Geschrieben am 1. Juli 2026 von für Crimemag, CrimeMag Juli-August 2026

Welt der Spione: Bodo V. Hechelhammer interviewt Ralf Langroth

Welten am Abgrund

Bodo V. Hechelhammer zum neuen Roman „Schwarzer Samstag“, samt Interview mit dem Autor, der in seinen Romanen die deutsche Nachkriegsgeschichte nachzeichnet

Mit Schwarzer Samstag legt Ralf Langroth den fünften Band seiner großen historischen Spionage-Thriller-Reihe um den BKA-Beamten Philipp Gerber vor. Der Kalte Krieg erreicht im Herbst 1962 seinen absoluten Höhepunkt. Während die Welt im Zuge der Kuba-Krise den Atem anhält und angstvoll auf einen drohenden Atomkrieg in den Abgrund blickt, gerät die junge Bundesrepublik durch die Spiegel-Affäre in eine eigene tiefgreifende Staatskrise. Vor dieser historischen Kulisse verwebt der Autor Polit-Volten, Geheimdienst-Schach und persönliches Drama zu einem packenden Thriller. In einer Epoche, in der nicht selten Paranoia ein verlässlicher Wegbegleiter, Vertrauen eine tödliche Schwäche und Verrat die gängige Währung war, verschwimmen die Grenzen zwischen historischer Wahrheit und fiktiver Hochspannung.

Der Erfolgsautor Ralf Langroth, ein Pseudonym für Jörg Kastner, unmittelbar nach Kuba-Krise und Spiegel-Affaire in Minden an der Weser geboren, entschied sich während seines Jurastudiums, seiner Schreibleidenschaft zu folgen. Seither arbeitet er als freier Schriftsteller und feiert mit seinen in zahlreichen Sprachen übersetzten Sachbüchern, historischen Romanen und Thrillern auch international große Erfolge. Es gelingt ihm immer wieder, historische Fakten gekonnt mit fiktiven Charakteren zu verbinden, und die Lesenden so in die Denk- und Sichtweisen der jeweiligen Epoche zu entführen. Ein Ansatz, der besonders in seiner Spionagereihe um Philipp Gerber zum Tragen kommt, in denen er akribisch recherchierte historische Fakten gekonnt mit fiktiven Charakteren verbindet. Langroth lässt Gerber in seinen fünf Bänden in den 1950er- und 1960er-Jahren an den historischen Nahtstellen der deutschen Nachkriegsgeschichte ermitteln und zeichnet so Meilensteine und Skandale der Bundesrepublik lesenswert nach.

Gerber hätte sich und den Mitarbeitern des Spiegels den
Abend, der lange und bis in den kommenden Morgen dauern
sollte, gern erspart. Es war wie die Invasion in einem feindlichen
Land. Ungläubigkeit und Feindseligkeit schlug den Männern
von der Sicherungsgruppe entgegen, als sie die Räumlichkeiten
des Hamburger Nachrichtenmagazins im Pressehaus
enterten. Acht Männer aus Bad Godesberg, die fast dreitau-
send Quadratmeter durchsuchen und jedwedes verdächtige
Material sicherstellen sollten. Wozu so gut wie jeder Schnipsel
Papier gehörte, auf den sie stießen, und Papier war hier das
Tagesgeschäft. Ein sichtlich überforderter Staatsanwalt Buback
stieß dazu, drei Dutzend Schutzpolizisten, ausgespuckt von
grünen Mannschaftstransportwagen, die vor dem Pressehaus
in Reih und Glied parkten, und Hamburger Kripo-Beamte.
Das Chaos in den oberen Stockwerken des Pressehauses wurde
dadurch nur größer statt kleiner. Die Polizisten hatten gelernt,
mit Gangstern umzugehen und, soweit es die Sicherungs-
gruppe betraf, mit Spionen, aber mit Presseleuten, die noch
dazu gerade dabei waren, eine neue Ausgabe ihrer Zeitschrift
herauszubringen? (S. 354)

Löste die SPIEGEL-Affäre aus: die Ausgabe 41/1962 © wiki-c.

