



Alle Abbildungen © Lucasfilm/ Verlag Taschen
Nicht nur Film-, sondern auch Comic-Geschichte geschrieben
Alf Mayer zur »Star Wars Comics Library«, Band 1
Paul Duncan (Hg.): Star Wars Comics Library. Vol. 1. 1977-1979. Mit einem Essay von Peter Sanderson. Ausgabe: Englisch. Verlag Taschen, Köln 2026. XXL-Format 28 x 39.5 cm, Hardcover, Gewicht 5,58 kg. 680 Seiten, 175 Euro. – Es gibt auch eine Collector’s Edition. Verlagsinformationen: www.taschen.com, zum Buch direkt. Der Comic-Historiker Peter Sanderson auf Substack.
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Dieser monumentale, beinahe sechs Kilo schwere Comic-Band macht wieder einmal klar, wie verengt Kultur oft bei uns betrachtet wird, wie wenig gewichtet und beachtet die ökonomisch-kulturelle Subgeschichte der Populärkultur bleibt. Dabei entstehen hier Imperien und ästhetische Schulen, wird manche Außenseiter-Idee zum Massenphänomen und zum globalen Wirtschaftsfaktor. »The Star Wars«, das war einmal die verschrobene Idee eines Jungfilmers, von der ihm sogar seine Freunde Francis Ford Coppola und Martin Scorsese abrieten. Das Filmstudio 20th Century Fox glaubte so wenig an einen Erfolg, dass es die Lizenz- und Fortsetzungsrechte weitgehend Regisseur George Lucas überließ, der seine Gage reduzierte, weil er den Film unbedingt realisieren wollte. Heute ist dieser Mann nach Schätzungen des Wirtschaftsmagazins Forbes 5,3 Milliarden Dollar schwer. Jetzt am 22. September öffnet das von ihm gestiftete, etwa eine Milliarde Dollar teure «Lucas Museum of Narrative Art» in Los Angeles.
Das ohne ihn niemals entstandene Star Wars-Franchise hat seit 1977 rund 100 Milliarden US-Dollar akkumuliert. »Star Wars macht Disney zur stärksten Marke der Welt«, titelte die FAZ, als George Lucas im Jahr 2012 seine Lucasfilm für rund 4,05 Milliarden US-Dollar an die Walt Disney Company verkaufte. In Branchenkreisen galt das als extrem teuer. Rückblickend war es eine der profitabelsten Akquisitionen der Unterhaltungsindustrie. Disney spielte die reinen Kaufkosten allein durch die ersten drei Filme und die darauffolgenden Fanartikel-Verkäufe um ein Vielfaches schnell wieder ein. Star Wars zählt zu den fünf wertvollsten und umsatzstärksten Medien-Franchises der Wirtschaftsgeschichte.
Der reine, isolierte Markenwert (Brand Value) der Marke Star Wars wird von Analysten auf mindestens 10 Milliarden US-Dollar beziffert. Die weltweiten Kinoeinnahmen aller bisherigen Star-Wars-Filme (inklusive der Haupttrilogien, der Spin-offs wie Rogue One und Solo sowie des Kinofilms The Mandalorian and Grogu) belaufen sich auf bisher über 10,6 Milliarden US-Dollar. 10 600 000 000 Dollar. Streaming, DVD und BluRays, früher Videokassetten, sind da noch nicht dabei.
Das lukrativste Geschäft von Star Wars sind nicht die Kinokassen selbst, sondern die Lizenzierungen. Für jeden an den Kinokassen eingenommenen Dollar generiert das Franchise im Schnitt das Vierfache durch Nebenprodukte. Diese Nebeneinnahmen begannen einst mit der Comic-Adaption von Star Wars, die als Zweitauswertung zum Filmstart erscheinen sollte und es nach holprigem Start auch tat. (Weiter unten dazu mehr.)
