O-Töne einer Praxis Die Klient*innen: Ich habe einen Mann und eine Frau in meinem Kopf mit denen ich mich manchmal unterhalte, die Namen darf ich aber nicht verraten. Mein Grundschullehrer hat mich missbraucht, meine Eltern haben gesagt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich nehme täglich so viel Subutex, davon würdest du sofort sterben. Ich konnte meine Bachelorarbeit nicht beenden, weil ich depressiv und alkoholsüchtig wurde. Gibt’s noch Kaffee? Ich weiß, dass die Menschheit durch LSD im Grundwasser gerettet werden kann! Wenn der noch einmal sowas sagt, raste ich aus. Ich habe
Read More Fernab des Systems ein Lächeln Ich unterrichte bis zu 128 Schüler*innen – jedes Schuljahr. Im Schnitt 4 Lerngruppen à 32. Wenn ich Glück habe sind es weniger, zu viele sind es immer. Zu viele für die zu kleinen Räume. Zu viele für die wenige Zeit. Und dann sind sie alle auch noch entweder kurz vor, schlimmstenfalls mitten in, oder kurz nach der Pubertät. Bis zu 4 Schulstunden die Woche stehe ich vor Ihnen. Ich entscheide im Sekundentakt und bin danach leer. Sie haben Zeit und schauen mich an. Was sie
Read More Unsichtbare Menschen Ich bin Mensch und arbeite mit Menschen, insbesondere mit Menschen, die den Vorstellungen und/oder den Erwartungen der Gesellschaft bzw. den Herrschenden nicht entsprechen. Anders ausgedrückt, ich arbeite mit Menschen, die andere Werte und Normen haben, andere Vorstellungen von der Welt, andere Herangehensweisen ihr Leben zu meistern, andere Strategien der Lebensbewältigung. Es sind Menschen, die Fähigkeiten und Ressourcen haben, die scheinbar in der arbeitsorientierten Welt, wie Deutschland, keinen Platz bzw. keinen Wert haben. Menschen, wie Frauen und Kinder. Ich arbeite mit unsichtbaren Menschen. Ich arbeite mit Frauen, die aufgrund
Read More Begegnung Den Menschen sehen. Wie er ist. Nicht, wie er sein soll. Ihm helfen, sich selber zu sehen, sich selber zu spüren. Doch wie? Durch echte Begegnung. Was soll das sein? Sich Zeit nehmen, wirklich da sein, gewahr sein, hinhören, spüren, sich berühren lassen. Und dann? Entsteht etwas – zwischen uns. Verbunden und doch getrennt. Kann ein Mensch werden, wer er ist. Weicht Isolation. Wächst Lebendigkeit. Verändert das auch mich. Nora, Psychotherapeutin, Nordrhein-Westfalen
Read More Contradictio in adiecto Gedanken eines Dipl.-Soz.päd 1. Aggressive Freundlichkeit „Es ist 16:45 Uhr, eigentlich hatten wir einen Termin um 16:30 Uhr ausgemacht. Du lässt mich wieder einmal warten, wie schon in der letzten Woche, eine Woche davor und wie eigentlich jedes Mal. Ich bin total sauer. Aber warum bin ich eigentlich sauer? Kann mir doch egal sein, ist ja dein Leben und ich bekomme trotzdem am Ende des Monats meine Kohle. Ich bin sauer, weil ich deine aggressive Freundlichkeit nicht mehr ertrage und du mich nicht siehst. Es ist jetzt
Read More Pflege-Erfahrung als staatsbürgerliche Nachhilfestunde Aus der aktuellen Perspektive eines Patienten Meine an Alzheimer verschiedene Ehefrau Giuliana ist in der exzellent geführten Seniorenresidenz Neustift (Passau) betreut worden – schon um 2010 wurde aber der Mangel an Pflegekräften zu einem Problem. Meine im April 2022 gestorbene Lebensgefährtin Eska hat partout nicht in ein Pflegeheim wollen: wegen ihrer Erfahrungen mit einer unguten Reha-Klinik. Ich selbst kann heute von Pflegekräften nur mit größter Hochachtung sprechen – dies nach zehn Junitagen im Klinikum Rottalmünster (Niederbayern), ab Anfang September in Görlitz (Sachsen): im Städtischen Klinikum, in
Read More Aus Schmerz mach Brot Brigitte Helbling und Eva Christina Zeller: VORSPIEL (Helbling): Vor Jahren, als ich in einer Theaterbar versuchte, jemandem von dem Buch zu erzählen, das später „Meine Schwiegermutter, der Mondmann und ich“ werden sollte, hörte ich erstmals den Namen Annie Ernaux. „Was du vorhast, klingt wie Annie Ernaux“, sagte Sibilla. (Es war Sibilla, mit der ich sprach.) Ich merkte mir den Namen, ging ihm aber nicht weiter nach. Wenn man am Schreiben ist, ist die Lust gering, etwas zu lesen, das dem ähneln soll, von dem man noch
Read More More Power to Her 1 bild / 100 worte Hinter dieser Mauer sitzt ein Teenagermädchen und meditiert. Der Möglichkeitssinn, Musil in Genf, die Stille hinter den Geräuschen, Blutbrunnen in Teheran, ganz banal die Prüfung, to do or not to, die Eltern, weit weg in Oha, wo auch Lucia B. – Speicherfarms im Permafrost. Still. Ruhig werden – he. Manche sind einfach nicht begabt für – he! Wem macht das Universum nicht Angst (also nichts wie hin – sagte wer?). Leider, wieso – über den Wolken ist der Himmel nie grau.
