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Einblicke in den „Schweinestall“ Nicolás Gómez Dávila bietet in seinen Aphorismen vielfache Anregungen unser modernes Leben einmal radikal gegen den Strich zu bürsten. Zu seinen Lebzeiten blieb der Kolumbianer Nicolás Gómez Dávila fast ein Unbekannter, obwohl er ein literarisch-philosophisches Werk von mehreren tausend Seiten hinterließ. Erst nach seinem Tod im Jahre 1994 entwickelte sich der Autodidakt, der eine Bibliothek von 30.000 Bänden zusammen trug und sein Leben ganz dem Lesen und Schreiben widmete, zu einer Art Geheimtipp und wird schon als würdiger Nachfolger Schopenhauers und Nietzsches gehandelt. Provokante Einblicke inRead More

Posted On Januar 28, 2007By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Christian David: Kinski

Genial verrückt Das „Enfant terrible“ unter den deutschen Schauspielern im Visier eines sachkundigen Filmkritikers. Als „Irren vom Dienst“ bezeichnete ihn die Kulturkritik noch zu Lebzeiten. Aus der abfälligen Etikettierung seiner chronischen Zornausbrüche am Set und in der Öffentlichkeit schwang jedoch immer auch Bewunderung und Anerkennung mit. Für einen Menschen, der in jeder Hinsicht aus dem Rahmen fiel. Dieser von Genialität und Grobheit fast schon geplagte Außenseiter des Kulturbetriebs erregte jahrzehntelang das Publikum und inspirierte nun den Wiener Filmkritiker Christian David zur einer Lebensbeschreibung. In der umfassenden Biographie wird Kinskis komplexerRead More

Posted On Januar 24, 2007By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Alexander von Schönburg: Lexikon der überflüssigen Dinge

Die feinen Unterschiede Alexander von Schönburg leistet sich ein „Lexikon der überflüssigen Dinge“. Endlich spricht jemand offen aus, welche „Objekte, Angewohnheiten oder Geisteshaltungen“ in der zivilisierten Welt wirklich überflüssig sind. Jemand, der darüber aufklärt, womit wir unsere freien Stunden vergeuden, woran wir unsere Gedanken verschwenden und wofür wir unser Geld sinnlos ausgeben. Ob wir mit dem Kauf und der Lektüre seines Buches aber vielleicht genau das tun, möge nach dieser knappen Besprechung jeder selbst entscheiden. Die Grenzen zwischen „Überfluss und Notwenigkeit“ sind natürlich ständig „in Bewegung“, schreibt Schönburg im VorwortRead More

Posted On Januar 21, 2007By Petra VesperIn Bücher, Litmag

Isabel Allende: Mein erfundenes Land

„Mein erfundenes Land“ ist ein höchst kurzweiliges und mindestens ebenso amüsantes Buch, das viel über Chile erzählt, aber noch mehr über Isabel Allende selbst. Von Petra VesperRead More

Posted On Januar 14, 2007By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Frank Heibert: Kombizangen

Mit geöltem Gewinde „Kombizangen“ ist ein Beziehungsroman, ein Berlinroman und noch vieles mehr. Angesiedelt im Berlin des Jahres 1995, in einer Stadt im Um- und Aufbruch, bietet der Roman zahlreiche Möglichkeiten, dem merkwürdigen Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit nachzuspüren. Frank Heibert ist in der Literaturszene alles andere als ein Unbekannter. Allein bei Amazon.de finden sich 38 Bücher, wenn man nach seinem Namen sucht. Als Übersetzer von Don de Lillo, Richard Ford, Boris Vian, Yasmina Reza und vielen anderen ist der 1960 in Essen geborene Heibert ein alter Hase im Literaturgeschäft.Read More

Posted On Januar 7, 2007By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Oscar A. H. Schmitz: Das wilde Leben der Boheme