Der 27. Oktober 1962, bekannt als Schwarzer Samstag, markiert den Höhepunkt der Kuba-Krise. Die Welt geriet in die Gefahr eines nuklearen Krieges, als bekannt wurde, dass die Sowjetunion Atomraketen auf Kuba stationiert hatte. Parallel zur globalen Bedrohung erschütterte die sogenannte Spiegel-Affäre, die ihren Ursprung in dem Artikel „Bedingt abwehrbereit“ hatte, im selben Monat die Bundesrepublik Deutschland und entfachte einen Konflikt um die Pressefreiheit sowie die Frage der Wiederaufrüstung.

Im Auftrag des Bonner Spiegel-Büros unternimmt Philipp Gerbers Ehefrau, die Journalistin Eva Herden, eine Reise nach Kuba. Das Ziel der Unternehmung besteht in der Durchführung eines exklusiven Interviews mit dem kubanischen Präsidenten. Gleichzeitig ist Philipp Gerber im Hamburger Kiez und Rotlichtmilieu unterwegs und damit betraut, eine kriminelle Organisation zu bekämpfen, die den illegalen Schmuggel von Waffen nach Kuba plant. Während in Havanna ein amerikanischer Aufklärer abgeschossen wird und die Welt am Rande des Dritten Weltkriegs steht, wird in Hamburg zeitgleich die Spiegel-Redaktion besetzt. Gerber sieht sich mit seinen Ermittlungen plötzlich in die Presseaffäre unmittelbar verwickelt. Die beiden zentralen Handlungsstränge werden durch weitere intransparente Spionageaktivitäten und Verstrickungen ehemaliger Nazi-Verbrecher miteinander verwoben.

«Völkerfreundschaft.» Chris Heise stülpte eine Schutzhaube über
die Kamera mit Teleobjektiv, die auf einem Stativ aufgebaut
war; er hatte genügend Aufnahmen von dem Passagierschiff
gemacht, auf dem sich nicht wirklich etwas tat. «Auf so einen
Namen für ein Kreuzfahrtschiff konnten sie auch
nur in Ostdeutschland kommen.
Immer hart an der Grenze zur Selbstparodie, die Genossen.»
«Immerhin einfallsreicher als Dresden, Leipzig oder Berlin», fand Eva.
«Demokratisches Berlin», spottete Chris und kam zurück an
ihren Tisch. «So hätten sie ihren Dampfer dann genannt.»
Sie saßen wieder unter dem Coca-Cola-Schirm auf der
Dachterrasse des Cafés, die ihnen einen ungehinderten Blick
auf den Hafen gewährte. Die Ankunft des DDR-Urlauberschiffs
trotz der amerikanischen Quarantäne war ein Ereignis, das Eva
für den Spiegel dokumentieren wollte. Schließlich gab es für sie
wenig zu tun seit dem abgebrochenen Interview. (S. 359)

Ralf Langroths Roman nimmt seinen Anfang mit einem kurzen Prolog im Jahr 1945, der einen atmosphärischen Ausgangspunkt für die nachfolgende Haupthandlung bildet. Die Geschichte entfaltet sich in einer hochverdichteten Weise über vierzig Kapitel zwischen dem 12. September und dem 12. November 1962. Die zeitliche Konzentration des Werkes auf exakt zwei Monate resultiert in einer deutlichen Steigerung der erzählerischen Dichte. Ein lesenswertes Nachwort sowie eine Zeittafel bieten zusätzliche Orientierung und ermöglichen eine erneute Einordnung der historischen Ereignisse. Der Stil des Romas zeichnet sich durch eine nüchterne, jedoch atmosphärisch dichte Sprache aus. Anstelle des Strebens nach Effekthascherei fokussiert er sich auf die Schaffung psychologischer Tiefe, die Berücksichtigung historischer Fakten sowie die Entwicklung logisch aufgebauter Spannungsbögen. Die Erzählung erfolgt aus verschiedenen Perspektiven, wodurch eine emotionale Tiefe entsteht, die über die einer sachlichen Erzählung hinausgeht.

