Faszinierendes Irrlichtern Mit seinem neuen Roman fordert der Spanier Francisco Casavella seine Leser heraus und warnt sie in einem kafkaesken Prolog auch gleich vor: „Wir geraten in Labyrinthe ohne Plan, Spiralen ohne Zentrum.“ In einer Rückblende lässt Casavella seinen dreizehnjährigen Protagonisten Fernando dann vom „wichtigsten Tag“ seines Lebens berichten, dem „Tag des Watussi“. Anfang der siebziger Jahre steht Fernando auf der Schwelle zwischen unschuldigen Kinderspielen und ersten Grenz- und Gesetzesüberschreitungen mit dem hinkenden Zigeunerjungen Pepito. Ihr Abenteuerspielplatz ist die schäbige Peripherie Barcelonas mit dem Hafen, dem alten Olympiastadion und verrufenenRead More
Die Utopie des Menschseins Nicht nur was für Hesse-Leser: „Walden oder Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau (1817-1862). Vor 150 Jahren erschien Henry David Thoreaus Hauptwerk „Walden“. Auch heute noch besticht dieser Essay-Zyklus, in dem der Philosoph, Naturschwärmer und Landvermesser von seinem Leben in einer einsamen Blockhütte in Massachussets erzählt, durch eine luzide Zivilisations- und Kapitalismuskritik sowie durch ein radikales Konzept der Selbstverwirklichung. Thoreaus Leben in den Wäldern war als ein bewusstes Experiment angelegt, um dem „Narrenleben“ in den Städten zu entfliehen und zu „einer wahren Ganzheit“ zuRead More

Posted On Februar 19, 2005 By In Litmag

Hilflose Journalisten

Über (fehlende) Gesten der Solidarität mit der entführten Journalistin Giuliana Sgrena. Von Carl-Wilhelm Macke Jeder Journalist lernt es schon in der ersten Woche eines Volontariats: das ‚Ich‘ hat in einem journalistischen Beitrag nichts zu suchen. Man schreibt als Beobachter mit möglichst großer Objektivität und Genauigkeit eine Reportage oder präsentiert in einem Kommentar seine Meinung, aber nie in der ersten Person Singular. Als Journalist darfst du niemals ‚Ich‘ schreiben und dann sieht man auf einem Pressephoto in die Augen der um ihr Leben flehenden, vollkommen verhärmten, todesbleichen italienischen Kollegin Giuliana Sgrena.Read More
Europa hat viele Gesichter Harold James sucht nach den gemeinsamen historischen Wurzeln Europas und stößt auf eine kaum zu bändigende Flut politischer, wirtschaftlicher und kultureller Strömungen. Die fortschreitende Globalisierung und die EU-Osterweiterung fordern die Europäer immer öfter zur Selbstvergewisserung und Identitätssuche heraus. Auf politischer Ebene geschieht dies in erster Linie im Rahmen der Diskussion über eine gemeinsame europäische Verfassung. Auf historischer Ebene wird hingegen nach den gemeinsamen kulturellen, politischen und ökonomischen Wurzeln gefragt, die der britische Wirtschaftshistoriker in dem bis heute anhaltenden Modernisierungs- und Rationalisierungsprozess erkennt. Damit räumt er demRead More

Posted On Februar 14, 2005 By In Bücher, Litmag

Harald Bloom: Genius

Literarische Genies Harald Bloom stellt auf tausend Seiten Literaturgeschichte die Frage nach dem literarischen Genie. „Das beste Genie ist das, welches alles in sich aufnimmt, sich alles anzueignen weiß, ohne daß es der eigentlichen Grundbestimmung, demjenigen, was man Charakter nennt, im mindesten Eintrag tue, vielmehr solches noch erst recht erhebe und durchaus nach Möglichkeit befähige…“ Literaturgeschichte als Mosaik Goethe hatte noch eine klare Vorstellung von einem Genie und zu Zeiten der Romantik und Klassik war die Rede darüber auch noch gang und gäbe. Doch in unseren Zeiten der Stars undRead More