Die Fakten heute sind: Die geschätzten Gesamteinnahmen aus dem Star-Wars-Merchandising (Deos, T-Shirts, Füller, Schulranzen usw) und aus Spielzeugverkäufen belaufen sich für den Zeitraum von 1977 bis 2026 auf 30 bis 42 Milliarden US-Dollar. Zählt man die erweiterten lizenzierten Verkäufe – Videospiele, Bücher, Comics und sonstige Markenrechte – hinzu, liegt der Gesamtwert der verkauften Konsumgüter laut Branchenanalysen und Listen wie License Global sogar bei über 70 Milliarden US-Dollar. (Andere Quellen verorten die 70 Milliarden bereits 1978, demnach wären es bereits wohl über 100 Milliarden Einnahmen – es gibt hier keine Instanz, die Buch führt. Und Ökonomie gehört nicht zwingend zum Kulturjournalismus.) Alleine der Reingewinn (Nettogewinn), den LEGO durch die Themenwelt Star Wars erzielt, wird auf etwa 300 bis 450 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.






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Von den Star Wars-Filmen wissen wir, dass man sie auf einer möglichst großen Leinwand sehen sollte. (In der Tat haben ebendiese Filme viele große Kinoleinwände vor Schrumpfung oder Abbau bewahrt und haben mit dafür gesorgt, das Kinoerlebnis »groß« zu halten.) Nun lernen wir, dass die STAR WARS-Saga auch als Comic einen monumentalen Anflug hat und dass auch der Comicversion das XXL-Format schon immer eingeschrieben war. Überhaupt gehören gerade bei Star Wars die Kunstformen Film und Comic ganz nah zusammen, sind sozusagen Schwesternplaneten.
Das heutige Marvel-Superhelden-Universum wäre ohne die Star Wars-Comics vermutlich gar nicht entstanden, weil schon vorher insolvent gegangen. Die ersten Ausgaben der Star Wars-Comics im Jahr 1977 knackten als erste Comics seit den 1960er-Jahren die Marke von 1 Million verkaufter Exemplaren pro Heft. Der damalige Marvel-Chefredakteur Jim Shooter gab später an, dass die Star Wars-Einnahmen den Marvel-Verlag in einer schweren Krise vor dem Bankrott gerettet haben. Bei damaligen Preisen von ca. 30 bis 40 Cent pro Heft lag der reine Heftumsatz in dieser Ära inflationsbereinigt im zweistelligen Millionenbereich. Historische Daten und Branchenanalysen erlauben eine fundierte Schätzung, wonach die bisherigen weltweiten Gesamteinnahmen rein durch Star Wars-Comics im Bereich von 1 bis 1,5 Milliarden US-Dollar liegen dürften.
Allein die ursprüngliche Hauptreihe mit 107 Ausgaben verkaufte schätzungsweise 35 bis 40 Millionen Hefte. Bei damaligen Preisen von ca. 30 bis 40 Cent pro Heft lag der reine Heftumsatz in dieser Ära inflationsbereinigt im zweistelligen Millionenbereich.
Offizielle Wirtschaftsanalysen (wie die Franchise-Aufstellungen auf Wikipedia) listen die reinen Buchverkäufe historisch bei rund 1,82 Milliarden US-Dollar. Lucas Licensing verzeichnete über die Jahrzehnte mehr als 100 Millionen verkaufte Bücher im Star Wars-Universum, darunter über 850 verschiedene Romane, Enzyklopädien und Kinderbücher.
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Heute, mit den Blockbuster-Erfolgen der Superhelden-Filme von Superman bis Spider und Iron Man, Wolverine und einem ganzen Universum weiterer Figuren, sind Comics als kulturelles Phänomen voll im Mainstream angekommen. Die New Yorker Metropolitan Opera eröffnete vor einem Jahr ihre Saison 25/26 mit einem Anti-Faschismus-Comic als Oper, nämlich einer bildgewaltigen Adaption des Romans „The Amazing Adventures of Kavalier & Clay“ von Michael Chabon. 1977, dem Jahr, von dem hier hauptsächlich die Rede sein soll, wäre es ganz und gar unvorstellbar gewesen, einen Comic-Stoff auf die Bühne zu bringen. (Obwohl ich, aber das ist vielleicht nur meine Wahrnehmung, Opern ihrer emotionalen Zuspitzung wegen immer schon als oder wie Comics verstand. Alexander Kluge, mit dem ich ein paar Jahre näher zusammenarbeitete und mit ihm zusammen zum Beispiel Feuerwehrleute zum Frankfurter Opernbrand interviewte, mochte mit so etwas – Macht der Gefühle hin und her – gar nichts anfangen. Comics waren ihm ein fremdes, allzu triviales Medium.)
