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Posted On Juni 2, 2005By Thomas WoertcheIn Musikmag

Albert Ayler Trio: Live on the Riviera

Spirituelle Einheit Keine Verschwörung: Gerade die Live-Aufnahmen aus Frankreich vom Juli 1970 zeigen Albert Ayler ironischerweise noch einmal in sehr guter Form. Im November 1970 wurde Albert Aylers Leiche aus dem East River gefischt. Verschwörungstheoretikers Lieblingsdebatte, ob er ermordet wurde oder nicht, wollen wir hier nicht aufwärmen. Er ist schlicht und einfach ertrunken und Selbstmord ist die wahrscheinlichste Ursache. Acht Jahre lang hatten die Platten des Saxophonisten aus Cleveland, Ohio die Jazzwelt durcheinandergewirbelt. Aus dem großen Zertrümmerer und gleichzeitigen Innovator war am Ende eine schlechte esoterische Kopie seiner selbst geworden.Read More

Posted On Mai 21, 2005By Thomas WoertcheIn Bücher, Litmag

Fergus Fleming: Trikolore über der Sahara

Schiere Existenz Belehren und Erfreuen sind immer noch keine schlechten Kriterien für Bücher. Fergus Flemings erzählendes Sachbuch über den Versuch der Franzosen, die Sahara zu kolonialisieren, erfüllt beide. Erstens habe ich viel gelernt. Nämlich wie die Franzosen nach dem Einmarsch in Algier 1830 in einem grotesken Gemisch aus kolonialer Gier, blankem Größenwahn, bis an die Zähne bewaffneter Indolenz und administrativer und militärischer Inkompetenz sich die kontinentgroße Sahara fast zufällig und von Debakel zu Debakel einverleibt haben. Auf eine dumme Expedition folgte die nächste, auf eine militärische Katastrophe ein dürrer Pyrrhus-Sieg,Read More

Posted On Mai 19, 2005By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Augusten Burroughs: Trocken!

Seelenstriptease Was ist an den Entzugsproblemen eines schwulen „Werbealkoholikers“ mit traumatischen Kindheitserlebnissen so interessant? Augusten Burroughs gibt uns in seinem neuen Buch mit selbstkritischer Offenheit und geschickt getarnter Oberflächlichkeit Auskunft. Wenn Europäer ihre Meinung über Amerika und die Amerikaner kundtun, fällt entweder der Satz vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder vom Land der unbegrenzten Oberflächlichkeiten. Burroughs weiß diese Vorurteile auf eine lockere und zugleich schockierende Art zu bestätigen und gleichzeitig zu entkräften. Diese Ambivalenz kennzeichnet den Charakter und das Handeln des Protagonisten Augusten, der bewusst als Alter Ego seines SchöpfersRead More

Posted On Mai 16, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Enrique Vila-Matas: Paris hat kein Ende

Paris ohne Ende Die Schriftsteller-Lehrjahre wie das große Vorbild Ernest Hemingway in Paris verbringen und hier zum Durchbruch gelangen – das ist Traum und Ziel des jungen spanischen Protagonisten in Enrique Vila-Matas neuen Roman „Paris hat kein Ende“. Nach einem abgebrochenen Jurastudium mietet sich Vila-Matas Anti-Held im Jahre 1974 für 100 Francs bei Marguerite Dumas in einer Dachmansarde ein und findet Kontakt zur schillernden Boheme. Mit Sartre-Pfeife und schwarzem Rollkragenpullover treibt er sich mit der Attitüde des von Weltschmerz gezeichneten „poete maudit“ in den Pariser Cafés und Kneipen herum. VölligRead More

Posted On Mai 9, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Allgemein

Schweigen zum 8. Mai-Gedenken

Von Carl Wilhelm Macke Ein Geständnis: zum Gedenken an die 60. Wiederkehr des 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, habe ich kein einziges Wort geschrieben. Keine nachdenkliche Erinnerung an das unmittelbare Kriegsende, die mein biographisches Alter ohnehin nicht zuläßt. Keine Reflexion über Sinn und Unsinn des ritualisierten Antifaschismus. Keine Meditation über den Stolz, mit dem man sich heute angeblich wieder ein Deutscher nennen darf. Keine Polemik gegen irgendeinen Ewiggestrigen oder notorisch Heutigen. Keine Rezension eines Buches über die Ursachen des NS-Regimes oder die Opfer der nazideutschen Kriegsstrategien.Read More

Posted On Mai 9, 2005By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Jeffrey Eugenides: Air Mail

