Geschrieben am 1. Dezember 2025 von für Crimemag, CrimeMag Dezember 2025

»Costume Jewelery« – Schmuck für die barfüßige Gräfin

Costume Jewelry. Aus der Kollektion Patrizia Sandretto Re Rebaudengo. Texte von Carol Woolton und Maria Luisa Frisa. Fotografie: Luciano Romano. Mehrsprachige Ausgabe: Englisch, Deutsch, Französisch. Verlag Taschen, Köln 2025. Hardcover, Format 26,9 x 33,6 cm, Gewicht 4,49 kg, 528 Seiten, 100 Euro. – Verfügbar ab 5. Dezember 2025. Informationen zum Buch und zum Verlag: taschen.com

Petra Lamers-Schütze, Regina Herbst und Philipp Demeter präsentieren das Buch am 3. Dezember um 12.30 Uhr im Dorotheum Wien, Dorotheergasse 17, 1010 Wien. Anschließend Champagnerempfang. Eintritt frei.

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»Costume Jewelry« – Die eleganteste Form der Rebellion

Faux and Fabulous: Wie Schmuck zum Vehikel von Demokratisierung, Emanzipation und Freiheit wurde – Alf Mayer über den Bildband »Costume Jewelry«

Die Frauen machen sich nur deshalb so hübsch, weil das Auge
des Mannes besser entwickelt ist als sein Verstand. – Doris Day

Der englische Begriff costume jewelry transportiert weit mehr Glamour als seine deutsche Entsprechung, die nach Billig klingt. Modeschmuck, das macht nichts her. Wie viel aber doch, das zeigt nun ein vorzüglich fotografiertes und kommentiertes Buch im Verlag Taschen. Der Band führt geradezu idealtypisch vor, mit wie viel Glamour »Costume Jewelry« zu tun hat. Nicht wenige der Stücke wurden schon auf einem Roten Teppich getragen.

Die im Buch gezeigten – nein: inszenierten – beinahe 600 Preziosen entstammen der Sammlung der italienischen Kunstmäzenin Patrizia Sandretto Re Rebaudengo aus dem Piemont. In dem sorgfältig kuratierten Band  finden sie nun einen würdigen Auftritt. Ganz nebenbei erweitert sich der Horizont um einige wichtige und interessante Designer, ihnen sind teils eigene Kapitel gewidmet, im Anhang finden sich 41 zusätzliche Biografien (weiter unten Beispiele.) Für Patrizia Sandretto Re Rebaudengo war einst eine Trifari­-Brosche der Grund, mit dem Sammeln der amerikanischen Modeschmuckstücke zu beginnen. Rosangela Cochrane, die ihr damals das Schmuckstück schenkte, ist heute Kuratorin der Sammlung – und Herz und Motor dieses Buches. Die mäzenatisch sehr aktive Sammlerin zählt zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt. 1995 gründete sie die Stiftung Fondazione Sandretto Re Rebaudengo. Die wiederum war und ist nicht unbedeutend daran beteiligt, dass die Piemont-Stadt Alba 2027 zur Kulturhauptstadt wird. Ein Porträt, das die Kunstmäzenin mit Peggy Guggenheim vergleicht, findet sich hier; und hier sie selbst bei Instagram.

Alle großen Filmfestivals, jede Filmpreisverleihung, erst recht die Oscars, transportieren immer schon auch eine Subgeschichte der Mode und des Schmucks (und ja, auch der Schuhe). Da ist vieles noch nicht erzählt. Wird es auch hier nicht. Ebenso hier nichts über Pforzheim, Schwäbisch Gmünd, Idar-Oberstein, Gablonz, Neugablonz oder Providence/ USA. Das waren vom Ende des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die wichtigsten Modeschmuckzentren der Welt. Das Tor für »billigere«, aber eben auch demokratischere Formen von Schmuck in die mondäne Welt der Haute Couture aber öffnete sich in New York – und in Hollywood. New York wurde zum Labor für neue Formen des Schmucks, dies dank europäischer Handwerker und Designer, die dem alten Kontinent wegen zweier Weltkriege entflohen, und damit auch manch hinderlicher Konvention. Unter ihren Händen wurden Schmuckstücke kühner, schöner, zugänglicher. Innovative Materialien wie Bakelit oder Lucite, Halbedelsteine, Diamanten imitierende Zirkonia, Legierungen aus Zink, Messing, Bronze, Kupfer, Glas, synthetische Steine, Leder, Gummi, Metall, Kautschuk, Email und leuchtende Farben spiegelten die Sehnsucht nach Modernität und Exotik. So verwischte sich die Grenze zwischen „echtem“ und „falschem“ Schmuck. Accessoires wurden zu tragbarer Kunst.

