All posts by Ulrich Noller

Das Generationentrauma überwinden? Holt Davidson, ein Feuerwehrmann aus Kansas, war seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr in seiner Heimatstadt Thompsonville, Colorado. Als er erfährt, dass seine Mutter, zu der er keinen Kontakt mehr hatte, Selbstmord begangen hat, kehrt er zur Beerdigung zurück, in der Hoffnung, Frieden mit ihr zu schließen. Er verbringt die Nacht in seinem Elternhaus, durchsucht jeden Raum und sucht nach Erinnerungsstücken aus der Vergangenheit. Statt nostalgischer Souvenirs entdeckt er eine Waffe, einen Liebesbrief und ein Polaroidfoto eines Mannes, der in seinem eigenen Blut liegt. Wer istRead More
Trauma Therapie Noir (oder nur: Therapie Noir) Holt Davidson, wer ist dieser Mann? Ende Dreißig, Anfang Vierzig. Arbeitet für die Feuerwehr, in Topeka. Einmal hat er eine Heldentat vollbracht, ein Baby aus einem brennenden Haus gerettet. Dieses Licht kann sie vielen Schatten aber nicht überstrahlen. Ein Mann aus dem Dunklen. Einer ohne Eigenschaften. Kaum etwas wollte je gelingen in seinem Leben, schon gar nicht Familie, Beziehungen. Nur den Job, den scheint er hinzubekommen, immerhin hat er ihn ja noch. Mehr nicht. Kein Leben, keine Identität, keine Beziehung. Ein Leben mitRead More
Warum Candice? – Ein Interview mit Thomas Wörtche von Ulrich Noller Veröffentlicht am 10. April 2017 beim WDR. Candice Fox´ Roman “Fall”, der heute erscheint, ist der letzte Teil ihrer Hades-Trilogie. Der Publizist und Literaturwissenschaftler Thomas Wörtche, geboren 1954, ist der Mann, dem wir es zu verdanken haben, dass diese außergewöhnliche Autorin aus Australien seit ein paar Jahren auch auf Deutsch zu lesen ist. Wörtche hat lange mit dem Schweizer Unionsverlag zusammen gearbeitet, mit seiner metro-Reihe machte er viele (oft unkonventionelle) AutorInnen aus aller Welt in Deutschland bekannt. Nach einemRead More
Politik und Verbrechen: Ein Interview mit Thomas Wörtche im WDR Veröffentlicht am 19. Oktober 2017 beim WDR Wie politisch ist die Kriminalliteratur? Wie sieht es in Deutschland aus? Was können Politkrimis – was sollen sie? Welche Antworten können Politthriller in postfaktischen Zeiten (nicht) liefern? Welche Rolle spielt die Migration? Und wie kommt´s, dass in Sachen Politik die Realität hierzulande derzeit so viel kreativer ist als die Fiktion? Ein Gespräch zum Stand der Dinge – von Ulrich Noller. Thomas Wörtche, geboren 1954, Publizist, Literaturwissenschaftler, Herausgeber, ist einer der versiertesten Krimikenner Deutschlands.Read More
noller 07 2024
Narrativ der Gnade Die Krimikultur als Erzählform der gnadenlosen Gesellschaft von Ulrich Noller Mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag – entnommen aus dem jetzt im Juni erschienenen Band: Konrad Heiland (Hg.): Gesellschaft ohne Gnade. Psychoanalytische, philosophische und soziologische Perspektiven. Buchreihe: Forum Psychosozial. Psychosozial-Verlag, Gießen 2024. 255 Seiten, Broschur, 32,90 Euro. – Verlagsinformationen hier. ** ** Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Der Krimi war und ist schon einmal für mich persönlich, ganz subjektiv: eine Gnade. Das begann 1989, und zwar mit dem Roman Königin Zabos Sündenbock vonRead More
