Recent Posts

Posted On August 29, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

David Mitchell: Chaos. Ein Roman in neun Teilen

Kosmopolitische Geschichten David Mitchells „Chaos.“ – voluminöse Story-Sammlung oder das Modell für die Literatur des 21. Jahrhunderts? Die englische Literatur ist reich gesegnet mit schreibenden Kosmopoliten und Wanderern zwischen den Kulturen wie Salman Rushdie oder Hanif Kureishi. Mit einem rund um den Globus führenden „Roman in neun Teilen“ gesellt sich nun der junge David Mitchell aus entgegengesetzter Richtung hinzu. Der 1969 in Lancaster geborene Mitchell lebt heute als Universitätsdozent in Hiroshima und so spielt auch die Auftaktgeschichte in seiner neuen japanischen Wahlheimat. Aus der Ich-Perspektive erleben wir einen japanischen Sektierer,Read More

Posted On August 29, 2004By Thomas WoertcheIn Musikmag

Ed Thigpen Scantet: #1

Offensichtliche Magie Präzision und Understatement am Schlagzeug – das ist Ed Thigpen. Und Perfektion, die warm und lebendig daherkommt. Sein Scantet, das aus den skandinavischen Musikern Jens Winther (tp), Thomas Franck (ts), Kasper Villaume (p) und Jesper Bodilsen (dr) besteht, scheint nichts anderes im Sinn zu haben, als klangliche Wollust in diesem Sinn herzustellen. Perfektes Ensemblespiel, perfekte, unaufdringliche Arrangements und jede Menge blitzende Ideen (zum Beispiel das plötzliche nach-vorne-Spielen von Villaumes Piano). Großen Wert legen alle Beiteiligten (und die Produktion, natürlich) auf den natürlichen Klang der Instrumente: Warmes Metall, sattesRead More

Posted On August 22, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Plädoyer für das Fluchen

Ihr gemeinen Wackelärsche Höfliches Plädoyer für das Fluchen. Da steht man unausgeschlafen mit Schädelbrummen auf. Sieht im Geiste schon wieder die Gesichter langweiliger Arbeitskollegen, wird an unbezahlte Rechnungen erinnert, hört im Frühstücksradio irgendeine drittklassige Berliner Charge über die Arbeitsmarktreform schwadronieren. Kaffee zu dünn, Hose zu eng, Hemd zu schmutzig. Reißt mißmutig die Haustür auf, blickt flüchtig im Vorbeigehen auf das Heck eines propperen Autos, entdeckt einen Aufkleber, liest ihn – und glaubt seinen Augen nicht: „Beginne den Tag mit einem Lächeln und behalte es den ganzen Tag“. Verflucht noch mal.Read More

Posted On August 19, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Iso Camartin: Jeder braucht seinen Süden

Nichts wie hin zum Süden Schon immer war der Süden mehr als nur eine geographische Angabe der Himmelsrichtung. Mit der Metapher des Südens verbinden sich die ureigensten Sehnsüchte vor allem der im Norden lebenden Menschen. Dies haben viele Autoren erkannt, allen voran Iso Camartin, der in seinem Band „Jeder braucht seinen Süden“ viele Variationen der Süd-Metapher durchspielt. Sommerzeit. Reisezeit. Ab in den Norden. – Irgendwie paßt das nicht zusammen. Jüngst erhielt ich eine Postkarte von einem finnischen Freund. Seine Familie würde sich schon auf den Sommerurlaub im Süden freuen. UndRead More

Posted On August 19, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Porträts / Interviews

Nachruf auf Tiziano Terzani

Guru mit Stil Ein Nachruf auf den italienischen Journalisten, Polemiker und Weltmann Tiziano Terzani. Ende Juli ist im „toskanischen Himalaya“ bei Pistoa der italienische Journalist Tiziano Terzani gestorben. Auf den Medienseiten der deutschen Tageszeitungen wurde fast ausschließlich der große Asien-Reporter Terzani gewürdigt. Allen voran hat selbstverständlich der SPIEGEL, für den der Verstorbene jahrzehntelang als Korrespondent gearbeitet hat, die journalistischen Verdienste von Terzani hervorgehoben. In diesen Würdigungen ist aber fast immer auch der ‚andere Terzani‘ unterschlagen worden. In seinem Heimatland Italien war er zuletzt weniger als journalistischer Korrespondent und mehr alsRead More