Mit der ganzen Finesse kostbarer Juwelen gefertigt

Wesentlich mehr Frauen (und Männer) hatten jetzt die Möglichkeit zu glitzern und trugen mit dem neuen Schmuck voller Stolz neue Freiheitsideale zur Schau. Den eigenen Schmuck zu kaufen, war für viele Frauen eine Bestätigung ihrer neu entdeckten Unabhängigkeit. Diese Befreiung fand ihre ikonischen Bilder in den Filmstars auf der Leinwand, und Hollywoodfilme trugen ihrerseits dazu bei, den Status von Modeschmuck zu erhöhen. In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde das Kino zum zentralen Schaufenster für Stil und Luxus. Die Filmindustrie machte amerikanisches Design weltweit im öffentlichen Bewusstsein populär. Der fürstliche Glamour der Stars prägte Mode- und Schmucktrends, auch die Kinogängerinnen wollten sich wie Schauspielerinnen geben und kleiden. Der legendäre Kostümbildner Gilbert Adrian befand: »Filme sind zum Paris Amerikas geworden.«

Die herrlich übertrieben wirkende Perlenkette von Audrey Heburn in »Frühstück für Tiffany« war ein Entwurf des jungen Kenneth Jay Lane, welch ein Einstieg für einen Schmuckdesigner.

In der amerikanischen Designgeschichte, so veranschaulicht das Buch, ist costume jewelry eng mit der Filmindustrie in Hollywood verknüpft, mit der Arbeit legendärer Kostümbildner wie Adrian für Greta Garbo und Joan Crawford, Orry­Kelly für Bette Davis, Travis Banton für Marlene Dietrich, oder Edith Head, die in ihrermehr als vierzigjährigen Tätigkeit für Paramount Filmstars wie Ingrid Bergman, Gloria Swanson, Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn und Grace Kelly eingekleidet hat. Zitat aus dem formidablen Essay: »So entwickelte sich die costume jewelry zum bedeutenden Bestandteil der glamour factory, nahm aber auch Einfluss auf die Mode und deren tonangebende Zeitschriften wie Vogue. Wer costume jewelry entwarf und herstellte … trug zum Hochglanz-Image der glamour girls bei, die das Schönheitsideal des vergangenen Jahrhunderts bestimmten.«

Anthony Aquilino, Charles Armour, Marcel Boucher, Hattie Carnegie, William de Lillo, Ralph de Rosa, Mimi di Niscemi, Jonas Eisenberg, Wendy Gell, Miriam Haskell, Hobé, Joseff of Hollywood, Walter Lampl, Kenneth Jay Lane, Iradj Moini sind einige der im Buch präsenten Schmuckdesigner und Produzenten.

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Die Vogue war eine frühe Verfechterin falscher Juwelen und begrüßte schon 1921 die neuen bahnbrechenden Techniken, die entwickelt worden waren, um solide gemachte Schmucksteine herzustellen, teils mit der ganzen Finesse kostbarer Juwelen gefertigt: »Man darf bitte nicht glauben, dass diese künstlichen Steine in irgendeinem Sinne schäbige Imitationen von echten Juwelen sind Ganz im Gegenteil: Sie sind veritable Kunstwerke, so ausgeklügelt und so zart, dass nur die Arbeit eines echten Künstlers, eines Mannes mit der angeborenen Liebe zum Feuer und Farbglanz von Juwelen sie erfolgreich hervorzubringen vermag.«

