Posted On Februar 13, 2006By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Nur geträumt? Der gefeierte Jungautor Jan Costin Wagner hat bereits mit seinen beiden Kriminalromanen „Nachtfahrt“ und „Eismond“ bewiesen, dass er mit knappen Worten differenzierte und eindrucksvolle Charaktere zeichnen kann. In „Schattentag“ wagt er sich mit ebendiesem Stil an die verwirrende Gedanken- und Gefühlswelt eines blinden Familienvaters. Wenn das Augenlicht verloren geht, gewinnen Erinnerungen an Bedeutung. Die Gegenwart wird nur noch im Schattenriss, in Geräuschen und Berührungen wahrgenommen. Und immer wieder mit Bildern aus der Vergangenheit abgeglichen, bis auch diese irgendwann verblassen und einer neuen Vorstellungswelt weichen. Auf diesem Grat zwischen
Read More Posted On Februar 8, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Gesetze sind teuer – Die Erfolgsstory des Silvio Berlusconi Für einen italienischen Verleger dürfte es ein großes Wagnis sein, heute noch eine neue Biographie von Silvio Berlusconi auf den Markt zu bringen. In seinem Heimatland wissen Freunde wie Gegner des mailänder Medienunternehmers heute scheinbar alles über dessen Leben, dessen politischen Ansichten, dessen Reichtum. Seine Dauerpräsenz in allen Fernsehkanälen, die ihm ja auch fast ausnahmslos alle gehören, hat bei Italienern zu einer großen Ermüdung geführt. Und er selbst soll jetzt am Beginn des großen Wahljahres sogar gesagt haben, dass er es
Read More Posted On Februar 8, 2006By Joerg von BilavskyIn Musikmag
Protestler und Profilneurotiker Während wild bemähnte Friedensjünger im Sommer 1982 auf den Bonner Rheinwiesen die BAP-Hymnen gegen Krieg und Gewalt mitgrölten, ließen sich die frisch gegelten New Romantics von den sanften Synthesizerklängen der Edelpopper-Band „ABC“ einlullen. Das Popjahr 1982 spiegelt wie kaum ein zweites jugendkulturelle Gegensätze. „Wir hatten Besseres zu tun, als uns in klassischen Politfeldern zu engagieren“, schreibt der SZ-Essayist Ralf Niemcyzk über seine popkulturelle Sozialisation Anfang der 80er Jahre. Lieber die kostbare Zeit auf einen perfekten Haarschnitt, grelle Outfits und coole Musik verwenden, als mit alternativen „Gummistiefel-Demonstranten“ Friedenschöre
Read More Posted On Januar 26, 2006By Carl Wilhelm MackeIn Bücher, Litmag
Die Nachbarn des nächsten Nachbarn In einer kleinen, 1923 erschienenen Buchrezension hat Joseph Roth einmal ein auch heute noch gültiges Motto für guten Journalismus verfasst: „Ein Journalist“, schreibt Roth, „kann, er soll ein Jahrhundertschriftsteller sein. Die echte Aktualität ist keineswegs auf 24 Stunden beschränkt. Sie ist Zeit- und nicht tagesgemäß“. Der Journalist als Jahrhundertschriftsteller – ein großes, fast zu pathetisches Etikett, das man nur wenigen zeitgenössischen Publizisten zuerkennen möchte. Ryszard Kapuscinski, den langjährigen Auslandskorrespondenten polnischer Nachrichtenagenturen und Zeitschriften, wird man sicherlich zu diesem kleinen Kreis rechnen können. In Polen hat
Read More Getrennte Zwillinge Traumartig und doch gestochen scharf entwirft der elegante Erzähler Loriga seine New York-Vision, die Mental-Map einer traurigen und zerrissenen Stadt. New York war schon immer mehr als eine Stadt: ein Mythos, ein Symbol des Amerikanischen Traums, if you can make ít there, you can make it everywhere. Vom Tellerwäscher zum Millionär erschien nirgendwo greifbarer, als in dieser traumdurchdrungenen, pulsierenden Metropole. Seit Stephen Cranes Maggie und Dos Passos’ Manhattan Transfer wird auch die dunkle Seite des Mythos mitgedacht; die Stadt als Menschenfresser, der Moloch als Maschine, die Entfremdung produziert,