Posted On August 19, 2004By Thomas WoertcheIn Musikmag

Archie Shepp & The New York Contemporary Five

Optimistische Energie Übergangsphasen sind immer spannend. Deswegen begrüssen wir sehr die 24 bit remastered-Fassung der beiden alten Storyville-LPs des Konzerts, das Shepp & Co. am 15. November 1963 im Jazzhus Montmartre zu Kopenhagen eingespielt haben. Ornettes Coleman`s New Thing war das Paradigma dieser Jahre – und Colemans Geist schwebt auch hier über den Tönen. Und sein Intimus Don Cherry bildet die personelle Verbindung. John Tchicai ist am Altsaxophon zu hören, Don Moore am Bass und J.C. Moses am Schlagzeug. Shepps Tenorsaxophon passt noch perfekt in dieses Milieu (denn auch ColemansRead More

Posted On August 19, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Alyn Shipton: A New History of Jazz

Sinnvoll und nützlich Interessant, und damit mit dem nötigen Distinktionsgewinn gegenüber den anderen Übersichtsveranstaltungen ausgestattet, sind Shiptons Akzentuierungen. Brauchen wir noch eine „History of Jazz“, bevor es endlich eine einzige, verlässliche, haltbare, definitive „Geschichte des Jazz“ gibt? Also ein Nachschlagewerk, das sämtliche Macken und Desiderate von „That´s Jazz“, Berendt, Polillo, Burns/Ward, Joost, Reclam und so weiter und so fort vermeidet? Einen Thesaurus, der alle Einzelstudien, Label-Geschichten, Musiker-Monographien, discographische Exerzitien, Interview-Bände, Sozialgeschichten, Krankheitsgeschichten lesbar zusammenfasst und auf den Punkt bringt? Doch ach, je mehr solcher Einzelteile entstehen, desto schwieriger wird natürlichRead More

Posted On August 16, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Marisa Madieri: Wassergrün

Grenzgebiet Eine Erinnerung an die Kindheit und das Leben in der verworrenen Grenzregion im äußersten Nordosten Italiens und Nordwestens von Kroatien. Marisa Madieri zeigt uns am Beispiel ihrer eigenen Familiengeschichte, wie fragwürdig eindeutige nationale Zuordnungen von Menschen sind, die Opfer von politischen Neuordnungen in traditionellen Grenzgebieten werden. Auf den ersten Blick könnte man „Wassergrün“ schnell in das Genre derjenigen Bücher einordnen, die von Schriftstellerinnen über ihre Kindheit an der Schwelle des eigenen Älterwerdens geschrieben werden. Das Buch wimmelt von Verwandten ersten und zweiten Grades, von ‚Wahlverwandten‘ und Freunden, mit denenRead More

Posted On August 16, 2004By Thomas WoertcheIn Musikmag

Spanish Harlem Orchestra feat. R. Bladés: Across 110 St.

Wunderbar fetzige Musik auf hohem Niveau Was wissen wir über die 110te Straße in Manhattan? Richtig, mitten in Spanish Harlem und manchmal auch Tito-Puente Boulevard genannt. Dort nistet folgerichtig das Spanish Harlem Orchestra, kurz SHO genannt, und spielt seine so wunderbar schubladenzernichtende Musik. Salsa dura, meinethalben, ChaChaCha, Latin Jazz, Latin Swing … auf jeden Falle alle traditionellen Stile aus New York, die mittlerweile von den diversen Designersounds für ein globales Publikum poptauglich nivelliert oder auch ent-semantisiert worden sind. Das gilt umsomehr für die explizit politische Salsa dura, die seit denRead More

Posted On August 1, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Porträts / Interviews

Predrag Matvejevic im Porträt

Ein Liebhaber des Mittelmeeres Geboren wurde er im bosnischen Mostar. Seine Mutter war Kroatin, sein Vater Ukrainer. Viele Jahre hat er in Paris slawische Literatur gelehrt, heute lebt er als italienischer Staatsbürger in Rom. Seine Heimat ist das Mittelmeer, und an dessen Ufern fühlt er sich zu Hause. Vielleicht liegt es an der geographischen Ferne zum mediterranen Raum, dass Predrag Matvejevic‘ im deutschen Sprachraum noch weitgehend unbekannt ist. Die zwei einzigen ins Deutsche übersetzten Bücher sind inzwischen nur noch antiquarisch zu erwerben. Das Mittelmeer ist verführerisch. „Wenn wir von menschlicherRead More

Posted On August 1, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Rettet die Körpersprache!

