Geschrieben am 31. Dezember 2023 von für Highlights, Highlights 2023

Georg Seeßlen: SEKTION 43 – eine Erzählung

SEKTION 43

Mein Name ist Alice, vielleicht. Jedenfalls steht „Alice“ an der Tür zu meinem Zimmer, und  „Alice“ ist auf die Kleidung und Wäsche gedruckt, die beim großen Erwachen auf meinem Bett gelegen ist. Meine Eltern sind Peter und Louise, und sie haben genau solche Zimmer wie ich, Jeder für sich. Ich glaube nicht, dass sie sich besonders mögen, und uns auch nicht. Das heißt mich und meinen Bruder Robert. Wahrscheinlich ist er nicht ein richtiger Bruder, so wie Peter und Louise auch keine richtigen Eltern sind. Aber wir wissen alle nicht viel, und einer weiß auch nicht so viel vom anderen. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Maschine es nicht mag, wenn wir zu nahe beieinander sind.

Robert ist cool, Meistens. Manchmal darf ich mit ihm zu seinen Leuten mitgehen. Die treffen sich immer auf dem langen Gang. Der lange Gang ist das, was zwischen den verschiedenen Wohn-Einheiten liegt. Sie sind alle genau gleich, und in jeder Wohneinheit sind genau vier Leute untergebracht. Jede Wohneinheit besteht aus vier Zimmern. Die sind sehr klein. Es ist ein Bett drin und ein Tisch und ein Stuhl. Dann gibt es einen Waschraum. Da kann man duschen, die Hände waschen und aufs Klo gehen. Wenn man etwas davon machen will (oder muss), dann drückt man den entsprechenden Knopf. Und den Rest macht die Maschine. Sie hüllt uns aber immer vollständig ein. Ich kann nicht sehen, was da unten passiert. Ich spüre das Wasser und das Zeug, das dabei ist und das irgendwie frisch riecht. Aber gesehen habe ich noch nichts. Ich weiß auch nicht, wie ich selber aussehe. Ich weiß nur, dass ich den Großen auf unserem Level ungefähr bis über die Hälfte reiche. Ich wachse noch, sagt man. 

Ich kann nicht sagen, wie lange das große Erwachen her ist. Am Anfang nämlich waren alle noch so verwirrt, dass sie an nichts gedacht haben als wie man sich gerade hinstellt oder weiß, wo die Türen sind. Nach und nach haben wir uns zurecht gefunden. Und wir haben auch wieder angefangen, miteinander zu reden. Aber viel zu sagen haben wir uns nicht gehabt. Denn niemand hat sich daran erinnern können, was vor dem großen Erwachen war.

Oder fast niemand. Es gibt die sonderbare Frau Johnson, die am Ende des langen Gangs wohnt, Ihr Mann und ihre beiden Kinder, wenn sie überhaupt ihre Kinder sind, benehmen sich ganz normal. Also, wie wir alle. Nur die Frau Johnson, die findet sich nie zurecht. Sie vergisst, welche Knöpfe sie drücken muss, im Waschzimmer, aber sogar wenn es darum geht, die Kekse zu nehmen, die wir drei mal am Tag bekommen, und das Wasser dazu. Und zwischendurch redet sie wirres Zeug, die Frau Johnson. Von kleinen Zimmern auf Rädern, mit denen man wer weiß wohin kommen konnte, von Bildern an der Wand, in denen man sich selber sehen kann, von Apparaten, in die man sprechen und aus denen man jemanden hören kann, der irgendwo anders ist. Solches Zeug eben. Und weil sie solches Zeug redet, bekommt Frau Johnson auch nie Bonuspunkte. 

Bonuspunkte sind ganz wichtig. Mit ihnen kann man beim Eingang, den die Maschine bewacht, in dem Raum mit den Sachen etwas bekommen, was nicht zu dem gehört, was wir jeden Tag sowieso bekommen. Wir bekommen drei mal am Tag Kekse, einen roten, einen grünen und einen braunen. Einen salzigen, einen, der irgendwie frisch schmeckt und einen, der eigentlich nach gar nichts schmeckt, aber gut satt macht. Und dazu gibt es Wasser. Beim dritten mal ist etwas drin, was uns gut schlafen lässt.

