene Fortsetzung.Read More
Ewig brennender Ofen Das Buch von Richter ist eine gründlich recherchierte und gut geschriebene Aufklärung über die spannende Geschichte eines Berges, zu dem die Menschen rund um den Golf von Neapel – und wohl auch der Autor selbst – immer noch gebannt hoch schauen. Von C.W. MACKE Er war erschüttert, fassungslos, wie von Sinnen. Als Gustav Flaubert im März 1851 einige Stunden am Fuße des Vesuvs verbrachte, verlor er jede Contenance und schrieb sich seine erotische Verwirrung von der Seele. „ Ich bin verrückt wie ein Esel ohne Packlast. SchonRead More

Posted On Juli 23, 2007 By In Bücher

Sean Rowe: Traumschiff

Hardboiled Rowe schreibt schnörkellos, zupackend und stahlhart. Mit wenigen Strichen zeichnet er ausdrucksstarke Charaktere und mixt im klassischen Hardboiled-Stil Coolness und Gewalt mit einem Schuss Liebe und Hoffnung. Sean Rowes Krimi-Debut beginnt mit einem Knalleffekt und endet mit einem klassischen Show Down – dazwischen liegen 200 Seiten temporeiche Spannung zu Lande und zu Wasser. Im Zentrum von Rowes Romans stehen die Stiefbrüder Matt und Jack. Der eine ist ein ehemaliger FBI-Agent und jetziger Sicherheitschef einer Kreuzfahrt-Reederei in Miami, der andere ist gerade aus dem Knast entlassen, er ist „der Betrüger,Read More
Carl Wilhelm Macke zeigt beispielhaft, Wie die „Prekarisierung“ heute immer mehr in den gesamten Kulturbetrieb hineinwuchert und zur Grunderfahrung intellektueller Arbeit auf allen Niveaus geworden ist. Ein über jeden Verdacht erhabener Literaturwissenschaftler fragt einen Autor, ob er Interesse habe, einen Lexikonartikel zu schreiben. Das Lexikon hat einen großen und guten Ruf in der Literaturwelt. An diesem Ort zu veröffentlichen, ist für jeden Autor eine Ehre. Da man glaubt, für die vorgesehenen Lexikonartikel eine gewisse Kompetenz zu besitzen, bekundet man Interesse an einer Mitarbeit. Der das Lexikon betreuende Wissenschaftler zeigt sichRead More
Flirrende Tage Die Entdeckung des Erzählers, aber auch und vor allem des großen Verlegers Alberto Vigevani (besonders seine Lebenserinnerungen „La febbre die libri“) steht bei uns noch aus. Der „Sommer am See“ ist da – hoffentlich – nur ein Anfang. Was wären wir nur ohne den editorischen Mut kleiner Verlage…?! Kleine Verlage sind wichtig und unverzichtbar für das literarische Leben und Überleben unserer Kultur. Man kann dies laut und mit viel Rhetorik hinausposaunen oder an einem Beispiel zu zeigen versuchen. Wer es sich als ein großer Verlag leisten kann, vertrautRead More
Die Kunst des Mordens Pierre Emme ist in Killerspiele einem mörderischen Wettbewerb auf der Spur. Und der kennt nur einen Sieger: Den vermeintlich perfekten Mörder. Vom perfekten Mord träumen kaltblütige Killer und kreative Krimiautoren. Nichts befriedigt diese beiden Berufsgruppen mehr als ein Verbrechen, das für niemanden zu lösen ist. Sowohl Killer als auch Krimiautoren wollen es nämlich den realen wie fiktiven Kommissaren so schwer wie möglich machen. Vertrackter wird die Sache, wenn die Killer den Krimiautoren ihre erfundenen Tötungsmethoden klauen und in die Tat umsetzen. Und genau das ist imRead More