Posted On Oktober 9, 2013By Hanspeter LudwigIn Comic, Litmag
Gute Zeiten für Endzeitcomics – Fulda, Herbst 1983. Über der Stadt am äußersten östlichen Rande Hessens liegt Rauch und Nässe, und spätestens seit überall in der Stadt amerikanische und bundesdeutsche Panzer zu sehen sind, herrscht unbestimmte Angst vor der Endzeit: Das Manöver »Able Archer«, das die Welt um ein Haar tatsächlich in den Abgrund gerissen hätte, beginnt. Die Regierung Schmidt hat den sog. Nato-Nachrüstungsbeschluss, nach welchem dem Warschauer Pakt zwar Abrüstungsgespräche angeboten, gleichzeitig aber die neuesten atomwaffenfähigen Waffensysteme in Deutschland stationiert werden sollten umgesetzt, aber jetzt sitzt plötzlich der König
Read More Dezente Hipster-Häme – Der Debüt-Roman des Berliner Autors dekonstruiert mit Witz und Verve den Hipster-Mythos, das Berlin-Image als große Spielwiese und illustriert die Erweiterung prekärer Arbeitsverhältnisse fernab des Billig-Lohnsektors. Von Ronald Klein Die Mauer war gerade gefallen, Techno-Klänge eroberten ungenutzte Keller und Lagerhallen. Nebenan spielten Punkbands in Hinterhof-Clubs und Galerien, die junge Künstler für sich entdeckt hatten. Öffentliche Räume wurden besetzt und nach Gusto gestaltet. Berlin war in den 90er-Jahre der große Abenteuerspielplatz, der Raum für Experimente und einen Lebensstil bot, den sonst die Mauer in Köpfen, die Ost wie
Read More Warum wir nicht zu einander finden können – Der neue Kurzgeschichtenband „Spätestens Morgen“ von Zoe Jenny irritiert zunächst durch seinen altrosa Einband. In Weichzeichner gehaucht geht eine junge Frau in weißem Kleid über eine morgendliche Wiese. Die für das „Blütenstaubzimmer“ zu Recht wegen ihres klaren Sprachstils gelobte Autorin zeigt sich auf dem Klappentext in Herzchenbluse. Das lässt Schlimmes ahnen – doch es ist eine falsche Fährte: Es geht es in den Kurzgeschichten nicht um Herzschmerz, sondern eher um die Beschreibung der Unfähigkeit, eine Beziehung aufzubauen. Von Jörn Borges Jenny beginnt
Read More Einmal Vater, immer Vater –Der wohl berühmteste Ort für Vermerke ist das Notizbuch von Moleskine. Schon Vorformen davon begleiteten Künstler und Dichter bei ihrem Schaffen, für manche schien das zu befüllende Büchlein lebensnotwendig. Moleskine ist heute noch hip. Auch der Mitte 30-jährige österreichische Schriftsteller Andreas Unterweger hat ein ganzes Buch voller Notizen angelegt – im Untertitel heißt es: Notizen 10.05.2010 –09.07.2012 – und jetzt zur schönen Veröffentlichung im Literaturverlag Droschl gebracht. Von Senta Wagner Manche sind wie vom Schlag getroffen oder schlimmeres, andere können es kaum erwarten. Dennoch wohnt dem
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche. Jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die nächste Fuhre. Diesmal dabei: Einer war bereit, über das Kuckucksnest zu fliegen, aber es war neblig und die Flugsicherung hat dann alles abgeblasen. #langweiligeFilme — myrenewal (@myrenewal) October 2, 2013 „Man kriegt hier jeden Scheiß. Ich habe hier meine Zitronenhupe gekauft.“ — booldog (@booldog) October 3, 2013 Plan B: Einen Profi-Bananenschäler über Manufactum verkaufen und damit unverschämt reich werden. — Gelbe Eminenz (@diegutebutter) October 4, 2013
Read More Kieselsteine 1 bild / 100 worte Wer möchte nicht manchmal schreiben wie die Kieselsteine, so klein und bescheiden und trotzdem ärgerlich, wenn sie im Öltank landen, oder im Schuh. Im Garten dagegen machen Kieselsteine Freude unterm Fuß und sind im Übrigen gar nicht billig. Sorten gibt es wie Sand am Meer. Welcher Vergleich. Natürlich gibt es Sand am Meer, natürlich gibt es Sorten von Kies, Kalksplitt oder Granit-Gletscher, das wie ein Altar vor sich hin leuchtet und glitzernd den bangen Liebhaber anspornt, der ante portas steht und singt: „Weißt du
Read More Das vierteljährliche Preisrätsel – finden Sie die gesuchte Küchenweisheit und gewinnen Sie einen Buchpreis!