Lebenslügen – unaufdringlich und ironisch Vor zwei Jahren hat Jeffrey Eugenides mit „Middlesex“ eine Familiensaga vorgelegt, die mit dem renommierten Pultizer-Preis belohnt wurde. Dass der erfolgreiche Romancier auch die Kunst der Short Story beherrscht, beweist er mit seinem Erzählungsband „Air Mail“. Was hat ein an der Ruhr erkrankter Aussteiger in Indien mit einer erfolgreichen TV-Produzentin in New York gemein? Und die wiederum mit einem orientierungslosen Twen, der seine Eltern in ihrem Altersdomizil in Florida besucht? Antworten geben die drei zwischen 1997 und 1999 erschienenen Erzählungen von Jeffrey Eugenides, der darinRead More

Posted On April 28, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Jutta Stössinger: Toskana. Ein literarischer Streifzug

Toskana sehen und sterben Jutta Stössinger hat eine literarische Entdeckungsreise durch eine der schönsten und kulturell reichsten Regionen Italiens geschrieben In den Jahren als das heute welk gewordene politische Farbenbündnis „Rot-Grün“ vor Glanz strotzte, gab es eine weit verbreitete politische Etikettierung. Lafontaine, Schily, Fischer, Schröder und tutti quanti kannten keine Parteien mehr, sondern nur noch die Toskana. Die Liebhaber dieser landschaftlich so reizvollen mittelitalienischen Region wurden von den Kommentatoren in den Medien zur sogenannten „Toskana-Fraktion“ ernannt. Gemeint war damit, dass der damals neuen Politikergeneration „Pasta e Vino“, ein gutes MenuRead More

Posted On April 28, 2005By Joerg von BilavskyIn Musikmag

Funny van Dannen: Nebelmaschine

Harmonisch und kontrastreich Der Musiker, Maler und Schriftsteller Funny van Dannen sammelt seine Ideen abseits der ausgetretenen Liedermacherpfade. Was er im Dickicht des ganz normalen Wahnsinns gefunden hat, bekommen wir auf seinem neuesten Album „Nebelmaschine“ zu hören. „Das Lied muss funktionieren“, hat Funny van Dannen alias Franz-Josef Hagmans in einem Interview mit Arte einmal gesagt. Doch wie funktionieren seine eingängig komponierten und vielzitierten Lieder? Musikalisch nach Schema F. „Es gibt bestimmte Harmoniefolgen, die immer funktionieren. Wenn man auf die kommt, und die passen zu den Worten, dann geht das, aberRead More

Posted On April 21, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Film/Fernsehen

Iso Camartin: Belvedere

Schöner Fernsehen Die Kritik über den Verfall der Fernsehkultur ist weitverbreitet und oft auch gut begründet. Iso Camartin hingegen setzt hier einen Kontrapunkt und lobt das Medium Fernsehen, dessen Möglichkeiten unterschätzt werden. Die Medien sind schuld. Vor allem aber das Fernsehen. Der Untergang des Abendlandes – en gros und en détail. Werteverfall, schlechte Manieren, Jugendkriminalität, Korruption, Scheidungsraten, Umweltsünden, Sex & Crime rund um die Uhr. Wo zwei oder drei Menschen versammelt sind und sich über den schlechten Zustand der Welt im Allgemeinen und Besonderen unterhalten, wird nach spätestens vier, fünf SätzenRead More

Posted On April 19, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Atto Melani: Die Geheimnisse der Konklaven und…

Die Kunst der Intrige Der Autor, ein Kastratensänger und Spion im Auftrag Ludwigs XIV. plaudert aus dem Nähkästchen eines mit allen Wassern gewaschenen Intriganten im Vatikan. „Annuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam“. Mit dieser Formel verkündigt der ranghöchste Kardinaldiakon vom Balkon der römischen Peterskirche, dass das Konklave beendet ist. „Ich verkünde mit großer Freude, dass wir einen Papst haben“. Damit sind eigentlich auch die vielen Zeitungsartikel, Medienberichte und auch Bücher, die in diesen Tagen im Umkreis des aktuellen vatikanischen Konklave erschienen sind, umgehend Makulatur. Es wird – wahrscheinlich – aufRead More