Read More Heldentum, leicht zu tragen 1 bild / 100 worte Kleine Hände warten im Pazifik darauf, Dich zu umfassen, sind Flossen, Fischschwänze, Strömungen, Wellen… STELLA JA. Warten auf den Sonnenuntergang, der nicht kommt, porqué, jetzt ist Regenzeit, und nachts im Sternenhimmel hängt der Orion andersrum als sonst. RA-RA-RA. Der Guide sagt – lassen wir das, der Guide bringt uns nicht weiter, weg mit dem Guide. Stattdessen: MARRY ME im Park mit Rosen. RA-RA-RA. California Dreaming aus Lautsprechern unter uralten Bäumen, Pfauen und Geigen und Klänge von AMOR, AMOR, AMOR… Das Heldentum
Read More Bundesweit Wellen geschlagen hat der Alarmruf des Branchenkenners Gerhard Beckmann, den wir im August außer der Reihe veröffentlich haben: Wie Amazon Verlage an den Rand des Ruins treibt. Jetzt legt Beckmann nach. Noch härter.Noch präziser.Noch alarmierender. Der Text erscheint bei uns Anfang nächster Woche. Schauen Sie wieder vorbei.
Read More Das warme Leben der Wirklichkeit Photochrome: Wie eine aus der Zeit gefallene Drucktechnik uns immer noch die schönsten Bilder macht – von Alf Mayer Ein massiver Buchdeckel in Holzoptik, der Eindruck einer Holzplanke verstärkt vom Gewicht: 6,4 Kilogramm, wunderschönes Edelweißmuster als Vorsatzpapier, die Buchbindung extrem stabil, ein Coffee-Table-Buch, das auf egal welcher Seite aufgeblättert, offen liegen bleibt, ein fingerbreites samtenes Lesebändchen – und Berge, Berge, Berge. Nichts als Berge. Nun ja, Täler und Seen auch. 600 Seiten. Sensationell. Hach. Ich muss gestehen, etwas Angst hatte ich schon vor diesem Monumentalband
Read More Ein wunderbarer Nebeneffekt meiner Jury-Mitgliedschaft beim Weltempfänger ist es, dass ich endlich wieder einen beruflichen Vorwand habe, Comics zu lesen – und in „Zurück in die Heimat“ verbindet Nacha Vollenweider sehr schön eine von Migration geprägte Familiengeschichte mit der Frage, wie es nun weitergehen soll im Leben und Lieben der Hauptfigur. Ohnehin gibt es gerade eine ganze Reihe sehr guter Comics aus Lateinamerika. Sie stehen nicht auf dem Weltempfänger, aber „Virus Tropical“ von Powerpaola und „Füchsin und Kröte“ von Sol Díaz – beide bei Parallelallee erschienen – sind fantastische feministische
Read More Back to the Ursprung 1 bild / 100 worte Schon wieder NASA! Aber auch ESA. Und CSA. (Klingt wie ein Rapsong) (MFG, Fanta-4.) (YES.) ATTENZIONE, CONCENTRAZIONE – (RITMO?) – HUMANITY, Menschheit, es geht, tada! back to the Ursprung! – !!! – (Schon wieder, *gähn*.) (Wer da?) (Keiner da außer einer Handvoll medialer Skeptiker.) (Was wollt ihr?) (Kritisch nachfragen.) (OMG, in welcher Sache denn?) (Erstens: sind die Bilder echt?) (Bitte. Das JWT hat 10 Milliarden Dollar gekostet, warum sollte –) RUHE. Wir richten den Blick auf – (Zweitens: Wird es Putin
Read More Cloudspotting 1 bild / 100 worte Sehr aufregend. Die NASA wünscht unsere Hilfe, um Wolken auf dem Mars zu spotten, Wolken, die aussehen wie Portale. Eine Spitze, zwei Beine, so wird das beschrieben. HA! Aber WAS, wenn es WIRKLICH Portale sind, wie in STRANGER THINGS, eine Serie, die um Stella herum gerne geschaut wird, und osmotisch fließt so ein marginales Wissen darüber zu ihr hin? Ähnlich dem Lauf von Gewässern, was es auf dem Mars ja sooo auch nicht gibt. Die NASA sucht Portale, vielleicht, um sie zu betreten (OBACHT!)