Read More Sprache Die Sprache ist wie Wasser. Beim Halten verliert man sie, im Fließen hat sie Bestand, schenkt eher Leben als Ertrinken, wäscht keine Flecken aus, ist der erste Grund, dass alles keimen kann. Ich bin eine Lawine zärtlich weiß stürze ich dich zu umarmen. Da man in der „Edition Lyrik Kabinett“ leider überhaupt keine Angaben zu Tzveta Sofronieva findet, bleibt einem nichts anderes übrig als im Internet auf Suche nach weiteren Auskünften zu dieser Autorin zu gehen. Und schnell merkt man, dass die „Lawine“ kein schlechtes Bild ist, um
Read More Ewiger Sonntagnachmittag 1 bild / 100 worte „Da reisen Aliens über Billionen Jahre, überwinden alle möglichen Weltall-Gefahren, nur, um in der Wüste von New Mexiko eine Bruchlandung zu vollziehen? Macht das Sinn?“ (Skeptischer Physiker in einer ARTE-Sendung.) „Wenn es außerirdisches Leben gibt, dann wird sein Äußeres symmetrisch sein. Symmetrie hat sich einfach bewährt.“ (Anderer Wissenschaftler in derselben Sendung.) Wer dächte da nicht an Ernst Haeckel mit seinen symmetrischen Naturtafeln und seiner Weigerung, an das Nachleben zu glauben! „Ist das alles, was Euer Jenseits zu bieten hat? Ein ewiger Sonntagnachmittag?“ Der
Read More 2010 debütierte sie mit dem Roman „Und im Zweifel für dich selbst“, nun ist im Berlin Verlag Elisabeth Ranks zweites Buch erschienen: „Bist Du noch wach?“, in dem die Generation der etwas verlorenen Dreißigjährigen im Mittelpunkt steht. Isabel Bogdan hat sich mit der Autorin per E-Mail unterhalten. Isabel Bogdan: Liebe Lisa, eigentlich finde ich diese wiederkehrende Frage, wie viel von einer Autorin in ihrer Protagonistin steckt, immer ganz fürchterlich. Aber Rea ist ja von den äußeren Umständen her schon sehr nah an Dir dran; Alter, Stadt, Job usw. Deswegen frage
Read More Mit allen Tricks & Finten: Ist die Filmförderung am Ende? – Multiplexe rufen wg. „Filmabgabe” Verfassungsgericht an. Von Wolfram Schütte. Sollte die Mutmaßung der SZ v. 21.8. 13 zutreffen & das Verfassungsgericht in der Verhandlung am 8. Oktober 2013 die sogenannte „Filmabgabe” kippen, welche die Kinos, die Videobranche & die TV-Anstalten an die „Filmförderungsanstalt“ (FFA) abführen, dann wäre die deutsche Filmförderung halbwegs am Ende. Denn die FFA wäre obsolet geworden & mit den Bundesfilmpreisgeldern allein eine deutsche Filmproduktion nicht auf die Beine zu stellen & zum Laufen zu bringen. Nie
Read More Posted On September 25, 2013By Gisela TrahmsIn Bücher, Litmag
„Aus Böhmen und ohne Haus“ –Dass dieser Bildband zustande kam, um Peter Kurzecks 70. Geburtstag zu feiern (eine Liste der Gratulanten, sprich Sponsoren, findet sich im Anhang, und stolze Buchhandlungen sind darunter), ist ein Glück. Mit Klugheit und Empathie zusammengestellt, schön gedruckt auf schönem Papier, ist dies ein Geschenk, wie es ein Autor nur wünschen kann. Von der ersten bis zur letzten Seite erzeugt das Buch jene singuläre Kurzeck – Wehmutsfreude, die alle, die zu seinen Lesungen pilgern oder seine unvergleichlichen CDs hören, immer aufs Neue suchen. Von Gisela Trahms.
