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Posted On März 25, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Hans-Jürgen Schaal: Jazz-Standards. Das Lexikon

Ohne Wenn und Aber ein Standardwerk Es gibt Bücher, die sind kompetent gemacht und nützlich. Lexika, zum Beispiel. Es gibt aber auch Bücher, die sind zudem noch unterhaltsam, witzig, an Kenntnissen reich und wichtig. Das Lexikon der Jazz-Standards gehört in diese Kategorie. Jazz-Standards sind, wie der Name schon sagt, Musikstücke, die durch die Jazz-Geschichte in unendlicher Gestalt mäandern, manchmal verschwinden, irgendwann wieder und vermehrt auftauchen, Konjunktur haben, totgenudelt und plötzlich wieder ganz neu & frisch sind. Jazz-Standards sind nicht unbedingt Jazz-Kompositionen (wenn dies contradictio mal erlaubt ist), sondern können ausRead More

Posted On März 25, 2004By Thomas WoertcheIn Musikmag

Polka Fever. American Polka – Old Tunes & New Sounds

Grandiose Sammlung abseits der Pop-Industrie Allein schon diese 25 Titel zum Thema auf einer CD versammelt zu haben, ist eine dankenswerte Leistung, weil sie abseits der Pop-Industrie Musik hörbar macht, die Menschen gerne hören. Christoph Wagner ist der Mann, der alles über Akkordeons und Akkordeon-Musik weiß, vielleicht sogar noch mehr als E. Annie Proulx. Deswegen ist es nur logisch, dass er bei Trikont eine grandiose Sammlung von Polkas herausgegeben hat, so wie man sie in den USA hören konnte und kann. Denn die Polka lebt vom Akkordeon und das AkkordeonRead More

Posted On März 25, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Ashley Kahn: Kind of Blue

Erfolgreich und von höchster Qualität Kahns Buch ist eine Kontextstudie, in deren Mittelpunkt das Kunstwerk steht. Als ich vor zwei Jahren die Originalausgabe von Ashley Kahns grandiosem Buch über eine einzige Schallplatte, eben Miles Davis` „Kind of Blue“, auf den Schreibtisch bekam, durchzuckten mich zwei neidgrüne Blitze: Erstens – warum hast du das nicht selbst geschrieben? Zweitens – warum kannst du es nicht verlegen? Blitz zwei hat sich erledigt, denn die deutsche Ausgabe sieht angemessen schön aus und ist dito angemessen schön übersetzt. Blitz eins nagt auch nach nochmaliger LektüreRead More

Posted On März 25, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Frederick J. Spencer, M.D.: Jazz and Death

Makabre und sehr interessante Kontextstudie zum Jazz „Jazz & Death“ ist nicht nur ein makabres und schwarzhumorig-lustiges Buch, sondern eine sehr interessante Kontextstudie zum Jazz. Wollen wir das eigentlich wirklich so genau wissen? Vermutlich ist Billie Holiday im Manhattan Hospital am 17. Juli 1959 deswegen gestorben, weil sie sich, von Leberzirrhose und Herzschwäche eh schon stark angeschlagen, ein paar Dollarscheine in die Vagina geschoben, dadurch den dort angebrachten Katheder infiziert hat, der das Ganze an die Blase und schließlich an die Nieren weitergeben hat, was letztlich zu einer tödlichen NierenentzündungRead More

Posted On März 25, 2004By Thomas WoertcheIn Musikmag

Jonathan Fischer (Hg.): Black & Proud.

The Soul of the Black Panther Era. „Black & Proud“ auf jeden Fall ist ein Projekt, das keinesfalls in Nostalgie aufgeht, sondern diese USA today umso verständlicher macht. Schön ist das nur als Musik. Ältere Menschen wissen es noch aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts: Public Enemy, Tupac Shakur und alle Gangsta-Rapper und HipHopper unserer Tage sind nicht vom Himmel gefallen, sondern stehen in einer langen Tradition. Als sich die Bürgerrechtsbewegung in den 60ern und 70ern zu radikalisieren begann und Huey P. Newton 1967 die „Black PantherRead More

Posted On März 22, 2004By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Slavenka Drakulic: Keiner war dabei