Das Leben feiern, hundertprozentig Ein Interview von Ulrich Noller, nicht nur zum Roman „Eingeäschert“ Ulrich Noller: Voll ins Schwarze: Eine Verfolgungsjagd endet in einem offenen Grab. Muss man auch erstmal drauf kommen, oder? Doug Johnstone: Ehrlich gesagt hatte ich dieses Bild einer Verfolgungsjagd durch einen Friedhof schon lange im Kopf. Ich mochte einfach das Nebeneinander dieser scheinbar unvereinbaren Dinge: die Ruhe eines Friedhofs, die Feierlichkeit eines Trauerzugs und dann die verrückte Action eines Autos, das von der Polizei durch die ganze Szene gejagt wird. Als ich mit dem Schreiben angefangenRead More
Die Blicke, die Momente, die Begegnungen Ulrich Noller über das Memoir von Markijan Kamysch Lost Places: Wohl kaum ein Ort in Europa ist in den 2010er Jahren so verlassen und verloren wie die Sperrzone rund um das havarierte Kernkraftwerk in Tschernobyl in der Ukraine. Damals, als es noch keine Touristengruppen und Instagram-Poser gab, und auch keine Fernsehserien. Ein post-apokalyptischer Raum. Betreten: strengstens verboten, Tag und Nacht überwacht von der Miliz. Wobei sich sowieso immer auch die Frage stellte: Warum sollte man eine verlorene Gegend betreten, die das Risiko beträchtlich erhöht,Read More
Nähe durch Distanz Ein Interview mit William Boyle über „Brachland“ Ulrich Noller: Deine Geschichten spielen immer im gleichen Viertel von Brooklyn. Hast Du Heimweh? William Boyle: An manchen Tagen schon, aber ich denke oft, dass ich tatsächlich Heimweh nach der Version des Ortes habe, wie er in meiner Vorstellung existiert.  „Brachland“ ist eine Zeitreise – in Deine eigene Vergangenheit? Ich hatte schon ein paar Romane geschrieben, die in den 2010er und 2000er Jahren spielen, aber ich habe ja schon seit vielen Jahren nicht mehr Vollzeit in Brooklyn gelebt, und ichRead More
Das Ganze – in seinen Teilen Gesellschaftskritisch. Eine Zuschreibung, deren Häufigkeit vermutlich größer ist als die der Buchveröffentlichungen. Gesellschaftskritik gehört dazu, insbesondere beim Krimi. Gesellschaft – und Kritik. Das darf dann schon mit einem genauen Blick auf die sozialen Umstände passieren, also: milieustark. Die Frage ist damit: Wie erzählt, wie schreibt man eigentlich Gesellschaft am besten?  Klar, fürs Beschreiben und Analysieren von Gesellschaft sind die (Sozial-) Wissenschaften zuständig, mit ihren verschiedenen Modellen und Methoden. Mit Glück kann sich das Ergebnis solcher Erkundungen und Beschreibungen sogar mal fast schon „literarisch“ lesen.Read More
Sexuell „anders“ – in Georgien Zufall oder Schicksal? Eine junge Frau, Tina Sambadse heißt sie, findet in einem Hotelzimmer Unterlagen, die ihre „Vormieterin“ dort vergessen hat. Es handelt sich um einen Bericht einer Psychologin über einen Gruppenmissbrauch in Georgien. Diesen Bericht gibt es tatsächlich, Tamar Tandaschwili hat ihn geschrieben, in ihrer Funktion als Psychologin und Aktivistin. Durch die „Übergabe“ an ihre Roman-Protagonistin im Hotelzimmer transportiert die Schriftstellerin Tamar Tandaschwili ihn von der Realität in die Fiktion. Und das schafft Möglichkeiten. Ein genialer Kniff. Zufall – und Schicksal in einem. „Natia,Read More
„Ich arbeite rein intuitiv“ Frauke Buchholz im Gespräch über ihren Roman „Frostmond“ und die Situation der First Nations in Kanada. Ulrich Noller: Eine Straße steht im Mittelpunkt Ihres Romans: Der „Highway of Tears“. Was hat es damit auf sich? Frauke Buchholz: „Highway of Tears“ – „Straße der Tränen“ – bezeichnet einen Abschnitt des Transcanada Highways 16, der es zu trauriger Berühmtheit gebracht hat. Auf dieser 725 Kilometer langen Bundesstraße, die sich durch Kanadas Westen zwischen Prince George und Prince Rupert in der Provinz British Columbia erstreckt, verschwinden seit Jahrzehnten immerRead More