Posted On April 18, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

T.C. Boyle: Dr. Sex

Pralles Leben In seinem neuen Roman, der in das puritanische Amerika der 30er – 50er Jahre und die bahnbrechenden Sexforschungen von Alfred Kinsey führt, erweist sich T.C. Boyle einmal mehr als meisterhafter, süffiger Erzähler. Sex war im puritanischen Amerika der 30er bis 50er Jahre das große Tabuthema. Kaum wagte jemand, dieses Wort überhaupt nur auszusprechen und für bestimmte Sexualpraktiken wie Oralverkehr drohten sogar lange Haftstrafen. In diesem Klima der Verklemmungen, Gerüchte und Unwissenheit schlugen die Forschungen des Zoologen Alfred Kinsey und seine Bücher über das sexuelle Erleben des Mannes undRead More

Posted On April 18, 2005By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag

Tobias Wolff: Alte Schule

Unzeitgemäße Betrachtungen Der amerikanische Bestsellerautor Tobias Wolff hat nach seinen Kindheitserinnerungen („This Boy’s Life“) nun einen Entwicklungsroman geschrieben. Sein Protagonist glänzt durch literarischen Eifer und blendet damit sich und andere. Amerika im Jahre 1960. Ein Land, das im materiellen Überfluss zu ersticken droht, wie John Kenneth Galbraith zwei Jahre zuvor in seiner radikalen Gesellschaftskritik „The Affluent Society“ angemahnt hat. Und ein Land, in dem der Kalte Krieg und die Rassenprobleme bei den Bürgern tief sitzende Ängste schüren. Doch von diesen alltäglichen Problemen und Sorgen spüren die Eleven eines traditionsreichen Elite-InternatsRead More

Posted On April 14, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Alberto Savinio: Mein privates Lexikon

Ein Fest für Querdenker Der italienische Schriftsteller Alberto Savinio ist unzufrieden mit den vorhandenen Lexikas und hat sich deshalb ein eigenes Wörterbuch zusammengestellt. Wie traurig und langweilig ist es, immer nur an die schnellen Verbindungen, die Hauptstrassen und Abkürzungen zu denken. Was uns fehlt sind die Umwege, die Liebe zu den Nebenstrassen, die Freude an Sackgassen! Der 1891 in Athen geborene, aber in Mailand und Florenz aufgewachsene Savinio war immer ein sehr eigensinniger, Nischen und abgelegene Winkel liebender Mensch. Niemals die Abkürzungen und bekannten Wege nehmend, sich immer irgendwo inRead More
Die Grenzen der Reportage Paolo Rumiz hat den bekannten polnischen Journalisten in Warschau getroffen. Seinen Bericht vom Italienischen ins Deutsche übertragen hat Carl Willhelm Macke. Es schneit. Schneeflocken, groß wie Sahnebaisers, hüllen den protzigen sowjetischen Kulturpalast inmitten von Warschau ein. Zehn Uhr morgens. Ryzsard Kapuściński, 72 Jahre alt, von Beruf Reporter und mit seinen vielen Büchern durchaus nobelpreiswürdig, erscheint hinter einer rot-gelben Tram in einem grauen Wintermantel mit einem milden Lächeln im Gesicht. In Kürze werden seine Gedichte erscheinen und man wird dann eine Terra incognita dieses seit über vierzigRead More

Posted On April 14, 2005By Thomas WoertcheIn Musikmag

V.A.: Stranded. Early Songs of Emigration

Authentische Hybride Irische, norwegische, jiddische, griechische, deutsche, polnische, serbo-kroatische, portugiesische, finnische, ukrainische etc. etc. Titel, und allesamt so populär, dass sich darauf eine jeweils eigene Plattenindustrie aufbauen und eine Zeit lang halten konnte. Hinter Musik-Anthologien, die der unwahrscheinliche Musikarchäologe, -ethnologe, -ausgräber, -sammler und -jäger Christoph Wagner (und was er sonst noch alles ist!) veranstaltet, bin ich her wie der Teufel hinter der armen Seele. Kann man sich doch fast blind darauf verlassen, dass sie unterhaltsam sind (sowieso), überraschend, ein wenig bizarr und eminent lehrreich. Diesmal hat er in einem SchallplattenladenRead More

Posted On April 7, 2005By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Peter Niklas Wilson (Hg): Jazz-Klassiker

Veritables Standardwerk „Jazz-Klassiker“ ist ein must. Für Leute, die diese Musik gerade entdecken, für Leute, die verlässliche Informationen suchen, für Leute, die Substantielles über Jazz lernen wollen und für Leute, die meinen, schon alles zu kennen und alles schon selbst gedacht zu haben. Also für alle. „Das Geheimnis der großen Jazzmusiker ist, dass sie das Wesen des Jazz offenlegen, ohne es zu verkünden“. Dieser kluge Satz eröffnet den Artikel über Billie Holiday, könnte aber auch gut als Motto für die 98 Porträts von Jazz Klassikern stehen, die unter der HerausgeberschaftRead More

