Kayankaya kehrt zurück – Jakob Arjounis Kayankaya-Romane waren immer eher etwas für Leute, die „sonst keine Krimis“ lesen, aber sie gehörten immer zum Hintergrundrauschen des Genres. Jetzt kommt ein fünfter Roman, „Bruder Kemal“ – Joachim Feldmann hat ihn in milder Stimmung gelesen … Alle paar Jahre erfindet Jakob Arjouni einen neuen Fall für Kemal Kayankaya. Seinen ersten Auftritt hatte der türkischstämmige Privatschnüffler aus Frankfurt 1986. Im linken Hamburger Buntbuch Verlag erschien der Kriminalroman „Happy Birthday, Türke“. Der Rezensent, damals selbst noch ein manchmal sehr kritischer junger Mann, bescheinigte dem gerade
Read More Die Mumie im Turm – Irgendwelche skandinavischen Schocker und anderer Unfug demolieren so allmählich das Image des Genres „Kriminalliteratur“. Aber das muss nicht sein. Gute Kriminalromane sprießen überall. Joachim Feldmann wäre beinahe so ein Exemplar durchgerutscht. Der Klappentext verspricht Schröckliches. In Richmond, Virginia, wird der Konservator des Edgar-Allan-Poe-Museums „bestialisch ermordet“, während fast zur gleichen Zeit im norwegischen Trondheim „ein nahezu identischer Mord begangen“ wird. „Die Bibliothekarin Gunn Brita Dahle wird enthauptet und enthäutet aufgefunden. Auf beiden Seiten des Atlantiks beginnen die Ermittlungen. Doch der Killer hat sein nächstes Opfer längst
Read More Posted On August 15, 2012By Joachim FeldmannIn Bücher, Litmag
Aufräumen mit Vorurteilen – Warum geht es den Roma in Osteuropa so schlecht? Der langjährige Balkan-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek unterwirft die Stereotypen und bekannten Klischees einem Faktencheck. Von Joachim Feldmann. In der vierten Szene von Bertolt Brechts Schauspiel „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ nimmt der Makler Sullivan Slift die Titelheldin mit zu den Fleischfabriken, um ihr die Schlechtigkeit der Armen zu demonstrieren. Und tatsächlich mangelt es nicht an Beispielen für rohes, hartherziges und egoistisches Verhalten der Proletarier. Allein die resolute Johanna lässt sich nicht beeindrucken. Nicht „der Armen Schlechtigkeit“ habe Slift
Read More Ein bisschen mehr Pep! Befindlichkeiten von literarischen Figuren geben, so sagt man, einem Roman Profil und Tiefe. Na ja. Man kann es natürlich auch übertreiben wie hier Mark Billingham, findet Joachim Feldmann … Meine momentane literarische Lieblingsfigur heißt Audun Vetti. Ich weiß nicht, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, da die mir zugänglichen Informationen ziemlich spärlich sind. Den Namen fand ich in einem Kriminalroman, der erst im Oktober erscheinen wird und deshalb noch nicht besprochen werden darf. Dort heißt es, sie oder er habe nach einer
Read More Kühler Realismus – Trotz des Einwort-Titels „Schattenstill“ ist Tana Frenchs neuer Roman sehr ordentlich geraten, findet Joachim Feldmann. Brianstown: Das ist der Fantasiename einer Neubausiedlung an der See. Nach Dublin seien es nur 40 Minuten mit dem Auto, hat man den Käufern zu Zeiten des irischen Immobilienbooms erzählt. Wer hier ein Haus erwerbe, könne es mit Sicherheit schon in wenigen Jahren mit Gewinn wieder verkaufen. Und fast alle haben es gerne geglaubt. Auch Jennifer und Pat Spain. Doch dann verlor Pat wie viele andere seinen Job. Die weltweite Finanzkrise ließ
Read More Atmosphäre und Lokalkolorit – Es ist sehr erfreulich, dass C.J. Box‘ außergewöhnliche Serie rund um den Wildhüter Joe Pickett nun auf Deutsch erscheint. Joachim Feldmann über den jetzt übersetzten fünften Band der Reihe, „Todfeinde“, der hoffentlich nicht der letzte bleiben wird. Wer im Jackson Hole Valley, Wyoming, auf die Jagd gehen will, muss viel Geld mitbringen. Um die 5000 Dollar kostet die Lizenz, an einem der malerischsten Flecken der Vereinigten Staaten Wapitihirsche und andere Vierbeiner erlegen zu dürfen. Kein Wunder, dass es hier von Millionären nur so wimmelt und die
Read More Die Rückkehr des Privatdetektivs, revisited – Ältere Menschen können sich vielleicht noch an die gemischten Gefühle erinnern – an die ersten Robert B. Parker-Romane mit Spenser, dem Mike-Hammer-von-links (TW) und seiner immer nervigeren Susan Silverman und dem netten Hawk. Aber irgendwie mochte man sie doch. Und heute, mit viel zeitlichem und intellektuellem Abstand mag man sie noch viel lieber. Ein Klassiker-Check von Joachim Feldmann. Kommissar Maigret hat den Dienst quittiert. Auch die Abschiedsvorstellung des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot liegt bereits Monate zurück. Selbst der Haudrauf Mike Hammer, Alptraum des politisch