Einsamkeit, Suchen, Irrtümer, Zweifel… Oscar A. Schmitz zeigt sich in diesem wunderschön aufgemachten Tagebuch-Band als ein aufschlussreicher Prototyp der Moderne, der diese explosionsartig hereinbrechende Epoche mit all ihren Hoffnungen, Ängsten und Neurosen auf geradezu klassische Weise verkörpert. Thomas Mann nannte den heute weithin vergessenen Oscar A.H. Schmitz einmal einen „hervorragend gescheiten Schriftsteller.“ Schmitz begann seine literarische Karriere an der Schwelle zum 20. Jahrhundert im „fin de siècle“ und verkehrte in München, Berlin, Paris und London mit vielen führenden Vertretern der Kunst- und Kulturszene wie Stefan George, Franziska Reventlow, Hugo vonRead More

Posted On Dezember 25, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Joachim Zelter: Schule der Arbeitslosen

Agenda 2016 Die Schule der Arbeitslosen ist eine bitterböse Satire mit einem großen Maß an Aktualität. Joachim Zelter liebt die Sprache – und die Sprache liebt ihn. Besonders eindrucksvoll stellt dies sein Roman Die Lieb-Haberin unter Beweis. Aus der Welt der Wörter heraus stürzt sich Zelter nun in seinem neuen Roman Schule der Arbeitslosen in die raue Arbeits- (bzw. Arbeitslosen-)Welt. Wir schreiben das Jahr 2016, für das Problem der Arbeitslosigkeit gibt es eine griffige Lösung: SPHERICON, ein „Maßnahme-Center“ zur Schulung von Arbeitslosen, untergebracht in einer stillgelegten Fabrik am Rand einesRead More

Posted On Dezember 25, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Roberto Bolano: Der unerträgliche Gaucho

Borges’ Enkel Bolano ist ein wunderbares Plädoyer für die Kraft der Literatur gelungen und eine Bestandsaufnahme südamerikanischer Verhältnisse über die Literatur hinaus. Viel zu spät für den deutschsprachigen Markt entdeckt wurde der 1953 in Santiago de Chile geborene Roberto Bolano. Es war 1999, als der Verlag AntjeKunstmann erstmals eine deutsche Übersetzung dieses Autors auf den Markt brachte: Die Naziliteratur in Amerika ist eine Sammlung fiktiver Autorenbiographien, ein skurriles Panoptikum zwischen Borges und Perec, mit ebenso spielerischen wie bitteren Seitenhieben auf die politischen Verhältnisse in südamerikanischen Ländern. Es folgten mit SternRead More

Posted On Dezember 17, 2006By Petra VesperIn Bücher, Litmag

John Banville: Die See

Banville-Leser finden in dem Roman das, was sie an seinen Büchern schätzen: einen von der ersten bis zur letzten Zeile durchkomponierten Plot, bei dem alles mit allem zusammenhängt und nichts dem Zufall überlassen ist; eine Sprache, die melodiös, poetisch und doch kühl kalkuliert ist; eine Bildhaftigkeit, die in manchmal knappsten Sätzen ganze Assoziationsketten eröffnet. Von Petra VesperRead More

Posted On Dezember 17, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Crimemag

Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor

Amusing, isn’t it? Mit dem Mord auf ffolkes Manor hat Adair eine glänzende Parodie auf den englischen Kriminalroman in der Tradition von Agatha Christie vorgelegt. Der 1944 in Edinburgh geborene Gilbert Adair ist in vielen Genres zu Hause. So hat er als Übersetzer George Perecs „e“-losen Roman La disparition unter dem Titel A void kongenial ins Englische übertragen. Seine Hommage an den französischen Film, Die Träumer, wurde von Bernardo Bertolucci erfolgreich verfilmt. Immer wieder jedoch zieht es Adair in die Nähe des Kriminalromans. Blindband oder Der Schlüssel zum Turm sindRead More

Posted On Dezember 17, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Gary Shteyngart: Snack Daddys Abenteuerliche Reise

Apokalyptischer Multikulti-Cocktail Mit seinem neuen Roman sprengt der 34jährige Gary Shteyngart alle Geschwindigkeits- und Geschmacksgrenzen und jagt seine Leser mit infernalischem Witz durch ein globales Absurdistan. Shteyngarts Protagonist Mischa Vainberg ist ein durch und durch verwöhnter, schrankenloser und psychoanalytisch betreuter „tiefungläubiger Jude“ sowie Sohn des „1238.reichsten Mann Russlands“. Er steht mit seinem unglaublichen Körperumfang in literaturgeschichtlicher Analogie zu Gontscharows „Oblomow“ und bezeichnet sich wie Dostojewski seinen Fürsten Myschkin selbst als „eine Art tumbes Tier.“ Mischa, aufgrund seiner Rap-Begeisterung auch Snack Daddy genannt, hat sein Herz hoffnungslos an Amerika und NewRead More