Read More True-Crime-Podcasts gibt es (zu) viele – seit Anfang des Jahres gibt es aber auch einen Podcast über crime fiction. Jeden Monat präsentieren wir eine Folge von „Abweichendes Verhalten – Gespräche über Crime Fiction“. In der aktuellen Folge spricht Sonja Hartl mit Thomas Wörtche über Chester Himes, Harlem, das Schreiben über Rassismus, die Folgen eines idenfitikatorischen Lesens und natürlich die Frage, warum es Schwarze Krimi-Autor*innen weiterhin so schwer haben in der deutschsprachigen Krimi-Rezeption. Anhören lässt sich der Podcast auf allen gängigen Podcast-Plattformen und unter diesem Link.
Read More Remember the WOW! Signal? 1 bild / 100 worte Auswandern aus dem eigenen planetaren System (Gründe?), aber nicht mit Raumschiffen (wenn die Gruppe zu groß ist), sondern auf ungebundenen Planeten oder vorbeifliegenden Sternen. (Fly-by stars.) – Heute morgen drückte bisserl der Morgenhimmel; doch jetzt (hallo, Cambridge University Press!) stellt sich Fröhlichkeit ein. – In was für einer Welt leben wir, in der Irina K. Romanovskaya von kosmischen Anhaltern und postbiologischen Intelligenzen als Vorboten interplanetarer Migrationsbewegungen schreiben kann, und das ist dann 100% Wissenschaft? – Antwort. In der besten aller, sagen
Read More Anrufung des großen Nichts – 1 bild / 100 worte Bachmann rief den Bären an, Liebert schreibt Lieder an das große Nichts, Carson besingt den verschwundenen Bruder und Danez Smith den kleinen Jungen, der im Bus mit seinem Dinosaurier spielt. Warum schreibt eine, warum schreibt einer Gedichte. (Don’t let Tarantino direct this.) Was haben die Brüder damit zu schaffen. (She’s going to be someone you know.) Was gottes superweiche schamhaare (an denen der Mond hängt, duh), was die Tannzapfen, die aus dem Paradiese stürzten? Vernarrt in Fragen, senza Antworten, verliebt
Read More Sehr lauter Knall 1 bild / 100 worte Wollen wir das hören? & sollten wir es hören, werden wir auch wissen was es war was wir da hörten? – Anderes Thema: „Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass der Mythos der geheime Zufluss ist, durch den die unerschöpflichen Energien des Kosmos in die Erscheinungen der menschlichen Kultur einströmen.“ Puh, so viele Hauptworte in einem Satz. Im Original klingt’s bardisch, so: „The very dreams that blister sleep, boil up from the basic, magic ring of myth.” Schamanenlyrik perlt aus dem Mund des
Read More Das Wetter auf dem Uranus 1 bild / 100 worte Die gute Luise zu Besuch beim irren Wissenschaftler. „Wie war dein Jahr“, so Luise. „Wer will das wissen“, so der Forscher, der an Berechnungen sitzt. Fünf plus zwei, geteilt durch Unregelmäßigkeiten. Kurven rasen über den Bildschirm; draußen im Nachthimmel ein Diamantregen über Planet Uranus. „Nice“, so Luise. „Ich“, so, sehr leise, Luise, „wünsche mir ein Diadem.“ Und da, mit einem Mal. TA-DA! Holt der Mann an den Zahlen ein sorgsam gewickeltes Paket aus der Schublade. „Natürlich“, schmunzelt das Genie: „Das
Read More I spy SCI-FI 1 bild / 100 worte Books read (nach Hornby im Believer, merci!): A Memory Called Empire. Hellspark, die Biografie von Alice Sheldon, deren Namen uns grad entfiel; die mit dem unheimlichen Mord/Selbstmord Szenario. What a way to go. Escape Vehicles. Books bought – oder jedenfalls vorgemerkt – Bester mit Tiger, Tiger. Greenland mit Take Back Plenty. Detektivische Spürleistungen. In der OPEN LIBRARY bleibt die Typo, Seitenfarbe, eine Stunde Ausleihe immerhin. Die Haptik fehlt, auch der muffige Geruch von gilbigem Papier, Staub + Pulp + Lesehitze. Well. Und