Wozu denn Reue? Reportagen, Erinnerungen und Porträts aus der Zeit der heute fast schon wieder vergessenen Kriege auf dem Territorium von Ex-Jugoslawien. Im Schatten des seit dem Anschlag auf die Twin Towers in New York und aktuell dem Zug-Attentat von Madrid alles überragenden Top-Themas ‚Terrorismus‘, schwelt immer noch ein Gewalt-Konflikt in unserer europäischen Nachbarschaft weiter. Auf den brodelnden Kochtopf, den wir etwas zu verallgemeinernd das Etikett ‚Balkan‘ gegeben haben, liegt nur ein durch verschiedene Abkommen zusammengehaltener Deckel. Jederzeit kann der in dieser Region immer latente Hass der diversen Ethnien wiederRead More

Posted On März 22, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Jeffrey Eugenides: Die Selbstmordschwestern

Aus dem Leben der Eintagsfliegen Nach dem großen Erfolg von Jeffrey Eugenides‘ Middlesex ist jetzt auch sein Erstling wieder neu aufgelegt worden – und bietet mit großem Einfühlungsvermögen und einer poetischen Sprache ein exzellentes Lesevergnügen. „An dem Morgen, an dem schließlich die letzte Lisbon-Tochter ihren Selbstmordversuch unternahm – Mary diesmal, mit Schlaftabletten wie Therese –, wussten die Sanitäter schon genau, wo die Schublade mit den Messern war, wo der Gasherd und wo im Keller der Balken, an dem man sich aufknüpfen konnte.“ Vor über zehn Jahren erschien im sehr engagiertenRead More

Posted On März 20, 2004By Markus KuhnIn Bücher, Litmag

Sibylle Berg: Das Unerfreuliche zuerst

Lakonisch-düstere Endlosschleife Von triebgesteuerten Männern, scheiternden Aussteigertypen und paranoiden Großstadtmenschen. Sibylle Berg bleibt sich selber treu. Ein Mann. Allein. Auf seinem Bett. In der fernöstlichen Nacht. Bei vierzig Grad hinterm Moskitonetz. In den Ecken: Spinnen und Riesenkakerlaken. Er starrt an die Decke. Raucht eine nach der anderen. Das Betttuch klebt, die Haut auch. Er weiß, dass Schlafen keinen Sinn macht. Wozu auch? „Die Nächte schwül und zu lang, die Tage heiß und zu hell und so allein, dass noch nicht einmal ein Gespräch mit sich selber möglich.“ Was ihn hierherRead More

Posted On März 15, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Colson Whitehead: John Henry Days

Die unerträgliche Belanglosigkeit des Seins Der archaische Kampf auf Leben und Tod und das Dahintreiben in postmodernen Belanglosigkeiten – dies sind die beiden Pole, zwischen denen Colson Whitehead in seinem zweiten, enzyklopädisch ausgreifenden Roman hin und her pendelt und dabei einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Der 1969 in New York geborene Afro-Amerikaner erzählt in„ John Henry Days“ zum einen die Legende von John Henry, der als „Bohrhauer“ im Westen Virginias einen Tunnel durch das Big Bend trieb und durch seinen heroischen Wettkampf mit einer Dampfbohrmaschine der ersten Generation berühmt wurde. DiesenRead More
Um der Wahrheit willen Mariane Pearl, die Frau eines in Pakistan entführten und hingerichteten amerikanischen Journalisten, erinnert sich in bewegender Weise an dessen Leben und letzte Wochen. Man hat sich an diese Nachricht fast schon gewöhnt. Irgendwo unter vermischte Weltnachrichten wird über einen verschleppten, bedrohten, getöteten Journalisten berichtet. Man reagiert zynisch („Berufsrisiko“) oder flüchtig und teilnahmslos. Gäbe es nicht Organisationen wie vor allem die Reporter ohne Grenzen, dann wären diese Ereignisse schnell vergessen. Die Statistik aber ist erschreckend. Allein im Jahre 2003 sind über 40 Journalisten im Rahmen ihrer beruflichenRead More

Posted On März 14, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Ford Madox Ford: Manche tun es nicht