Wir haben nämlich eine Lichtphase und eine Dunkelphase. Nach einer Zeit haben wir angefangen, die Lichtphasen zu zählen. Seit wir damit angefangen haben, sind, wenn ich meine Striche richtig gezählt habe, 250 Lichtphasen vergangen. Daran kann man sehen, was wir können. Wir können sprechen, wir können sogar schreiben und lesen (allerdings gibt es nur wenig zu lesen), wir können rechnen, und wir lernen. Jede Lichtphase ein bisschen mehr. Das wichtigste, was wir lernen ist, wie man sich benimmt, damit die Maschine nicht böse wird, Und damit man Bonuspunkte sammeln kann. Mit den Bonuspunkten kann man, wie gesagt, die verrücktesten Dinge bekommen. Sie sind immer ein einer Extraabteilung am Eingang. Und es sind ganz verschiedene Dinge. Mal sind es Sachen zum Essen, die wir noch nie gesehen haben, mal sind es verrückte Stoffe oder Bilder, mal sind es Sachen zum Lesen. Alle diese Dinge sehen aus, als wären sie viel älter als wir. Ich habe mit meinen Bonuspunkten Papier und Stifte besorgt. So kann ich alles aufschreiben, was hier passiert. Sehr viel passiert aber nicht.

Seit ich schreiben kann, geht es mir gut. Ich glaube, es geht mir besser als den meisten auf unserer Sektion. Sie trägt die Nummer 43. 

Unsere Hauptaufgabe besteht darin, unsere Sektion sauber zu halten. Wir müssen zwei mal am Tag unsere Zimmer mit einem Stück Stoff ausreiben. Das Bett muss jeden Tag neu gemacht werden. Am wichtigsten ist es, nach dem Essen alle Krümel von den Keksen zu sammeln. Und dann muss auch der lange Gang gewischt werden. Manchmal denke ich, das meiste davon ist total sinnlos. Aber das sage ich lieber nicht,

Und ich schreibe auch sehr klein. Nicht bloß, damit ich mit weniger Papier auskomme. Ich habe gemerkt, dass die Maschine Sachen nicht mehr sehen kann, wenn sie unter einer bestimmten Größe sind. Wahrscheinlich will sie deswegen, dass wir so viel sauber machen, weil sie die kleinen Teile von Schmutz nicht sehen kann. Nur in den Waschraum lässt uns die Maschine nicht zum saubermachen. Das macht sie alles selber. Als wäre das ihr Geheimnis.

Die Maschine hört auch nicht alles, Deshalb bekommt man Bonus-Abzüge, wenn man miteinander flüstert oder sich irgendwie Zeichen gibt, die die Maschine nicht versteht. Robert und seine Freunde und Freundinnen haben sich ein raffiniertes System ausgedacht. Sie sprechen ganz normal laut miteinander, ganz gewöhnliches Zeug. Aber sie Versecken in verschiedenen Worten und mit verschiedenen Pausen, was sie sich eigentlich sagen wollen und was die Maschine nicht wissen soll, Ob das wirklich funktioniert, weiß ich nicht.

Aber ich weiß genau, was sie vorhaben.

Der lange Gang von Sektion 43 hat zwei Enden. Auf der einen Seite ist es einfach nur eine Mauer. Sie ist komischerweise total schwarz. In der Mitte der Mauer ist so eine Art eingelassenes Viereck. Es ist auch schwarz. 

Als Frau Johnson einmal erklärt hat, dass sie sich erinnert, dass es Fenster gegeben hat, und durch die hätte man hinaus in die Welt sehen können, „nach draußen“. Da hat sie einen Schockstrahl bekommen. Das ist die größere Art von Bestrafung, die die Maschine uns gibt, wenn wir etwas falsch machen.  Danach war die Frau Johnson über viele Lichtphasen lang vollkommen still.

Aber das mit dem „Fenster“ hat uns nicht mehr recht losgelassen. Wir schauen immer wieder auf dieses Quadrat. Einer von Roberts Freunden hat sich mal da so hingestellt und hinter seinem Rücken gekratzt an dem Quadrat. Aber es ist nichts von dem Schwarz abgegangen. 