Posted On Dezember 15, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Frank Schulz: Das Ouzo-Orakel

Spasemach mit Ouzo-Power Fünfzehn Jahre hat es gedauert, bis der Hamburger Autor Frank Schulz nun endlich seine „Hagener Trilogie“ beendet hat. Was 1991 mit Kolks blonde Bräute in einem „Kaff“ bei Hamburg seinen Anfang nahm und 2001 mit dem monumentalen Morbus Fonticuli seine Fortsetzung in Hamburger Spelunken nahm, findet nun seinen krönenden Abschluss unter der Sonne Griechenlands. Hierhin, in das fiktive kleine Örtchen Kouphala, an Odysseus’ Gestade, hat es Bodo Morten verschlagen, jenen tragischen Helden, der in Morbus Fonticuli Opfer seines aufreibenden Doppellebens voll Suff und erotischer Eskapaden wurde. NachRead More

Posted On Dezember 13, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Le monde diplomatique/ taz: Atlas der Globalisierung

Globalisierungskataster – Der ‚Atlas der Globalisierung’ Neu ist das alles nicht. Schon 1809 leitete Johann Peter Hebel in seinem „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes“ eine Abhandlung über die Folgen des Tilsiter Friedens‚ mit einer Bemerkung ein, die nichts an Aktualität verloren hat. „In der Welt sieht es kurios aus. Gestern so, heute anders, und wer weiß was morgen kommt….Wohl dem, der von weitem zuschauen kann, wie es manchmal drunter und drüber geht, und muß nicht dabei sein, wenn die langen Messer dreinhauen.“ Wohl dem,der heute, gut zwei Jahrhunderte später von weitemRead More

Posted On Dezember 10, 2006By Petra VesperIn Bücher, Litmag

Klaus Modick: Bestseller

Modick ist ein Insider; er weiß, wovon er schreibt, wenn er die Mechanismen der Literaturindustrie gnadenlos offen legt. Von Petra VesperRead More

Posted On Dezember 3, 2006By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Matias Grzegorczyk: Wenn du schläfst

Holzbein, sei wachsam Grzegorczyk spielt geschickt mit den Erwartungen des Lesers, dreht erst sehr zaghaft am Schräubchen der Emotionalität, um dem Leser schließlich einen desto heftigeren Tritt zu versetzen. Als „subtiler Krankenhaus-Thriller“ wird der Erstling des 1965 geborenen Matias Grzegorczyk beworben, ein Etikett, mit dem der Hamburger Autor eigentlich kaum einverstanden sein kann. Sicher, ein Großteil der Handlung spielt in einer Klinik und es kommt durchaus zu kriminellen Handlungen und bedrohlichen Situationen, doch letzten Endes ist der Psycho-Krieg, den sich zwei Bettnachbarn hier liefern, nur ein Teilaspekt einer sehr komplexenRead More

Posted On Dezember 3, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Crimemag

Richard Birkefeld & Göran Hachmeister: Deutsche Meisterschaft

„Roaring“ Twenties Zwei tollkühne Männer auf ihren röhrenden Maschinen rasen der Deutschen Meisterschaft im Motorradfahren entgegen, kämpfen verbissen um den Titel und am Ende ums nackte Überleben. Ein kluger Krimi vom Historikerduo Birkefeld & Hachmeister. „Du suchst’n Kopf, ich such’n Kopf, und überall an den Rennorten liegen Leichen herum, denen auch die Köpfe fehlen. Was ist hier los?“, fragt sich Motorrad-As Arno Lamprecht, nachdem fast ein halbes Dutzend Männer und Frauen gewaltsam ihr Haupt und damit ihr Leben lassen mussten. Lamprecht sucht nach dem Kopf seiner Frau, sein schärfster KonkurrentRead More