Read More Posted On Januar 19, 2006By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Ein Brennen und Verzehren Georges Batailles 1944 geschriebenes Nietzsche-Buch ist bis heute eines der radikalsten und subjektivsten Annäherungen an jenen Philosophen, der mit seinem Diktum des „Gott ist tot“ ein neues Zeitalter des Denkens eröffnete. Bataille belässt es „In Nietzsche und der Wille zur Chance“ bei weitem nicht bei einer diskursiven Interpretation, sondern lässt uns Zuschauer bei dem Versuch werden, Nietzsches Philosophie konsequent zu leben, „bis zum Ende des Möglichen zu gehen, wozu sie auffordert“. Nietzsche und Bataille sind zunächst einmal in der zentralen Frage vereint, wie der Mensch zu
Read More Daniel Pennacs verspielter Roman über das Erzählen – Der Autor macht sich einen riesigen Spaß, während er in der Hängematte liegt und verrückte Geschichten rund um einen menschenscheuen Diktator spinnt. Von Markus Kuhn
Read More 75 Jahre alt wurde Christa Wolf am 18. März – Grund genug für den Luchterhand Literaturverlag, „seine“ Groß-Autorin mit einer umfangreichen Bild-Biographie zu würdigen. Von Petra Vesper
Read More Weniger wäre mehr gewesen – David Foster Wallace’ Erstling ist ein überlaufender Topf voller Skurrilitäten. Von Markus Kuhn
Read More Der französische Rockkritiker und Autor Michka Assayas scheitert mit seinem Generationsroman trotz seines Insiderwissens an seinen erzählerischen Fähigkeiten. Von Markus Kuhn
Read More 10 Jahre danach – Irvine Welsh spinnt seinen Kultroman „Trainspotting“ weiter. Von Markus Kuhn
Read More Brady Udalls originelle Short-Stories aus den Einöden des amerikanischen Südwestens. Von Markus Kuhn
Read More Der französische Kultautor Philippe Djian knüpft an sein temperamentvolles Frühwerk an. Von Markus Kuhn
Read More Snapshots der Jugend Der amerikanische Comic-Zeichner Adrian Tomine porträtiert die emotionale Zerrissenheit seiner Generation. Markus Kuhn Cammie ist ein Party-Girl. Süß, frech, mutig, ausgeflippt. Trinkt schon mal ordentlich mit, wenn die Jungs am Saufen sind. Ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, die Bedürfnisse des anderen Geschlechts zu befriedigen … Ein Volltreffer? Der Star ihres Jahrgangs? Na ja … vielleicht ist sie auch etwas zu ausgeflippt. Die anderen Girls jedenfalls hassen sie und selbst die triebgesteuerten Jungs, die sich im Partyrausch von ihr verwöhnen lassen, beginnen, sie in der Schule
Read More Der überpräsente Vater, das Meer und der Junge, der erwachsen wird – Kirsty Gunn spiegelt die Initiationsgeschichte eines Jungen in den Stimmungen des Meeres. Von Markus Kuhn
Read More Posted On Januar 1, 2006By Markus KuhnIn Litmag
Auch in Westwärts 1&2 hat Rolf Dieter Brinkmann gesammelt, gereimt, gespielt, gelabert, gedichtet, Verständliches und Unverständliches verständlich und unverständlich aneinander montiert und Material verwendet, das jedem zugänglich ist. Von Markus Kuhn
Read More Posted On Dezember 18, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Rauschhafte Intensität In ihrem Debut „In den Farben der Nacht“ überzeugt die erst 20jährige Susanne Heinrich mit Erzählungen voller sinnlicher Poesie und schillernder Abgründe. Die Liebe und die Suche nach Liebe stehen dabei im Mittelpunkt. Susanne Heinrich lotet die sich ineinander schiebenden Grenzlinien von Freundschaft, Liebe, Fremdwerden, Betrug und Trennung in immer neuen Variationen aus. Ihre Protagonistinnen sind ruhelos Getriebene und Treibende, sind hin- und hergerissen und fürchten sich unausgesprochen vor dem tief im Inneren lauernden Abgrund des Nichts: „Wenn nichts lockt und nichts hält, denke ich, kann man das
