Posted On September 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Existentialistisches Roadmovie Romane wie dieses Debut von John Haskell sind ein seltenes Geschenk: Wie auf einer Feder schwebend wird der Leser in das Geschehen hineingezogen, um alsbald vollständig mit ihm zu verschmelzen. Im Stile eines Road-Movies erzählt „Amerikanisches Fegefeuer“ von der Suche des Protagonisten Jack nach seiner scheinbar spurlos an einer Tankstelle mit dem Auto verschwundenen Ehefrau Anne. Jack, der ein Meister darin ist, sich den Umständen anzupassen, versucht nach diesem Schock alles um die „Illusion von Normalität“ zu bewahren. Doch immer öfter bricht sich die Fratze der Angst und
Read More Posted On September 3, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Wüste barocke Collage Auf radikal-rasante Weise ringt der Flame Paul Verhaeghen in seiner wüsten und barock ausufernden Collage „Omega Minor“ mit den „Nachwehen des 20. Jahrhunderts“. Monolithisch ragt er damit aus der Flut der wenig wagemutigen und stromlinienförmigen Romane der internationalen Literaturszene. Enzyklopädisch ausgreifend erzählt der in New York kognitive Psychologie lehrende 41jährige von den Zäsuren und Wendepunkten in der jüngeren (deutschen) Geschichte. Aus verschiedenen Perspektiven rollt er den Nationalsozialismus, den 2. Weltkrieg und den Holocaust dabei ebenso auf wie Mauerbau und Mauerfall oder den erstarkenden Neofaschismus im Berlin der
Read More Posted On August 31, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Braunes Allerlei Viele Deutsche meinen über das Dritte Reich schon alles zu wissen. Weit gefehlt. Wer das in Listen, Chroniken und Schautafeln aufbereitete Quellenmaterial des Historiker-Ehepaars Wohlfromm sichtet, wird sicher viel Neues, aber leider auch viel Unkommentiertes entdecken. Wussten Sie, dass die Deutsche Wehrmacht mit Coca-Cola-Reklame an den Mannschaftswagen in den Zweiten Weltkrieg zog? Oder das Reichsmarschall Hermann Göring einen sagenhaften IQ von 138 hatte. Mit solchen „Neuigkeiten“ kann demnächst glänzen, wer das Nazi-Sammelsurium „Und morgen gibt es Hitlerwetter!“ aus dem Eichborn Verlag gelesen oder einfach nur flüchtig durchgeblättert hat.
Read More Posted On August 21, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Höllentrip zur Freiheit Juri Andruchowytschs Roman „Moscoviada“ ist ein vielstimmiger Abgesang auf den einstigen Vielvölkerstaat Sowjetunion und zugleich eine Ode an die nationale Wiedergeburt der Ukraine. Mit wilden Amouren, Prügeleien und Besäufnissen bekämpft Andruchowytschs literarisches Alter ego den patriotischen Wehmut und kehrt zerschunden in die Heimat zurück. Nationalismus drückt sich oft in aggressiver Abgrenzung vom Nachbarn aus. Patriotismus wird erst daraus, wenn das eigene Land um seiner selbst willen geliebt wird. In Andruchowytschs ukrainischem Antihelden schlägt das nationalistische Herz mindestens genauso stark wie das patriotische. Er schimpft auf die „Kloake
Read More Posted On August 21, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Schmerz und Leidenschaft Eine barocke Hymne auf das Leben. Schon in der den Roman einleitenden Widmung wird dem scheinbar nur Trostlosigkeit und Depression verheißenden Titel ein anderer Ton entgegengesetzt. Ugo Riccarelli zitiert einen Satz von Carlo Emilio Gadda, einem der Großen der literarischen Moderne Italiens: „Gadda ist nicht barock. Barock ist die Welt.“ Es erwartet den Leser also kein Trauerbuch, sondern eine barocke Hymne auf das Leben, aber auf ein Leben, in dem der Schmerz immer gegenwärtig ist. Leidenschaft und Gewalt, Liebe, Geburt und Tod. Versuchen wir in wenigen Worten