Zwischen Ehrenkodex und Intrigen Endlich liegt mit „Manche tun es nicht“ ein Hauptwerk von Ford Madox Ford in deutscher Übersetzung vor und versetzt die Leser auf erstaunlich avancierte Weise in die englische Gesellschaft zu Anfang des letzten Jahrhunderts. Ford Madox Ford ist einer der wichtigsten Vertreter der englischen Moderne und steht in einer Reihe mit Autoren wie James Joyce, T.S. Elliot, Virginia Woolf oder Joseph Conrad. Rund 30 Romane und unzählige Aufsätze und Rezensionen hat der 1873 in London geborene und 1939 in großer Armut verstorbene Schriftsteller verfasst. Als HerausgeberRead More

Posted On März 14, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Dirk Wittenborn: Unter Wilden

Ohne Nachhall Für einen neuen Fänger im Roggen reicht es bei dem in die Jahre gekommenen Dirk Wittenborn nicht. Sein flott geschriebener Roman über das Erwachsenwerden bleibt ohne Nachhall. Wir schreiben das Jahr 1978 und der fünfzehnjährige Finn wohnt zusammen mit seiner Mutter in einem heruntergekommenen New Yorker Loft zwischen Lafayette und der Bowery. Während der anderweitig verheiratete Vater von Dirk Wittenborns Ich-Erzähler als berühmter Ethnologe die Yanomani im Amazonas-Regenwald erforscht, verdient seine Mutter Elizabeth ihre Brötchen als Masseurin und lebt ansonsten noch mitten in der Flower-Power-Zeit: „Mit den DrogenRead More

Posted On März 14, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Jean-Claude Izzo: Die Sonne der Sterbenden

Anwalt der Underdogs Schon in seiner grandiosen Marseille-Trilogie rund um den melancholischen Polizisten Fabio Montale hat Jean-Claude Izzo den Zugewanderten, Ausgestoßenen und Gescheiterten der französischen Gesellschaft ein besonderes Augenmerk geschenkt. In „Die Sonne der Sterbenden“ beleuchtet er nun in halb-dokumentarischer Weise das Leben auf der Straße und rückt das immer noch romantisierende Bild vom weinseligen Clochard zurecht. Gleich im Prolog erleben wir das würdelose Sterben von Titi, der den „Winter in sich trägt“ und Tag für Tag immer mehr den Boden unter den Füßen verliert. Das Leben zwischen Pariser Metrostationen,Read More

Posted On März 14, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Crimemag

Martin Suter: Lila, lila

Spiel mit doppeltem Boden Schon vom ersten Satz an summt Martin Suters traumhaft sicherer und kristallklarer Ton betörend in den Ohren und zieht den Leser in einen weiteren atmosphärisch dichten Psychothriller des Schweizer Erfolgsautoren hinein. Martin Suters Protagonist ist dieses Mal ein 23-jähriger Kellner namens David Kern. Er arbeitet in einer von trendy (Pseudo-) Schriftstellern, Art Directors, Architekten und Künstlern bevölkerten Retro-Lounge-Bar und lebt recht antriebslos in eine unbestimmte Zukunft hinein – bis er bei einem Trödler ein altes Nachttischchen kauft, das sein Leben radikal verändert. In der verklemmten SchubladeRead More

Posted On März 14, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Frank Goosen: Mein Ich und sein Leben

Witziger Egotrip Dass der Bochumer Kabarettist und Autor Frank Goosen nach gerade einmal zwei Romanen im vergangenen Jahr mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet geehrt wurde, hat auch ihn selbst überrascht. Schließlich sieht er sein literarisches Schaffen mit Stolz als „Unterhaltungsliteratur“ – und dies erfüllt er auch in seinem neuen Buch im besten Sinne. Doch Goosens literarische Karriere scheint voll von Überraschungen zu sein. So war zwar nach dem Ende des überaus erfolgreichen Vortragsduos „Tresenlesen“ zu erwarten, dass ein eingeschworener Fankreis das geschriebene Wort Goosens begierig aufnehmen würde, doch dass Liegen lernenRead More