Read More Posted On Dezember 12, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Ausgefuchster Erstling oder This is not a love song Gerne wird jungen deutschen Debütautoren vorgeworfen, dass sie sich mit ihren Texten kaum über den Tellerrand eigener Erfahrungen hinauswagen (der oft genug an den Grenzen diverser Berliner Stadtbezirke endet). Kirsten Fuchs siedelt ihren Erstling zwar ebenfalls in Berlin an, doch ist die Hauptstadt lediglich mehr oder weniger beliebige Kulisse, und kein tragendes Element der Handlung. „Die Titanic und Herr Berg“ erzählt von einer ungewöhnlichen, von Beginn an zum Scheitern verurteilten Beziehung: Da ist zum einen Tanja, so um die Zwanzig, mit
Read More Posted On Dezember 12, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Litmag
Lobrede auf die ‚kleine Form‘ Wer schreibt, kennt sie genau und wer nicht schreibt, kennt sie auch. Jene ununterbrochen im Kopf herumschwirrenden Gedanken, die sich nicht zu einem Ganzen fügen wollen, aber trotzdem nicht das Feld der Phantasien und Ideen räumen. Unentwegt gehen sie in unserem Kopf ein und aus, suchen eine Heimstatt in dem Gebäude unseres Denkens, finden sie, vielleicht auch nur für kurze Zeit, oder sie verlieren sich wieder irgendwo in den großen spinnwebenverhangenen Depots unseres Vergessens. Gedankenblitze, Augenblicke, Tagträume, gelegentlich auch Halluzinationen. Ein einziges Kommen und Gehen
Read More Posted On Dezember 8, 2005By Markus KuhnIn Allgemein
Die Entscheidung für ein Online-Casino erfordert gründliche Überlegungen, um ein unterhaltsames und sicheres Spielerlebnis zu gewährleisten. Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen, das beste deutsche Online-Casino auszuwählen. Vergewissern Sie sich, dass das Casino im Besitz einer gültigen Lizenz ist, die von einer anerkannten Glücksspielbehörde ausgestellt wurde. Dies gewährleistet die Einhaltung der deutschen Glücksspielvorschriften casinozeus.de und die Fairness der Spiele. Die Sicherheit Ihrer persönlichen Daten sollte oberste Priorität haben. Wählen Sie ein Casino mit modernen Verschlüsselungstechnologien, um sicherzustellen, dass Ihre Informationen vor unbefugtem Zugriff geschützt sind. Überprüfen Sie die Verfügbarkeit
Read More Posted On Dezember 4, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Litmag
Immerhin – er war ehrlich. Von Carl Wilhelm Macke De mortuis nihil nisi bene. Von den Toten solle man nur gut sprechen? Mag sein, aber als guter Christenmensch ist man ja auch zur Wahrheit verpflichtet. Wie also soll man sich verhalten, wenn man hört, der Boandlkramer (bayr. für der ‚Knochenhändler‘) hat bei Franz Schönhuber angeklopft und ihn dann auch gleich auf seine ewige Reise mitgenommen? Ist man einem zivilen Kodex oder der christlichen Ablehnung der Lügeverpflichtet? Einmal, wenigstens ein einziges Mal, entscheide ich mich für Wahrheitsgebot auch und gerade angesichts