Read More Randale im Revier Kaum eine andere deutsche Region ist für ihren rauen Charme so berüchtigt wie das Ruhrgebiet. Der in Mülheim geborene Jörg Juretzka hat diese behäbig-ruppige Mentalität zum Markenzeichen seiner Krimis um den Privatermittler Kristof Kryszinski gemacht. In seinem ursprünglich ersten Kriminalroman „Sense“ gibt er eine appetitanregende Kostprobe davon. Am Anfang war Schimanski. Mit dem erfolgreichen Fernsehauftritt des Ruhrpott-Raubeins zu Beginn der achtziger Jahre mauserte sich das Kohlenrevier zu Deutschlands Krimischauplatz Nummer Eins. Hinter der landschaftlichen und geistigen Tristesse dieser Region lauerten von nun an Mord und Misshandlung, Betrug
Read More Karibisches Mosaik In seinem neuen Roman beschreibt der gefeierte argentinische Schriftsteller Eduardo Belgrano Rawson die von der CIA gestützte Invasion von Exilkubanern gegen die Revolutionsregierung unter Fidel Castro in einem viel perspektivischen Mosaik. 17. April 1961: Juri Gagarin schwebt schwerelos durch das Weltall, Luis Rodriguez boxt gegen El Chicharo und Rosa von Radio Swan kündigt das Ende ihrer nächtlichen Sendung an – „Es war einer jener Momente, in denen man, mit Abstand betrachtet, hätte sagen können: Heute wird irgendetwas passieren.“ Und an eben diesem Tag startet die von der CIA
Read More Posted On Juli 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
„Hauptsache kräftig draufhauen“ Italienische Kriegsverbrechen in Afrika Italiani, brava gente? Weit verbreitet ist unter Italienern das Selbstbild, man sei ein ‚braves Volk’. Hin und wieder ein Skandal, auch die Mafia kann man nicht so ganz unterschlagen, aber in der jüngeren Geschichte habe man sich doch ganz brav verhalten. Haben sich nicht die Italiener in einer heldenhaften ‚Resistenza’ von der deutschen Wehrmacht und dem Duce-Faschismus befreit? Aber dieses Selbstbild trügt und hält einer genaueren Untersuchung von kollektiven Gewaltexzessen mit italienischer Beteiligung nicht stand. Der „Resistenza-Mythos“ wurde in den letzten Jahren durch
Read More Posted On Juli 13, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Pasolini in Teheran Die italienische Journalistin Lilli Gruber entdeckt den Iran Vorurteile sind kein schlechter Lektürereiz. Sie können die Neugierde auf ein Buch wecken, weil man hofft, sie bestätigt zu finden oder sich von ihnen zu befreien. Wenn die italienische Starjournalistin Lilli Gruber ein Buch über den Iran mit dem gefühlvollen Titel „Tschador – Im geteilten Herzen des Iran“ veröffentlicht, dann hat man sogleich zwei Vorteile im Kopf. Wie soll eine so populäre Fernsehdiva wie die Gruber sich auskennen in einem Land. von dem vermutlich ein großer Teil der Leser
Read More Brachialer Balanceakt Osama bin Laden ist das personifizierte Böse auf Erden, ein unnahbarer, entmenschlichter Stellvertreter oder gar Nachfolger des Teufels. Da erscheint es fast ein wenig despektierlich, wenn der junge britische Autor Chris Cleave seine Protagonistin ihm einen Brief mit folgenden Anfangszeilen schreiben lässt: „Lieber Osama, sie wollen dich tot oder lebendig, damit der Terror endlich aufhört. Obwohl, ich weiß nicht. Mit dem Rock’n’Roll war ja auch nicht Schluss, als Elvis auf dem Lokus starb.“ Ausgangspunkt der ganzen Geschichte ist ein bestialischer Terroranschlag beim Lokalderby von Arsenal gegen Chelsea London.
