Weder an Regeln noch Schwerkraft gebunden Oder: Wenn der Orbitalfrontalkortex entscheidet – Von Alf Mayer und Markus Pohlmeyer Zwei Blickwinkel, zwei Herangehensweisen. Das Buch „Meisterwerke der Fantasykunst“ ist so gewichtig, dass es locker zwei Rezensenten verträgt. Alf Mayer und Markus Pohlmeyer haben sich mit dem monumentalen Band beschäftigt. Dian Hanson: Masterpieces of Fantasy Art. Mit den Werken von Julie Bell, Philippe Druillet, Frank Frazetta, H.R. Giger, die Brüder Hildebrandt, Jeffrey Catherine Jones, Rodney Matthews, Mœbius, Rowena Morrill, Sanjulian, Boris Vallejo, Michael Whelan u.a. sowie 99 Kurzbiografien. Deutsch, Englisch, Französisch. Verlag Benedikt
Read More Mit gefälschter Identität in Wien Erstmals ist 2020 der 1932 geschriebene Roman „Leben verboten“ der jüdischen Schriftstellerin Maria Lazar in vollständiger deutschsprachiger Originalfassung erschienen. – Einen Auszug daraus haben wir in unserem August-Magazin veröffentlicht. „Mein ganzes Leben habe ich mich immer nur benützen lassen, von meiner Frau, der Firma, der Versicherungsgesellschaft, bis sie mir alle miteinander das Leben verboten haben.“ Mit diesem Satz, so überlegt Ernst von Ufermann, könnte er seine Entscheidung verteidigen, seinen Tod vorgetäuscht zu haben. Denn eigentlich wäre er ja in dem Flugzeug gewesen, das 1931 auf dem
Read More Was uns jetzt fehlt: Marthas moralischer Furor Wenn Martha Gellhorn (1908-1998) als Kriegsreporterin in den spanischen Bürgerkrieg, zum D-Day nach Omaha Beach, dann auch in den Vietnam-Krieg zog oder noch als 80-Jährige während der US-Invasion aus Panama und Grenada berichtete, dann tat sie dies mit einer kritischen Perspektive, die vor allem die leidende Bevölkerung im Blick hatte. Die hysterische Kommunistenjagd während der McCarthy-Ära und die daraus resultierende Zerrissenheit des Landes hielt sie für eine Perversion, die nach ihrer Ansicht kein vernünftiger Mensch einfach im lethargischen Lemming-Modus tolerieren konnte. Den heutigen psychopathischen
Read More Die gleiche Botschaft wie eine Patrone Auszug aus dem Vorwort für ein aufregendes Buch – von Moritz Rauchhaus und Tobias Roth Feindflugblätter sind eine Sonderform des auch aus Friedenszeiten bekannten Flugblattes, sie wenden sich direkt an den Kontrahenten im Krieg. Sie versuchen, seine Sprache zu sprechen, ihn zu demotivieren und zum Aufgeben zu bringen. Ihre Auflagen erreichen schwindelerregende Höhen, ihre Bildgewalt und psychologische Tücke ist überwältigend und ihr Besitz ist strengstens verboten. Der Zweite Weltkrieg hat auch diese Form der Propagandakunst auf ein neues Niveau gehoben, und damit deutliche Spuren
Read More Du Feix-it Austria In Österreich kennt jedes Schulkind Franz Grillparzer und dessen Stück „Der Traum ein Leben“, das zur Schulbuchlektüre gehört (vielleicht auch nur gehörte). Ob sich Antonio Fian, den man in Deutschland auch kaum kennt, mit seinen Träumen in Grillparzers Tradition stellt, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass seit vielen Jahren, im Gefolge der österreichischen Anschlussfähigkeit an das nördliche Reich, darüber debattiert wird, ob es eine österreichische Literatur gibt, die eben nicht (nur) deutsch, sondern a bisserl mehr ist. Fian gibt Nachrichten von diesem „mehr“, in Österreich ist
Read More Am 3. September 1973 berichtet der „Spiegel“ von einem Kriminalfall: „Salah Bougrine. 35, aus Algerien, vergaß in der Marseiller Buslinie 72 erst einen Fahrschein zu kaufen, dann diesen lochen zu lassen. Weil ihn der Fahrer des Wagens, Désiré-Emile Gerlache, 49, deswegen öffentlich rügte, erwürgte der Algerier den Franzosen.“ In der Folge sei es im Süden Frankreichs „zu einem Ausbruch von Rassenhass wie nie zuvor“ gekommen. In Toulouse, Marseille und anderen Städten wurde regelrecht Jagd auf nordafrikanische Einwanderer gemacht, in einer Woche kamen sieben Menschen ums Leben. Unter den Tätern waren