Von Carl Wilhelm Macke In einem Wartesaal des Hauptbahnhofes in Neapel. Der Zug Richtung Rom, nach Bologna, nach München, fährt erst in zwei Stunden. Draußen geht wieder einer jener Sturzbäche nieder, die auch im Sommer nicht untypisch sind für diese am Meer entlang wuchernde Hafenstadt. Einen kurzen Ausflug in das Zentrum von Neapel, in die verwinkelten Gassen der „Bassi“, über die der jenseits Italiens fast schon vergessene Eduardo de Filippo seine farbigen Volksstücke schrieb und einige der schönsten Filme mit Totò spielen, mehr lässt der prasselnde Regen nicht zu. AlsoRead More

Posted On Juli 19, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher

Francesco Petrarca

Aufbruch in die Neuzeit Vor 700 Jahren wurde Francesco Petrarca geboren. Gekrönter Dichterkönig, Philosoph, Bergsteiger, Bibliophiler und Diplomat – Francesco Petrarca war ein Universaltalent. Mit ihm endete das Mittelalter und die Neuzeit brach sich ihre Bahn. Untrennbar sind so die Renaissance und der Humanismus mit dem Namen Petrarcas verbunden – und damit der Versuch einer Wiedergewinnung der Antike als Gegenmittel zum beklagten Kulturverfall der eigenen Zeit. Wiedergewinnung bedeutete dabei allerdings nicht Imitation, sondern Interpretation und Anverwandlung der Antike im Wissen um die historische Distanz. Mit Petrarca beginnt die Abkehr vonRead More

Posted On Juli 12, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

M. Cassini (Hg.): Auf der Suche nach Amerika

Die neue Generation Quer durch Amerikas (Seelen-)Landschaften führen uns 19 starke Short Stories einer neuen Generation amerikanischer Schriftsteller. Mit Jeffrey Eugenides, Jonathan Safran Foer oder David Foster Wallace sind große Namen ebenso dabei wie neu zu entdeckende, z. B. George Saunders, Judy Budnitz oder Amanda Davies. Der Sound der Stories, die in New York, in den einsamen Weiten des mittleren Westens, in heruntergekommenen Vorortgegenden Floridas oder ortlosen „überdachten Einkaufszentren“ spielen, ist von leichter Lethargie und Melancholie gezeichnet. Es scheint etwas unwiderruflich verloren im Leben dieser Generation: die Seele, der SinnRead More

Posted On Juli 7, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

P. Flores dArcais: Die Demokratie beim Wort nehmen

Demokratie? Nein, danke. Man muss schon auf beiden Ohren taub und blind sein, um das verbreitete Desinteresse an der politischen Demokratie nicht wahrzunehmen. Die Zahl der Nicht-Wähler steigt von Wahl zu Wahl. Der Verdruss über ‚die da oben‘ und ihre ‚Diäten‘ ist riesig. Der Glaube, dass man mit den langsamen demokratischen Entscheidungsprozessen die wirtschaftliche Krise bewältigen, die Arbeitslosigkeit abbauen, die Umweltverschmutzung verringern, die Renten sichern kann usw. usw. schwindet mit jeder Legislaturperiode. Zwar sind es – noch – nur wenige, die ihre Hoffnung auf einen ‚Führer‘, wenigstens einen ‚starken Mann‘Read More

Posted On Juli 7, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Ashley Kahn: A Love Supreme

Durch Musik erzeugte Spiritualität und Transzendenz Große Musik auf jeden Fall, so lernen wir auch dieses Mal wieder von Kahn, wird noch spannender, wenn man sich um ihre Bedingungen kümmert. Kontexte schmälern nicht die Bedeutung eines „Genies“, Kenntnisse bereichern die Freude am Kunstwerk, und auch Transzendenz steht auf ganz irdischen Füßen. Was einmal erfolgreich war, darf durchaus auch ein zweites Mal funktionieren. Ashley Kahns wunderbare Studie über das making of Miles Davis` kapitalem Album „Kind of Blue“ hatte die Frage schlüssig beantwortet, ob ein ganzes Buch für eine einzige SchallplatteRead More

Posted On Juli 1, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Film/Fernsehen, Porträts / Interviews