Read More Posted On Juni 15, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Schreibende Frauen in Südosteuropa Dank der Initiative des österreichischen Bundeslandes Steiermark, dem ‚Kulturzentrum bei den Minoriten’ in Graz und anderer Sponsoren, hat der im deutschsprachigen ‚Mainstream’ vollkommen unbekannte Leykam-Verlag eine lobenswerte Edition herausgebracht „Frauen schreiben – Positionen aus Suedosteuropa“ Soll Peter Handke nun den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten oder nicht? Dazu an dieser Stelle kein Wort, weil ja ohnehin schon zu viele, vor allem zu viele überflüssige Worte dazu geschrieben, gesagt und manchmal auch geschrieen worden sind. Dass sich aber Handke zu wenig differenziert über die Realität der serbischen
Read More In der Sackgasse 1999 setzte der erst sechszehnjährige Benjamin Lebert mit dem mittlerweile in Deutschland über eine halbe Million mal verkauften und in 33 Sprachen übersetzten Roman „Crazy“ ein Initial für die neue deutsche (Pop-) Literatur. Sieben Jahre später folgt mit seinem neuen Roman „Kannst du“ eine erschreckende Bankrotterklärung. Benjamin Lebert erzählt in „Kannst du“ die Geschichte seines offensichtlich autobiographisch gefärbten Protagonisten Tim Gräter. Dieser ist Anfang 20, hat bereits einen literarischen Bestseller gelandet und steckt nun in einer Schaffenskrise. Hinter der Pose des abgeklärten Schriftstellers zerfleischen ihn die Selbstzweifel
Read More Geschichten wie Kometen Mit der Kurzgeschichten-Sammlung „Jesus’ Son“ begründete der heute zu den bedeutendsten amerikanischen Gegenwartsautoren zählende Denis Johnson Anfang der 90er seinen Kultstatus. Der unverwechselbare Sound dieser abgründig-halluzinatorischen Prosa, in der immer wieder unvermutet Elemente von Komik aufblitzen, sucht auch heute noch seinesgleichen. Johnsons Ich-Erzähler „Fuckhead“ ist ein typischer Looser der amerikanischen Gesellschaft, der sich mit kleinen krummen Geschäften und Fluchten über Wasser hält. Wie er sind auch alle andere Figuren dieser Geschichten „aus der Welt herausgeschnitten und zum Abfall geworfen.“ Ohnmächtig fühlen sie sich vom Schicksal verfolgt und
Read More Trio Criminale Vom „Kaliber .64“ haben echte Waffenexperten noch nie etwas gehört. Ein Projektil mit diesem Durchmesser existiert nämlich gar nicht. Krimifans jedoch dürfte dieses Kaliber bald ein Begriff sein. So heißt nämlich die neue Kurzkrimi-Reihe der Hamburger Edition Nautilus, die jetzt drei Stories à 64 Seiten herausgeballert hat. Deutsche Kriminalromane haben mittlerweile auch international einen guten Ruf. Deutsche Kriminalerzählungen finden jedoch höchstens bei der alljährlichen Verleihung des renommierten „Glausers“ einmal breitere Aufmerksamkeit. Edition Nautilus hat dieses kriminalliterarische Defizit erkannt und wirbt mit drei bunten Krimi-Bändchen für dieses bislang sträflich
Read More Ziellose Lebensgier Mit „Justyna“ hat Elke Naters, einstige deutsche Pop-Literatin par excellence, einen schnellen, harten und auch provokativen Roman vorgelegt, in dem nichts mehr vom einstigen Zauber der Pop-Kultur wiederzufinden ist. Es bleibt eine ziellose, verzweifelte Lebensgier. Naters erzählt – mit offensichtlichen autobiographischen Übereinstimmungen – die Lebensgeschichte ihrer Protagonistin Justyna. Mit sechszehn will diese sich das Leben nehmen, weil sie glaubt, sie wäre schwanger, mit siebzehn geht sie von der Schule ab, jobbt in einer Fabrik und fliegt nach Jamaika, wo sie einen halluzinatorischen, süß-bitteren Tropen-Trip erlebt. Zurück in Deutschland