Mit der Gründung von Modeschmuckfirmen auf beiden Seiten des Atlantiks wurden Halbedelsteine durch Glasfluss und Kristall ersetzt. Bei Louis Rousselet, einem Hersteller zwischen den beiden Weltkriegen, produzierten achthundert Mitarbeiter Metallkonstruktionen, Similisteine und künstliche Perlen für das berühmte Variete-Theater Folies-Bergère auf der Rue Richer in Paris, wo zum Beispiel Josefine Baker auftrat, für das Haus Chanel und andere Kunden. Von New York aus strahlte der Glitzer der Ziegfeld Follies über das ganze Land; die aufwendigen Revuen mit einem Mix von Stil und Event, feierten am New Yorker Broadway von 1907 bis 1957 Triumphe. Sie boten Auftritte für viele führende MGM-Talente, darunter Fred Astaire, Lucille Ball, Lucille Bremer, Fanny Brice, Judy Garland, Kathryn Grayson, Lena Horne, Gene Kelly, James Melton, Victor Moore, William Powell, Red Skelton oder Esther Williams. Der Broadway-Impressario Florenz »Flo« Ziegfeld jr. (dessen Vater in Jever geboren und in die USA ausgewandert war) interviewte ein Vierteljahrhundert lang jedes Jahr 15.000 schöne Frauen, und insgesamt 3.000 wurden als Ziegfeld Girls ausgewählt – seine Vorstellung von den glorreichsten Vertreterinnen der amerikanischen Weiblichkeit.

Die Mode-Silhouette der 1920er Jahre war lang, luxuriös und feminin und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Clipbrosche. Anstatt den Stoff mit einer Nadel zu durchstechen, umklammerten Clipbroschen das Textil mit einem Klappmechanismus. Daraus ergaben sich für ihre Platzierung völlig neue Möglichkeiten. Clips ließen sich über die tiefen Ausschnitte von Abendkleidern verteilen oder auch an Mantelrevers und Abendtäschchen heften, wurden so Teil eines »Ensembles«. Dieser Modebegriff wurde von Coco Chanel mitgeprägt; sie fand, dass Schmuckstücke ihre größte Eleganz entfalteten, wenn sie Teil eines Ensembles waren und so das »Kostüm« vervollständigten Die Vogue stimmte zu: »Die erste und wichtigste Regel in der Schmuckmode entspricht der Grundregel für jedes Detail der heutigen Kleidung: Der Schmuck muss wie ein fester Bestandteil eines gut durchdachten Ensembles wirken. Für Schmuck ist diese Eigenschaft neu.«

In einem Interview verriet Patrizia Sandretto Re Rebaudengo, der Sammlung im Buch zu bewundern ist, dass sie manche ihrer Kleider gar eigens nach einem bestimmten Schmuckstück schneidern lässt: »I have a tailor and he is a friend of mine. He is making my dresses. Often we start from my jewellery. The dress has to be sometimes made for that specific jewellery. In other occasions I find a fabric. We work together.« (Zitat gegen Ende des Textes.)

Nebenbei: Die Vogue brach mit den herrschenden Konventionen, als sie im Oktober 1926 ein Grenzen überschreitendes schwarzes Crêpe­de­Chine­Kleid von Chanel publizierte. Die Farbe war bis dahin für Trauerkleider reserviert gewesen, doch dieses Schwarze besaß eine Raffinesse, die Frauen aus allen Schichten zugänglich war. Seine Schlichtheit verlangte geradezu nach bunten oder glitzernden Accessoires. Spätestens mit der ersten Ausstellung für Modeschmuck, die der französische Verband der Modeschmuckhersteller im Oktober 1930 in Paris veranstaltete, war diese Schmuckform offiziell in der Modebranche angekommen.

Kapitelüberschriften wie »Fruit Salad«, »Heads and Masks«, »Tropical«, »Patriotic«, »Christmas Trees«, »All That Sparkles« oder »Jelly Bellies« deuten schon an, dass beim Modeschmuck so ziemlich alles möglich ist, was funkelt und frappiert: kunstvoll bunte Kraken, golden glitzernde Hummer, leuchtende Maiskolben, Vögel, Blumen, Früchte oder perlenbestückte Erbsenschoten.