Read More Copycats am Portepee Mit Copycats ist es so eine Sache: Entweder sie fristen ein unzufriedenes Dasein im Netz, schmarotzen sich durch Ideen und Gedanken, immer ängstlich darauf bedacht, nicht enttarnt zu werden oder sie zeigen sich schamlos als das, was sie sind: träge Betrüger. Die erste Spezies ist sich der eigenen Unterlegenheit bewusst, begnügt sich aber damit, im Glorienschein der Fantasiebegabten ein ganz klein wenig mit zu brillieren. Die zweite Spezies pflegt ein entspanntes Verhältnis zum Urheberrecht überhaupt. Warum sich quälen mit der eigenen Mediokrität, wo es doch schon weitaus
Read More Vielschichtiges Panorama Überzeugte Kommunistin, Anhängerin Titos und Unterstützerin der Partisanen-Bewegung, Frau eines weltberühmten Radiologen und dreifache Mutter: Das Leben von Zora Del Buono, geboren in Slowenien, war ein wechselvolles, ein von der Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägtes, sie selbst eine schillernde Person. In ihrem meisterhaften Roman „Die Marschallin“ erzählt ihre Enkelin Zora del Buono über ihre Großmutter und die Familie, über große Politik und das Grauen der Kriege sowie private Schicksale. Der Roman beginnt mit einem Prolog. Darin schreibt die Autorin über ihre Verantwortung, die Familiengeschichte an die Öffentlichkeit zu
Read More Bildungsbürgerbespaßung In Zeiten wie diesen braucht man und auch frau Aufmunterung, und die liefert schon der zweite Satz: „Dafür, dass ich in einer Branche arbeite, in der es von Platzhirschen, Zampanos und Cholerikern nur so wimmelt, habe ich es ganz gut getroffen.“ Man ahnt, es geht um den Kulturbetrieb im Allgemeinen und die Kunst im Besonderen. Hauptfiguren sind der Direktor eines privaten Museums, hochgebildet und hochbegabt, speziell für seine Auftritte vor geldgebenden Kulturpolitikern, an seiner Seite unermüdlich kunstbeflissen die Vorsitzende des Fördervereins, im Hauptberuf Psychologin, und ihr Sohn, der die
Read More Radikalität des Entwurfs Dies ist einer der Romane, die für mich unterm Strich von diesem Jahr bleiben und denen man – Corona zum Trotz – ein langes Leben wünscht. „Drei Leben lang“ von Felicitas Korn erschien, als sich das Corona-Loch gerade auftat. Sie hat darüber bei uns auf CulturMag geschrieben: „Was danach kam, ist die Absage der Leipziger Buchmesse, die Absage deutschlandweiter Lesungen und Veranstaltungen, die Schließung des lokalen Buchhandels, die Überlastung der Presse in Print, Hörfunk und TV, die gerne über das Buch berichten sollten und wollten, aber Corona bestimmt
Read More Triage Eine Turnhalle im Norden Münchens. Noch vor Kurzem roch es hier nach Kinderschweiß und Gummi. Nach Leder, Lehrerinnentränen und Magnesium. Hier wurde schlappgemacht und hier wurden Klassenbeste bejubelt. Seit Wochen riecht es hier nur noch nach kranken Männern. Hundert Betten mit schweren Fällen, die darauf warten, ins intensivmedizinische Zentrum geschoben zu werden, das in der Freiluftsportanlage zwischen Weitsprunggrube und Aschenbahn aufgebaut wurde. Wenn es vorne welche geschafft haben, rücken hinten welche nach. An der rechten Hallenseite aber, wo sich die Sprossenwand befindet, da stehen zwanzig Betten mit Patienten, die
Read More Ein kleiner Rettungsversuch I Zugegeben, ich war nie wirklich begeistert von „Game of Thrones“.[1] („Der Wüstenplanet“-Zyklus und mittelhochdeutsche Epen schienen mir da um Lichtjahre besser.) Aber ich muss nun etwas zur letzten Staffel schreiben. Es gab und gibt zahlreiche Kritik am Finale. Vielleicht sah ich dieses anders, weil ich keine messianischen oder überhaupt irgendwelche Erwartungen an diese Serie anlegte, die übrigens alle Konzepte von Messias-Figuren illusionslos durchstreicht. Zusammengefasst: Wie ich einer der wenigen war, den die Staffeln 1-7 kaum begeisterten, so scheine ich nun einer der wenigen, der von Staffel 8 begeistert war.
