oder: Die schönen Dinge im Leben, die ich komplett verpasse, weil ich keinen anständigen Beruf habe. Früher war das ganz einfach. Mit „früher“ meine ich: in der Schule. Da gingen diese Steckbriefalben rum (ich bin Jahrgang 75, zur Erinnerung), in die man seine Lieblingsband und Augenfarbe und was nicht noch alles reinschreiben sollte, und eben auch: Hobbys. Ich weiß noch, wir schrieben einfach alles rein, was wir so machten, wenn wir nicht gerade in der Schule waren. Lesen, Schwimmen, Klavierspielen, Musikhören, mit Freunden rumhängen. Ein Hobby wird darüber definiert, dass
Read More Slish-slash – Eimerweise Menschenfetzen, meterlange Gedärme, das Grauen, Horror & Kreisch – da sind Kettensägenmassaker Kinderkram dagegen. „Schwarzes Blut“ – ein Roman von Max Wilde, den man ansonsten als Roger Smith kennt. Der eigentliche Roger Smith, wie Thomas Wörtche meint. Die erfolgreichen Südafrika-Thriller von Roger Smith sind clever gemachte Reißer, bei denen der hysterische Unterton stört, mit dem Smith die „Angst vorm schwarzen Mann“ inszeniert (Rezension bei CULTurMAG) und in schicke Metzelgemälde verwandelt. Das lässt sich gut als „knallharten“, „kompromisslosen“ Realismus ans schaudernde Publikum verkaufen, das gerne seine noch so krausen Afrika-Bilder
Read More Zwischen Lob und Tod: Stalins Sonderermitler zwischen allen Fronten – Nach „Roter Zar“ ist nun der zweite Band des Amerikaners Sam Eastland (Pseudonym für Paul Watkins) mit dem Sonderermittler Pekkala als zentraler Figur erschienen. Der NKWD-Agent ist zwar mit allen möglichen Sonderrechten ausgestattet, kann aber auch jederzeit in Ungnade fallen und wieder im sibirischen Straflager landen. Von Peter Münder Bei Umfragen zu den beliebtesten Politikern stand Stalin bei den Russen in den letzten Jahrzehnten meistens auf Platz eins ‒ jetzt ist er nach Breschnew und Lenin auf Platz drei gerutscht, während
Read More Zweite Klasse – Ava Lee: weiblich, ledig, weltgewandt. Alf Mayer porträtiert die Figur von Ian Hamilton, die nichts in der First Class zu tun hat. Wir treffen sie am Anfang der „Wilden Bestien von Wuhan“ in Willemstad, der Hauptstadt von Curaçao, als sie gerade Luft schnappt von einer Familienkreuzfahrt. Es folgt ein wenig Sightseeing, das Kura-Hulanda-Museum mit einer bedeutenden Ausstellung zur Geschichte des Sklavenhandels, die Synagoge mit einem Sandboden aus der Wüste Sinai. Dann klingelt Ava Lees Handy, ihr Onkel aus Hongkong ruft an. Eigentlich stammt er aus Wuhan, das
Read More Bloody Chops – am Beilchen heute Anna Veronica Wutschel (WUT) über „Inspector Lewis“, die 5. Staffel; Klaus Kamberger (KK) über Therese Philipsen: „Sündenspiel“ und Joachim Feldmann (JF) über Christopher Brookmyre: „Die hohe Kunst des Bankraubs“. Pseudo-intellektuell, pseudo-tiefsinnig (WUT) Knifflig geht’s zu, wenn Inspector Lewis und Sergeant Hathaway gemütlich durch das malerische Oxford spazieren. Und dabei in pseudo-intellektuelle, pseudo-tiefsinnige Plaudereien versunken, über die sich der Zuschauer dezent amüsieren mag, unzählige Morde lösen. Da knobeln Rätselknacker ganz unter sich: Geboten werden fast so viele Tote wie Verdächtige, kompliziert gelegte Spuren und unzählige
Read More Was also haben Godot und Auftragsmörder miteinander zu tun? Und wer könnte auf die Idee kommen, das könnte tatsächlich so sein? Christopher G. Moore, unser Mann in Bangkok, klar: When Godot is an Assasin and You don’t have to wait The 2013 Thai Most Wanted Hitmen list has 100 names. The 2011 list had only 75 names. That’s a 25% productivity and employment increase in two years. If this were the economy, people would be in the streets celebrating. This list is not Thai companies on the stock exchange but
Read More Minnie the Moocher by Cab Calloway & Irving Mills Folks here’s a story ’bout Minnie the Moocher; she was a red hot hoochie coocher. She was the roughest toughest frail; but Minnie had a heart as big as a whale. Hi de hi de hi de hi Ho de ho de ho de ho Hee de hee de hee de hee Ho oo waooo waoooo She messed around with a bloke named Smokey; She loved him though he was kokey. He took her down to Chinatown and showed her how