Ich täte es wirklich gern wissen, was das ist, das „draußen“. Ob es das überhaupt gibt. 

Was es jedenfalls gibt ist das, was wir das „Treppenhaus“ nennen. Das Treppenhaus kommt nach der gläsernen Tür zu unserer Sektion. Es heißt Treppenhaus, auch wenn es nicht bloß Treppen gibt. Es gibt auch einen Aufzug. Aber in den traut sich eigentlich niemand hinein, weil er sich immer nur ein bisschen bewegt und niemand weiß, ob er wieder herauskommt. Es geht auch nicht immer nur nach oben und nach unten, sondern auch in alle Richtungen zu den Seiten. Aber oben und unten ist besser, da kann man sich leichter orientieren,

Im Treppenhaus gibt es keine Licht- und Dunkelphasen. Es flackert nur immerzu. Es wehen furchtbare Winde, manchmal heiß und manchmal eiskalt. So sauber es in unserer Sektion ist, so schmutzig ist es im Treppenhaus. Es gibt seltsame Wesen, die an dieses Leben angepasst sind. Sie sehen eklig aus. Manchmal klatschen welche an unsere Eingangstür.

Und dann gibt es die Nachtmenschen. Jeder von uns kann zu einem Nachtmenschen werden, 

Und das kommt so: Wenn man sich lange Zeit nichts zuschulden hat kommen lassen, kann man die Erlaubnis bekommen, ins Treppenhaus zu gehen. Dann kann man zum Beispiel versuchen, bis zur nächsten Sektion zu kommen. Nach oben, nach unten, sogar zur Seite, aber wie gesagt, da ist die Gefahr sich zu verlaufen groß, Einige von uns haben es schon bis zur Sektion 44 geschafft. Einer hat sogar gesagt, er sei runter gegangen bis zur Sektion 41. Man weiß nicht, ob man ihm glauben soll. 

Man muss gut in Form sein, wenn man sich ins Treppenhaus wagt. Deswegen machen Robert und seine Freunde auch viel Gymnastik und Sport, Die Maschine hat nichts dagegen, 

Und man braucht eine Ausrüstung. Irgendeine Art von Licht. Extra Kleidung, wenn es so kalt wird. Und irgendwas, womit man die schrecklichen Geschöpfe abwehren kann. Da gibt es kleine, klebrige, größere mit scharfen Zähnen, fette, die einen einfach umwerfen und man fällt vielleicht die Treppe herunter. 

Meistens machen die Leute nur kleine Ausflüge ins Treppenhaus. Damit etwas los ist. Oder weil sie es schön finden, für eine kurze Zeit nicht von der Maschine überwacht zu werden. Wer mal im Treppenhaus war, genießt eine ganz andere Art von Respekt. Und wer mal eine andere Sektion erreicht hat, der ist schon was besonderes. Damit, dass es das Treppenhaus gibt, und die anderen Sektionen, gibt es etwas zu erzählen. Wir hören so gern Geschichten aus dem Treppenhaus und von anderen Sektionen, dass manche, glaube ich, mehr erzählen als sie erlebt haben. Oder was anderes.

Manche, die aus dem Treppenhaus zurück kommen, sind nämlich nicht so glücklich. Man kann dann merken, dass sie was erlebt haben, worüber sie nicht sprechen wollen. Oder können. 

Aber ich wollte von den Nachtmenschen erzählen. Die Maschine gibt jedem, der ins Treppenhaus will, einen Zeitraum für sein Abenteuer. Das ist schwierig zu bestimmen, weil es im Treppenhaus ja keine regelmäßigen Lichtphasen gibt. Bei den Ausflügen ins Treppenhaus gehen die meisten von uns in Gruppen, und da ist einer dabei, der die Lichtphase im Gefühl hat. Es gibt nämlich Leute, die nichts anderes machen, als zu trainieren, sich eine Lichtphase ohne Licht merken zu können. Ganz genau geht das natürlich nicht, aber immerhin. 

