Früher Früher liebten wir uns über dem Abgrund, wo anderntags der Orientexpress von der Brücke sprengte; die Wüsten Arabiens durchrasten wir ohne Kompass und kamen doch auf den erkorenen Gipfel, betraten die Arche, die keine Planken mehr hatte, und kreuzten damit übers Meer; bei der Ankunft im Hafen der Albatrosse steckte der Frühling uns an, und wir phosphoreszierten mit den Hinterleibern der Leuchtkäfer um die Wette; eine einzige steingemeißelte Quetzalfeder genügte uns, abzuheben von dieser Welt. Früher liebten wir uns. Die 1926 in Breslau geborene Dagmar Nick gehört heute zu
Read More Chronist und Aktivist – Dschungel, Risiko, SO 36, Shizzo, Penny Lane, Anderes Ufer, Frontkino, Ex’n’Pop, Kumpelnest 3000: wem diese Namen etwas sagen, war entweder Anfang bis Mitte der 1980er Jahre im Nachtleben Westberlins selbst unterwegs oder hat sich später entsprechendes Wissen über Zeiten und Orte angeeignet. Selbst dabei gewesen und mit einem schier unerschöpflichen Gedächtnis gesegnet ist der Künstler, Musiker und Autor Wolfgang Müller, der Ende der siebziger Jahre seine Geburtsstadt Wolfsburg verließ, um in Westberlin unter anderem das Band- und Kunstprojekt „Die Tödliche Doris“ zu gründen. Die Inselstadt Westberlin war
Read More Posted On Januar 16, 2013By Janine AndertIn Musikmag
Freundlicher Begleiter – Kaum hat das neue Jahr begonnen, trumpft es auch schon mit dem ersten brillanten Album auf: {Awayland} von den Villagers. Villagers – das war eigentlich der Ire Conor O’Brien, der unter diesem Namen 2010 das für den Mercury Price nominierte Album „Becoming A Jackal“ veröffentlichte. Mittlerweile sind die Villagers, d. h. O’Brien und seine Live-Musiker, zu einer richtigen Band zusammengewachsen. Dieser Umstand beschert dem zweiten Studioalbum eine neue Dichte an Arrangements und sprühenden Ideenreichtum. {Awayland} bringt alles mit, was ein Album für die Ewigkeit braucht: Catchiness, die
Read More Posted On Januar 16, 2013By Tina ManskeIn Musikmag
Meisterstück – Die Zeichen mehren sich, dass 2013 ein fabulöses Musikjahr werden könnte. David Bowie meldet sich nach zehn Jahren Stille aus der Versenkung, Nick Cave & The Bad Seeds kündigen eine neues Album an – und Yo La Tengo liefern einen ersten Anwärter auf die Jahres-Toplisten. Mit ihrem mittlerweile 13. Album namens „Fade“ hat sich die Band aus New Jersey, die jetzt auch schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, sich selbst übertroffen. Nicht neu erfunden, einfach übertroffen. Die zehn Songs sind in Bezug auf Arrangements so nahe an
Read More Posted On Januar 16, 2013By Die RedaktionIn Musikmag
Neue Platten von und mit Aaron Neville, Tim Hecker & Daniel Lopatin, Justus Köhncke, José James, Jack November und Joe Levano/Us Five, gehört von Janine Andert (JA), Tina Manske (TM) und Christina Mohr (MO).