Read More ‘MOTOWN’ THEN and NOW, clockwise from top left: John F. Kennedy, Democratic Party candidate for president, campaigns in Detroit on Labor Day 1960; Diana Ross (center) and The Supremes—Detroit girls who sang “Motown” to the world; Martin Luther King, Jr. (left) and labor leader Walter Reuther; a burned out house on Detroit’s west side; a neighborhood ablaze during the “race riot” of July 1967; Governor Rick Snyder, the venture capitalist who abolished democracy in all five of Michigan’s majority African American cities; an abandoned factory, somewhere in a thrown-away quarter
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, Detroit ist eine der mythischen Städte der USA. Unser Korrespondent Thomas Adcock beschreibt, was aus Motown geworden ist und wie Politik & Verbrechen Hand in Hand wüten. Konkreter Regionalismus. Carlos gewährt uns – immer noch in einer Phase der Milde – Einblicke in seine arkane Sammlung kurzer Sätze. Alf Mayer rezensiert Dominik Bernets Roman „Das Gesicht“ und kommt dabei nicht zufällig u. a. auf die NSA, Cesare Lombroso und Bernard Tavernier zu sprechen. Thomas Wörtche wartet auf den ultimativen polnischen Kriminalroman. Das ist „21:37“ von Mariusz Czubaj sicher
Read More Aus Carlos’ arkaner Sammlung ‒ heute: Kurze Sätze. Danke! Ich sammle. Damit bin ich nicht allein, von der Briefmarke bis zu wechselnden Hohlköpfen im Bett, von denen frau verhauen und betrogen wird, kann man ja alles sammeln. Meine Sammlung ist freilich unsichtbar, wenn nicht geheim. Ich sammle Sätze, kurze schriftliche Zeugnisse, seltener kurze Dialoge. In aller Regel muss ich so etwas nicht aufschreiben, es ist mir ins Hirn gebrannte. Und endlich will ich die Welt an meinen Karfunkeln teilhaben lassen. Rauchender Obdachloser in Pforzheim, 1983: „Hasch du mir Feuer oder
Read More Das Hässliche ist das Böse ‒ Ein Ausflug in die Geschichte der Rasterfahndung. Dominik Bernets Lavater-Roman „Das Gesicht“. Eine Rezension plus von Alf Mayer. 200 Jahre vor der Gesichtserkennungssoftware von Facebook, den Zuordnungsfunktionen beinahe schon jeder Digitalkamera, 200 Jahre vor dem automatischen Erkennen unserer Absichten und der Hochrechnung unseres Charakters alleine aus unserem elektronischen Erscheinungsbild gab es das schon alles. Rudimentärer natürlich, aber nicht weniger unheimlich – und gottgleich. Ja, auch bei den theologischen Omnipotenz-Zuschreibungen und den Bekräftigungen der natürlich nur allerbesten Absichten lassen die Ähnlichkeiten frösteln. So ist es
Read More Polnischer Mainstream ‒ Gesellschaften im Umbruch produzieren meistens spannende Kriminalliteratur. Manchmal mit eigenen Themen und Strukturen. Manchmal aber auch schon für den internationalen Markt stromlinienförmig designt. Möglichst überall gelesen und verstanden werden zu wollen ist nichts Schlimmes, au contraire. Nur manchmal hapert es noch ein wenig mit der Balance. Mariusz Czubajs Roman „21:37“ ist so ein Fall. Eine Besprechung von Thomas Wörtche. Kriminalliteratur hat als globales Verständigungssystem ein paar einfache Figuren und Standardsituationen entwickelt, die nationale, regionale und kulturelle Unterschiede integrieren können. Etwa so: Menschen werden mit Plastiktüten erstickt und
Read More Interpretationsbedürftiges Regelwerk ‒ Kriminalromane aus Israel erfreuen sich seit Batya Gur und Shulamit Lapid bei uns seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Jetzt gibt es den Kriminalroman über israelische Kriminalromane, die es angeblich nicht gibt. Joachim Feldmann über Dror Mishanis „Vermisst“ ‒ ein etwas zähes Meta-Exerzitium. Würde Inspektor Avi Avraham selbst beherzigen, was er der Mutter eines verschwundenen Sechzehnjährigen erzählt, wäre er erheblich näher an des Rätsels Lösung. Doch der Kriminalist aus Cholon in der Nähe Tel Avivs, dessen liebster Zeitvertreib darin besteht, fiktiven Ermittlern wie Hercule Poirot Fehler nachzuweisen, hat eigentlich