Anthony J. Quinns Noir “Auslöschung” erzählt von Politik und Verbrechen an der nordirisch-irischen Grenze. Also an der zwischen Großbritannien und der Europäischen Union: Ein so komplexer wie packender Roman, der im Original schon im Jahr 2012 erschien, durch den Brexit aber gerade jetzt wie ein Buch zur Stunde anmutet. Wie wird man eigentlich zum Kriminalschriftsteller? Interesse am Zusammenhang von Gesellschaft und Verbrechen, Spannung und Unterhaltung, Lust am Rätsel und an Geheimnissen – vielfältige Antworten auf diese Frage sind denkbar und die meisten davon in Variationen auch oft gesagt. Anthony J.Read More
Der erste echte Lockdown-Roman „Und, dürfen wir dann demnächst eine spannende Corona-Geschichte erwarten?“ Eine beliebte 2020-Frage an Literatur-, Film- und Fernsehschaffende. Meist im Anschluss an eine Erkundigung, wie es denn so gehe in den nervigen Lockdown-Zeiten. Die Antwort war meist eher verhalten: „Grundsätzlich schon denkbar, klar. Aber jetzt, wo wir mitten drin stecken? Geht gar nicht. Irgendwann – vielleicht …“ Stimmt nicht, möchte man nach der Lektüre der nigerianischen Schriftstellerin Oyinkan Braithwaite hinzufügen. Denn das geht sehr wohl. Sogar ganz hervorragend. „Das Baby ist meins“ ist der erste Corona-Lockdwon RomanRead More
„Ich habe mir die Freiheit genommen, in diese spezifische historische Situation hineinzufiktionalisieren.“ Gerade erst erschienen, gilt „Die Experten“ von Merle Kröger bereits als eines der substantiellsten Bücher dieses Jahres. Ulrich Noller hat sich für uns mit Merle Kröher unterhalten – sein WDR-Blog und seine ausführliche Buchbesprechung hier. Ulrich Noller: Thriller oder nicht Thriller, ist das für Dich eigentlich die Frage? Merle Kröger: Absolut, und ich möchte diese Frage mit „Thriller!“ beantworten. Allerdings nicht, um irgendein Verkaufsargument oder ähnliches für das Buch zu finden. Sondern weil ich mich von Beginn meinerRead More
Die Verhältnisse umkehren Ulrich Noller über einen der ersten Corona-Lockdown-Romane „Und, dürfen wir dann demnächst eine spannende Corona-Geschichte erwarten?“ Eine beliebte 2020-Frage an Literatur-, Film- und Fernsehschaffende. Meist im Anschluss an eine Erkundigung, wie es denn so gehe in den nervigen Lockdown-Zeiten. Die Antwort war meist eher verhalten: „Grundsätzlich schon denkbar, klar. Aber jetzt, wo wir mitten drin stecken? Geht gar nicht. Irgendwann – vielleicht …“  Stimmt nicht, möchte man nach der Lektüre der nigerianischen Schriftstellerin Oyinkan Braithwaite hinzufügen. Denn das geht sehr wohl. Sogar ganz hervorragend. „Das Baby istRead More
Grenzgänger Wann ist eigentlich die Geschichte eines Verbrechens noch ein Krimi – und wann dazu im Gegensatz schon nicht mehr? Im Bereich der Genreliteratur, Abteilung „Kriminalroman“, haben in den Jahrzehnten vielfältige Entwicklungen stattgefunden, ein teils hoch kreativer Prozess. Am Interessantesten war er oft da, wo SchriftstellerInnen die Grenze des Genres ausgelotet haben. Die, wie sich herausstellte, einen ausgesprochen schmalen Grat darstellt – so schmal, dass möglicherweise gar keine Grenze mehr auszumachen ist. Ein Krimi? Na ja, halt ein Roman. Und das eröffnet Möglichkeiten … Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung ist derRead More