Read More Western mit Brunhilde – Wie frivol, Tarantino benutzt die Sklaverei in den US of A für seine üblichen Gewaltorgien! Schlimm! Oder doch nicht? Henrike Heiland war bei der Deutschland-Premiere. Ganz allgemein gesprochen: Für Filmpremieren wird erst einmal Publikum eingeladen, was das Zeug hält. Von Presse bis Promis sollen die Kinosäle voll sein. Das heißt, das Publikum einer Filmpremiere setzt sich nur bedingt aus Cineasten oder gar Fans zusammen. Man geht hin, um dabei zu sein, fotografiert zu werden, anschließend auf der Party ein paar Visitenkarten zu sammeln, und zwischendurch schaut
Read More Posted On Januar 12, 2013By Die RedaktionIn Crimemag
Liebes CrimeMag-Publikum, mit den allerbesten Vorsätzen und guten Wünschen begrüßen wir Sie im neuen Jahr! Das beginnt bei uns gleich mit dem neuen Film von Quentin Tarantino, „Django unchained“. Henrike Heiland war bei der Deutschland-Premiere dabei und berichtet für Moving Targets. Ansonsten starten wir mit einer gehörigen Portion Skepsis ins neue Jahr, dem Carlos noch ganz und gar nicht über den Weg traut. Thomas Wörtche hat gar ein Alptraum-Buch gelesen: Armin Krishnans cool formulierten, aber keinesfalls kalt lassenden Essay „Gezielte Tötung“. Sophie Sumburane ist sogar wütend & unausgewogen stinksauer: über
Read More Neues Jahr, neues Glück, gute Vorsätze und fromme Wünsche einer zarten Seele, wenn das mal gutgeht. Starten Sie mit Carlos ins Jahr 2013! Was ich mir für 2013 wünsche: Abgesehen von persönlichem Zeug, dass Jesueso Fliege mal wieder so richtig einen raushaut – hammerharten Antisemitismus z. B., nicht den Broder’schen, den echten. Dass aber eben jener Broder dann meinen Lieblingspfarrer medial so derartig zur Sau macht, das kann er nämlich. Oder Fliege hat eine heiße Geschichte mit einer professionellen Transe laufen und wird hierbei gefilmt. Oder er ruiniert sich bei
Read More Überwachen und töten – Armin Krishnan, Professor für „Security Studies“ an der University of Texas hat mit „Gezielte Tötung“ einen klarsichtigen Essay darüber vorgelegt, was avancierte Militär-, Aufklärungs- und Überwachungstechnik aus- und anrichten kann und wird. Thomas Wörtche gruselt sich … Der Untertitel des Buches „Die Individualisierung des Krieges“ (der mit dem Untertitel auf dem Umschlag des Buches: „Die Zukunft des Krieges“ nicht ganz kongruent ist) führt ein wenig in die Irre. Denn um regelrechte Kriege, wie sie Staaten gegen Staaten führen, geht es hier weniger: Staaten befinden sich oft
Read More Der Deutsche Sonderweg ist anscheinend endlos – Der Sachbuchautor Patrick Gensing sucht in „Terror von Rechts“ nicht nach netten Nachbarn. Gott sei Dank. Das tun genügend andere seiner Journalistenkollegen und verklären, ja romantisieren dadurch geradezu das Bild dreier Rechtsterroristen, die für eine scheinbar beispiellose Mordserie verantwortlich sind. Gensing beleuchtet die Hintergründe für eines der größten Verbrechen der letzten 90 Jahre – und damit ist nicht ausschließlich die Mordserie gemeint. Eine unausgewogene, wütende Rezension plus von Sophie Sumburane. Deutschland strahlt mal wieder aus allen Poren – wegsehen, leugnen und sogar dulden. Rechtsradikalismus
Read More Der Kampf um Wien beginnt erst! – Kriminalliteratur hat viele Quellen und Facetten – die gute alte Kolportage gehört zum festen Bestand. Im feinen Wiener Milena Verlag wird lobenswerterweise ein Großmeister der Zunft gepflegt: Hugo Bettauer. Ein paar einordnende Worte von Klaus Kamberger. Eigentlich ganz schlau: Wenn man schon nicht zu den literarischen Großkalibern seiner Zeit zählt, lieber in seichteren Gewässern fischt, kann es nur nützen, sich trotzdem mit der Elite gemein zu machen, zumindest sich an sie ran zu wanzen. Wie das besonders tricky geht, lehrt uns der mit
Read More Gestrandet in Ostafrika – William Boyd, ein in Ghana groß gewordener schottischer Autor, ist was für Jane-Austen-Fans. Sein Blick auf die Gesellschaft ist satirisch und präzise; er ist ein stiller Beobachter, der Augen und Ohren offenhält, wo andere schon längst abgeschaltet haben. Das Sujet unterscheidet sich freilich von denen Austens: „Eiskrem-Krieg“ ist ein Kriegsroman, der in Ostafrika spielt. Dort hoffte man, den Ersten Weltkrieg innerhalb von zwei Monaten beenden zu können, da die Briten das Klima schlecht vertrügen. „Wir werden alle schmelzen wie Eiskrem in der Sonne!“, schrieb Soldat Francis
