Horror-Romane sind in der literarischen Hackordnung noch weit niedriger angesiedelt als andere Genres. Und wenn man daran glaubt, dass das wirklich so ist, verpasst man schnell eine Menge guter Literatur. Nicht passiert ist das glücklicherweise Susanna Mende …
Read More Von der Territion zur Garotte – Lorenzen setzt seine Hauptfigur Claus Jordan direkt ins Zentrum des Geschehens einer beängstigenden Gesellschaft. Und beinahe wäre dieser bemerkenswerte Roman im Zuge des allgemeinen kulturhistorischen Gedächtnisverlustes untergegangen. Dass dem nicht so ist, freut Tina Manske. Der Kunsthändler Claus Jordan und seine Frau Susanne kommen von einer Reise zurück und machen auf dem Heimweg nach Frankfurt noch einen kurzen Zwischenstopp in Bad Walden, einem Kurort im Hochschwarzwald. Doch der Aufenthalt wird alles andere als erholsam. Die Einwohner von Bad Walden verhalten sich äußerst merkwürdig, sie
Read More Hilfsausdruck Seelenverwandtschaft Simon Brenner ist wieder da, Wolf Haas’ Detektiv mit Polizeivergangenheit. Er nimmt Antidepressiva, hat aber einen coolen Job als Chauffeur des wohlhabenden Bauunternehmers Kressdorf. Er karrt die zweijährige Helena zwischen Mutter und Vater hin und her, zwischen Wien und Kitzbühel. Bis ihm eines Tages an einer Tankstelle das Kind vom Rücksitz geklaut wird. 100 Entführungsstunden später weiß Christiane Geldmacher warum. Ausgerechnet dem Brenner kommt so eine Zweijährige abhanden, einem Expolizisten, Exdetektiv. Und kurze Zeit später hat er deswegen keinen Job mehr, keine Wohnung, kein Auto. Stattdessen wird er
Read More „Und und und, oder oder oder“ – Mit Verve werden hier Selbsthass, Verbitterung, Trostlosigkeit und kaum von Nostalgie abgeschwächte Melancholie zutage gehoben. Von Tina Manske Nach seinem Bestseller Fleisch ist mein Gemüse (mittlerweile verfilmt) ist Die Zunge Europas bereits Strunks zweiter lesenswerter Streich. Zu erzählen gibt es eigentlich nichts (und so ist auch die Gattungsbezeichnung „Roman“ auf dem Umschlag nur Irreführung), denn die sieben Tage aus dem Leben des Markus Erdmann, seines Zeichens ziemlich erfolgloser Texter und Gagschreiber, verlaufen relativ ereignislos. Die Zunge Europas ist vor allen Dingen eine Folie,
Read More Immerhin etwas, was als Schweizer Novelle über eine Tragödie in Peking erzählt werden soll. Zum Beispiel von Jörg Amann: Pekinger Passion. Die Form macht’s, stellt Joachim Feldmann fest ...
Read More Keller, der nette Killer von nebenan, checkt nur sehr ungern in Hotels ein, in denen man nicht HBO empfangen kann – das spricht schon einmal sehr für ihn. Aber eine Menge anderer Dinge auch. Unsere pp Verlagslandschaft (re-)produziert lieber olle noir-Kamellen, statt grimmig-witziger Bücher. Vielleicht gar nicht so falsch, mein Michael Wuliger, Literatur-Redakteur der Jüdischen Allgemeinen (www.jüdische-allgemeine.de) und wundert sich höchstens über das milde Ende des kleinen Zyklus.