Posted On März 14, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

David Zeman: Das Pinocchio-Syndrom

Dr. Mabuse lebt Verschwörungstheorien und Terrorszenarios haben seit den Anschlägen vom 11. September Hochkonjunktur und finden zunehmend auch in der Literatur Widerhall. David Zeman liefert in seinem Debüt „Das Pinocchio-Syndrom“ dafür ein hochbrisantes, wenn auch literarisch nicht gerade überzeugendes Beispiel. Schon der Prolog ist ein Paukenschlag: Ein Kreuzfahrtschiff voller hochbegabter amerikanischer Jugendlicher wird von einer Rakete mit Atomsprengkopf vernichtet. Kurze Zeit später bricht eine rätselhafte Krankheit aus, bei der die Betroffenen wie zu Stein erstarren und nach monatelanger Leidenszeit versterben. Der amerikanische Vizepräsident ist eines der ersten Opfer. Alles deutetRead More

Posted On März 14, 2004By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Mark Costello: Paranoia

Warten auf den Wahnsinn In naher Verwandtschaft zu Don DeLillo zeigt Costello uns eine paranoische Gesellschaft, die auf Kontrolle fixiert ist und die, um diese aufrecht zu erhalten, groteske Sicherheitssysteme aufbaut und in einem zerreißenden Zustand ständiger Bereitschaft lebt – ein in sich kreiselndes Paradox. Beschaulich und mit einem leicht skurrilen Touch lässt Mark Costello seinen Böses ahnen lassenden Roman „Paranoia“ einsetzen: In Center Effing, einem kleinen Kaff an der Küste New Hampshires, umgeben von Salzwiesen und einem Air-Force-Stützpunkt, lebt zu Carters Zeiten die Familie Asplund. Vater Walter ist einRead More

Posted On März 14, 2004By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Richard Cook: Blue Note. Die Biographie

Dialektik von Markt und Qualität „Blue Note. Die Biographie“ ist ein zentrales Stück Jazzgeschichte, also Musikgeschichte, also Kunstgeschichte, also Geistesgeschichte, also Zeitgeschichte. Man kann nie genug lernen. Selbst wenn man sich nun seit ungefähr 30 Jahren intensiv mit Jazz beschäftigt hat und glaubte, gerade über Blue Note Records, über die beiden Berliner Emigranten Alfred Lion und Frank Wolff, über den genialen Tonmeister Rudy Van Gelder und den Designer Miles K. Reid so ziemlich alles irgendwann mal mitgekriegt zu haben, ja, selbst dann ist die Lektüre von „Blue Note. Die Biographie“Read More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Helen Zahavi: Donna und der Fettsack

Fight fire with fire Eine toughe Frau führt Rachefeldzug gegen feindliche Männerwelt 1991 mischte die Engländerin Helen Zahavi den Literaturbetrieb gehörig auf: Ihr Roman „Schmutziges Wochenende“ schildert recht drastisch den Vernichtungsfeldzug einer Frau gegen die feindliche Männerwelt. Insbesondere diese Männerwelt war nicht allzu begeistert vom Tonfall des Romans, was vor allem daran liegen dürfte, dass Männer hier nicht allzu gut wegkommen (um ehrlich zu sein, kommen sie gar nicht mehr „weg“, wenn sie an Bella, die Heldin des Romans geraten sind). Nach „True Romance“ (deutscher Titel „Dirty Games“ !!) kehrtRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Tanja Schwarz: Der nächtliche Skater

Vielversprechende Neuentdeckung Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte eine Autorin um die Dreißig keine Chance erhalten, mit einem Erzählband zu debütieren. Zunächst musste ein Roman her, in dessen Kielwasser sich auch Kurzprosa vermarkten ließ.Doch Kurzprosa hat in den letzten Jahren enorm an Renommee und Ansehen bei Lesern und Kritikern gewonnen – nicht zuletzt dank der Wiederentdeckung Raymond Carvers oder (im deutschsprachigen Raum) der Neuentdeckung Judith Hermann. Eine dieser zu entdeckenden Stimmen ist auch die von Tanja Schwarz. Nach dem Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig hat esRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Keith Lowe: Auf ganzer Linie

Top, die Wette gilt „Auf ganzer Linie“ ist ein rasanter und ungemein witziger Roman. Eine Hass-Liebeserklärung an das ebenso marode wie wichtige Londoner Fortbewegungsmittel U-Bahn. Was Männer nicht alles leisten, wenn sie das Wettfieber greift: Da wettet einer im Jahr 1872, die Erde in 80 Tagen umrunden zu können, ein anderer wettet im Jahre 2001, das Londoner U-Bahn-Netz an einem Tag komplett abfahren zu können. Nun gut, die Erdumrundung ist heute ein Klacks, aber die Londoner Underground ist feindliches Terrain für jeden, der es eilig hat. Der 1970 geborene KeithRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Joseph OConnor: Inishowen Blues