Read More Elegant perlende und sprühende Prosa Truman Capote erlebt derzeit eine Renaissance: Mit dem Oscar-prämierten „Capote: A Biography“ von Bennet Miller und dem gerade abgedrehten „Infamous“ von Douglas McGrath widmen sich gleich zwei Kino-Großproduktionen dem literarischen Shootingstar der 40er Jahre. Parallel dazu ist mit „Sommerdiebe“ nun auch noch Capotes kürzlich bei einer Sotheby-Versteigerung entdecktes wahres Debüt erstmals auf den Markt gekommen und wird als literarische Sensation gehandelt – Anlass genug für den „Kein & Aber“-Verlag mit dieser Entdeckung eine komplett neu editierte und überarbeitete Capote-Werkausgabe zu starten. Truman Capote erzählt in
Read More East Side Story oder Fünf Freunde im Jugendknast Welch ein gewaltiges Debüt! Clemens Meyer, geboren 1977 in Halle an der Saale, verlässt die Deckung des 100-Seiten-Erzählungsband-Musters deutschsprachiger Debüt-Autoren und wagt sich mit einem über 500 Seiten starken Roman in den Ring. „Als wir träumten“ ist eine gelungene Symbiose aus amerikanischer Erzähltradition und deutscher Komposition. Clemens Meyer gelingt es mit den ersten Sätzen, einen Sog zu erzeugen, der den Leser in die Geschichte hineinzieht, in den Abwärtsstrudel, der die Protagonisten erfasst und nicht mehr loslassen wird. Sein Rhythmus ist schnell, sein
Read More Blutrausch Andrea Maria Schenkel ist in „Tannöd“ dem unbezwingbar Bösen im Menschen auf der Spur und schafft in dörflicher Umgebung eine dichte und packende Atmosphäre. Das hatte Niederbayern bis zu dieser Nacht im Februar 1922 noch nicht erlebt: Ein Massaker an sechs unschuldigen Menschen auf einem abgelegenen Bauernhof in der „Einöde Tannöd, Gemeinde Einhausen“. Ein authentischer Mordfall, vor dessen Hintergrund Andrea Maria Schenkel das beklemmende Porträt einer scheinbar ganz normalen Dorfgemeinschaft zeichnet. „Ein Debüt, ganz nah dran“, meinte die Jury der „KrimiWelt“ im März und katapultierte ihren Kriminalroman „Tannöd“ prompt
Read More Posted On April 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Wie Hass entsteht Simon Michailovic, geboren im bosnischen Foce, lebt seit 1969 in Berlin. Dort hat er auf einer der vielen Demonstrationen jener Jahre seine Frau Barbara kennen- und lieben gelernt. Zusammen haben sie einen Sohn Sascha, der Anfang der neunziger Jahre das Haus verlässt. Simon und seine Barbara sind sich mit den Jahren fremd geworden, vor allem auch deshalb, weil sich, wie Barbara sagt zwischen ihnen „immer mehr diese verdammte Stadt Foca geschoben hat“. Sie ermuntert ihren, unter den Nachrichten aus Bosnien leidenden Mann doch einmal wieder in seine
Read More Der smarte Henry ist wieder da „Henry der Held“ – im Original durchaus mehrdeutiger „A Star called Henry“ betitelt – von Roddy Doyle gilt zweifellos als einer der bedeutendsten Romane irischer Gegenwartsliteratur. Mit „Jazztime“ ist nun die Fortsetzung erschienen, die fast am Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheitert. In „Henry der Held“ schildert Doyle in einer sinnlich-ausufernden Sprache die Jugend von Henry Smart, der als ein rosiger Prachtkerl inmitten von Hunger, Elend, Ratten und Dreck im Dublin des beginnenden 20. Jahrhunderts zur Welt kommt und im Alter von vierzehn Jahren am
Read More Posted On April 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher
Wahnsinniges Komplott In seinem ersten Krimi bietet der Journalist und Kolumnist Sam Bourne einen verzwickten Fall, in dem es um nichts weniger geht als um das Ende der Welt. Bournes Protagonist Will Monroe ist Nachwuchsjournalist bei der altehrwürdigen New York Times, „ein ehrgeiziger junger Schreiber auf der Überholspur“. Als er eine kleine Standard-Meldung über den Mord an einem Brooklyner Zuhälter schreiben soll, wittert er seine Chance und recherchiert den Background. Er stößt auf weitere Mordfälle nach dem gleichen Muster und sticht ohne es zu wissen in ein Wespennest, in dem