Es ging und geht bei »Faux and Fabulous« um nichts weniger als die Demokratisierung von Schmuck. Um Emanzipation. Um Freiheit. Aus historischer Sicht wird Schmuck in der Mode zur elegantesten Form der Rebellion und zum Zeichen von Veränderung. Glamour, so extemporiert Ute Cohen in ihrer elegant geschliffenen Studie, ist nicht weniger als »das Wagnis, sich kunstvoll zu inszenieren« (zu Klampen Verlag, 2025, meine Besprechung hier). Sie beginnt ihr Buch mit Ava Gardner: »She can’t act. She can’t talk. She’s terrific. Sign her«, schrieb der Studiochef Louis B. Mayer an seinen Kollegen, der ihm Probeaufnahmen einer jungen Schauspielerin mit smaragdgrünen Augen, dunkel gewelltem Haar und einem verführerischen Grübchen am Kinn geschickt hatte. Die Belohnung für ihre schauspielerische und sprecherische Unfähigkeit war ein Sieben-Jahres-Vertrag bei Metro-Goldwyn-Mayer.« So schlägt Ute Cohen den Vorhang zum Glamour auf, hat uns schon gleich in den Fängen. »I put a spell on you«, heißt ihr erstes Kapitel. Untertitel: »Die Angst vor dem Zauber«.

Der Inbegriff der 1940er-Jahre-Mode war Joan Crawfords Look in »Solange ein Herz schlägt« (Mildred Pierce). In ihrer Oscar-prämierten Hauptrolle als Mildred Pierce spielte Crawford eine Hausfrau, die sich hocharbeitet und zur mächtigen Geschäftsfrau wird – im Nadelstreifenkostüm mit breiten Schulterpolstern und einer großen Modeschmuckbrosche, die im Ausschnitt ihrer weißen Bluse aufblitzt. Wie andere Schauspielerinnen der Zeit, darunter Rita Hayworth und Merle Oberon, häufte auch Crawford privat eine beträchtliche Juwelenschmuck-Sammlung an, während sie auf der Leinwand mit spektakulären goldglänzenden Stücken von Joseff of Hollywood brillierte (im Buch auf den Seiten16, 17, 45, 330–337). Abseits der Leinwand waren die Aktricen mit opulenten Nostalgieschmuckstücken in Star-Magazinen wie Coronet oder Movie Parade zu sehen, wo sie einen Lebensstil verkörperten, nach dem sich alle sehnten. Verstärkt wurde diese Sehnsucht durch Anzeigen von Modeschmuckfirmen, in denen die Stars die neuesten Designs vorführten. So modelte etwa Joan Crawford für Miriam Haskell und Carole Lombard für Trifari.

Die Botschaft war eindeutig: Mit Modeschmuck fühlst du dich wie ein Star. Mit Modeschmuck wurde jede Frau zu Ava Gardner. Eine ihrer Glanzrollen: »Die barfüßige Gräfin«.

Was ein schönes Bild – für den Schmuck mit der demokratischen Note.

Alf Mayer

Lesehinweis: Ute Cohen: Glamour. Über das Wagnis, sich kunstvoll zu inszenieren. zu Klampen Verlag, 2025. Unsere Besprechung hier.

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Egyptian Revival Collar Necklace« von William de Lillo

Modeschmuck braucht Anhang, hier einige Exkurse

Wissen Sie, was ein Cabochon ist? Solche geschliffenen Edel- oder Schmucksteine mit einer glatten, gewölbten Oberseite und einer flachen Unterseite finden sich beim »Egyptian Revival Collar Necklace« von William de Lillo aus dem Jahr 1969. Es hat einen fulminanten, (fast?) 1:1 von fotografierten Doppelseiten-Auftritt gleich zu Beginn des Bandes über »Costume Jewelery« auf der Seite 6-7. Geschnittene Achat-, Rubin- und blaue Glascabochons auf einer vergoldetem Metallbasis, jede barfüßige Gräfin oder auch Cleopatra könnten dieses Collier tragen.

Der Architektur- und Theater-Fotograf Luciano Romano setzt für das Buch jedes Schmuckstück so in Szene, als hätte es seinen eigenen Bühnenmoment. Die Texte stammen von zwei Schmuck-Expertinnen: Carol Woolton, langjährige Journalistin bei der britischen Vogue, ist Autorin zahlreicher Bücher und Gründerin des Podcasts »If Jewels Could Talk«. Die Modekritikerin Maria Luisa Frisa, Professorin an der IUAV-Universität in Venedig und Kuratorin zahlreicher Ausstellungen, versteht Schmuck und Mode als kulturelle Sprache.

Die Kunstmäzenin und Sammlerin Patrizia Sandretto Re Rebaudengo, ihre Stiftung hier.