Posted On November 26, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

André Kubiczek: Oben leuchten die Sterne

Trashiges Potpourri Rhapsodisch springt André Kubiczeks Prosa mitreißend dahin und erfasst die Zeit und ihre Wirklichkeit mit Bildern von großer Tiefenschärfe. André Kubiczeks Helden gehören zu einer alles andere als rund laufenden „Generation Golf“: Sie sind Anfang 30, lavieren sich am Rande der Gesellschaft zwischen Studium und Jobs durch das Leben und stolpern ohne Ziel und mit viel Alkoholgenuss nach vorn – und dabei mitten hinein in die „Abenteuer dieser Tage.“ So machen sich Kubiczeks Protagonisten Rock und Bender eines schäbigen Sommertages mit ihrem klapprigen T3 von Berlin aus aufRead More

Posted On November 12, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Dietmar Dath: Dirac

Quantenphysikalisches Phänomen Dietmar Dath führt den Leser mit seinem Roman „Dirac“ in ein ebenso faszinierendes wie irritierendes Spiegellabyrinth aus Physik, Philosophie, Poesie und dem ganz normalen Alltagsleben. Im Zentrum der Geschichte steht David Dalek, der versucht, einen Roman über den Physiker David Dirac zu schreiben. Dieser erhielt 1933 gemeinsam mit Erwin Schrödinger für seine Atomtheorie den Nobelpreis für Physik. Konsequent entwickelte er die Quantenphysik mit ihren weitreichenden philosophischen Implikationen weiter und entdeckte dabei in rein spekulativer mathematischer Beweisführung auch die Antimaterie. Je tiefer sich David Dalek mit diesem Vorzeige-Wissenschaftler, derRead More

Posted On Oktober 29, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Crimemag

Taavi Soininvaara: Finnisches Quartett

Morden für eine gute Sache Je mächtiger der Feind, desto skrupelloser und perfider die angewandten Mittel zu dessen Vernichtung. So denken und handeln die idealistischen Ökoterroristen, religiösen Fanatiker und ultrakonservativen Amerikaner in Taavi Soininvaaras aktuellem Thriller. Aber sie merken zu spät, dass es Frieden, Gerechtigkeit und eine intakte Natur nicht um jeden Preis gibt. „Sein Name ist Ratamo, Arto Ratamo.“ Auf was der Verlag mit diesem Spruch auf der Cover-Rückseite hinaus will, ist klar. Doch an James Bond erinnert weder der von Schlafstörungen geplagte Oberkommissar der finnischen Antiterroreinheit noch dasRead More

Posted On Oktober 29, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Umberto Eco: Schüsse mit Empfangsbescheinigung

Winkewinke machen im Fernsehen Neue „Streichholzbriefe“ von Umberto Eco „Gebildet und voller Vernunft“ plaudert der italienische Professor und Schriftsteller weiter über Gott, die Welt und die Freuden des gemeinsamen Lesens im Bett Von Raymond Chandler, der sich auskannte in der großen Welt, stammt der Satz „The best way to comment o­n large things is to comment o­n small things“. Vielleicht haben deshalb immer wieder die besten Intellektuellen die kurze Form, bis hin zum Aphorismus so geschätzt, um mit nur wenigen Sätzen von den kleinen Dingen und den Alltagsbanalitäten her dasRead More

Posted On Oktober 22, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Christoph Peters: Ein Zimmer im Haus des Krieges

Utopie und Terror Was geht in den Köpfen islamistischer (Selbstmord-) Attentäter vor, die die Welt seit den 90er Jahren in Angst und Schrecken versetzen? Dieser Frage geht Christoph Peters in seinem neuen Roman „Ein Zimmer im Haus des Krieges“ behutsam nach und verbindet sie mit den gescheiterten Utopien der 68er. Peters‘ Protagonist ist der junge Deutsche Jochen Sawatzky, der nach einer Kleinkriminellen- und Drogenkarriere zum Islam konvertierte und ein Gotteskrieger wurde. Er wird 1993 bei einem Anschlagversuch auf die Tempelanlage von Luxor nach einem heftigen Feuergefecht mit der ägyptischen PolizeiRead More