Gesualdo Bufalino im Gespräch

Ich erinnere mich noch an den letzten Komparsen Gespräch mit dem sizilianischen Schriftsteller Gesualdo Bufalino (1920 – 1996) über das Kino Kurze bevor Gesualdo Bufalino im Juni 1996 so tragisch bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, hatte er noch mit dem italienischen Regisseur Franco Maresco ein Gespräch über seine ganz besondere Liebe zum Kino geführt. In Erinnerung an Bufalino veröffentlichte die Tageszeitung „il manifesto“ Auszüge aus diesem Gespräch. (Aus dem Italienischen von Carl Wilhelm Macke) Sprechen wir einmal über Ihre cineastischen Leidenschaften. Alle meine Schriften über das Kino sind inRead More

Posted On Mai 29, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Rujana Jeger: Darkroom

Ein Leben in Splittern Rujana Jeger seziert das traurige Lebensgefühl einer von Krieg und Umbrüchen geschüttelten „Generation X“ auf poetische und obszöne Weise. „… Das Leben ist wie ein Darkroom, sagt Kristijan. Du weißt nie, wer dich wie fickt und wen du wie fickst. Aber es ist zu aufregend, als dass du einfach so rausgehen könntest.“ Auf der Folie des zerfallenen und vom Krebsgeschwür des Krieges durchzogenen Jugoslawiens setzt die 1968 in Zagreb geborene und heute in Wien lebende Rujana Jeger ein (ihr?) Leben aus kleinen Splittern, Szenen und FragmentenRead More

Posted On Mai 29, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Henry Miller: Frankreich. Land der Erinnerung

Beschwörende Hommage Mit seinem 1934 in Paris erschienenen und in Amerika lange Zeit indizierten Roman „Wendekreis des Krebses“ begründete Henry Miller seinen literarischen Ruhm. Ekstatisch, tabulos, intellektuell, obszön und poetisch erzählt der puritanisch erzogene Amerikaner hier von seinen glühenden Pariser Tagen und Nächten. In seinem neu übersetzten Erinnerungsbuch „Frankreich“ können wir ihn nun aus rein autobiographischer Perspektive noch einmal in diese bewegte und bewegende Zeit begleiten. Niedergeschrieben wurden diese Erinnerungen während des Zweiten Weltkriegs, quasi im amerikanischen „Exil“, denn „Frankreich war für mich Mutter, Geliebte, Heimat und Muse“ geworden, „eineRead More

Posted On Mai 29, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Der Schneider von Ferrara

Der Schneider von Ferrara Man achte immer mehr auf die kleinen Dinge, zum Beispiel auf einen Knopf. Ich suchte unlängst in Ferrara nach einem Schneider. Mit dem Fahrrad hin und her durch die Gassen des Centro Storico fahrend, fand ich endlich eine kleine Werkstatt in der Via Ripagrande. Ich fragte den Schneider, ob er an meiner Jacke eine kleine Reparatur vornehmen könne. Höflich, aber auch etwas geschäftsmäßig kühl, begann er sofort mit seiner Arbeit. Während er die Jacke in die Hand nahm, ließ ich meine Augen durch den kleinen RaumRead More

Posted On Mai 24, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Axel Marquardt: Rosebrock

Auf Odyssee im Bergischen Nachdem es lange, zumindest in Buchform, still war um den famosen Humoristen Axel Marquardt, dessen absurde Geschichten und Gedichte in den achtziger Jahren eine Heimat im Haffmans Verlag hatten, meldete er sich im vergangenen Jahr mit einem wundervoll leichten Sommerroman wieder auf der literarischen Bühne zurück. Anselm im Glück bot – ausgehend von einer düsteren Hafenspelunke in Hamburg – ein furioses Roadmovie voller Finten und Hakenschläge über Norditalien und Monte Carlo nach Sylt. Berthold Rosebrock, der titelgebende Held in Marquardts zweitem Roman, treibt sich in einemRead More

Posted On Mai 17, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Joachim Fest: Im Gegenlicht

Eine Welt von gestern So kritisch, oft auch pessimistisch das Buch von Joachim Fest über Italien ist, so veraltet viele seiner Beobachtungen in diesem Land sind – es nimmt einem nicht die Lust am Reisen. Auch deshalb lohnt es sich, „Im Gegenlicht“ zu lesen und nach Italien zu fahren. An Reiseführern durch der Deutschen angeblich beliebtestes Ferienland Italien mangelt es wahrlich nicht. Und darüberhinaus sind die Aufzeichnungen von Joachim Fest bereits vor gut zwei Jahrzehnten zum ersten Mal veröffentlicht worden. Aber trotzdem verdient es das Buch noch einmal besprochen zuRead More