Die Credits zum Buch:
Schmuck aus der Sammlung von Patrizia Sandretto Re Rebaudengo
Kuratorin der Sammlung: Rosangela Cochrane
Texte von Carol Woolton
Essay von Maria Luisa Frisa
Fotografie: Luciano Romano
Project Management: Petra Lamers­Schütze, Köln
Redaktion: Chris Allen, London; Iris Poßegger, Essen
Englische Übersetzungen: Jeremy Gaines, Lizzie Gilbert
Französisch: Wolf Fruhtrunk
Deutsche Übersetzungen: Petra Kaiser, Kurt Rehkopf
Stilistin und Fotoassistenz: Sandra Dipinto, Neapel
Art Direction: Anna­Tina Kessler, Los Angeles
Produktion: Marion Boschka, Köln.

Trifari, von dem eine Brosche die Sammelleidenschaft von Patrizia Sandretto Re Rebaudengo weckte, zählt zu den berühmtesten Marken der Modeschmuckbranche. Das 1910 gegründete Unternehmen war die Idee von Gustavo Trifari und seinem Onkel Ludovico, die auf der Suche nach dem Glück von Italien in die USA auswanderten. Leo Krussman kam 1917 als Partner hinzu, Carl Fishel ein Jahr später. Die Firma wurde daraufhin in Trifari, Krussman & Fishel umbenannt und stempelte ihren Schmuck mit den Buchstaben »T K F«. Viele Trifari­Erzeugnisse zeichnen sich durch die kreative Begabung ihres Designers Alfred Philippe aus, der zuvor für Cartier und Van Cleef & Arpels gearbeitet hatte. Auch die großartigen Jelly Belly­Broschen mit ihren Tier­ und Pflanzenmotiven waren seine Erfindung. Das Unternehmen stellte 1994 den Betrieb ein. – So der biografische Hinweis im Anhang des Buches.

Elsa Schiaparelli war davon überzeugt, dass sich jedes beliebige Thema in ein Schmuckstück übersetzen lässt. 1937 präsentierte sie eine Modekollektion zum Thema Zirkus, zu der sich Schmuckstücke in Form von Clowns, Akrobaten und Pferdeköpfen aus vergoldeten Metallen und venezianischem Glas gesellten. Sie entstanden in Kooperation mit dem Künstler Jean Schlumberger (der später zum ersten namentlich genannten Echtschmuck-Designer bei Tiffany & Co. wurde). Schiaparellis Entwürfe, darunter Aspirintabletten, Muscheln und Tannenzapfen, die sie mit falschen Steinen und Strass besetzte, wurden immer mutiger. Eine Harlekin- Kollektion basierte auf der italienischen Commedia dell’Arte, hatte Clips in Gestalt von Pierrot-Köpfen. Es folgten fackeltragende Putten, Meerestiere im Barockstil, Straußenvögel und Rollschuhe, sogar makabre Ideen verwandelte sie in tragbare Knöpfe und Broschen und arbeitete mit verschiedenen namhaften Künstlern zusammen, etwa Salvador Dali, Man Ray oder Jean Cocteau. Modeschmuck von Elsa Schiaparelli war nicht mehr länger Imitation, sondern stellte autonomen künstlerischen Anspruch und somit etwas Neues in der Modewelt dar.

Kenneth Jay Lane gründete 1963 sein eigenes Unternehmen und profilierte sich schlagartig mit großformatigen Kreationen in originellen Aufmachungen und erstklassig gearbeiteten Materialien, holte sich Inspiration vom Art déco, aus der Mythologie oder von Tierkreiszeichen. Er schuf legendäre Stücke für illustre Persönlichkeiten wie die Herzogin von Windsor, Jacqueline Kennedy Onassis, Barbara Bush, Elizabeth Taylor und Ivana Trump. Lane gilt als »König des Imitats« und als der Designer, bei dem jede Frau – von der First Lady bis zur Collegestudentin – den gleichen Schmuck trägt. Nach fünfzig Jahren auf den Titelseiten von Vogue und Harper’s Bazaar wird die Marke immer noch produziert und ist in New York mit mehreren Boutiquen vertreten. Der Titel seiner Autobiografie von 1996: »Faking it.« Darin schreibt er: »Modeschmuck zu tragen, ist, wie Glaspantoffeln zu tragen – man kann sich fühlen, als ginge man zum Ball, selbst wenn man nicht hingeht.«

Patrizia Sandretto Re Rebaudengo’s archive boxes and a selection of her jewelry, 2025 © Courtesy of TASCHEN

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