Read More Posted On Dezember 3, 2005By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Schluss mit lustig! Von seiner Pole-Position als Ex-Tresenleser und fernseherfahrener Kabarettist legte Frank Goosen einen Bilderbuchstart als Autor hin. Doch bei allem Erfolg ist nicht zu verleugnen, dass sein Erstling „Liegen lernen“ zu großen Teilen auf Bühnennummern Goosens zurückgreift und der Nachfolger „Pokorny lacht“ mit einem Komiker als Protagonisten starke Bezüge zum Leben des Autors selbst aufweist. Nachdem eine Sammlung von Kolumnen und Kurztexten im vergangenen Jahr die Wartezeit verkürzen konnte, liegt nun der dritte Roman Goosens vor – und der ist beeindruckend geraten. „Ich sah meinen Vater erstmals neunzehn
Read More Posted On November 20, 2005By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Die Wende von unten Sieben lange Jahre arbeitete Ingo Schulze an seinem neuen Roman „Neue Leben“ – eine Zeit, die, wie in diversen Interviews zu lesen war, auch von einer tiefgreifenden „ästhetischen Verunsicherung“ geprägt war. Im Resultat entzieht sich der Erfolgsautor von „Simple Stories“ nun den hoch gespannten Erwartungen von Kritik und Publikum an den angekündigten „Wenderoman“ schlitzohrig durch eine literarische Finte: Kurzerhand tritt er nur als Herausgeber und sparsamer Kommentator eines vorgeblich im Jahre 1990 entstandenen Briefkonvoluts des in Dresden geborenen und aufgewachsenen Enrico Türmers auf, mit dem er
Read More Posted On November 14, 2005By Carl Wilhelm MackeIn Litmag
Endlich Tränen der Freude Verleihung der Hermann-Kesten-Medaille des deutschen PEN-Zentrums an kongolesische Journalistenorganisation. Donat M’Baya Thsimanga und Tshivis Tshivuadi wa Tshivuadi . Diese kongolesische Namen auszusprechen fällt schwer, geschweige denn, sie zu behalten. Aber den Inhalt ihrer Dankesrede anlässlich der Entgegennahme der ‚Hermann-Kesten-Medaille’ des deutschen PEN-Zentrums in Darmstadt, vergisst man nicht. Jedes Jahr verleiht das PEN-Zentrum, unterstützt von der Hessischen Landesregierung, einen Preis, der Personen oder Organisationen ehren soll, die sich mit Mut und Zivilcourage zur Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit eingesetzt haben. Im Jahr 2005 wurde der Preis an
Read More Posted On November 6, 2005By Joerg von BilavskyIn Bücher, Litmag
Aus dem Leben eines DJs Kaminer kann’s nicht lassen. Wieder einmal hat der gebürtige Moskauer seine Berliner Schnurren in einem Erzählband gebündelt. Diesmal plaudert er vorwiegend aus dem musikalischen Nähkästchen: über die Klientel der Russendisko, Lieblingslieder und verschrobene Künstler. Tump! Tump! Tump! Mit jedem Stechschritt bekommt der Vordermann mit einem Trommelstock wieder eins auf die paukenförmige Mütze. So monoton und schmerzhaft wie auf dem illustrierten Schutzumschlag geht es hinter den Buchdeckeln zum Glück nicht zu. Wladimir Kaminer schreibt auch in seinem neuesten Erzählungsband „Karaoke“ so sprunghaft, kurzweilig und meinungsstark wie
Read More Posted On November 3, 2005By Joerg von BilavskyIn Musikmag
Neue Wege Während sich mit dem Fall der Berliner Mauer der Osten und der Westen aufeinander zu bewegten, drifteten mit dem sich abzeichnenden Siegeszug des Techno und des Hip-Hop die Popkulturen Europas und Amerikas immer weiter auseinander. Diesen Schluss zieht zumindest Andrian Kreye in der SZ-Diskothek zum Popjahr 1989. „Angesichts der ganz real revolutionären Kräfte schien die subversive Kraft des Pop versiegt“, urteilt Andrian Kreye, Amerika-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, über das Popjahr 1989. Pop und Rock erstarrten seiner Interpretation zufolge zur „sinnentleerten Pose“. Selbstverständlich zelebrierten R.E.M. und Nirvana denn auch
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