Posted On Mai 17, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Minderheitensprachen

Feines Aroma des Besonderen Plädoyer zur Verteidigung der europäischen Sprachenvielfalt Wir kennen das: da sitzt man irgendwo, vielleicht an einem Urlaubsort, zusammen und will mit seinen unbekannten Nachbarn ein Gespräch beginnen. Er, der Herr zur Rechten, so stellt sich schnell heraus, ist ein Finne. Sie, die Dame zur Linken, stammt aus Spanien und wir, na ja, versuchen uns radebrechend in englischer Sprache mit den Nachbarn rechts und links zu verständigen. Man spricht über dies und das, das Wetter natürlich, über die Tour de France vielleicht, dass die Welt immer mehrRead More

Posted On Mai 12, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Das Gewissen ihrer Zeit

Qualitätsjournalismus In einer Anthologie werden große deutschsprachige Journalisten von Lessing bis Herbert Riehl-Heyse als Vorbilder für den heutigen Journalismus vorgestellt. „Der Journalist schreibt auf Wasser und ist flüchtig wie ein Schmetterling.“ Wenn dieser Satz, den der legendäre italienische Journalist Indro Montanelli immer gerne zu zitieren pflegte, uneingeschränkt richtig ist, dann könnte es eine Sammlung mit Porträts bedeutender Journalisten eigentlich nicht geben. Aber es gibt eben auch Publizisten, deren Lebenswerk einen Schmetterlingsflug überdauert und die nicht nur auf Wasser geschrieben haben. An sie will die Sammlung von Porträts erinnern, die ursprünglichRead More

Posted On Mai 12, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Fouad Allam: Der Islam in einer globalen Welt

Differenzierter soziologischer Ansatz Reaktionen ‚des Islam‘ auf die ökonomische und politische Neuordnung der Welt unter besonderer Berücksichtigung der Situation in den westeuropäischen Metropolen. Veröffentlichungen über den Islam in allen seinen Varianten haben derzeit Hochkonjunktur. Und wenn man sich die katastrophalen Folgen der vollkommen ignoranten Außen- und Militärpolitik der Bush-Regierung anschaut, ist das Interesse an fundierter Aufklärung über die ‚islamische Welt‘ auch sehr berechtigt. Vorherrschend sind dabei aber Untersuchungen über den ‚Islam als Weltreligion‘ oder einseitig über den ‚islamischen Fundamentalismus‘. Das Buch von Foud Allam aber wählt einen anderen, eher soziologischenRead More

Posted On Mai 10, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Dragan Velikic: Dossier Domaszewski

Die Häfen der Erinnerung Adam kehrt anlässlich eines Klassentreffens zurück in seine kroatische Heimatstadt Pula und wird mit der Lebensgeschichte eines Menschen konfrontiert, der zeitlebens imaginäre Häfen erbaute. Wie bei jeder Wiedersehensfeier einer alten Schulklasse wird auch Adam Vasic bei seiner Rückkehr in die Stadt seiner Schulzeit von alten Erinnerungen an Kindheit und Jugend geradezu überschwemmt. Vom Bahnhof herkommend eignet er sich die im „Speicher des Vergessens“ früher so vertraute Heimatstadt wieder an. Er blättert langsam „im Katalog seines eigenen Lebens“. Sein Vater, seine Mitschüler, seine ersten Lieben werden vorRead More

Posted On Mai 3, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Kolumnen und Themen, Litmag

Partei der Schönheit

Der italienische Paradiesvogel Vittorio Sgarbi kämpft gegen die Hässlichkeit Ein Gesellschaftsspiel: man sitzt in einer Runde von Freunden italienischer Kultur. Isst eine gute Pasta, trinkt einen noch besseren Wein. Zwei, drei der neuesten Berlusconi-Witze werden erzählt. Die Stimmung lässt einen angenehmen Abend erwarten. Doch dann fällt vielleicht nur nebenbei der Name Vittorio Sgarbi und schon lodert das Feuer auf. Una vergogna, eine Schande wettert die eine Tisch-Fraktion. Immerhin, er versteht etwas von der Renaissance, hält die andere Fraktion dagegen. Keine Frage, der Mann polarisiert wie kaum ein zweiter in derRead More