Posted On Juli 1, 2020By Ulrich NollerIn Crimemag, CrimeMag Juli 2020

Ulrich Noller: Interview Sunil Mann

„Eine kleine exotische Sensation“ Ein Interview mit dem Schweizer Schriftsteller Sunil Mann – von Ulrich Noller. Sunil Mann, geboren 1972, ist einer der bekanntesten Kriminalschriftsteller der Schweiz. Gerade jetzt im Juni wurde er vom Kanton Bern auf Empfehlung der deutschsprachigen Literaturkommission für herausragende literarische Arbeit ausgezeichnet. Nach sieben Bänden um seinen – ebenfalls indischstämmigen – Privatdetektiv Vijay Kumar macht er sich mit dem Roman “Der Schwur” (Grafit Verlag, 13 Euro) samt frischem Team jetzt auf zu neuen Ufern. Die Geschichte bietet nicht nur sehr gute Unterhaltung, man darf sie auch als gesellschaftspolitisches Statement verstehen.Read More
„Mit leichter Besorgnis und trotz alledem noch optimistisch“ Frank Goldammer, 44, schreibt Kriminalromane, die in den 1940er und 1950er Jahren in Dresden angesiedelt sind. Zuletzt erschien im Dezember „Roter Rabe“; Anfang Januar 2019 schaffte der Roman es unter die Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste. Ein Gespräch über die Frage, wie viel Vergangenheit in der Gegenwart steckt – und umgekehrt. Ulrich Noller: Dein Max Heller ist jetzt ein Bestseller. Nicht schlecht, oder? Frank Goldammer: Mir wird das immer erst bewusst, wenn mich jemand danach fragt. Es ist schon wirklich eine tolle Sache;Read More
Flirrender Großstadtroman Ulrich Noller hat Hintergründe zu Susanne Saygins Debütroman zusammengetragen. KKK, Kirche, Kölsch und Karneval? Nein, Köln, das Metropölchen am Rhein, kann schon mehr, kann vieles, klare Sache. Aber Krimi? Geht so. Viel Köln-Krimi, viel Vorabendblabla, wenig Essenz, so zumindest mein Eindruck, wobei Ausnahmen natürlich die Regel wie immer bestätigen. Toll jedenfalls, dass jetzt “Feinde” erschienen ist, der Debütroman von Susanne Saygin, einer Berlinerin, die allerdings lange in Köln gelebt hat. Wichtig zu wissen ist das deshalb, weil die Autorin durch eigenes Erleben auf den heftigen Stoff gestoßen ist,Read More
Geschichte und Geschichten: Der Trümmerkrimi als eine Art gesellschaftliche Psychoanalyse der zerrissenen Gegenwart Immer noch und immer wieder ein spannender Trend auf dem deutschen Buchmarkt: Romane, die in der Nachkriegszeit angesiedelt sind – und die gesellschaftlichen Strukturen damals nicht bloß spiegeln, sondern mit den Mitteln der Unterhaltungsliteratur spürbar machen wollen. Zentrum und Motor dieser Entwicklung ist die Kriminalliteratur mit den so genannten „Trümmerkrimis“. Genreromane also, die einen Anker in der Zeit des endenden Weltkriegs haben bzw. in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das gibt es nun schon seit einigen Jahren, etwa vonRead More
„Es gibt keinen unschuldigen Kriminalroman.“ Wie politisch ist die Kriminalliteratur? Wie sieht es in Deutschland aus? Was können Politkrimis – was sollen sie? Welche Antworten können Politthriller in postfaktischen Zeiten (nicht) liefern? Und wie kommt´s, dass in Sachen Politik die Realität hierzulande derzeit so viel kreativer ist als die Fiktion? Darüber hat Ulrich Noller am Abend der Bundestagswahl, direkt zur ersten Hochrechnung, mit Thomas Wörtche gesprochen.   Noller: Politik und Verbrechen in der Kriminalliteratur: Wie politisch ist das Verbrechen? Wörtche: Das Verbrechen ist immer politisch. Denn Verbrechen hängt immer vonRead More
Die Substanz, um sich durchzusetzen … Dieses Interview erschien zuerst am 10. April auf dem WDR-Blog von Ulrich Noller. Candice Fox´ Roman „Fall“, der heute erscheint, ist der letzte Teil ihrer Hades-Trilogie. Der Publizist und Literaturwissenschaftler Thomas Wörtche, geboren 1954, ist der Mann, dem wir es zu verdanken haben, dass diese außergewöhnliche Autorin aus Australien seit ein paar Jahren auch auf Deutsch zu lesen ist. Wörtche hat lange mit dem Schweizer Unionsverlag zusammen gearbeitet, mit seiner metro-Reihe machte er viele (oft unkonventionelle) AutorInnen aus aller Welt in Deutschland bekannt. Nach einemRead More