Read More Posted On April 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Sibirischer Selbsterfahrungstrip Die ehemalige ZEIT-Redakteurin Merle Hilbk hat in Sibirien die „russische Seele“ gesucht. Gefunden hat sie vor allem ihre eigene urdeutsche „protestantische“. Ihr erstes Buch „Sibirski Punk“ ist das schriftliche Zeugnis dieses Selbstfindungsprozesses. „In Sibirien zu leben, ist eine einzige Freude: Von hier gibt es keine weitere Verbannung, das war’s, man ist angekommen, und daraus entsteht die Freiheit der Straflosigkeit, eine besondere, wilde Moral,“ resümierte Viktor Jerofejew 2001 in seinem Sibirien-Porträt für die ZEIT. Die Journalistin Merle Hilbk würde dem Moskauer Schriftstellers wohl nicht uneingeschränkt zustimmen können. Als sie
Read More Zugegeben: John Irvings elfter Roman, „Bis ich dich finde“, ist lang – mit 1140 Seiten in der deutschen Ausgabe sogar sehr lang. Und er hat – gerade im ersten Teil, der die Odyssee der Hauptfigur Jack Burns als kleiner Junge an der Hand seiner Mutter durch Europa schildert – durchaus seine Längen. Doch die Leser, die bereit sind, John Irving durch die Lebensgeschichte seiner Hauptfigur zu folgen, werden belohnt werden: Mit einer prallen, psychologisch dichten Geschichte über Liebe und Verlust, über Hoffnung und Betrug, über Wahrheit und Lüge. Von Petra
Read More Posted On März 29, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher
Zur Kultur des „Bullshittings“ „Bullshit“ ist ein schmales, kleinformatiges und in edles rotes Leinen gefasstes Buch, das erstmals schon vor zwanzig Jahren erschienen ist. Und doch ist es auch heute noch von erstaunlicher Sprengkraft und Virulenz. Gleich mit dem ersten Satz trifft Harry G. Frankfurt den Nerv unserer durch Medien, Werbung und Public Relation geprägten Zeit: „Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es viel Bullshit gibt. Jeder kennt Bullshit. Und jeder trägt sein Scherflein dazu bei.“ Der 1929 geborene, heute als Philosoph in Princeton lehrende Frankfurt
Read More Revolutionsschicksale Wer Havanna einmal bereist hat, ist von der morbiden Schönheit der kubanischen Hauptstadt fasziniert. Wer dort geboren ist und hinter die bröckelnden Fassaden zu schauen vermag, verzweifelt an dem nachrevolutionären Verfall oder schreibt darüber so intelligente und poetische Kriminalromane wie Leonardo Padura. Im letzten Band seines „Havanna-Quartetts“ hat es Mario Conde mit dem grausamen Mord an einem geldhungrigen Revolutionsfunktionär zu tun. Teniente Mario Conde ist beileibe kein abgebrühter oder technokratischer Kriminalist. Er ist alkohol- und sexsüchtig, melancholisch und zuweilen ziemlich sentimental. Mit knapp 36 Jahren entschließt er sich, seinen
Read More Posted On März 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Grenzgänger Denk ich an den wilden Osten, denk ich an Wodka und Kalaschnikows. So das gängige Klischee im Westen, wenn von Russland und seinen ehemaligen Satellitenstaaten die Rede ist. Die Autoren des Erzählungsbandes „Wodka Kalaschnikow“ versuchen, gegen diese Vergröberungen anzuschreiben und ihre postsowjetischen Erfahrungen in Worte zu fassen. Wahrscheinlich wissen die Amerikaner nach dem Untergang des Sowjetimperiums über Osteuropa genauso wenig wie zuvor. Das von Ronald Reagan einst an die Wand gemalte „Reich des Bösen“ hat bei den meisten US-Bürgern einen festen Platz in der Galerie der Vorurteile. Abenteuerliche Vorstellungen
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