Read More Die Angst vor dem sozialen Abstieg – Kathrin Fischers porträtiert die „Generation Laminat“. Von Joachim Feldmann. Die großformatige Anzeige hatten wir aus der Tageszeitung ausgeschnitten und in unserer WG-Küche an die Wand gepinnt. Sie zeigte einen milchgesichtigen Teenager, der kurz zuvor eine international begehrte Tennis-Trophäe gewonnen hatte. Neben dem Bild prangte der Spruch: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn Leistung zu Erfolg wird“. Das Logo und der Name des Auftraggebers fanden sich, wenn ich mich recht erinnere, unter dem Slogan: Deutsche Bank. Wir liebten diese Anzeige, verkörperte sie doch auf
Read More Aufklärung – Oliver Bottini ist immer ein Liebling des Feuilletons gewesen. Sein neuer Roman „Der kalte Traum“ geht neue Wege im neuen Verlag. Joachim Feldmann ist mit dieser Entwicklung sehr zufrieden … Das Foto zeigt einen jungen Soldaten, der einem Greis eine Pistole an die Schläfe hält. Es illustriert einen Artikel vom 25. August 1995, in dem die Rückeroberung der seit 1991 bestehenden Republika Srpska Krajina durch kroatische Truppen gefeiert wird. Zu Beginn der Kriege im ehemaligen Jugoslawien hatten die serbischen Bewohner die Region zum autonomen Staatsgebiet erklärt. Verbunden war
Read More Holmes & Moriarty – The Show must go on Holmesiana sind gerade steampunk- und retro-mäßig schwer en vogue. Ein drolliger Anachronismus, aber schon okay, findet Joachim Feldmann, der sich einen Neo-Holmes-Roman von [[Anthony Horowitz]] vorgenommen hat. London sei seit dem Tode seines Widersachers Professor Moriarty vom Standpunkt des Kriminalisten aus betrachtet nicht mehr besonders interessant, klagt der selbst just von seinem Erfinder [[Conan Doyle]] wieder zum Leben erweckte Meisterdetektiv Sherlock Holmes, bevor er daran geht, das Rätsel des „Baumeisters aus Norwood“ (in „Die Rückkehr des Sherlock Holmes“, 1905) zu lösen.
Read More Western, noir? – Ein Western auf der Krimi-Zeit-Bestenliste – Country Noir? Oder gibt es ganz andere Verwandschaften? Joachim Feldmann über „Deadwood“ von Pete Dexter … Seit die letzten kommerziellen Leihbüchereien geschlossen haben, ist der Wildwestroman hierzulande fast nur noch in Heftchenform präsent. Das war mal anders. Ich erinnere mich noch gut an ein Schuhgeschäft in meinem Heimatort, das in den sechziger Jahren ein umfangreiches Sortiment an Western, Krimis und Liebesromanen gegen eine Gebühr von 20 Pfennig zur Ausleihe bereit hielt. Dummerweise gab es für mich damals höchstens ein Lurchi-Heft zum
Read More Posted On November 2, 2011By Joachim FeldmannIn Musikmag
Trauerspiel einer Selbstdemontage – Joachim Feldmann war auf dem Konzert eines wirklichen Altmeisters des Rock – Bob Dylan. Sein Bericht fällt allerdings etwas ernüchternd aus… Seit er am 25. Juli 1965 das Publikum beim Newport Folk Festival mit einer elektrischen Gitarre und dem geballten Sound der Paul Butterfield Bluesband schockierte, hat sich Bob Dylan wahrscheinlich daran gewöhnt, dass immer mal wieder Zuschauer entnervt aus seinen Konzerten fliehen. Es wird ihn also nicht sonderlich beeindruckt haben, als bei seinem Auftritt in Oberhausen am 23. Oktober ältere Herrschaften in Massen den Ausgängen
Read More „Es gibt nichts Wichtigeres, als kreativ autonom zu bleiben.“ Deutschland im Oktober 2011. Während im Westen der Kapitalismus blüht, steht der sozialistische Osten des Landes kurz vor dem ökonomischen und ökologischen Kollaps. Die einzige Hoffnung, die DDR vor dem Untergang zu bewahren, ruht auf den bevorstehenden Wirtschaftsverhandlungen zwischen Bundeskanzler Oskar Lafontaine und dem Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz. Doch als ein pensionierter Wissenschaftler, der einst zu den Krenz’ engsten Beratern zählte, ermordet aufgefunden wird und alle Spuren in Richtung Staatssicherheit weisen, drohen die Gespräche zu scheiten, noch bevor sie begonnen wurden. Das