Read More Von der Kutsche zum futuristischen Concept Car Mit seinem umfassenden Bildband „Bertone“ legt der Schweizer Auto-Experte Roger Gloor ein spannendes Kompendium vor, das die überragende stilistische Ästhetik würdigt und die technische Entwicklung der Bertone-Konstruktionen im Verlauf von hundert Jahren detailliert vermittelt. – Von Peter Münder. Wenn Petrolheads im globalen Netz sehr engagiert darüber debattieren (auf Drivetribe u.a.), ob nun der von 1965-74 gebaute Iso Grifo mit Corvette V8-Maschine, der Alfa Montreal oder der 1971 in Genf vorgestellte Lamborghini LP 500 12-Zylinder die beste, schönste, umwerfendste aller Bertone-Konstruktionen ist und wenn sich gutbetuchte Auktionsbeobachter
Read More Es braucht einen Scharfschützen, um einen Scharfschützen zu fangen Jetzt im Dezember erscheint im Festa Verlag einer besten Stephen Hunter-Romane zum ersten Mal auf Deutsch. „I, Sniper“ stammt aus dem Jahr 2009 und ist politisch alles andere als korrekt, das geradezu symmetrisch in gleich drei Richtungen. Ein Scharfschütze tötet kurz hintereinander eine Hand voll linker „Publikumsikonen“, eine leicht als „Hanoi-Jane“ erkennbare Filmschauspielerin auch dabei. Als Täter wird einer der besten US-Sniper des Vietnam-Krieges präsentiert, eine Legendenbeschädigung erster Güte für das konservative Milieu, Diskussion um Kriegsverbrechen inklusive. Und dann geht es
Read More Ver-Stimmt Anna Prohaska ist international eine der bedeutenden Opernsängerinnen. Ein Twitter-Post von ihr landet auf Facebook, den ich lese. Da ist von einem Gespräch im Deutschlandradio Kultur mit dessen Abteilungsleiter für Kultur und aktuelle Politik, Thorsten Jantschek, die Rede. Er habe sich angesichts der Schließungen im Kulturbereich sehr abschätzig und unerträglich geäußert. Was ich lese, ist schlimm genug. Während des Shutdowns könnten Dramaturgen ja mal Stücke entwickeln und Beleuchter ihre Geräte in Ordnung bringen. Museum könne man auch mal sein lassen. Ich mache einen kleinen Post in dem Sinne, dass
Read More Passend in diese Zeit, wurde dieses Jahr eine „unsichtbare Biennale“ – Le Biennali Invisibli – ins Leben gerufen. Kuratiert von Alfons Hug und in Auftrag gegeben vom Goethe-Zentrum Baku, untersucht das Projekt elf imaginäre Räume, inspiriert von Italo Calvino und seinen „Unsichtbaren Städte“. Mittlerweile ist die Internetseite des Projekt freigeschaltet: www.lebiennaliinvisibli.org. Wir zeigen daraus einige Screenshot.
Read More Die Neugestaltung der Welt Die erste umfassende kritische Geschichte über die Neugestaltung der Welt 1989 ist eine brillante Studie – Eine Rezension von Gerhard Beckmann In einem scheinen Historiker, Journalisten und TV-Programm-Macher und Politiker sich einig: Das Jahr 1989 war eines jener seltenen Momente, die in der Geschichte der Menschheit einen Wendepunkt darstellen. Da ist es ein wahrer Segen, dass exakt eine Generation später die erste umfassende, eine grundlegende neue Darstellung dieses epochalen Augenblicks erschienen ist. Kristina Spohrs „Wendezeit“kommt genau im richtigen Moment. Für die nunmehr dreißig Jahre alte neue Epoche
Read More Marrying the Hangman She has been condemned to death by hanging. A manmay escape this death by becoming the hangman, awoman by marrying the hangman. But at the presenttime there is no hangman; thus there is no escape.There is only a death, indefinitely postponed. This isnot fantasy, it is history. * To live in prison is to live without mirrors. To livewithout mirrors is to live without the self. She isliving selflessly, she finds a hole in the stone wall andon the other side of the wall, a voice. The
Read More Herzlich willkommen! Der bundesweite Corona-Lockdown jetzt im November wird uns allen mehr Zeit für uns selber geben, deshalb liefern wir Ihnen ein paar Lese-Briketts mehr ins Haus. 39 Beiträge, so viel wie noch nie, versammelt diese Ausgabe – wir wünschen gute Lektüre.. Unser USA-Korrespondent Thomas Adcock stimmt uns mit seinem Essay „Oops!“ auf die US-Präsidentschaftswahl ein. Felix Hofmann seziert in „Märchenland Amerika“ unser Verhältnis zu diesem Kontinent und Gerhard Beckmann führt uns noch einmal zu Jürgen Neffes wichtigem Buch „Das Ding“ für einen wichtigen politischen Zusammenhang. Unsere Korrespondentin Iris Boss hatte