Posted On April 3, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Gerhard Meier: Ob die Granatbäume blühen

Alles blieb still Der bewegende Nachruf eines alten Mannes auf seine Frau, mit der er über sechzig Jahre zusammen sein Leben verbrachte. Vielleicht gehört es zu den unvergleichlichen Reizen der Literatur, uns die Möglichkeit immer neuer Entdeckungen zu schenken. Einmal von dem Sog des Lesens erfasst, hört das Suchen nach Büchern nie auf, die abseits der lauten Literaturbasare und manchmal auch in den hinteren Winkeln der Verkaufsregale gut sortierter Buchhandlungen verstauben. Da erschien zum Beispiel 1995 jenseits aller öffentlichen Aufmerksamkeit ein umfangreicher Band mit Gesprächen über Literatur, das Schreiben, LesenRead More

Posted On März 17, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag

Paul Ginsborg: Berlusconi

Mann der Vorsehung Er ist weder ein Diktator noch ein Demokrat, weder ein Faschist noch ein Liberaler. Silvio Berlusconi repräsentiert einen neuen Typus von Politiker, der seine Karriere ausschließlich der aggressiven Nutzung der ihm gehörenden Massenmedien und der Hilflosigkeit einer traditionellen Demokratie verdankt. Italien – Land der Wunder. Irgendwo zwischen Bozen und Lampedusa geschieht in jedem Monat ein Wunder. Da heilt ein frommer Prediger durch bloßes Handauflegen angeblich einen Schwerkranken. Dort wird der Mutter Maria für Hilfe in großer Not gedankt. Blut eines seit Jahrhunderten toten Heiligen verflüssigt sich, oderRead More

Posted On März 10, 2005By Thomas WoertcheIn Musikmag

Tommy Smith Sextet: Evolution

Wonnen kluger Sprödigkeit In dieser Produktion geht es um die Verwebung, um die Kommunikation der einzelnen, sehr individuellen Stimmen. Am Anfang ein paar erratische Phrasen von John Scofields Gitarre. Dann steigen John Pattitucci (Bass) und Bill Stewart (Drums) ein und bilden einen erst tastenden, dann stramm midtempo marschierenden Rhythmus, dann ein kurzes Thema, unisono von den beiden Tenoristen Smith und Joe Lovano vorgetragen, und dann erst einmal ein single note-Solo von Scofield, dann ein in diesem postbop-Milieu erstaunlich bluesiges Pianosolo von John Taylor – erstmal weiß man nicht so genau,Read More

Posted On März 3, 2005By Thomas WoertcheIn Bücher, Musikmag

Studs Terkel: Giganten des Jazz

Große Liebeserklärung an den Jazz Geschrieben mit Verve und Drive von jemandem, dem die Musik und ihre Protagonisten mehr am Herzen liegen als Spezialistentum, als akribische biographische Forschung. Man könnte das Buch zum Beispiel so besprechen: Was soll uns eine Portraitsammlung von 13 Jazzgrößen aus dem Jahr 1957 bringen, die biographisch und in ihrer Wertung dieser „Giganten“ nichts Neues bietet? Und sich obendrein eines putzigen Anekdotismus´ bedient, der manchmal daherkommt wie Genre-Bildchen von Norman Rockwell. Da hämmert der kleine Dizzy Gillespie mit seinen „kleinen Wurstfingern“ auf dem elterlichen Klavier herumRead More

Posted On Februar 28, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Lehrer – ein Nachruf

Lehrer – ein Nachruf Gibt es überhaupt noch Lehrer? Jeder flüchtige Blick auf die aktuelle Berufsstatistik in einem beliebigen Bundesland würde diese Frage als absurd und unverständlich erscheinen lassen. Natürlich gibt es noch abertausende von angestellten Lehrern und solchen, die nach dem Hochschulstudium auf eine Lehrerstelle oft vergebens warten. Zweifellos wird es Lehrer noch lange Zeit geben, auch wenn sich vermutlich ihr Berufsbild mit der Expansion von Internet und Cyberspace-Reality radikal ändern wird. Auf diese Entwicklung zu reagieren, ist die Aufgabe einer, in gängiger Reformersprache formuliert, „zukunftsorientierten Bildungspolitik“. PISA, Standortnachteile,Read More