Posted On März 6, 2017By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Romandebüt: Tijan Sila: Tierchen unlimited

Ganz und gar zeitgenössische Schelmenroman Von Ulrich Noller Mit einer ebenso schmerzhaften wie plastischen Gewalterfahrung beginnt Tijan Silas Debütroman „Tierchen unlimited“: „Ich floh nackt und blutend auf einem Rennrad. Das Blut floss auf Platzwunden, die ich auf den Lippen und Augenbrauen hatte, und aus meiner Nase, es sammelte sich in dunklen Zeilen auf meiner Brust. Fuhr ich über ein Schlagloch, stoben rote Tröpfchen in alle Richtungen davon, als schüttele sich ein Tier trocken, und meine Füße glitten aus den Pedalhaken. Sie kreisten beim Versuch des Wiedereinsteigens hilflos durch die Luft.Read More

Posted On Juni 1, 2016By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Roman: Nuruddin Farah: Jenes andere Leben

Weiterleben Weiterleben in Zeiten des Terrors: „Jenes andere Leben“ – der neue Roman des somalischen Schriftstellers Nuruddin Farah. Ein hochaktuelles Meisterwerk der Weltliteratur. Von Ulrich Noller – Zwei Menschen stehen im Zentrum dieser Geschichte: Bella, Mitte Dreißig, Fotografin, halb Italienerin, halb Somalierin, unterwegs auf der ganzen Welt und zu Hause in Rom. Und ihr älterer Halbbruder Aar, der wichtigste Mensch in Bellas Leben und alleinerziehender Vater zweier Teenager in Nairobi. Er arbeitet für die Uno und pendelt zwischen Kenia und Somalia. Als Aar bei einem islamistischen Terroranschlag in Mogadischu getötetRead More
Lesestoff aus Südamerika Drei sehr lesenswerte Übersetzungen von Geschichten aus Brasilien, Argentinien und Kolumbien: Neue Romane von Chico Buarque, Selva Almada und Héctor Abad. Von Ulrich Noller „Mein deutscher Bruder“ Als Bossa-Nova-Musiker ist Chico Buarque, geboren 1944, eine Legende; als Romancier kann man den Brasilianer noch entdecken. Zum Beispiel mit „Mein deutscher Bruder“ (S. Fischer, 19,99 Euro), seinem dritten Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Die Geschichte beginnt 1961: Nino, 17, weiß zwar, dass sein Vater lange vor seiner Geburt, Anfang der 1930er-Jahre, als Journalist in Deutschland gearbeitet hat, dass es dortRead More

Posted On November 4, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Roman: Shumona Sinha: Erschlagt die Armen!

Strandende Schicksale, unendliche Geschichten – Wo liegt die Wahrheit, gibt es sie überhaupt? In ihrem Roman „Erschlagt die Armen“ verzweifelt Shumona Sinha an der Flut an Geschichten der „Asylanten“. Beinahe zumindest. Von Ulrich Noller Paris, eine überfüllte Metro, ein Disput – eine junge Frau zerschlägt eine Weinflasche auf dem Kopf eines Mannes. Beide sind Migranten, sie stammt wohl aus Asien, er aus einem afrikanischen Land. Die Frau war versehentlich an den Mann gestoßen, von hinten, er hat sich umgedreht – sie erkannt und dann sofort heftig bedrängt und beschimpft. WasRead More