Nun gibt es ein Buch, das exemplarisch die Parallelgalaxien von Comic und Film durchreist, zumindest den ersten Band davon. Heute ist uns das STAR WARS-Universum ganz selbstverständlich gesetzt. Der Theologie Markus Pohlmeyer, der an der Europa-Universität Flensburg lehrt, pflegt seinen »Studierenden gelegentlich zu sagen, die momentan bekannteste globale Religion sei eben nun mal Star Wars. Und dann geht es los: warum eigentlich? Säkularisierung, Mythenproduktionsstopp, Mythopoetik, In-Geschichten-Verstrickt-Sein, Money-Making-Machines der Popkultur, US-amerikanischer Imperialismus, Science Fiction ist Religion!«
Einen Sternenhimmel ohne STAR WARS können und mögen wir uns gar nicht mehr vorstellen. Aber das alles hätte auch schon gleich ganz schnell verglühen und zerstieben können. Weder die Comic- noch die Kinokassenwelt hat damals, Ende der Siebziger, auf eine Sternenkriegs-Erzählungen gewartet.
»Ein Buch von den Ausmaßen eines Supersternenzerstörers, deinen Schreibtisch zu okkupieren«, umriss unser Autor Markus Pohlmeyer damals 2021 »Das Star Wars Archiv. Episoden I – III 1999–2005« von Paul Duncan. Während wir auf dessen Fortsetzung warten, dockt nun, ebenfalls von Paul Duncan betreut, erneut ein raumschiffbreiter, meteoritenschwerer, planetenschöner XXL-Prachtband auf der Verlagsplattform des Verlags Taschen an. Es ist der erste Band der »Star Wars Comics Library«, er bringt uns zurück in die Jahre 1977-1979 und präsentiert xxl-groß – wahrhaft bigger than life – die ersten 23 STAR WARS-Comics.

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Diese ersten 23 Comic-Ausgaben sind nun digital restauriert. Dabei wurden Mängel des kostengünstigen und technisch begrenzten Druckverfahrens der damaligen Zeit behoben, Charakter und besondere Anmutung der historischen Erstveröffentlichungen aber nicht übertüncht. Ergänzt wird die wahrhaft galaktische Ausgabe durch einen ausführlichen, vorzüglich und reichhaltig illustrierten historischen Essay des Comic-Historikers Peter Sanderson. Abgerundet wird der Band durch ein sehr ausführliches Kapitel mit allen wichtigen Angaben zu den Covern und zum jeweiligen Künstlerteam eines Heftes (inklusive im Original nicht genannter Beteiligter) sowie einer Zusammenfassung der Handlung und am Ende einer Biografie aller an den Comics mitwirkenden Künstler. Comic-Geschichte, wie sie sein sollte.
Die erste und letzte Seite eines jeden Heftes ist auf Hochglanzpapier gedruckt, was nicht nur einen haptischen Akzent setzt und enorm bei der Orientierung hilft, sondern gewiss auch eine buchbinderische Herausforderung war, die man nicht selbstverständlich nehmen sollte. Wie immer beim Verlag Taschen ist die Bindung exzellent, die Seite bleibt aufgeschlagen, wo immer man den Mammutband öffnet, und man muss nicht fürchten, den Buchrücken zu lädieren. Mit zum Standard gehört auch das eingeflochtene Lesezeichenband.
Am Anfang und am Ende des Buches finden sich einige Doppelseiten mit reproduzierten Litho-Filmen, ein starker visueller Effekt, wie ein Comic-Röntgenbild. Es brauchte solche Filme, um im klassischen Vierfarbdruck der Comics die verschiedenen Farbauszüge zu erstellen, aus deren Überlagerung dann der farbige Comic entstand: CMYK – Cyan, Magenta, Yellow und Key/Black. Ebenfalls mit zur Atmosphäre des Bandes trägt bei, dass die damaligen Hefte komplett wiedergegeben sind, die gesamte damalige Werbung, Leser-Aktionen und »Bullpen Bulletins« inklusive. Das erhöht den authentischen Reiz. Und man darf auch schmunzeln, etwa über Röntgenbrillen, Schreibkursangebote oder Star Trek-Werbung in einem Star Wars-Comic.