Wenn man eine ganze Lichtphase zu spät zurück kommt, lässt einen die Maschine nicht mehr in die eigene Sektion herein. Dann muss man im Treppenhaus bleiben. Wenn man Glück hat, erreicht man eine andere Sektion. Leichter ist es dann, nach unten zu gehen. Und wenn in einer Sektion ein Platz frei geworden ist, kann man dann die Maschinen bitten, dass man aufgenommen wird. In unserer Sektion gibt es zwei, die von oberen Sektionen zu uns gekommen sind. Es ist allerdings schwierig mit ihnen zu reden, weil die Maschine sehr misstrauisch ist. 

Und wer nicht das Glück hat, in einer unteren Sektion Aufnahme zu finden, der wird zum Nachtmenschen. Man erzählt sich furchtbare Dinge über sie. Dass sie sich von den Kreaturen im Treppenhaus ernähren. Dass sie Leute angreifen, die sich zu einem Besuch bei der höheren Sektion aufmachen. Manche sagen sogar, dass Nachtmenschen uns auffressen, wenn sie uns erwischen. 

Das Treppenhaus ist ein sehr gefährlicher Ort. Aber auch ich werde mich mal dorthin trauen. Wenn ich genügend Bonuspunkte habe, eine Ausbeutung und wenn ich etwas mehr Sport gemacht habe. Vielleicht fange ich auch an, mir die innere Lichtphase anzueignen. 

Die Erlaubnis der Maschine jedenfalls reicht im besten Fall für einen Besuch in der nächsten Sektion. Aber in der nächsten Sektion gibt es wiederum Leute, die in der von ihnen aus gesehen nächsten Sektion waren. Und so weiter. Deswegen gibt es Geschichten über die anderen Sektionen, bis ziemlich weit nach oben. 

Geschichten! Niemand weiß, wieviel davon wahr ist. Aber so viel ist klar, denke ich. Die einzelnen Sektionen funktionieren ähnlich. In jeder Sektion gibt es die Maschine, die Wohneinheiten und den langen Gang, und in jeder Sektion gibt es den Ausgang zum Treppenhaus, der von der Maschine bewacht wird. Aber es gibt wie es scheint auch Unterschiede. 

In Sektion 44 habe ich sagen gehört, dass es dort ein Bild gibt, auf dem Menschen abgebildet sind, wie sie ohne Kleidung und ohne Umhüllung durch die Maschine aussehen. Es sind zwei verschiedene Arten von Mensch. Man kann dieses Bild für eine bestimmte Zeit ansehen, wenn man genügend Bonuspunkte hat. So haben die Menschen auf Sektion 44 noch einmal etwas zu erzählen.

Es ist schrecklich, wenn man nichts zu erzählen hat. Es war das Schrecklichste nach dem großen Erwachen.

In Sektion 48 sollen Menschen, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, selber über die Lichtphasen und die Nachtphasen entscheiden können. In Sektion 51, so erzählt man, können sie selber entscheiden, wo sie und mit wem sie wohnen wollen. Und in Sektion 54, aber das glaube ich wirklich nicht, haben sie die Möglichkeit, statt den gewöhnlichen Keksen, Sachen zu essen, die sie selber irgendwie zubereiten. Ich stelle mir das sehr komisch vor. 

Aber auch von den unteren Sektionen gibt es seltsame Nachrichten. Auf Sektion 41 soll niemand weiter als zehn Schritte von seiner Wohneinheit auf den langen Gang gehen dürfen. Sektion 39 hat keine Licht- und Dunkelphasen mehr, sondern nur ein zimmerwährendes Dämmerlicht. In Sektion 35 sollen die Menschen an Ketten gefesselt sein. Ich weiß wirklich nicht, ob ich das alles glauben soll. 

Aber sicher ist: Oben wird es besser. Unten wird es schlimmer. 

Wenn man sehr viel Glück hat, wird in einer oberen Sektion gerade ein Platz frei, wenn man auf Besuch kommt. Dann muss man sehen, wer bleiben darf. Wenn es normal läuft, dann schafft man es gerade rechtzeitig, wieder in die eigene Sektion zurück zu kommen. Wenn man Pech hat, muss man sich weiter unten einen Platz suchen. Wenn man sehr viel Pech hat, wird man zum Nachtmenschen. 