Read More Posted On September 25, 2013By Andreas PittlerIn Bücher, Litmag
Verstörend wie die Wirklichkeit –Der neue Roman von Viktor Jerofejew lässt einen irritiert und ratlos zurück. Und es braucht eine gute Weile, bis einem die Erkenntnis dämmert, dass dies ja auch für die Zeit, in der wir leben, gilt. Und damit hat der Autor, aller Absurdität seines Texts zum Trotz, dann schließlich doch seine Hand am Puls der Gegenwart. Von Andreas Pittler Also einmal ganz ehrlich: „Die Akimuden“ sind alles andere als ein leicht verdauliches Buch. Schon der Plot ist mehr als bizarr. Da wird in Moskau die Botschaft eines
Read More Posted On September 25, 2013By Friederike MoldenhauerIn Bücher, Litmag
Kritik mal anders: Friederike Moldenhauer hat über aktuelle Neuerscheinungen meditiert – herausgekommen sind Haiku-Rezension, die die Sache ohne viele Worte auf den Punkt bringen. Pierre Bayard Reiseberichte Jetzt nunmehr aus dritter Hand Ach, wie ermüdend Pierre Bayard: Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist. Übersetzt von Lis Künzli. Verlag Antje Kunstmann, 2013. 224 Seiten. 18,95 Euro. Cederström / Fleming Arbeit ist Leben Kapitalismus 2.0 Arbeiter ist tot Carl Cederström und Peter Fleming: Dead Man Working. Die schöne neue Welt der toten Arbeit. Übersetzt von Norbert Hofmann.
Read More Posted On September 25, 2013By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Monumentales Manifest gegen das Vergessen – Seien Sie gewarnt: Dieses Buch ist ein Panoptikum des Schreckens und der Grausamkeit, ein gewagter Höllentrip in das Herz der Finsternis. Erzählt wird der Zweite Weltkrieg. Die Gewalt zweier totalitärer Systeme. Die Auslöschung der Juden in Europa. Lichtblicke gibt es keine. Von Karsten Herrmann. (Ein CM-Porträt des Autors William T.Vollmann finden Sie hier.) Auf gut 1000 Seiten und in 37 Kapiteln mit verschiedenen realen und fiktiven Personen durchmisst William T. Vollmann inklusive Prolog und Epilog die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Die Liste Protagonisten reicht
Read More The boring fifties? The roaring fifties! In „treibhaus“, dem Jahrbuch zur deutschsprachigen Literatur der fünfziger Jahre, knöpfen sich akribische Autorenphilologen eine Dekade vor. Bruno Arich-Gerz stellt die Publikation in unserer neuen Rubrik „journaille. der zeitschriftencheck“ vor. Mit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts assoziiert man vielerorts Mief und Muff, Langeweile und Stillstand, dazu Adenaueranästhesie und Restauration in der BRD und grimmige Selbstlegitimation durch fragwürdige Verfahren wie das Niederknüppeln von Volksaufständen in der DDR. Auch auf literarischem Gebiet, so die landläufige Ansicht, ging es eher verschnarcht zu. Dass dem nicht so
Read More Posted On September 25, 2013By Christiane QuandtIn Bücher, Litmag
Biographisch-magischer Realismus aus Brasilien – Andréa del Fuego schreibt in ihrem Debutroman die Geschichte der eigenen Familie. Doch haben wir keine trockene Familiengenealogie vor uns, sondern einen ziemlich, ja tatsächlich, nassen Roman, der an orale Erzähltraditionen Lateinamerikas erinnert und magische Elemente mit viel Wasser einflicht. Witzig und mit ganz eigenen Erklärungen für die Phänomene von Natur und Kultur ersteht die Geschichte der drei Waisen Nico, Júlia und Antônio Maláquia und wir lassen uns entführen in die brasilianische Serra Morena, wo ein Tal zum Stausee wird. Von Christiane Quandt. Gleich zu
Read More Geschichten des Kalten Krieges aus einer ungewohnten Perspektive – Die Fußnote eines Textes machte Peter Köpf auf ein Phänomen aufmerksam. Etwa 200 Nato-Soldaten flohen in den 1950er Jahren in die DDR. Köpfs Neugier war geweckt: Wer waren diese Männer? Was waren ihre Beweggründe, ausgerechnet in die mutmaßlich “falsche” Richtung, in Richtung Kommunismus zu desertieren? Was geschah mit ihnen in der DDR? Zu jedem Fall fand Köpf eine minutiös geführte Stasi-Akte, aber mit Zeitzeugen zu reden – das gestaltete sich schwierig. Über die Vorgeschichte, die zu einem spannenden Tatsachenroman führte, sprach
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche. Jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die nächste Fuhre. Diesmal dabei: Die Frau in der aktuellen Edeka- Werbung ist in der 'Lindenstraße' an einer Lebensmittelvergiftung gestorben.
Ich lass das mal so stehen. — Weltraumprolet (@Alf_Shumway) September 18, 2013 Das Experiment „Adorno lesen, während Fußball läuft“ endet unbefriedigend für beide Medien und die Versuchsteilnehmerin. — ankegroener (@ankegroener) September 19, 2013 "Wenn nicht … lese ich nicht vor!"