Posted On Februar 24, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Das Wiener Tagebuch und sein heutiges Echo

Eine gute Schreibstube Von Carl-Wilhelm Macke Sie haben auf ihre Art alle einen guten Namen auf dem aktuellen Literaturmarkt: Martin Pollack, Erich Hackl, Richard Swartz, Claudio Magris, Ryszard Kapuscinski. Sie entstammen verschiedenen Generationen. Sie schreiben in verschiedenen Sprachen. Ihre Bücher sind unterschiedlichen Themen gewidmet. Wenig scheint sie zu verbinden. Doch es gibt eine Gemeinsamkeit, eine für andere, für die Leser und Kritiker nicht wahrnehmbare gemeinsame Wurzel. Sie freizulegen, bedarf es einen Umwegs, einer historischen Recherche im Archiv untergegangener Zeitschriften. Man muss beginnen mit der Erinnerung an einen heute, in DeutschlandRead More

Posted On Februar 24, 2005By Joerg von BilavskyIn Musikmag

V.A.: Kaminer und Gurzhy präsentieren Russendisko Hits 2

Sound der Slawen Russland scheint Fremden düster und verschlossen. Doch tief im Innern des Vielvölkerstaates glüht es gewaltig. Davon zeugen wieder einmal die gesammelten Ohrwürmer von Wladimir Kaminer und Yuriy Gurzhy. Zu hören auf Russendisko Hits 2. Die Russendisko ist mittlerweile nicht nur in Deutschland zu einem Markenzeichen geworden. Sie erfreut sich auch bei Nachahmern im Ausland immer größerer Beliebtheit. Zum finanziellen Verdruss der Macher Wladimir Kaminer und Yuriy Gurzhy, wie sie im Booklet der neuen CD mit ironischem Augenzwinkern zu verstehen geben. Die Titelanmeldung beim Patentamt scheiterte letztlich anRead More

Posted On Februar 21, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

Francisco Casavella: Der Tag des Watussi

Faszinierendes Irrlichtern Mit seinem neuen Roman fordert der Spanier Francisco Casavella seine Leser heraus und warnt sie in einem kafkaesken Prolog auch gleich vor: „Wir geraten in Labyrinthe ohne Plan, Spiralen ohne Zentrum.“ In einer Rückblende lässt Casavella seinen dreizehnjährigen Protagonisten Fernando dann vom „wichtigsten Tag“ seines Lebens berichten, dem „Tag des Watussi“. Anfang der siebziger Jahre steht Fernando auf der Schwelle zwischen unschuldigen Kinderspielen und ersten Grenz- und Gesetzesüberschreitungen mit dem hinkenden Zigeunerjungen Pepito. Ihr Abenteuerspielplatz ist die schäbige Peripherie Barcelonas mit dem Hafen, dem alten Olympiastadion und verrufenenRead More

Posted On Februar 21, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag

H.D. Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern

Die Utopie des Menschseins Nicht nur was für Hesse-Leser: „Walden oder Leben in den Wäldern“ von Henry David Thoreau (1817-1862). Vor 150 Jahren erschien Henry David Thoreaus Hauptwerk „Walden“. Auch heute noch besticht dieser Essay-Zyklus, in dem der Philosoph, Naturschwärmer und Landvermesser von seinem Leben in einer einsamen Blockhütte in Massachussets erzählt, durch eine luzide Zivilisations- und Kapitalismuskritik sowie durch ein radikales Konzept der Selbstverwirklichung. Thoreaus Leben in den Wäldern war als ein bewusstes Experiment angelegt, um dem „Narrenleben“ in den Städten zu entfliehen und zu „einer wahren Ganzheit“ zuRead More

Posted On Februar 19, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Litmag

Hilflose Journalisten

Über (fehlende) Gesten der Solidarität mit der entführten Journalistin Giuliana Sgrena. Von Carl-Wilhelm Macke Jeder Journalist lernt es schon in der ersten Woche eines Volontariats: das ‚Ich‘ hat in einem journalistischen Beitrag nichts zu suchen. Man schreibt als Beobachter mit möglichst großer Objektivität und Genauigkeit eine Reportage oder präsentiert in einem Kommentar seine Meinung, aber nie in der ersten Person Singular. Als Journalist darfst du niemals ‚Ich‘ schreiben und dann sieht man auf einem Pressephoto in die Augen der um ihr Leben flehenden, vollkommen verhärmten, todesbleichen italienischen Kollegin Giuliana Sgrena.Read More