Read More Noch ’n Killer … Ach, was wäre die Krimi-Produktion ohne unser aller Serialkiller. Bei der Lektüre von Edith Kneifls „Blutiger Sand“ fragt sich Anne Kuhlmeyer, ob das wirklich sein muss … Die Kette der Serienmorde durch schlimme Monsterbestienpsychopathenkiller reißt nicht ab. In diesem Roman ereignet sich eine Serie, für die sich gleich zwei Empathiefreie zusammen tun, zwischen 1992 und 2012. Obwohl sich 2012 herumgesprochen haben sollte, dass diese Sorte Menschen wirklich selten vorkommt, treiben die strukturell gestörten, sozial verwahrlosten und günstigstenfalls kriegstraumatisierten Bösewichter unverdrossen ihr Unwesen in der Kriminalliteratur. Wie
Read More Pick of the Week N° 14 – Seit Jahren bibliografiert, archiviert und kommentiert der Ehrenglauser-Preisträger Thomas Przybilka in seinem BoKAS (= Bonner Krimi-Archiv Sekundärliteratur) wissenschaftliche und publizistische Arbeiten aus aller Welt, die sich mit den unendlichen Facetten von Kriminalliteratur befassen. In unregelmäßig regelmäßigen Abständen erscheinen dann seine unschätzbar wertvollen Zusammenfassungen der aktuellen Sekundärliteratur, die jeder zur Kenntnis nehmen muss, der sich auch nur ein bisschen über seine Lieblingsliteratur kundig machen möchte. Ein solcher „Newsletter“ hat leicht einmal 160 bis 200 Seiten; deswegen empfiehlt CrimeMag unregelmäßig ein paar Titel aus dieser
Read More Nichts ist kurzsichtiger und irreführender als „Genregeschichte“, die so tut, als ob sie rein genre-intern bleiben könnte. Christopher G. Moore zeigt anhand des vielgeschundenen Begriffs „noir“, wie man Literaturgeschichte auch und notfalls viel sinnvoller sortieren könnte: Orwell, Koestler and the Noir Brigade International Crime Authors Reality Check is written by a group of professional authors who measure their literary work with an authenticity ruler. As 2012 winds down, I’d like to look at the tradition of two authors: George Orwell and Arthur Koestler who have had influence on my own
Read More The Kindness of Strangers by Nick Cave They found Mary Bellows cuffed tot he bed With a rag in her mouth and a bullet in her head O poor Mary Bellows She’d grown up hungry, she’d grown up poor So she left her home in Arkansas O poor Mary Bellows She wanted to see the deep blue see She drove across Tennessee O poor Mary Bellows She met a man along the way He introduced himself as Richard Slade O poor Mary Bellows Poor Mary thought that she might die
Read More Gruppe 47: Lesezirkel, Debattierklub, Kontaktbörse, Marktplatz – Plötzlich tauchen sie doch auf, die angeblich nicht existierenden Tagebücher von Hans Werner Richter: Der legendäre Gründer der Gruppe 47 liefert in „Mittendrin“ eine bestechende Bestandsaufnahme einer turbulenten Nachkriegsepoche nebst diffizilen, intriganten Beziehungsgeflechten. Von Peter Münder War die Gruppe 47 Club, Clique oder Consortium? Vielleicht auch eine Art Freimauerer-Geheimbund? So rätselt Fritz J. Raddatz, der ja mehrmals als Gast-Kritiker (und Talent-Spotter) zu den Lesungen eingeladen war, in seinen faszinierenden „Unruhestifter“-Erinnerungen (CM-Rezension). Da es keinen ästhetischen Kanon gab, keine literarischen Richtlinien, weder Kassenwart noch
Read More Schön schön schön. – Henrike Heiland über die Literaturverfilmung „Anna Karenina“. Werfen wir gleich zu Beginn mit Namen um uns: Regie: Joe Wright („Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“, „Der Solist“). Kamera: Seamus McGarvey („The Hours“, “Abbitte, „Der Solist“). Musik: Dario Marianelli („Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“, „Der Solist“). Hauptdarstellerin: Keira Knightley („Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“, „London Boulevard“), und die anderen Schauspieler kennen sich und das Team bestimmt auch schon von früher. Das Drehbuch schrieb Tom Stoppard (den kennt man als Dramatiker, definitiv aber als Drehbuchautor von „Shakespeare in Love“). Da kann man
Read More Reviewing the Reviews – Wissenschaftliche Zeitschriften leben von und streben nach Renommee. Sie kosten pro Abonnement nicht eben wenig und adressieren die verschiedensten Scientific Communities. journaille. der zeitschriftencheck schaut sich solche Publikationen mal genauer an. Und erklärt kurz, warum: Die in „Journals“, „Reviews“, Vierteljahresschriften oder Jahrbuchreihen veröffentlichten Impulse und losgetretenen Debatten müssen Qualitätsstandards entsprechen, für die idealerweise zwei Institutionen zugleich bürgen (und sonst keine): die Herausgeber/innen und das Fachpublikum. Die Editors entscheiden darüber, was publiziert werden soll – und was nicht. Das Publikum ist Indikator von Relevanz und Wichtigkeit. Es