Read More NORTH CHATHAM, New York — U.S.A. October 24 was a Saturday of dramatically mixed weather here in upstate New York, as mixed and moody as months of speculation by political scientists and amateurs alike over the prospects for the survival of America as we know it. This day was our first in a week of early voting in the lead-up to November 3—Election Day throughout the United States. So, there was I on that cool grey misty morning, near the front of a sidewalk line-up outside my polling station in
Read More Die USA — Europas Märchenland ... anläßlich eines Artikels von Verena Lueken in der FAZ vom 19.08.2020 (online hier) über eine Rede von Hannah Arendt aus dem Jahr 1975 und ein Briefchen von Joe Biden... * Seit ich angefangen habe, an meinem Denken zu arbeiten, um nicht auf der Stelle zu treten, gehört zu dieser Arbeit auch ein unerschöpfliches und unermüdliches Interesse an den Vereinigten Staaten und fast im Gleichklang damit die Einsicht in die Notwendigkeit, Hannah Arendt zu lesen. Ich kenne also die Rede von Arendt, und sie gehört definitiv nicht zu ihren besten
Read More Köstner‘sche Intelligenz vermittelt von Vladimir Alexeev Das klingt nach Science-Fiction, und doch ist’s wahr: Man nehme mehrere Millionen Büchern, Artikeln und Webseiten, trainiere Künstliche Intelligenz daran – und lasse sie selbst Texte schreiben. Im Freiflug. Zu jedem beliebigen Thema. Das KI-Forschungsinstitut OpenAI hat es vollbracht und mit “GPT-3” ein unglaublich fähiges Neurales Sprachmodell erschaffen. GPT-3 verfasst Geschichten, kann coden, oder als ein intelligentes Chatbot agieren. Denn es weiß praktisch alles. Und das – in verschiedenen Sprachen, darunter auch auf Deutsch. Ob GPT-3 auch versteht, was es weiß, bleibt dahingestellt. Ich hatte
Read More Ich habe dieses Mal sehr früh mit dem Schreiben meiner monatlichen CulturMag-Kolumne angefangen, weil ich den ganzen Oktober in Hamburg und Minden mit Proben für das Theaterstück „SCHTONK!“ beschäftigt war. Sieben Tage die Woche – unbezahlt, da erst die Vorstellungen bezahlt gewesen wären. Die Vorstellungen einer Tournee, die vom 25.10. bis Weihnachten gedauert hätte. Ich habe nachts in meinen Hotelzimmern an dem Text meiner CulturMag-Kolumne gearbeitet und habe ihn auch tatsächlich zu Ende geschrieben. Aber inzwischen ist so viel passiert, dass ich ihn nicht einfach so stehenlassen kann: Ich hatte
Read More Im November erscheint bei Diogenes eine Neuausgabe von Patricia Highsmiths „Tiefe Wasser“, zu der Gillian Flynn das Nachwort* geschrieben hat. Ich kenne das Nachwort noch nicht, bin aber schon sehr gespannt darauf. Denn als ich „Tiefe Wasser“ gelesen habe, musste ich mehr als einmal an „Gone Girl“ denken. Highsmiths Roman über eine zutiefst unglückliche Ehe ist ein wichtiger Vorläufer zu „Gone Girl“ und dem domestic thriller. Mörderische Ehe Erzählt wird die Geschichte von Victor und Melinda Van Allen. Sie haben eine Tochter und leben in Little Wesley – ein Ort,
Read More Neulich hatte mich das „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ gefragt, wie’s denn so sei, mit Corona und Thrillern und überhaupt … Als es im Februar losging mit CORONA, hatte ich Angst. Vor den Lawinen von CORONA-Thriller-Manuskripten und -Exposés, die sicher gleich über mich hereinbrechen würden. Was dann auch prompt passierte – Thriller, die „die Wahrheit“ über die Pandemie enthüllten, die sich in dystopischer Schwarzmalerei suhlten und von arger literarischer Belanglosigkeit waren. Stufe zwei: Plötzlich las alle Welt das „Decamerone“ und Camus´ „Pest“, sozusagen als Trostbüchlein. Uraltschmöker wie Dean R. Koontz „Die Augen
Read More Diktatur und Dreck Wenn ich Diktatorin wäre, hieße meine Diktatur die „Die-da-Diktatur“. Erstens, weil es lustig klingt, und zweitens, um ganz klar zu machen, dass ich nicht „die da oben“ bin. Schließlich soll mir das Volk nicht die Schuld für all sein Unbill in die Schuhe schieben, es soll mich lieben, verehren und lobpreisen – wozu hält man sich denn sonst so ein Volk? In meiner „Die-da-Diktatur“ wären „Meine eigenen Bedürfnisse ernst, mich selbst nicht so ernst nehmen“, „Ein trefflicher Mitmensch sein“, „Zuhören“ und „Warum ich nicht der Nabel der
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