Ich habe etwas anderes vor. Ich habe noch nie mit jemandem darüber gesprochen. Ich will nicht nach oben und natürlich nicht nach unten. Ich will es in den Labyrinthen an den Seiten versuchen. Da war noch niemand. Und vielleicht ist da auch alles anders. Aber bevor ich das riskieren kann (ich weiß auch noch nicht mit wem, oder ob ich es allein mache) muss ich mich noch gut vorbereiten. Vielleicht muss ich auch noch ein bisschen größer werden. 

Und ich muss mehr wissen. Warum sind wir hier? Was war vor dem großen Erwachen? Was ist da „draußen“, wenn es das überhaupt gibt? Wo käme man hin, wenn man immer weiter nach oben ginge? Wohin, wenn es immer weiter nach unten geht? Wo führen die Labyrinthe zur Seite hin? Warum gibt es so viele Dinge, über die nicht gesprochen werden kann? Zum Beispiel von dem Menschen, die wir „die weiße Frau“ nennen. 

Sie muss von einer Sektion von sehr weit oben kommen. Dass sie Frau ist, haben die erkannt, die schon das Bild auf Sektion 44 gesehen haben. Ansonsten hat sie keinen Namen, oder sie sagt ihn nicht. Ihre weißen Kleider sind so ganz anders als die Kleidungen, die wir haben, und die wir nach drei Lichtphasen abgeben, um andere zu bekommen, die die Maschine frisch gewaschen hat. Die weiße Frau wurde bei uns aufgenommen, weil einer von den Kindern von Frau Johnson ins Treppenhaus gegangen war und nicht mehr zurück gekommen ist. Frau Johnson und die weiße Frau sind oft zusammen. Sie sprechen aber kaum miteinander. Sie schauen sich nur an, als wüssten sie beide, dass sie nicht sagen brauchen, was sie wissen.

Manchmal gehe ich an den Rand des langen Ganges, nur um in der Nähe von Frau Johnson und der weißen Frau zu sein. Ich möchte etwas von ihren Geheimnissen erfahren. Aber natürlich frage ich nichts. Ich tue so, als wenn ich ganz zufällig da wäre. Dann schauen mich die beiden an und lächeln so komisch. Sie wissen bestimmt etwas, was wir anderen nicht wissen. Und vielleicht weiß es nicht einmal die Maschine. 

Nur dass Frau Johnson und die weiße Frau so wenig Bonuspunkte bekommen, dass sie sich nicht einmal Papier und Stift leisten könnten. Ich weiß aber gar nicht, ob sie das überhaupt wollten. Ich würde ihnen ja gerne etwas geben. Vielleicht könnten sie mir ja sogar etwas aufschreiben. Auch so klein, dass es die Maschine nicht lesen kann. Aber wir sprechen eben nicht miteinander. Ich glaube im Moment ist es besser so. 

Wie ich schon berichtet habe, ging es bei Robert und seinen Freundinnen und Freunden nicht bloß ums Rumhängen im langen Gang. Sie fingen an, sich auf eine Reise ins Treppenhaus vorzubereiten. Sie hatten eine dabei, die ziemlich gut darin war, sich die Zeit einer Lichtphase vorzustellen. Vier von ihnen wollten es demnächst bis zur Sektion 44 schaffen. Und dann noch einmal vier. Aber das war nicht das eigentliche Ziel. Das habe ich Robert angesehen. Sie wollten sich früher oder später auf ein größeres Abenteuer einlassen. Sie wollten nicht mehr zurückkommen. Sie wollten nach oben. 

Und ich, ich wollte mitgehen. Jedenfalls ein Teil von mir wollte das. Und der andere Teil wollte warten. 

Und dann kam der Tag, an dem die weiße Frau zu sprechen begann. Und die Maschine wirklich böse wurde. 

Georg Seeßlen bei uns über die Systemrelevanz von Kultur. Seine Texte bei uns hier. Sein Rückblick auf die Zukunft in 2021 bei uns hier. Zuletzt von ihm erschienen:  Lucky Luke. Fast alles über den (nicht gar so) einsamen Cowboy und seinen Wilden Westen (Verlag Bertz + Fischer), ein Textauszug dazu bei uns hier. Außerdem, ganz neu: Das Geld. Wie es in Leib, Seele und Gemeinschaft überspringt (bahoe books). Dazu bei uns im Februar 2024 mehr.

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