Read More Schimmelreiter und Entwicklungspolitik – Die „Acta Germanica“ aus dem südlichen Afrika wagt den Spagat zwischen Anspruchsgermanistik und deutschphilologischen Area Studies. Bruno Arich-Gerz stellt das Jahrbuch in unserer neuen Rubrik „journaille. der zeitschriftencheck“ vor. Seit 1966 gibt es die „Acta Germanica“, das Jahrbuch des Germanistenverbandes im Südlichen Afrika (SAGV). Nach ein paar Doppeljahrgängen zwischendrin erschienen inzwischen vierzig Ausgaben der von Karl Tober begründeten und aktuell von Carlotta von Maltzan (Stellenbosch) in Zusammenarbeit mit südafrikanischen Kolleginnen und unterstützt von einem (inter)nationalen Beirat herausgegebenen Zeitschrift. Ein Journal mit vorzeigbarem Ranking und entsprechendem Impact-
Read More Posted On Januar 9, 2013By Wolfram SchuetteIn Bücher, Litmag
Amüsante Kammerdiener-Suada – Gabriel Josipovici hat mit „Unendlichkeit“ einen veritablen Künstler-Roman geschrieben. Von Wolfram Schütte Der 1940 in Nizza geborene Gabriel Josipovici ist in England aufgewachsen & so dem Holocaust entkommen. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Lewes (Sussex). Zuvor hat er an der dortigen Universität gelehrt & ist vor allem als Literaturkritiker & -theoretiker in Großbritannien bekannt geworden. Seine avantgardistische erzählerische Prosa werde „auf dem Kontinent“ mehr beachtet & geschätzt als auf den Britischen Inseln, sagt er. Soweit ich es als deutscher Leser überblicke, ist der Romancier Josipovici
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne, 1 Jahr lang: Ab Juni erscheint bei CULTurMAG wöchentlich für ein Jahr Michael Zellers SEH-REISE in zweiundfünfzig Ausfahrten, ein „Tagebuch in Bildern”: Betrachtungen zu Kunst und Leben, von den ägyptischen Pharaonen über die griechisch-römische Antike und das Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart. Heute: Wilhelm Leibl: „Frauen in der Kirche”. (Alle Folgen hier). Vierundzwanzigste Ausfahrt Die letzten zehn Tage habe ich mit Freunden in den Alpen verbracht, unter der Wand des Wettersteins. Derweil beteten in meiner Küche in Wuppertal drei bayerische „Frauen in der
Read More Ein sanfter Beobachter – Ronald M. Schernikau ist bei der breiten Masse bekannt geworden durch die 2009 erschienene Biografie seines Freundes Matthias Frings namens „Der letzte Kommunist“, denn Schernikau war einer der letzten Republikflüchtlinge, allerdings in umgekehrter Richtung. 1989 machte er vom Westen in den Osten „rüber“ und wurde Staatsbürger der DDR. Mit der Wiederveröffentlichung von „und als der prinz mit dem kutscher tanzte, waren sie so schön, daß der ganze hof in ohnmacht fiel“ (so der ungekürzte Titel), der bereits Teil von Schernikaus Werk „legende“ war, übernimmt der Verbrecher
Read More Bas Böttchers Vielseitingitis – Als Mitbegründer der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene ist Bas Böttcher seit Anfang der 90er-Jahre eine feste Größe in der Literaturszene. Nicht nur live präsentiert sich der Meister des Sprachwitzes dabei in Topform, wie die nun erschienene erste umfassende Sammlung seiner Sprechtexte beweist. Von Jörn Borges Sein neuer Band „Vorübergehende Schönheit“ ist jedoch mehr als nur schmissiges Sprachspiel. Es geht um die Schönheit des Augenblicks: „Für die vorübergehende Schönheit, die anhaltende Zeit sie passiert dir, sie passiert dich im Vorbeigehen ein Blitzen, das bleibt.“ Es geht um das Laufen
Read More Kulturhistorische Verbeugung – Am 12. Januar startet auf BBC World News eine wunderbare 3-teilige Dokumentation mit dem Titel „The Art of Spain“ – eine kulturhistorische Verbeugung vor einem Land, das im Moment gerade aus Gründen von Gier und Klassenkampf von oben abgewickelt wird. Im coolen BBC-Stil gehalten … „In Spanien wurden die großen Kämpfe der zivilisierten Welt ausgetragen: Moslems gegen Christen, Katholiken gegen Protestanten, Faschisten gegen Kommunisten. Kaum einer weiß, dass Spanien früher einmal Al-Andalus war, der größte und aufgeklärteste arabisch-islamische Staat auf europäischem Boden. In diesem erstaunlichen Land und
Read More Das monatliche Preisrätsel - entwirren Sie eine Wintergeschichte und gewinnen Sie einen Buchpreis!
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