Posted On Oktober 22, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Musikmag

Stefan Maelck: Pop essen Mauer auf

Der Pop, der aus dem Osten kam Maelck versucht eine satirische Abrechnung mit dem moralisch verkommenen Staatsapparat der DDR – und hat dabei den Bogen leider deutlich überspannt. Wer kennt im Westen überhaupt die ostdeutschen Bands Lift, Reform oder die „dienstälteste“ Rockformation der DDR „Stern-Combo Meissen“? Wahrscheinlich niemand. Dafür ist die Jugend westlich der Elbe mit Elvis Presley, den Scorpions oder Peter Maffay bestens vertraut. Aber wer hätte gedacht, dass die musikalischen Wurzeln dieser Rocker auch im ehemaligen Arbeiter-und-Bauern-Staat liegen. Pop-Journalist Stefan Maelck will uns diesen ostdeutschen Bären in einemRead More

Posted On Oktober 6, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Vikas Swarup: Rupien! Rupien!

Glück im Unglück Wenn in Deutschland ein armer Schlucker bei Günter Jauch eine Million Euro abräumt, ist das eine Sensation. Wenn in Indien ein simpel gestrickter Kellner eine Milliarde Rupien gewinnt, wird aus der Sensation ein Skandal. Zumindest für den indischen Produzenten von „Wer wird Milliardär“. Dass ein Straßenjunge auf seinem steinigen Lebensweg mehr lernt als zu stehlen und zu betteln, kann und will er nicht glauben. Vikas Swarup beiweist ihm und den Lesern in seinem Erstlingsroman „Rupien! Rupien!“ das Gegenteil. Wo der Zufall regiert, hat der Verstand keine Chance.Read More
Von Titten und Traktoren Leichtherzig und organisch verwebt Marina Lewycka Tragödie und Komödie zu einem berührenden Roman, der originell und pointiert osteuropäische Immigrantenschicksale lebendig werden lässt. Nadeshda „Nadja“ Majevski ist als ukrainische Immigrantin der zweiten Generation angekommen in der Mitte der englischen Gesellschaft. Die liberale Universitäts-Dozentin hat ein hübsches Haus, einen intelligenten Mann und eine wohl geratene Tochter. Nur das feindselige Verhältnis zu ihrer älteren Schwester und die gestörte Beziehung zu ihrem wunderlichen 84-jährigen Vater Nikolai stört das Idyll. Papas jüngster Coup: der Witwer heiratet, zwei Jahre nach dem TodRead More

Posted On September 20, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Iso Camartin: Bin ich ein Europäer

Europa als Heimat? Von einem so leicht daherkommenden Autor lässt man sich gerne zu einem Nachdenken über Europa als Hoffnungsprojekt verführen. Jedenfalls hat das Europa des Iso Camartin mehr Charme und Reiz als die täglich mehr werdenden EU-Richtlinien für die Paketzustellung innerhalb von Europa. Seine nicht genug zu lobenden „Sechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend“ beginnt Italo Calvino mit einem Kapitel über die ‚Leichtigkeit’. Sie sei ein Wert und kein Mangel. Die Literatur habe die existenzielle Aufgabe, Leichtigkeit zu suchen „als Reaktion auf die Schwere des Lebens“. Und Paul ValèryRead More

Posted On September 10, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Helmut Krausser: Eros

Literarischer Rohstoff Krausser erzählt in „Eros“ die Geschichte einer Obsession und versucht zugleich im Schnelldurchlauf ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte Revue passieren zu lassen. Mit Romanen wie „Der große Bogarazy“ oder zuletzt „UC“ hat sich Helmut Krausser in die erste Riege der deutschen Autoren geschrieben. Zehn, zwanzig Seiten lang lässt er auch im neuen Roman „Eros“ sein herausragendes literarisches Talent aufblitzen und macht Hoffnung auf ein wiederum großartiges Leseerlebnis. Doch dann liefert er mit einem literarischen Kunstgriff, der sich als Missgriff erweist, nur noch ungeschliffenen literarischen Rohstoff. Kraussers Ich-Erzähler, ein Romanautor,Read More