Für Gerber hatte die ganze Sache mehrnals nur einen
unangenehmen Beigeschmack. Dass seine Frau für den
Spiegel arbeitete, spielte dabei nur eine untergeordnete
Rolle. Er hatte den Eindruck, dass die Ermittlungsabteilung
der Sicherungsgruppe – seine Abteilung – hier, als politische
Polizei missbraucht wurde.
Im Krieg hatte er gegen die Nazis mit ihrer Gestapo und der
Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit gekämpft,
und jetzt sah es ganz so aus, als veranstalte die Regierung
Adenauer, angestachelt vom umstrittenen Verteidigungsminister
Strauß, etwas, das den Methoden der Nazis sehr nahekam. (S. 332)

Schwarzer Samstag von Ralf Langroth ist ein erstklassiger historischer Thriller, der die dramatischen Meilensteine der deutschen Nachkriegsgeschichte meisterhaft mit einer fiktiven Krimihandlung verknüpft. Der Autor veranschaulicht die politische extreme Spannungslage des Jahres 1962 auf eindrucksvolle Weise. Die Qualität des vorliegenden Romans wird dabei maßgeblich durch das stark ausgeprägte Figurenensemble bestimmt. Die dargestellten Charaktere und die präsentierten Konflikte zeichnen sich durchgehend durch ihre Authentizität aus, was dem Buch eine besondere Qualität verleiht. Darüber hinaus veranschaulicht das Kernthema eindrucksvoll die Möglichkeit der Wiederholung von Geschichte.

Es wird deutlich, dass der globale Frieden mehr als fragil ist und geopolitische Machtkämpfe immer unkontrolliert dazu führen können, dass ganze Welten an den Rand des Abgrunds geraten. Liebhaber deutscher Nachkriegsgeschichte, die Spionagespannung in historischen Romanen zu schätzen wissen, werden an diesem Werk besonders viel Freude haben.

Bodo V. Hechelhammer

Ralf Langroth: Schwarzer Samstag. Rowohlt, Hamburg 2026. Klappenbroschur, 464 Seiten, 18 Euro.Verlagsinformationen hier.

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Einige Fragen an Ralf Langroth alias Jörg Kastner zu seinem neusten Roman Schwarzer Samstag:

Bodo V. Hechelhammer: Lieber Jörg, der Buchtitel bezieht sich auf den 27. Oktober 1962, den historischen Schwarzen Samstag, als die Welt am Rande eines Atomkriegs stand. Wie viel dokumentierte Realität und wie viel erzählerische Freiheit steckt in der Darstellung?

Jörg Kastner: In Prozentzahlen kann ich das nicht angeben. Die historischen Ereignisse sind für mich Ausgangsbasis, Hintergrund und Handlungsgerüst zugleich. Sie stimmen also, hoffe ich jedenfalls. Meine Roman-Charaktere, der BKA-Mann Philipp Gerber, die Journalistin Eva Herden und all die anderen, erleben innerhalb dieses historischen Rahmens von mir erfundene Abenteuer, was die historischen Ereignisse, schon wieder eine Hoffnung von mir, für die Leserschaft nacherlebbar und nachfühlbar werden lässt.

Die Spiegel-Affäre dient als weitere historische Kulisse des Romans. Philipp Gerber gerät mitten in den Presse-Skandal um Rudolf Augstein und Franz Josef Strauß. Was hat Dich daran gereizt, diesen Meilenstein der deutschen Pressefreiheit als dramaturgischen Heben für den Kriminalfall zu nutzen?

Philipp Gerber, die Hauptfigur meiner zeitgeschichtlichen Thriller, hat als junger Mann mit seiner Familie Deutschland verlassen, als die Nazis an die Macht gekommen sind. Er hat als amerikanischer Soldat beim US-Militärgeheimdienst CIC gegen die Nazis und für die Freiheit der unterdrückten deutschen Bevölkerung gekämpft. Jetzt gehört er zur bundesdeutschen Sicherungsgruppe, und ausgerechnet die erhält den Auftrag, die Hamburger Spiegel-Redaktion zu besetzen und zu durchsuchen. Er soll also dabei helfen, die Pressefreiheit einzuschränken. Was für einen Mann, der sein Leben im Kampf für diese Freiheit gewagt hat, ein ungeheurer Gewissenskonflikt ist. Und große Konflikte braucht man für einen guten Roman.