Read More Wiederentdeckt – Joachim Feldmann hat ein Buch gefunden, von dem er kaum noch wusste, dass er es schon einmal gelesen hatte. Er hat es wieder getan. Zum Glück: Gewaltverbrechen sind rar in Hillston. Zumindest in der Oberschicht, die in der kleinen Stadt in North Carolina schon seit Menschengedenken den Ton angibt. In diesen Kreisen bringt man sich höchstens selbst um, wie Detective Justin Savile weiß. Der Polizist kennt sich aus, schließlich stammt er selbst aus einer der einflussreichsten Familien der Stadt. Dass er es nicht zum Senator oder zumindest zum
Read More „Unsere Welt ist trostlos.“ Ein Interview mit dem amerikanischen Autor James Sallis, dessen neuer Roman „Der Killer stirbt“ schon bald Furore machen wird, wenn uns nicht alles täuscht. Eine Rezension folgt in einer der nächsten CrimeMag-Ausgaben. Von Joachim Feldmann „Der Killer stirbt“ ist eine der ungewöhnlichsten Kriminalromane, die ich seit langem gelesen habe. Es wird nicht nur die Geschichte eines sterbenskranken Auftragsmörders erzählt, der seinen letzten Job zu erledigen hat, sondern wir treffen auch auf einen Jungen im Teenageralter, der, von beiden Eltern verlassen, sich mit dem An- und Verkauf
Read More Joachim Feldmann unternimmt seit einiger Zeit Streifzüge durch die Welt der Krimis, die sonst nicht allzu viel Beachtung finden, auf der Suche nach Perlen im Meer des Mittelmaßes. Manchmal wird es schlimm, dann muss die Lektüre abgebrochen werden, und manchmal muss Joachim Feldmann grundsätzlich werden. Erfahrungsberichte aus der Arbeitswelt eines Kritikers. Fortsetzung demnächst …
Read More Hoffentlich wird aus Adrian McKinty kein Hype. Der Autor ist zu gut, als dass man ihn sofort allzu schreiend hochjubelt. Denn ein paar Macken hat der erste Band um Michael Forsythe, dem Iren in New York, durchaus. Aber Joachim Feldmann ist gerecht …
Read More In den letzten Monaten hat sich Joachim Feldmann kreuz und quer durch die ganz durchschnittliche Krimi-Produktion gelesen – neue Autoren angeschaut, bekannten eine Chance gegeben. Manchmal gezielt, manchmal mit Zufallsfaktor. Vor der Sommerpause hier noch ein paar seiner Leseeindrücke und ein Blick auf das neue Buch von Louise Welsh, das erst nächste Woche in den Buchhandlungen liegen wird.
Read More Die Schweden-Welle rollt und rollt. Und allmählich rollt sie sogar aus. Trotzdem findet man hin und wieder ein ganz charmantes, wenn auch nicht sehr belangvolles Teilchen zum Wegknabbern. Joachim Feldmann hat einen Urlaubstipp …
Read More Global Crime allerorten, die sexy Formel unserer Tage. Und wenn eine Welle losbricht, dann wird vieles hochgespült. Manches davon hätte lieber weiter vor sich hin gegründelt. So wie ein Roman von Jarad Henry aus Australien. Joachim Feldmann verrät, warum …
Read More Irgendwer hat mal den Terminus „Humorkrimi“ erfunden. Das ist so schwachsinnig, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass es dazu auch passende Bücher geben könnte. Weit gefehlt. Joachim Feldmann ist auf seinen Streifzügen durchs Unterholz der Grimmiproduktion einem solchen Exemplar begegnet …
Read More Eine Leiche macht noch keinen Sommer ist sicher ein guter Tipp für das Ranking der albernsten deutschen Buchtitel. Nein, kein Buchhändler, den wir kennen, fährt auf so einen Unfug ab. Aber wir sind gerecht und geben dem Autor eine Chance. Joachim Feldmann hat gleich zwei Bücher von ihm gelesen.
Read More Krimis hält er, welch erschröckliche Provokation, für ein Trivialgenre, sein Held Gossec heißt wie ein unterschätzter belgischer Komponist des 18./19. Jahrhunderts. Die Mystifikation „Max Bronski“ ist halt ein netter Schutzmantel für Scherz & Frohsinn. Dennoch, findet Joachim Feldmann, hat sein neuer Roman Nackige Engel durchaus seine Qualitäten …
Read More Das könnte schiefgehen. Ein nordischer Thriller von einem amerikanischen Autor. Ist die Nordland-Welle schon nach USA geschwappt und wollen die Amis an der Konjunktur teilhaben? Joachim Feldmann hat das Buch im Zuge seiner Schleppnetzrecherche im Meer der Krimi-Produktion gefunden und gelesen. Und ist angenehm überrascht …
Read More Marek Miert zum Sechsten. Allmählich entwickelt sich Manfred Wieningers Harland-Projekt zur Saga. Gut so, meint Joachim Feldmann.
Read More Auf seinen Streifzügen durch die vielfältige Wunderwelt durchschnittlicher Kriminalromane – ein kritisches Verfahren, das man gar nicht genug loben kann – stößt Joachim Feldmann auf die merkwürdigsten Texte. Hier sein neuester Report.
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