Kind 2.0: "Na und? Ich hab ne Anlauttabelle!"
Read More Freakshow (im Kopf) 1 bild / 100 worte KABINETT 1. Unendlichkeit, die Vorstellung davon. KABINETT 2: Die Vorstellung von einem Endpunkt (die Mauer am Ende des Universums, und NADA dahinter). KABINETT 3: Das NADA hinter der Mauer am Ende des Universums. KABINETT 4: Der Blick nach Außen: Die Außenwelt als optische Täuschung (des Hirns). KABINETT 5: Und wer hat dann warum das Hirn erschaffen? KABINETT 6: Sofern ICH das Universum bin. KABINETT 7: Ohne ICH kein Universum (MonadICH). KABINETT 8 = KABINETT 3. KABINETT 10: Lückensprung (KABINETT 9 gibt es
Read More Das Salz der Sprache Höre, höre: ich habe noch etwas zu sagen. Es ist nicht wichtig, ich weiß, es wird nicht die Welt retten, wird niemandes Leben ändern – aber wer ist heute imstande, die Welt zu retten oder auch nur den Sinn irgendeines Lebens zu verändern? Höre mich an, ich halte dich nicht auf. Es ist wenig, wie der Nieselregen, der langsam herniederrinnt. Es sind drei, vier Wörter, wenige mehr. Wörter, die ich dir anvertrauen will. Damit ihr Licht nicht erlischt, ihr kurzes Licht. Wörter, die ich sehr geliebt
Read More Die richtige Lösung eingeschickt und einen Buchpreis gewonnen hat Sigrid Flockemann aus Osnabrück. Herzlichen Glückwunsch!
Read More 11. Internationale Tiroler Literaturtage Hall (13.–15. September 2013) – Auch Sprachsalz getauft. Ein Festivalbericht von Senta Wagner. Zu viel davon soll ja schädlich sein: Salz. In der speziellen Form, wie es jetzt in Hall in Tirol dargereicht wurde, ist es unbedenklich in jeder Menge: als Sprachsalz. Geschmackssache bleibt es trotzdem. Tirol bedeutet zunächst einmal hohe Berge. Hall ist im Inntal in der Nähe von Innsbruck gelegen, umgeben also von solchen, die in dieser Jahreszeit entweder schneebedeckt sind, als schroffe Felsen oder weiche grüne Almen daliegen. Das dreitägige herbstliche Festival Sprachsalz
Read More Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang: Ab Juni erscheint bei CULTurMAG wöchentlich für ein Jahr Michael Zellers SEH-REISE in zweiundfünfzig Ausfahrten, ein „Tagebuch in Bildern”: Betrachtungen zu Kunst und Leben, von den ägyptischen Pharaonen über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute: Labyrinth, St. Petri-Kirche, Dortmund. (Alle Folgen hier). Zweiundfünfzigste Ausfahrt: Ankunft Seit wenigen Jahren erst weiß ich, dass in Dortmund drei der köstlichsten gotischen Kirchen stehen, die es in deutschen Landen zu sehen gibt, nah beieinander, im Herzen der Stadt. Vom Bahnhof
Read More Zum Abschied – Zweiundfünfzig Mal haben wir jetzt Woche für Woche gemeinsam den Hafen verlassen und uns auf eine SEH-REISE gemacht. Unsere Seh-Karten waren gerade mal zehn auf fünfzehn Zentimeter, das bescheidene Format einer Postkarte. Ein gutes Jahr unserer Lebenszeit ist dabei auf der Strecke geblieben, als wir durch Zeiten und Räume geschippert sind. Jetzt ist der Heimat-Hafen angelaufen, und jeder von uns kann wieder seine eigenen Wege gehen, wohin es ihn zieht, mit offenen Augen. Doch das wissen wir. Lange hält es SEH-LEUTE nicht an Land. Dann kommt es
Read More Posted On September 18, 2013By Brigitte HelblingIn Bücher, Litmag
Mutter Bär ist nicht zu trauen – Lange war es vergriffen, nun hat der Hamburger Aladin-Verlag „Der kleine Bär“ in einer neuen Übersetzung herausgebracht. „Little Bear“, mit Illustrationen von Maurice Sendak („Wo die wilden Kerle wohnen“), war das erste Buch, das unsere Autorin selber lesen konnte. Auf Englisch – schließlich lebte sie damals in den USA. Grund genug, sich über eine Katze mit Hut, lesepädagogische Verfahren, die Fibel „Fun with Dick and Jane“ und die Frage, inwieweit Mutter Bär zu trauen ist, Gedanken zu machen. Von Brigitte Helbling. Als ich
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