Jäger des verlorenen Gedichtbandes Die Grenzen zwischen Literatur und Realität lotet Peter Carey in seinem neuen Roman „Mein Leben als Fälschung“ aus, in dem ein fiktiver Autor von seinem Erfinder eine Identität einfordert. Wieder einmal hat der zweifache Booker-Prize-Gewinner Peter Carey eine historische Begebenheit als Anregung für einen wunderbaren, doppelbödigen Roman gewählt: Ein fiktiver Autor, dessen Enttarnung den Herausgeber eines Literaturmagazins bloßstellt und sogar vor Gericht bringt. Die wahre Geschichte, die sich 1944 in Australien zugetragen hat, dürfte dem europäischen Leser unbekannt sein, doch das schmälert in keinster Weise dasRead More
Blonde Bräute mit Schaumkrone Ein maßgebliches Werk der Trinker-Literatur endlich als Hörbuch: Frank Schulz‘ Kolks blonde Bräute, welches seinen Charme vor allem den Sprechern – darunter Harry Rowohlt – verdankt. Als der Debütroman von Frank Schulz 1991 erschien, hatte der Verlag sich leider im letzten Moment gegen die ursprünglich geplante Hardcover-Ausgabe entschieden und dem Kultbuch in spe dadurch nur eine Broschur zugemessen, die übermäßigem Zur-Hand-Nehmen, Blättern, Zitieren und Bier-Drüberschütten nicht gewachsen war. Wer konnte schon ahnen, dass sich die Geschichte des Postboten Kolk, der beim Zustellen eines Einschreibebriefes eine erotischeRead More
Schwein haben Aufwachsen in Absurdistan – so kommt einem das Debüt von Jana Scheerer „Mein Vater, sein Schwein und ich“ vor. Locker erzählt wird von absurden Familienkonflikten, die erst beim zweiten Lesen ihre wahre Problematik preisgeben. Der vielleicht ungewöhnlichste Lebenslauf der jüngeren deutschsprachigen Literatur wird uns von der 1978 in Bochum geborenen Jana Scheerer aufgetischt. „Roman“ steht auf dem Umschlag, womit uns der Verlag einen ebenso großen Bären aufbindet, wie ihn der Vater der Erzählerin am Tag ihrer Geburt gejagt haben will. Siebzehn Kapitel weist der vermeintliche Roman auf, siebzehnRead More
Die Waffe unterm Bett Melinda Nadj Abonji legt mit „Im Schaufenster im Frühling“ ein gewagtes Romandebüt vor, das von Kindesmisshandlung und den psychischen Folgen handelt. Mit einem Auszug aus ihrem Roman Im Schaufenster im Frühling konnte die aus Becsej, Vojvodina, stammende und nun in Zürich lebende Autorin, Musikerin und Textperformerin Melinda Nadj Abonji die Jury des diesjährigen Bachmann-Preislesens nicht auf ihre Seite ziehen – doch das nun in seiner Gesamtheit vorliegende Romandebüt weiß auf ganzer Länge zu überzeugen. In einem bilderreichen Verwirrspiel entwickelt Abonji die Geschichte von Luisa Amrein, dieRead More
Milch und Blut Silke Andrea Schuemmers Roman „Remas Haus“ hat nach acht Jahren endlich einen Verlag gefunden – zu Recht. Der Roman überzeugt mit seiner elementaren sprachlichen Kraft und Schönheit und zieht den Leser in ein sinnliches Reich des Phantastischen. Selten fiel mir die Wahl der besten Neuerscheinung so leicht wie im vergangenen Jahr. Und das heißt nicht etwa, dass das literarische Jahr 2004 nichts zu bieten gehabt hätte – Georg Klein ließ uns die Sonne scheinen und Marcus Jensen setzte wortgewaltig Deutschlands einziger Hochseeinsel ein literarisches Denkmal. Die wahreRead More