Read More Ehefrust und Liebeslust Tim Binding räsoniert in „Cliffhanger“ über fehlgeschlagene Beziehungen und Mordversuche. Die meisten Leser finden das Buch saukomisch. Viele Kritiker auch und der Verlag erst recht. Sie kriegen sich sogar kaum noch ein. Das ist Jörg von Bilavsky schlicht schleierhaft … Was tun, wenn die Ehefrau nervt? Scheiden, Schweigen oder Schubsen. Der 50-jährige Taxiunternehmer Al Greenwood entscheidet sich für Letzteres. Gelegenheit und Gegend sind günstig. Schließlich lebt er mit seiner Gattin in einem Haus direkt am Ärmelkanal. Genauer gesagt unweit einer abgrundtiefen Klippe, die zum Spazieren wie zum
Read More Fremdsprachige Buchtitel werden oft nicht übersetzt, sondern überdichtet. Hartleys Roman trat als "Der Zoll des Glücks" vor deutsche Leser, das war 1955 und wir lassen es lieber unkommentiert. Jetzt heißt die Neuausgabe wie das Original "The Go-Between", und mit Recht. Kein Begriff könnte plastischer ausdrücken, was der Protagonist Leo Colston tut: Er geht zwischen einem Mann und einer Frau hin und her. Von Gisela Trahms
Read More Der Wurstler Ist es der Hass auf Literatur oder auf das Leben, das einen Menschen zum Brandstifter werden lässt. Clarkes „Leitfaden zum Abfackeln von Schriftsteller-Residenzen“ weiß auf beides keine richtige Antwort. Von Jörg von Bilavsky Wenn der liebenswürdig schrullige, mitunter exzentrische Harry Rowohlt ein Buch übersetzt, dann muss es ein außergewöhnliches sein. Zumindest ein außergewöhnlich Schräges. Denken wir nur an die herrlich grotesken Werke Flann O’Briens, Robert Crumbs oder David Sedaris’, die der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt entdeckt und ins Deutsche übertragen hat. Brock Clarkes „Leitfaden“ ist vielleicht stilistisch
Read More Posted On Dezember 29, 2008By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Pletzinger packt seinen Roman voll mit Querverweisen (ohne ihn zu überfrachten) und nimmt alle erzählerischen Hürden mit Bravour. Von Frank Schorneck
Read More Durchs Butzenfensterchen – So interessant die Geschichte Gsellmanns und seiner wundersamen Maschine auch ist, SO möchte man sie garantiert nicht erzählt bekommen, findet Tina Manske. Im Jahr 1958 fährt ein Bauer namens Franz Gsellmann aus der österreichischen Provinz nach Brüssel zur ersten Weltausstellung nach dem Krieg. Die Reise kostet den armen Mann drei Tage Zeit und eine Unmenge Geld, aber er muss sie antreten, denn in der Zeitung hat er das Bild des Wahrzeichens der Ausstellung gesehen: das Atomium. Seit diesem Zeitpunkt weiß er, dass das das Ding ist, nach
Read More Mord auf dem Mond, "Nachtkrater" von Christine Lehmann. Aha, Science Fiktion! Ach was, Krimi, ganz und gar klassisch und auch noch komisch. Glauben Sie nicht? Doch, doch … Ein Vorschlag von Thomas Wörtche
Read More Weihnachten ist das Fest der Liebe … auch im Tierreich. Oder nicht? Thomas Wörtche hat das Buch Im Fadenkreuz des Schützenfisches von Markus Bennemann studiert, das laut Untertitel über „Die raffiniertesten Morde im Tierreich“ unterrichtet. Ganz schlimm, die Viecher …
Read More Posted On Dezember 19, 2008By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Einen Tag in Moskau, der russischen Metropole, dem Moloch, in dem Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Einsamkeit so nahe beieinander liegen, schildert Jewgenij Grischkowez in seinem Debütroman, den Karsten Herrmann gelesen hat.
Read More Heftige Liebeserkrankung – Jochen Schmidt nimmt uns hautnah mit in Gefühlszustände, die wir alle kennen, und tritt dabei dem Klassiker unbelastet von zu viel Hintergrundwissen entgegen. Von Tina Manske Im Jahr 2006 unternahm Jochen Schmidt, bekannt insbesondere durch seine Tätigkeit bei der von ihm mitbegründeten Berliner Lesebühne („Chaussee der Enthusiasten“) das Experiment, täglich 20 Seiten der Recherche von Marcel Proust zu lesen und darüber zu schreiben, ganz so, als wäre er der erste Leser, also ohne Rückgriff auf irgendwelches Wissen aus der Sekundärliteratur. Daraus entstand zunächst ein Blog. In leicht
Read More Der Roman enthält wenig narratologische Kniffe wie Perspektivenwechsel, Vor- und Rückblenden oder harte Schnitte. Braucht er auch nicht. Der Leser kann sich bei dem großteils chronologisch gestalteten Plot ganz auf Roseros wunderschöne Prosa einlassen, die Matthias Strobel überzeugend ins Deutsche übertragen hat.