Können aus diesen internationalen, wie nationalen Krisen aus Deiner Sicht Lehren für unsere heutige Zeit gezogen werden?

Die Kuba-Krise hat uns gezeigt, wie schnell die gegenseitige Bedrohung mit Atomwaffen in die Phase „kurz vor zwölf“ übergehen kann. Derzeit sieht die Welt kaum besser aus, selbst Kuba wird vom jetzigen US-Regime wieder zum politischen Spielball gemacht. Und die Pressefreiheit steht für uns Deutsche leider auch nicht außer Frage. Die Politik schränkt Meinungs- und Pressefreiheit mit Gesetzen wie dem § 188 StGB (Politikerbeleidigung) oder mit der Beschneidung des Informationsfreiheitsgesetzes nur zu gern ein. Also ja, es können Lehren für die heutige Zeit gezogen werden, leider werden sie es kaum.

Wie würdest Du Philipp Gerber charakterlich beschreiben und dient er vielleicht sogar als Vorbild?

Philipp Gerber ist ein sehr geradliniger Mensch, der einem moralischen Kompass folgt und sich dabei immer bemüht, das in seinen Augen Richtige zu tun. Für uns Heutige ist er damit eine recht altmodische, aus der Zeit gefallene Figur, aber die Romane spielen ja auch in der Ära Adenauer. Und ja, sein Fähnchen nicht nach dem Wind zu drehen, ist in meinen Augen eine vorbildliche Haltung. Nur das ist überhaupt eine Haltung.

Eva Herden arbeitet nun für das Bonner Spiegel-Büro und reist für ein Interview mit Fidel Castro nach Havanna. Inwieweit ist das Frauenbild, die Rolle von Journalistinnen in den frühen 1960er- Jahren, authentisch? Gibt es historische Vorbilder?

Ich glaube, mit Eva Herden bin ich der Zeit etwas voraus. Es gab damals schon sehr erfolgreiche Journalistinnen wie in Deutschland Marion Dönhoff, die wie meine erfundene Eva eine große Adenauer-Kritikerin war, oder in den USA Marlene Sanders, die als TV-Korrespondentin live aus dem Vietnamkrieg berichtete. Aber das waren singuläre Erscheinungen. Ich habe mir zur Recherche den kompletten Spiegel-Jahrgang 1962 zugelegt, und wenn ich wahllos ein paar Hefte aufschlage, finde ich im Impressum maximal drei Frauen, eine in der Dokumentation und zwei bei den auswärtigen Redaktionsvertretungen, nämlich Frankfurt/Main und Wien. Ich brauchte für meine Romane eine starke, unabhängige Frauenfigur, und deshalb habe ich Eva Herden erschaffen, die ja keine einfache Biografie hat.

Neben den fiktiven Ermittlern kommen auch reale Akteure wie der amerikanische Sicherheitsberater McGeorge Bundy zu Wort. Wie nähert man sich als Romanautor den Denkweisen von realen historischen Schlüsselfiguren, ohne ihnen unhistorische Absichten zu unterstellen?

Ich habe es über die menschliche Ebene getan, die für eine Romanfigur ohnehin sehr wichtig ist. Woher kam Bundy; was hat er im Zweiten Weltkrieg gemacht; wie hat er seine Frau kennengelernt; was hat die beiden verbunden; welche Kinder hatten sie, und in welchem Alter waren diese zur Handlungszeit? Mit solchen Fragestellungen kann man eine historische Person, auch wenn es wie Bundy eine aus der zweiten Reihe ist, charakterlich definieren und für die Leser greifbar und authentisch machen.

Die literarische Verknüpfung loser Fäden unabhängiger historischer Ereignisse zu einer durchgehenden Geschichte ist eine Herausforderung. Was war bei diesem Plotting die größte erzählerische Herausforderung?