Ein brillanter irischer Erzähler Joseph O‘Connor schlägt mit diesem Roman die Brücke von der großen irischen Erzähltradition zu Amerikanern wie John Irving oder Matt Ruff. „Der Gitarrist hieß Rory Gallagher und er kam aus Ballyshannon (…). Die Touristen sahen einander mit missbilligendem Stirnrunzeln an. JEDEN ABEND VOLKSMUSIK. Das stand auf dem Schild im Fenster. Aber das hier war eindeutig keine Volksmusik. Jedenfalls nicht in Donegal.“Was Joseph O‘Connor mit „Inishowen Blues“ vorlegt, ist ebenfalls weit von Folklore entfernt. Die aktuelle Schriftstellergeneration Irlands lässt sich nicht mehr vor den verklärten Trinker-Karren spannen.Read More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Will Self: Wie Tote leben

Nach dem Tod ist vor dem Tod Großartige literarische Abrechnung mit unserer Gesellschaft und ein Heidenspaß für alle, die nicht zu empfindlich sind. Er ist so etwas wie das enfant terrible der britischen Literaturszene. Tabubrüche sind sein Markenzeichen und nichts scheint ihm eklig genug zu sein – dennoch ist Will Self alles andere als ein Trash- oder Underground-Autor, sondern gehört zu den Bestsellern. Er spielt mit literarischen Traditionen, weiß mit Sprache virtuos umzugehen, offenbart trotz seines Hangs zur Provokation eine Menge Feingefühl. Sein neuer Roman „Wie Tote leben“ ist eineRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Frank Schulz: Morbus fonticuli

Communication Breakdown Frank Schulz schafft den Sprung in die erste Garde der deutschsprachigen Literatur. Zehn Jahre ist es nun her, dass mir mit „Kolks blonde Bräute“ der ultimative Kneipen-Roman in die Hände fiel. Bereits mit dem ersten Satz fesselte dieses Erstlingswerk meine Aufmerksamkeit: „Strapse! Schwarze Strapse!!“ hieß es dort und zeigte eine Richtung an, in die es gehen sollte. In die andere Richtung schwenkt der Roman kurz darauf, als die leichtbekleidete Blondine dem überrumpelten Briefträger Kolk ein „guhdgekültiß Bier im Kühlschrang“ in Aussicht stellt. Sex und Saufen sind die beherrschendenRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Stephen Fry: Der Sterne Tennisbälle

Die neuen Leiden des Grafen von M.C. Fry versteht es, Spannung und Witz auf hohem intellektuellen Niveau zu kombinieren. Dieser Mann ist einfach wunderbar. Als Schauspieler in „Oscar Wilde“ oder „Peter‘s Friends“ weiß Stephen Fry ebenso mitzureißen wie als Sprecher der englischen „Harry Potter“-Hörbücher. Seine Kolumnen und seine drei bislang erschienenen Romane sind – ebenso wie seine Autobiographie – Glanzlichter britischen Humors. Fry versteht es, Spannung und Witz auf hohem intellektuellen Niveau zu kombinieren – und genau das führt er auch in seinem neuesten Werk eindrucksvoll vor: Der zunächst seltsamRead More

Posted On März 13, 2004By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag

Walter Moers: Wilde Reise durch die Nacht

Zauberhafte Fantasiereise Was für ein Werk! Es ist einfach kaum zu glauben: Vor rund zehn Jahren drängte eine Figur mit dem wohlklingenden Namen „das kleine Arschloch“ auf den Comic-Markt. Walter Moers, der geistige Vater des kleinen Tabubrechers, trat einen – auch durch bayrische Staatsanwaltschaften – nicht zu bremsenden Siegeszug an. Schwer vorstellbar, dass der Schöpfer des „Kleinen Arschlochs“ und des aus der „Sendung mit der Maus“ bekannten „Käpt‘n Blaubär“ ein und die selbe Person sein sollen… Mit dem Roman „Die 13 ½ Leben des Käpt‘n Blaubär“ leitete Moers einen weiterenRead More