Read More Ob etwas komisch oder bloß witzisch oder lustisch ist, das macht schon einen gewaltigen Unterschied, findet der Co-Gründer und Redakteur der Literaturzeitschrift Am Erker (www.am-erker.de) Joachim Feldmann.
Read More Kleine Weltgeschichte des Vergessens: Stefan Beuse über Stefan Merrill Blocks fast beängstigend perfektes Debüt, das dem Autor in den USA jede Menge Vergleiche mit anderen Wunderkindern eingebracht hat.
Read More Posted On Dezember 11, 2008By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Schwarz-Weiß-Werbung Joachim Zeller erzählt die Geschichte des Kolonialismus mit bunten Bildern und erhellenden Kommentaren. Von Jörg von Bilavsky Hätte der Deutsche Werberat schon um die Jahrhundwertwende das Sagen gehabt, wären die „kolonialen Reklamesammelbilder“, wie wir sie in dem hervorragenden Bildband von Joachim Zeller sehen, vielleicht nie in Druck gegangen. Verstößt die Darstellung der als roh, naiv und grotesk gezeichneten Kolonialvölker doch gegen die heutigen Vorstellungen von Anstand, Sitte und Moral. Um 1900 aber war der Rassismus nichts Anstößiges. Ganz im Gegenteil. Er war fester Bestandteil im Wertesystem des „Herrenmenschen“. Er
Read More In seiner exzellenten Studie über den „Deutschen Herbst“ 1977 beleuchtet Hanno Balz die konformistische Rolle der Medien im Zeitalter der terroristischen Bedrohung. Von Jörg Auberg
Read More Posted On Dezember 8, 2008By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Noch einmal deine Gedichte Roberto Cotroneo hat es verdient, im deutschsprachigen Raum endlich die Aufmerksamkeit zu erhalten, die er in Italien als Schriftsteller wie als Kulturpublizist längst genießt. Von Carl Wilhelm Macke Seit vielen Jahren schon läuft im italienischen Fernsehen eine beliebte Sendung mit dem Titel: „Chi l’ha visto?“ Die Zuschauer werden da in regelmäßigen Abständen gefragt, wer ihn gesehen hat ( so die Übersetzung ), der ganz plötzlich eine Familie oder einen Freundeskreis verlassen hat. Der Verschwundene wird von einem Fernsehmoderator genau in seinen körperlichen Eigenarten, seinen Vorlieben, seinen
Read More Der Argentinier Sergio Olguín hat sich mit "Die Traummannschaft" (2006) als Fußballkenner empfohlen, kein Wunder, denn er stammt aus Lanús, wo auch Diego Maradona einst das Licht der Welt erblickte. Was bislang zumindest hierzulande nicht bekannt war: In Lanús ist die Luft bleihaltig. Eine Rezension von Eva Karnofsky
Read More John le Carré gehört zu den großen Autoren unserer Zeit, jenseits aller Kategorien. Darüber kann kein sinnvoller Dissens bestehen. Leicht hatte er es in den letzten Jahren nicht. Seine engagierten, zornigen und bösen Romane wurden leicht verächtlich behandelt, abgetan und bespöttelt. Naja, sie hatten ja auch Afrika zum Thema … Ganz anders natürlich, wenn es um den Nabel der Welt, um Deutschland geht. Dann ist plötzlich ein schwacher le Carré-Roman ein moralisches Meisterstück. Neeeee, so einfach ist es nicht, findet Thomas Wörtche
Read More In seinem Buch Zero Comments gelingt es dem Medienwissenschaftler Geert Lovink nur bedingt, Elemente einer kritischen Internetkultur nachhaltig zu begründen. Von Jörg Auberg
Read More In ihrem Roman Reue erzählt Susan Choi mit beklemmender Intensität die Geschichte eines zu Unrecht beschuldigten Mathematik-Professors, der in die Schuld seiner Vergangenheit verstrickt ist. Von Jörg Auberg
Read More Posted On November 17, 2008By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
In den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts versank Peru im Bürgerkrieg und mehr als 70.000 Menschen verloren im Kampf zwischen der Regierung und den Rebellenorganisationen „Leuchtender Pfad“ und „Tupac Amaru“ ihr Leben oder werden bis heute vermisst. Von Karsten Herrmann
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