Bei diesem Roman waren es die beiden sehr unterschiedlichen Hauptschauplätze, auf denen die Handlung zeitgleich ihrem historischen Höhepunkt zustrebt. Am 27. Oktober 1962, dem „Schwarzen Samstag“, hätte es rund um Kuba zur See und in der Luft fast „geknallt“ – und wir reden hier von Atomwaffen. Es war auch der erste Tag, an dem die Spiegel-Redaktion durchgängig besetzt war. Hier war ich froh, zwei Hauptfiguren zu haben. Ich konnte Philipp Gerber ins Hamburger Pressehaus schicken und Eva Herden nach Kuba. Und was sie da herausfindet, hilft schlussendlich Philipp dabei, seine eigene moralische Krise aufgrund der Spiegel-Besetzung zu bewältigen.

Wie lange investierst Du Zeit für die konkreten Recherchen zum Roman, und wie geht’s Du hierbei vor?

Bevor ich mit dem eigentlichen Schreiben des Romans beginne, habe ich schon einige Monate in die Recherche gesteckt. Ich muss ja schon im Thema sein, wenn ich das Exposé schreibe, um den Roman an den Verlag zu verkaufen. Irgendwann muss ich mich dann zwingen, mit dem Schreiben zu beginnen. Dabei tauchen noch genügend Fragen auf, die mich immer wieder zum Weiterrecherchieren bringen. Da es wirtschaftlich leider nicht sinnvoll wäre, zum Beispiel nach Kuba zu reisen, ist der Löwenanteil Leserecherche. Zum Glück gibt es das Internet, und zum Glück haben die Amerikaner viele Unterlagen veröffentlicht. Im CIA-Archiv findet sich erstaunlich viel über die frühen Jahre der Bundesrepublik, weil man dort halt alle möglichen Akten gesammelt hat. Aber ich bin ein Büchermensch, und so kann man quasi zusehen, wie ich während der Arbeit am Roman an meinem Schreibtisch mit Fach- und Sachbüchern, mit Biografien und Lebenserinnerungen zuwachse. Und täglich klingelt die Postbotin.

Gab es bei den Recherchen zur Kuba-Krise oder den Hamburger Vorfällen von 1962 irgendwelche Fakten, die Dich komplett überrascht haben?

Bei der Kuba-Krise hat mich überrascht und erschreckt, mit welcher gewissenlosen Konsequenz Fidel Castro gern einen Atomkrieg herbeigeführt hätte. Zum Schluss war Chruschtschow ja regelrecht froh, dass er seine Atomsprengköpfe wieder ab- und damit Castros Zugriff entziehen konnte. Dass der darüber erboste Castro den sowjetischen Anführer als „Arschloch“ bezeichnet hat, das habe ich mir nicht ausgedacht. Auch die Ereignisse um das DDR-Urlauberschiff „Völkerfreundschaft“, das mit seinen Kreuzfahrt-Passagieren mitten in der Krise durch die amerikanische Seeblockade nach Havanna geschippert ist, fand ich höchst erstaunlich; das musste ich in meinem Roman einfach unterbringen. Bei der Spiegel-Affäre finde ich bemerkenswert, wie damals die Presse quer durch alle politischen Lager, von Springer bis Augstein, zusammengehalten hat. In der heutigen Zeit mit ihrem von Hass und Anfeindungen geprägten Klima halte ich das für undenkbar.

Es ist wieder ein gelungener Roman atmosphärischer Dichte. Inwieweit haben andere Vorbilder von großer Spionageromanen den eigenen Stil für die Philipp-Gerber-Reihe geprägt?

Ein Blogger nannte „Schwarzer Samstag“ einen „Spionagethriller wie von Frederick Forsyth, John le Carré oder Graham Greene“.  Das hat mir natürlich geschmeichelt, mich aber auch zum Schmunzeln gebracht. Ich habe während der Arbeit an dem Roman nämlich tatsächlich Werke von Forsyth, le Carré und Greene gelesen, um mich quasi „in Stimmung“ zu bringen. Greenes „Unser Mann in Havanna“ wird dann ja auch von einer meiner Romanfiguren gelesen. Außerdem bin ich Fan des oft abschätzig bewerteten Ian Fleming, ein Meister der Atmosphäre und des Details. Anspielungen auf ihn und seinen James Bond findet man immer wieder in den Gerber-Romanen.