Die ersten sechs Comic-Ausgaben erzählen die Handlung des ersten STAR WARS-Films. Danach musste improvisiert werden – es gab ja noch keine weiteren Filme, STAR WARS II – DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK kam erst am 11. Dezember 1980 (Deutschlandstart) in die Kinos. Das Künstlerteam um Roy Thomas stand vor einem Dilemma. Es galt, Stories zu kreieren, die nichts an der intergalaktischen Gesamtsituation ändern und bestimmte Figuren zunächst nicht behandeln durften. Darth Vader, gewiss ein spannender Charakter, war erst einmal tabu. Also konzentrierten die Comic-Autoren sich zunächst vor allem auf weitere Abenteuer von Han Solo und Chewbacca. Es gab auch eine parallele, eigenständige Buchreihe. Bald schon entstanden aus der Mehrkanal-Medialität und den sich überlagernden Geschichts-Schichten von Filmen, Büchern und Comics Verknüpfungsprobleme, die den Kanon bis heute plagen.
Erst einmal aber gab es jenseits aller Leitplanken viel künstlerische und erzählerische Freiheit beim Fortspinnen der Jedi- und Sith-Legenden. Das Comicteam um Roy Thomas orientierte sich zum Beispiel auch beim Plot von Klassikern wie »Die sieben Samurai«, der ja auch George Lucas stark beeinflusst hat. Mit »Don-Wan Kioti«, der sich für den letzten Jedi hält, gab es zudem Verweise auf Don Quichotte – und, hier zu weit führend, durchaus Figuren-Rückkopplungen in die späteren Kinofilme.
Schon während George Lucas seinen Sternenkrieg vorbereitete (mehr dazu weiter unten), damals noch unter dem Titel »The Star Wars«, kontaktierte er Marvel Comics, um zum Kinostart eine Comic-Adaption einzutüten. Marvel war damals ein mittelständischer Comicverlag mit einem kleinen festen Redaktionsteam in New York City und einem großen Netzwerk aus freien Zeichnern und Autoren, gehörte zum Mutterkonzern Cadence Industries, bis 1970 als Perfect Film & Chemical Corporation bekannt und aus Filmlabor-Zubehörfirmen zum Medienkonzern gewachsen. Marvel reagierte zunächst zurückhaltend, dann wurde klar, dass Lucas die Lizenzrechte kostenlos zur Verfügung stellen würde. Lizenzgebühren sollten erst fällig werden, wenn sich der Comic mehr als 100.000 Mal verkaufte.
Nun, das tat er auch. Und zwar und wie. Nach dem Kinostart im Mai 1977 erkannte Marvel schnell, dass man einen absoluten Megahit gelandet hatte. Der Film startete zunächst im Mai 1977 in den USA in nur wenigen Kinos, spielte dort aber Rekordsummen ein – über 30 Millionen US-Dollar allein am ersten Wochenende, damals ein historisches Ergebnis. Rasch knackte er in den USA die Marke von über 190 Millionen US-Dollar, entwickelte sich zu einem unerwarteten Blockbuster. Bei der Oscar-Verleihung 1978 errang er sechs Auszeichnungen und zählte mit intergalaktischer Geschwindigkeit schnell zu den finanziell erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten. Nebenbei: In der damaligen Bundesrepublik Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern lief der Film fast ein Jahr später ab dem 10. Februar 1978 in den Kinos, in der DDR war eine Aufführung dagegen verboten. Der Film brach wider Erwarten zahlreiche Rekorde, löste Der weiße Hai (1975) als damals finanziell erfolgreichsten Film der Geschichte ab und hielt diesen Titel mehrere Jahre bis zur Veröffentlichung von E.T. – Der Außerirdische (1982). Heute wird der Film ausschließlich unter dem Alternativtitel Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung verbreitet. Direkt fortgesetzt wurde der Film drei Jahre später durch Das Imperium schlägt zurück (1980).
