Erotische Emanze Die alternde Lola Montez trauert in einem klug komponierten Hörspiel ihrem geliebten Bayernkönig Ludwig I. nach. Und wettert im amerikanischen Exil gegen die bieder-patriarchalische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Von örg von Bilavsky Bayern scheint erotische Emanzen mit politischen Ambitionen magisch anzuziehen. Heute die attraktive Landrätin Gabriele Pauli, vor gut 160 Jahren die attraktive Tänzerin Lola Montez. Beide haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, den jeweiligen bayerischen Regenten vom Sockel zu stoßen. Lola Montez bezahlte ihren politischen Ehrgeiz mit der Flucht ins Exil. Wohin es Frau Pauli nach
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Ohne Leidenschaft kein Leben Die Lebenserinnerungen von Rossana Rossanda Wie weit das alles zurückzuliegen scheint. Damals in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als man noch Briefe schrieb, erschien bei Suhrkamp ein Band mit „Stichworten zur geistigen Situation der Zeit.” Und ganz am Schluss des von Jürgen Habermas herausgegebenen Bandes war ein Brief des in jenen Jahren für die „edition suhrkamp” verantwortlichen Lektors Günther Busch veröffentlicht. Busch hatte ihn an die italienische Journalistin Rossana Rossanda adressiert. Die italienische Linke, so schrieb Busch etwas euphorisch an die von ihm geschätzte Rossanda,
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„Ein irres Ding“ In seinem mittlerweile dritten Kriminalroman gelingt es Jan Costin Wagner einmal mehr, sublime Hochspannung mit literarischer Ambition und existentiellem Tiefgang zu verbinden und damit eine Ausnahmestellung in diesem Genre einzunehmen. Wie schon den Vorgänger„Eismond“ lässt der abwechselnd in Frankfurt und Finnland lebende deutsche Jungautor seinen neuen Roman auch wieder im finnischen Turku mit den schon vertrauten Ermittlern Joentaa und Ketola spielen. Hier verschwindet 33 Jahre nach einem Mädchenmord an gleicher Stelle und unter ähnlichen Umständen ein weiteres junges Mädchen. Zusammen mit dem gerade in den Ruhestand verabschiedeten
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Picasso im Portfolio Piroschka Dossi blickt hinter die Kulissen des Kunstmarkts und entdeckt: Das Image eines Kunstwerkes oder Künstlers zählt sich oft mehr aus als seine Qualität Kunst kommt von Können, sagt eine allseits bekannte Redewendung. Seit einigen Jahren sollte man wohl lieber sagen: Die Kunst kommt vom Markt, wird von ihm gesponsert und gesteuert. So sieht es zumindest Piroschka Dossi, die selbst mit einem hochgehandelten Künstler verheiratet ist und jahrelang als Kunstberaterin tätig war. Sie kennt das geheimnisvolle Geflecht aus Sammlern, Händlern und Künstlern, die Mechanismen des boomenden Kunstmarkts
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Die Macht der Berater Charles den Tex sieht in seinem neuesten Thriller die Welt von Datenklau und virtueller Meinungsmanipulation bedroht. Ein Schreckensszenario mit schrecklichem Happy End. Wer seine Vorurteile pflegt, ahnte es schon immer. Unternehmensberater sind hochintelligente, aber auch skrupellose Gestalten. Doch dass sie es auf mehr als radikale Unternehmenssanierungen abgesehen haben, das ahnten wir nicht. Der niederländische Krimiautor Charles den Tex will uns aber genau das beweisen. Schließlich hat der gebürtige Australier in früheren Jahren auch einmal als Managementberater gearbeitet. Er kennt die Läden, von denen in „Die Macht
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Berlin Sony-Center Ulrich Peltzer ist derzeit einer der spannendsten deutschen Gegenwartsautoren, der sich auf avancierte Weise den rasanten Veränderungen unserer Zeit und der von der Postmoderne konstatierten „Agonie des Realen“ stellt – dies unterstreicht er einmal mehr in seinem neuen Roman „Teil der Lösung“. Ein stetiger Protagonist in Ulrich Peltzers Werken ist Berlin, ist der urbane Raum mit seinen Abermillionen „Codes und Gegencodes“, mit seinen spiegelnden Glasfassaden, Reklamen, Lichtern und Warenzeichen. Doch das seit Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ Literatur gewordene pulsierende und enervierende Großstadtleben wird im neuen Jahrtausend mehr und
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Jörg Magenau präsentiert die Geschichte des Zeitungsprojekts taz nicht wie seine Vorgänger Oliver Tolmein und Detlef zum Winkel in ihrer Schmähschrift tazsachen: Krallen zeigen – Pfötchen geben (1989) als Chronologie eines Verrats linker Ideale und Überzeugungen, sondern als Triumph einer „alternativen Bürgerlichkeit“. Von Jörg Auberg
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Ein letztes Mal zur RAF In diesen Tagen koennte man wieder fromm und bibelgläubig werden. Auf allen Kanälen, in allen Feuilletons der Zeitungen wird an den September vor 30 Jahren, an die RAF, an den „deutschen Herbst“ erinnert. Ein Bombardemsent an Worten, Bildern und Zeichen, um an ein Bombardement mit Waffen zu erinnern. Und den besten Kommentar dazu findet man im Matthäus-Evangelium Kapitel 8 Vers 22: „Laß die Toten ihre Toten begraben“. Die Toten der ‚bleiernen Zeit’ sind betrauert und begraben. Wen, außer selbstverständlich den Angehörigen der Opfer und die
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