Die Gerber-Reihe bietet ohne Frage genug Stoff auch für eine eigene Film-Reihe. Gibt es schon Interesse seitens Fernsehsender oder Streaming-Dienste und können wir uns auf eine Gerber-Verfilmung freuen?

Für den ersten Roman „Die Akte Adenauer“ gab es Anfragen von mehreren Filmproduzenten. Die Produktionsfirma, die von mir den Zuschlag erhalten hat, hat ein Team aus zwei erfahrenen Drehbuchautoren, beides Grimme-Preisträger, mit dem Treatment beauftragt, und das Ergebnis war erstaunlich dicht dran am Roman. Kleinere Abweichungen gibt es natürlich immer, aber letztlich hatte ich mit größeren Unterschieden gerechnet. Geplant war ein Mehrteiler fürs TV und fürs Streaming sowie eine begleitende Doku, für die ich einen Beratervertrag unterschrieben hatte. Gescheitert ist das Ganze daran, dass der finanzierende Fernsehsender einen anderen Adenauer-Stoff bevorzugt hat und nicht zweimal Adenauer machen wollte. Klingt etwas skurril, aber so ist es. Jetzt harre ich mal der Angebote, die da vielleicht kommen.

Es ist inzwischen der fünfte Band der erfolgreichen Reihe und die deutsche Nachkriegsgeschichte hält noch so viele dramatische Jahre bereit. Wie geht es weiter mit Gerber? Welche Ereignisse werden als Nächstes anvisiert?

Hätte ich da einen konkreten Plan, würde ich ihn hier nicht verraten wollen. Ein Spionageroman-Autor fürchtet halt auch die Spionage. Derzeit kommt die Gerber-Reihe aber voraussichtlich zu einem Halt. Die fünf bisherigen Romane haben ja die Geschichte der Adenauer-Ära in Romanform erzählt, von der Rückkehr Adenauers nach dem Zweiten Weltkrieg in die Politik bis zu seinem sich abzeichnenden Rückzug aus dem Kanzleramt. Jetzt ist es mal Zeit für etwas anderes, über das ich aber noch nichts Konkretes sagen kann. Doch Philipp Gerber und Eva Herden sind für mich nicht vom Tisch. Ich könnte mir auch vorstellen, Romane zu schreiben, die zeitliche Lücken in der bisher erzählten Chronologie füllen. Um ehrlich zu sein, ich habe da schon drei Romanexposés vorliegen, die meiner Lektorin gut gefallen haben.

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Bodo V. Hechelhammer kam als Chefhistoriker des Bundesnachrichtendienstes (BND) – mit einem kundigen Faible für die populärkulturellen Spiegelungen der Agenten- und Geheimdienstwelt – mit uns in Kontakt und ist seitdem ein geschätzter Autor. „Geheimdienst ist besonders spannend unter kulturhistorischer Sicht“, ein Interview von Alf Mayer mit dem Autor über sein Buch Doppelagent Heinz Felfe entdeckt Amerika. Der BND, die CIA und eine geheime Reise im Jahr 1956 hier
Alf Mayers Besprechung von Spion ohne Grenzen. Heinz Felfe – Agent in sieben Geheimdiensten hier.2022 erschienen: Rolf Kauka. Fürst der Füchse, hier bei uns besprochen, ein Textauszug hier.

Bodo V. Hechelhammers jüngstes Buch – Techniker der Macht – Wolfgang Döring: Die FDP zwischen Rechtsnationalismus und Rechtsstaatlichkeit. Brill | Schöningh, Paderborn 2025. 427 Seiten – hat ebenfalls mit Ralf Langroths aktuellem Roman zu tun. Siehe auch unseren Textauszug daraus hier. Wir sind darin im Jahr 1962 und im Kapitel »Koalitionsvolten (1961–1963)«, am Tag vor dem Rücktritt von Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister wegen seiner Rolle in der Spiegel-Affäre.

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