Die ersten Comic-Ausgaben, geschrieben von Roy Thomas und gezeichnet von Howard Chaykin – einem jungen Künstler, den Lucas im Independent-Comic StarReach* entdeckt hatte – verkauften sich über eine Million Mal. Das waren viermal so viele Exemplare wie Marvels erfolgreichster Superheldentitel The Amazing Spider-Man. Daraufhin wurde Star Wars zu einer monatlich erscheinenden Comicserie.
Da in den nächsten Jahren kein neuer Film geplant war und die Fans nach weiteren Geschichten lechzten, veröffentlichte Lucasfilm mehrere Romane. Doch die einzige regelmäßige Quelle für neue Abenteuer blieb die Comicserie. Dank der herausragenden Kreativen, die die Geschichten prägten, übertraf sie weiterhin alle anderen Marvel-Titel bei den Verkaufszahlen. Zu Roy Thomas und Howard Chaykin stießen schon bald Autor Archie Goodwin und Zeichner Carmine Infantino hinzu. Gemeinsam schickten sie Luke, Han, Leia und Darth Vader auf Reisen durch die gesamte Galaxis, erkundeten neue Welten und führten zahlreiche neue Figuren ein.
Die ersten 23 Ausgaben wurden nun digital überarbeitet, um die preiswerte, unvollkommene Druckqualität der damaligen Zeit zu korrigieren, ohne dabei den Geist und die Haptik der historischen Erstveröffentlichung zu verlieren; zudem wurden sie in einer XXL-Ausgabe zusammengefasst – größer noch als ein Todesstern. Diese wahrhaft galaktische Sammlung enthält zudem einen ausführlichen historischen Rückblick des Comic-Experten Peter Sanderson.
Die extrem rare 35-Cent-Testausgabe von Star Wars #1 aus dem Jahr 1977 bringt heute in sehr gutem Zustand bis zu 32.000 US-Dollar ein. Der Preis von 175 Euro für den Band mit den ersten 23 Star-Wars-Comis mag ambitioniert anmuten. Umgerechnet aber sind es 7,60 Euro pro Comic-Heft, dies in einem konkurrenzlosen XXL-Format, wobei es den Essay sowie Informationen zu Künstlern und den einzelnen Heften am Ende des Bandes noch als Gratisbeigabe gibt.
Alf Mayer


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Wie es sich gehört, kann »George Lucas: Der lange Weg zu Star Wars« heute als Graphic Novel nachvollzogen werden (Splitter Verlag, 2024, Szenario: Laurent Hopman, Zeichnung: Renaud Roche). Hier kurz der Schnelldurchlauf: Der Taugenichts George Lucas hat weder Lust auf Schule noch Arbeit, liest lieber Comics als Bücher, schaut alte Serials im Fernsehen. Sein Lieblings-Science-Fiction-Comic ist »Tommy Tomorrow« (1947 bis 1963) aus dem Golden Age der Comics…


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Zum Entsetzen seiner Eltern beginnt er ein Filmstudium, liebe es und bastelt erfindungs- und trickreich den düster-dystopischen Kurzfilm »THX-1138 4EB«, der für Aufsehen sorgt. An der Film-Uni trifft er einen gewissen Stephen Spielberg, der ihn mit der Cutterin Marcia Lou Griffin bekannt macht, die er kurz darauf heiratet. Auch Francis Ford Coppola wird auf ihn aufmerksam und gründet mit ihm das unabhängige Zoetrope Studio, dessen erstes Werk 1970 eine Spielfilmfassung von »THX« wird – allgemein zwar als optisch imposant, aber zu intellektuell und kalt klassifiziert. Er lässt sich überzeugen, bei seinem nächsten Projekt eine andere Richtung einzuschlagen. »American Graffiti« (1973) wird eine nostalgische Reminiszenz auf seine Kleinstadt-Jugend. Obwohl der Film den Studiobossen nicht gefällt, besteht Lucas auf weiteren Testvorführungen, die vor allem beim jugendlichen Publikum prima ankommen, was den Weg in die Kinos ebnet und dem jungen Regisseur einen veritablen Kassenschlager beschert.