Read More Flüchtige Beziehungen 1 bild / 100 worte Tanzende Pollen im Wind. Wellen aufschlagend auf Sand. (Sandstrand.) Duftstoffmoleküle und ihre Rezeptoren. „Der Mensch dürfte gar nicht riechen können!“ So, nicht eben neulich, die wundersame Wissens-FAZ. Lärchen. Warum Lärchen. Weil sie im Herbst unsere Nasen umgarnen, am Dach der Welt im Engadin. Stella im Sinnesrausch: Jeder Tag ein neues Staunen. Mal kommt Schnee, mal nicht, wie das halt so ist im Herbst – (Ekstase runterspielen.) Zwischendurch spazieren die Gedanken zum Sandstrand, wo der Veteran die altkluge kleine Lady traf, zu Gesprächen über
Read More Space-Baby-Blog 1 bild / 100 worte Ariane – Ariadne – die mit dem Faden und dem Labyrinth – ist eine Königstochter, eine Oper und eine Trägerrakete (5) und fliegt demnächst mit J.W.S.T. (WEBB) ins All. Als Rakete wird Ariadne dann geopfert, schon wieder, WEBB fliegt alleine weiter, bonne chance, bis auch das Teleskop seine Destination erreicht hat und anfängt, uns Nachrichten zu senden. Die Liebe dauert, oder dauert nicht. Tragödien gebären Arien. Schneewittchen war ein schönes Kind, und es war einmal und ist nicht mehr, BANG BANG BANG – Neustes
Read More OMG das Mittelalter 1 bild / 100 worte Nun. Was dazu geschrieben steht – wer könnte es lesen? Dass der Wind belle wie ein Hund, und die Sonne mit leiser Skepsis einem Herrn zuschaue, der seine Schuhe aufgehängt hat, warum nur. El Niño. Der Hut steht aus eigener Kraft auf dem Bändel, mit dem die Kopfbedeckung sonst kinnwärts festgebunden wird. Eine sanfte Hand mischt Farben an, Ocker für die Kleider, Hellblau für die Kopftücher. Unter dem Tuch des Stabträgers juckt es. Kopfläuse! OMG dieses Mittelalter. Die sanfte Hand, definiere sie
Read More Unter der Mohair-Decke 1 bild / 100 worte Telefonat mit dem irren Wissenschaftler, welcher sagt: „Was ist mit meinen Gefühlen, ich habe auch Gefühle, ich fühle mich nicht unterstützt.“ Tatsächlich ist sein Funding weggebrochen, eine beängstigende Erfahrung. Aperiodische Penrose Parkette sind aus der Mode geraten, unvorhersehbar können wir selber. „Je mehr Sprache einem Lebewesen gegeben, desto weniger kommt es klar“, fährt der Redner fort, mit Blick auf Affen. Affen! Was aber ist mit seinem Hund – die oder der Emma, das Königspudel? Jen-a-ae rief Sirius zu sich, wer sonst, der
Read More Kosmische Ausgrabungen 1 bild / 100 worte Die Raubgräber Westphal und Renner buddelten vor 22 Jahren eine Himmelsscheibe aus einem sächsischen Berglein unweit von Nebra. Seit Tausenden von Jahren lag dieselbe schon da! und nun fällt Licht und Dunkel des Universums wieder auf ihren goldenen Scheibenglanz. Wird damit auch der SCHLÜSSEL ZU ALLEM in die Hände der Menschheit gelangen? – KLARO, wäre das Leben ein geometrisch-vernarrtes „Monument Valley“-Spiel, und wir verwirrte Prinzessinnen. – Aktualiter ist die Scheibe in Halle zu besichtigen. Dort forscht die Forschung zu ihr und streitet sich
Read More Auf dem Dach 1 bild / 100 worte Der Blick nach oben, Vollmond. Mitten am Nachmittag, möglicherweise der Beleg für ein planetarisches Schleudertrauma. Ça existe! Vögel zu zweit unterwegs, die Kitsch-Postkarten zum Frühling scheinen dringend Recht behalten zu wollen. Zirp, Kecker, Tralala. „Schau ich nach drüben übers Dach, so bin ich um den Schlaf gebracht.“ Eidgenössische Technische Hochschule, mon dieu! Dort sitzen die Erdwissenschaften und denken nach. Immer ein traulich-beruhigender Anblick, und ja! das Rätsel von Uranus und Neptun ist beinah gelöst. Dank Denkern aus Tokyo. Krass oder? Krass oder?
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