Read More Pick of the Week N° 19 – Seit Jahren bibliografiert, archiviert und kommentiert der Ehrenglauser-Preisträger Thomas Przybilka in seinem BoKAS (= Bonner Krimi-Archiv Sekundärliteratur) wissenschaftliche und publizistische Arbeiten aus aller Welt, die sich mit den unendlichen Facetten von Kriminalliteratur befassen. In unregelmäßig regelmäßigen Abständen erscheinen dann seine unschätzbar wertvollen Zusammenfassungen der aktuellen Sekundärliteratur, die jeder zur Kenntnis nehmen muss, der sich auch nur ein bisschen über seine Lieblingsliteratur kundig machen möchte. Ein solcher „Newsletter“ hat leicht einmal 160 bis 200 Seiten; deswegen empfiehlt CrimeMag unregelmäßig ein paar Titel aus dieser
Read More Vorbei im digitalen Zeitalter mit den gemütlichen Noir-Atmosphären? Nein, meint Christopher G. Moore, unser Mann in Bangkok – noir funktioniert auch futuristisch: Big Data Noir No noir story will match the ones told by Big Data. In the future, noir stories will emerge from Big Data only it won’t be fiction. Authors of crime fiction, noir, hardboiled, or otherwise, are like monks writing manuscripts before the printing press. Our end will be as noir as their end. Here’s the story of how that will come about. I’ve thought of writing
Read More Gun Street Girl by Tom Waits Falling James in the Tahoe mud Stick around to tell us all the tail He fell in love with a Gun Street Girl and Now he’s danced in the Birmingham jail. Took a 100 dollars off a slaughterhouse Joe Brought a bran’ new michigan 20 gauge Got all liquored up on that road house corn, Blew a hole in the hood of a yellow corvette Blew a hole in the hood of a yellow corvette. Brought a second hand Nova from a Cuban Chinese
Read More Wahrhaft dicke Bretter bohren ‒ Ein Porträt des Autors William T. Vollmann anlässlich seines „Europe Central“ von Alf Mayer. 1982, vor nun mehr als 30 Jahren, schnappte sich der damals 23-jährige William Tanner Vollmann aus Los Angeles, der seine Texte bis heute mit WTV zeichnet, Kamera und Kassettenrekorder und machte sich auf nach Afghanistan, um sich auf eigene Faust einen Eindruck zu machen von dem sowjetisch besetzten Land. Das Ergebnis war ein seltsames, in vielerlei Hinsicht inkorrektes, aber dennoch höchst interessantes Buch. „Wenn Sie eine Nachricht hätten an die Amerikaner,
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, der Sommer ist hoffentlich noch lange nicht vorbei, unsere Sommerpause aber schon. Seien Sie herzlich willkommen in der neuen CrimeMag-Saison! Wir steigen ein mit einem Porträt des amerikanischen Schriftstellers William T. Vollmann, das Alf Mayer anlässlich des neuen Vollmann-Romans „Europa Central“ präsentiert. Die Sommerpause hat selbst Carlos ein wenig milde gestimmt, weshalb er heute über „Glück“ räsoniert. Edgar-Preisträger Thomas Adcocks säureklare Analysen der amerikanischen Verhältnisse, die er exklusiv für CrimeMag schreibt, befassen sich heute mit dem Justizsystem, besonders aber mit der Rolle des Supreme Court. Als neue Mitarbeiterin
Read More Carlos leidet NICHT, darauf legt er Wert, in diesen Zeiten. Nein, er hat gar Glück: Man möge doch, so lehren uns manche Philosophen, sehr aber Esoterikärsche und Motivationslumpen, immer mal wieder bedenken, wie oft man im Leben Glück gehabt habe, statt sich immer nur wieder in erlittenem Leid zu suhlen. Gibt es einen besseren Monat als Sonnengott Augustus, um damit ernst zu machen? Zunächst einmal hatte ich Glück, dass ich nicht im hungernden Biafra, sondern im tödlich hässlichen Pforzheim aufwuchs. Das erläuterte mir mein Vater stets, wenn ich krank im
Read More NATIONAL SHAME (clockwise, from top left): Kimberly McCarthy, homicidal nurse sent “home to Jesus” on June 26 by the homicidal state of Texas; Rick Perry, the “Christian” governor of Texas, heir to a hunting club called “Niggerhead”; a lynched corpse in Alabama, circa 1930—a a frequent public display advising southern blacks to forget about voting; John Roberts, chief “justice” of the U.S. Supreme Court, ringleader of a judicial wrecking crew that eviscerated the Voting Rights Act of 1965—meant to guarantee voting rights for African Americans. ‘The Law is a Ass—a
Read More Ab in die Cloud! Harry Harrison, Jack Vance, Gisbert Haefs u. a. haben welche erfunden – intergalaktische Diebe. Und jetzt Hannu Rajaniemi und sein Jean le Flambeur – Elly Bösl stellt uns zwei Bände vor und ist skeptisch … „Quantum“ Jean le Flambeur, Meisterdieb, fristet ein trostloses Dasein im Dilemma-Gefängnis: Jeden Tag, jede Stunde ist er gezwungen, sich selbst mit einem Revolver zu erschießen. Im Auftrag einer Göttin befreit die oortische Kriegerin Mieli den Dieb, denn er soll etwas stehlen. Jean hat allerdings keine Erinnerung an sein früheres Leben, sein
Read More Rowling goes crime ‒ Einen mittelmäßigen Krimi von Mr. Galbraith hätte man nicht groß beachtet. Warum auch? Dass Mr Galbraith sich dann in J. K. Rowling verwandelte, ändert nur etwas an der Aufmerksamkeit. Der Text bleibt, was er ist: mittelmäßig. Für Joachim Feldmann Regenwetterlektüre … Es kommt nicht oft vor, dass Daheimgebliebene neidisch reagieren, wenn man von leichtem Nieselregen und Temperaturen um die 20 Grad berichtet. Nach einer sogenannten Hitzewelle, über deren Höchsttemperaturen um die 30 Grad Kontinentaleuropäer eher schmunzeln würden, herrschen in Britannien wieder die gewohnten Wetterverhältnisse. Und was ist
Read More Spargelstechen auf der Wellness-Finca ‒ Andreas Schnabels fünfter Mallorcakrimi leidet an Seitenstrangangina, überzeugt aber mit Wortwitz und der Lust am fantasievoll-perversen Verbrechen. Eine Besprechung von Bruno Arich-Gerz. Er war der schmächtigste und jüngste der acht Söhne des LPG-Vorsitzenden und Schweinewirtes und hatte selbst als Kind niemals gelächelt. Mit dreizehn durfte er zum ersten Mal selbst schlachten. Das war natürlich inoffiziell. Die LPG produzierte ja fast ausschließlich für West-Devisen. „Wilhelms Quieker werden nicht geschlachtet, sondern gesprengt“, hieß es überall. „Das Fleisch fliegt in den Westen, die Knochen nach Polen, und die Scheiße
Read More Im Strudel der Vergangenheit ‒ „Die falsche Spur“ von Stefanie Viereck ist ein eher stiller Kriminalroman, unaufgeregt und gut gemacht – Anne Kuhlmeyer mag ihn. Die Journalistin Lena Vogel recherchiert für einen Artikel zum hundertsten Geburtstag von Christian Andersen, zumindest hat sie das vor. Doch wegen einer Unstimmigkeit mit ihrem Freund, dem Fotografen Lars, fährt sie alleine los und landet gerade eine Autostunde von Hamburg entfernt in einem Landgasthof. Sehr einsam, sehr still, ein bedrückender Ort. Stefanie Vierecks Roman beginnt in Nachtblau. Ein Grauschleier bedeckt auch die hellen Sonnenflecken eines Kindheitssommers,
Read More Im Strandkorb ‒ Thorlef Czopnik präsentiert drei lustige & trashige Urlaubslektüren, die durchgerutscht waren und mit an den Strand gekommen sind, wo sie vermutlich auch liegen bleiben: Harlan Coben „Wer einmal lügt“, Anthony E. Zuiker „ Level 26: Dunkle Offenbarung“ und Jenk Saborowski „Biest“. Harlan Coben ‒ Wer einmal lügt Megan lebt das perfekte Leben: zwei Kinder, einen liebenden Ehemann und dazu noch ein schickes Haus in einer guten Gegend. Doch das perfekte Leben bekommt einen Makel, als sie die Vergangenheit einholt. Denn Megan ist nicht die brave Frau von
Read More Bloody Chops – heute arbeiten mit dem Beilchen Joachim Feldmann (JF) an David Zeltsermans „Paria“ und Reinhard Junges „Achsenbruch“, Alf Mayer (AM) aber an Jamie Frevelettis „Rette Dich“. Ein Gangsterepos der besonderen Art (JF) Acht Jahre hat Kyle Nevin gesessen und die Klappe gehalten. Nun will er sich an dem Mann rächen, der ihm die Gefängnisstrafe eingebrockt hat. Und das ist ausgerechnet Gangsterboss Red Mahoney, für den Nevin viele Jahre lang alle möglichen Drecksarbeiten erledigt hatte. Doch bevor es Mahoney an den Kragen geht, braucht Nevin Geld. Einen Plan hat
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