Auch Alan Ladd Jr., bei 20th Century Fox mit dem Aufspüren erfolgsträchtiger Ideen betraut, ist begeistert und will mit ihm zusammenarbeiten. George Lucas geht an einen lang gehegten Traum, die Verfilmung der Zeitungs-Comic-Abenteuer von Flash Gordon, der es in den 30ern und 40ern als Serials schon einmal auf der Leinwand gab. Rechteinhaber King Features aber will unverschämt viel Geld. Lucas entwirft deshalb sein Weltraumepos kurzerhand selbst. Es nennt sich schon »Star Wars«, ist sehr beeinflusst von Akira Kurosawas »Die verborgene Festung« und erzählt die Geschichte einer Rebellion gegen eine finstere Macht, inklusive einiger Befreiungsaktionen.
Lucas kassiert reihenweise Absagen bei den Hollywood-Studios: zu konfus, zu spirituell, nur Alan Ladd jr. bleibt im Boot. Beflügelt vom Erfolg von »American Graffiti« schreibt Lucas nun ein Drehbuch, stellt es im Sommer 1974 unter dem Titel »Adventures of the Starkiller« fertig.
Um die erforderlichen Spezialeffekte abschätzen zu können, lässt er Storyboards anfertigen, während gewichtige Freunde wie Martin Scorsese oder John Milius warnen, dass er mit seinem Mischmasch aus Esoterik und Jugendphantasien baden gehen wird. Die französische Graphic Novel heißt denn auch im Original »Les Guerres de Lucas« – Die Kriege des Lucas. Nach weiteren Überarbeitungen nähert Lucas sich langsam der Endfassung des Skriptes an, die Dialoge holpern noch, aber seiner Frau scheint die Story nun stringent.
20th Century Fox zaudert weiterhin, Lucas den endgültigen Vertrag zu geben. Er geht kurzerhand mit seinem Privatvermögen (das nicht ewig reichen wird) in die Vorfinanzierung. Anstatt in Los Angeles produziert er in den vergleichsweise günstigen Elstree Studios in London. Und er gründet 1975, weil die von ihm gewünschten Spezialeffekte kaum realisierbar scheinen, mit einer Gruppe von Technikfreaks seine eigene Special-Effects-Firma Industrial Light and Magic. Nach einem eher holprigen Casting, bei dem George Lucas drei unbekannte Schauspieler für die Hauptrollen auswählt, genehmigt das Studio in letzter Sekunde das Budget. Die Dreharbeiten können so schließlich am 22. März 1976 in der Wüste von Tunesien beginnen … Der Rest ist Filmgeschichte.
… Jetzt am 22. September 2026 wird das eine Millarde Dollar teure «Lucas Museum of Narrative Art» in Los Angeles eröffnet. Die Sammlung umfasst rund 40.000 Objekte, 1.200 davon (darunter Werke von Frida Kahlo, Norman Rockwell und Banksy) werden bei der Eröffnung gezeigt. Das Museum will zeigen, wie Menschen mit Bildern Geschichten erzählen, und reicht von Malerei und Comics bis zur Filmwelt. Die »Star Wars«-Saga macht nach Angaben des Museums sieben Prozent der Sammlung aus.


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Alf Mayer: Monumentaler Ausflug in die Digitalisierung des Kinos: „Das Star Wars Archiv 1999 – 2005“ in CulturMag Mai 2021
Markus Pohlmeyer: „Star Wars“: Exportschlager Demokratie – Gulliver im Outer Space, Ein Essay in CulturMag März 2013
Markus Pohlmeyer: Dinos, Star Wars und die Berliner Mauer, in CulturMag November 2014.
Markus Pohlmeyer: Star Wars. Rogue One. Kritische Gedanken zu einer neuen Weltreligion, CulturMag Januar 2017.
Markus Pohlmeyer: Star Wars I-III. Digitale Malerei. Eine Rezension zu: Paul Duncan: Das Star Wars Archiv. Episoden I-III. CulturMag Juni 2021, hier:











