Posted On 28. März 2015 By In Bücher, Crimemag With 1473 Views

Alf Mayer: James Lee Burke über Charles Willeford

charlesWilleford_vonBetsyjpgWas für ein Mann!

James Lee Burke über Charles Willeford

– Lesen Sie hier exklusiv die Rede, die James Lee Burke für die Trauerfeier von Charles Willeford 1988 geschrieben hat – sowie eine Erinnerung an Willefords „Cockfighter“ – moderiert, übersetzt und aufbereitet von Alf Mayer.

Sie sind zwanzig Jahre lang gute Freunde gewesen. Der eine starb vor jetzt ziemlich genau siebenundzwanzig, am 27. März 1988. Für den andern ist er immer noch lebendig, und es freut ihn ungemein, dass sie beide zusammen gerade in Deutschland wieder aufgelegt werden. Sie sind zwei Giganten der Kriminalliteratur – James Lee Burke & Charles Willeford.

Burke ist nach über einer Dekade, in der kein deutscher Verlag etwas von ihm veröffentlichen wollte, zurzeit mit den Ausnahmeromanen „Sturm über New Orleans“ (zur CM-Rezension) und „Regengötter“ (hier bei CM) präsent, erhielt den Deutschen Krimi Preis 2015. Weitere Bücher von ihm sind bei Pendragon und Heyne in Vorbereitung.
Charles Willeford, um den sich auch Frank Nowatzki mit seinem Pulp Master vorbildlich kümmerte – lesen Sie „Ketzerei in Orange“ und „Die schwarze Messe“ –, erfährt mit seinem wichtigen, schönen, guten, wilden, wegweisenden Hoke-Moseley-Quartett beim Alexander Verlag eine Wiederauferstehung. Jetzt erscheint dort – ausgeliefert wird am 10. April -, neu ausgestattet und durchgesehen, „Miami Blues“. Im Herbst soll „Neue Hoffnung für die Toten“ folgen. Wir warten ebenso auf „Seitenhieb“ und „Wie wir heute sterben“. Das Quartett war bei Alexander zuletzt 2002/3 aufgelegt worden. Zeit, diesen Romanen und diesem Autor wieder zu begegnen.

Über ein mir seltsam vorkommendes Detail in Willefords Biografie – nämlich einen hohen Kriegsorden, mit dem eigentlich nur Befehlshaber, Generäle und gekrönte Häupter ausgezeichnet worden waren, und eben Charles Willeford als einfacher Mannschaftsdienstgrad, mit dem Croix du Guerre du Luxembourg; mehr zu diesen Recherchen bald hier exklusiv bei CrimeMag – war ich mit Betsy, seiner Witwe, und mit James Lee Burke in Kontakt gekommen. Mit beider Grüßen und als kleine Osterüberraschung für die deutschen Leser von Willeford & Burke nun hier ein exklusiver Text. Er wurde in Jims Namen damals bei der Trauerfeier für Charles Willeford von seiner Witwe Betsy vorgetragen.

_cover_Willeford_I Was Looking for a StreetJames Lee Burke über Charles Willeford

„Charles und ich waren viele Jahre Freunde. Er war immer gutmütig, war gut um einen herum zu haben, er liebte es, über das Schreiben zu reden. Ich glaube aber, er zog mich vor allem seiner Qualitäten als Mann wegen an. Er schien einfach alles schon gemacht zu haben: In offenen Waggons war er während der Depression die Schienen geritten, hatte in der Kavallerie gedient und bei den Infanteristen, war als Soldat durch die ganze Welt gekommen, hatte mit Pattons Dritter Armee gekämpft, den Silver Star und das Purple Heart erhalten, hatte geboxt, reinrassige Pferde gezüchtet, Romane veröffentlicht, ein erfolgreiches Drehbuch geschrieben, zwanzig Jahre am College gelehrt, die besten Witze erzählt, die ich je gehört habe, und zusammen mit seinem Freund Les Hemingway die schönsten und interessantesten Partys von Südflorida gegeben.

Von seinem Leben freilich erfuhr ich nur aus seinen Werken und von seinen Freunden, er sprach nicht über seine eigenen Heldentaten. Ganz im Gegenteil machte er sich oft darüber lustig, tat sie als nichts Besonderes ab. Er schrieb zwei autobiografische Bücher, beide handeln von seinem Leben vor dem Zweiten Weltkrieg. „I Was Looking for A Street“ (Leben auf der Straße) ist vermutlich eine der besten Schilderungen, die je über die Große Depression geschrieben wurden, ein Buch, das ich neben Steinbecks Romane und Woody Guthries „Bound for Glory“ stellen würde, aber er wollte nicht über seine Kriegserlebnisse schreiben, obwohl ich ihn über Jahre dazu zu bewegen versuchte. Er hatte dann immer geantwortet: „Ach, das ist alles schon gemacht worden, James Jones und diese Burschen haben das ziemlich gründlich abgedeckt.“ Also schrieb er nie darüber, wie er mit seinem Panzer in ein (von den Deutschen) eingeschlossenes Dorf (in den Ardennen) preschte und dreiundzwanzig GIs zurück hinter die alliierten Linien brachte, ohne einen einzigen zu verlieren.

charles w_ketzerei_in_orange-9783937755007_xxlEr war bescheiden. Er war loyal. Nie hörte ich ihn unfreundlich über jemanden sprechen. Er gab einem immer das Gefühl, dass er sich selbst nicht so ganz ernst nahm. Aber er war ein Profi. Wie Irwin Shaw einmal sagte, ist ein Profi jemand, der etwas Schwieriges fertigbringt und es einfach aussehen lässt. Charles konnte all die Vielschichtigkeiten auf ein paar Sätze reduzieren, so wie Ernest Hemingway das konnte, wenn er über das Schreiben sprach. Akademiker lieben es, Literatur und den Schreibprozess zu komplizieren, vorrangig, weil es ihre Rolle rechtfertigt und es sie auf jemand anderes Kosten intelligent und informiert aussehen lässt. Wenn aber jemand einen Rat übers Schreiben wollte, wie man es durchzieht, wie man es in Gang bringt, wie man es wirklich auf den Punkt bringt, konnte Charles dir sagen, wie das ging. Selbst als ich schon sechs Bücher veröffentlicht hatte, gab Charles mir Ratschläge und Ermunterungen zu einem Manuskript, die sich später als überaus erfolgreich für mich erweisen würden. Ich schulde ihm großen Dank dafür.

Er erlitt drei Herzinfarkte, ließ aber niemanden merken, dass seine Gesundheit alles andere als gut war. Nie beschwerte er sich, analysierte oder richtete er. Manchmal tat er Menschen einen Gefallen, die dessen nie gewahr wurden. Er war mutig, gewiss, aber vielleicht ist ritterlich das bessere Wort für Charles. Er war ein Ausnahmemann, ein wunderbarer Freund, und ich bezweifle, dass ich jemals wieder jemanden kennen werde, der wie er war. Wenn Sie etwas Biografisches von ihm lesen mögen, versuchen Sie „Leben auf der Straße“. Sie werden den jungen Mann, den Sie dort treffen, nie vergessen.“

(© James Lee Burke, Wichita, Kansas, 31. August 1988/ Übersetzung Alf Mayer, 2015)

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Tagebuch für einen Film

Gedruckt erschienen ist dieser Text bisher nur ein einziges Mal und in einer Auflage von 300 Exemplaren, 1989 als Vorwort zu Willefords „Cockfighter Journal. The Story of a Shooting“. James Lee Burke signierte alle Exemplare dieses exklusiven Drucks, unter 100 Dollar ist diese Rarität von Neville Publishing, Santa Barbara/Kalifornien, antiquarisch nicht zu finden. Inhalt ist das Tagebuch, das Willeford während der Dreharbeiten zu „Cockfighter“ führte, der werkgetreuen Monte-Hellman-Verfilmung des von ihm selbst adaptierten gleichnamigen Romans. Warren Oates spielt den stummen Hahnenkämpfer Frank Mansfield, Harry Dean Stanton ist dabei, Ed Begley und Willeford himself.

_cockfighter Journal no 15__Die Romanvorlage stammte von 1962, war als Pulp-Taschenbuch beim Chicago Paperback House erschienen. Der Verleger wurde kurz darauf von einem Auto angefahren und getötet, der Verlag löste sich auf, und mehr als 20.000 Exemplare von „Cockfighter“, quasi die ganze Auflage, wurden verramscht. Willefords Reputation als (damals obskurer) Autor verbesserte das nicht, auch wenn er den Roman an Homers „Odyssee“ angelehnt hatte. Eine ähnliche Anleihe hatte er bereits 1951 versucht, den dann nie veröffentlichten Roman „Another Damn Odyssey“ betitelt, aus dem Protagonisten später einen Mann namens Richard Hudson entwickelt, den Helden von „The Woman Chaser“ (1960). Barry Gifford, der dann bei Black Lizzard in den späten 1980ern frühe Willeford-Titel ausgrub, machte Monte Hellman (hier mehr) auf „Cockfighter“ aufmerksam. Der hatte in bester B-Movie-Manier das schnelle, gute Filmhandwerk bei Roger Corman gelernt, hatte den jungen Schauspieler Jack Nicholson in den beiden Western „Das Schießen“ (The Shooting, 1966) und „Und Ritt im Wirbelwind“ (Ride the Whirlwind, 1966) interessant gemacht und 1971 mit „Asphaltrennen“ (Two-Lane Blacktop) einen Klassiker des Independent-Kinos abgeliefert. Seine Filme galten als „existentialistisch“. In den frühen 1970ern war das der denkbare größte Adel.

Anderes Bettzeug oder neuer Beruf

Existentialistisch, ganz und gar einer sich selbst gesetzten Aufgabe verschrieben, stoisch bis über jede Schmerzgrenze hinaus, ist der Held von Willefords „Hahnenkampf“. Er hat einen Eid abgelegt, so lange zu schweigen, bis der Preis als „Cockfighter of the Year at the Southern Conference Tournament in Georgia“ gewonnen ist. Er und Willeford sehen Hahnenkämpfe als einen ehrenhaften Sport an, der von ehrenhaften Leuten ausgeübt wird. Abraham Lincoln und George Washington seien Enthusiasten gewesen, es sei die einzig verbliebene Sportart, in der man nicht betrügen könne. „To a cocker, this medal means as much as the Nobel Prize does to a scientist. “

charles wille dt miami blues11972 erschien bei Crown Publishers in New York eine vom Autor überarbeitete, definitive Version als Hardcover-Ausgabe (deshalb vermerken die Copyrights heute 1972 und nicht 1962). Als Motto wählte Willeford für dieses Ausgabe ein Zitat von Ezra Pound: „Wichtig ist nicht, für welche Idee ein Mann eintritt, sondern wie stark er für sie eintritt.“ (What matters is not the idea a man holds, but the depth at which he holds it.)

Willeford schreibt auch in seinem Tagebuch so, wie er das immer tat, mit jeder Menge Understatement und Sinn für absurden Witz. Sein „Cockfighter Journal“ beginnt am 6. April 1974 im Holiday Inn in Atlanta, wo sich die Filmcrew versammelt. Willeford notiert, dass die Darsteller ihre eigene Kleidung tragen werden, dass nur Warren Oates eigens ausgestattet wird. Willeford war glücklich, dass Monte Hellman ihn als Ed Middleton besetzte, als Schiedsrichter und (Achtung, Odyssee-Referenz) Nestor von Frank Mansfield. Er und Oates tauschten öfter Komplimente, sie mochten sich, kamen gut miteinander klar. Oates, der braungebrannt von den Dreharbeiten mit Peckinpah für „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“ kam, erzählte ihm, wie sehr er es gehasst hatte, einen Sack mit einem Kopf darin herumzustoßen und sogar mit ihm reden zu müssen. In Peckinpahs Film holt Oates sich bei einer Prostituierten einen Tripper und sagt zu ihr: „Entweder wechselst du dein Bettzeug oder besorgst dir einen neuen Beruf.“ Sie waren sich einig, dass das ein gutes Filmzitat werden könne.

cokfghtr._adAu weia: Mit dem Cock in der Hand …

Bei einer längeren Autofahrt erzählte Willeford Oates den Plot eines Buches, das er dann nie schrieb, möglicherweise weil Oates dabei so stumm wie Frank Mansfield geblieben war. Willefords Arbeitstitel für die Geschichte war „The First Five in Line“, fünf Kandidaten einer TV-Spielshow opfern Körperteile, um im Rennen zu bleiben. Erst während der Dreharbeiten, so notierte Willeford in seinem Journal, wurde ihm klar, wie missverständlich manche Dialog- und Buchzeile doch wirken konnten, amüsierte sich diebisch. (Auch Walter Tevis in seinem fundamental-philosophischen, von Scorsese eher abgeschwächten „Color of Money“ hatte da seine Stellen: „It’s all a question of balls“, heißt es dort über das Billardspiel ebenso grundsätzlich wie über das Leben.)
Witzeleien der Filmcrew waren an der Tagesordnung. „Cock“ bezeichnet im Englischen Hahn und Schwanz gleichermaßen, ein Satz wie „Frank gab an mit seinem Cock“ konnte lustige Reaktionen auslösen. Hätte Willeford nur geahnt – dies eine von mir nachgereichte Information –, dass der auf Festivals zwar erfolgreiche, als einziger Roger-Corman-Film jedoch an der Kasse wie ein totes Huhn untergegangene Film später von Joe Dante auf Cormans Geheiß grob umgeschnitten und blutrünstig ergänzt, nach dem Fehlstart erneut als „Wild Drifter“, „Gamblin‘ Man“ und „Born to Kill“ weitere Male in die Kinos kam, dies mit Sätzen im Trailer wie: „Frank Mansfield strolled into town with his cock in his hand. And what he did was illegal in 47 states.“

Willeford glaubt in seinem Journal daran, dass der Film ein Erfolg werden würde, weil „Franks Schweigsamkeit jedem gefallen wird, der zu viel redet, das gilt auch für Schriftsteller wie mich selbst“. Oates selbst meinte später, die dialogfreie Rolle als Hahnenkämpfer sei die leichteste seines Lebens gewesen. In Susan Compos schöner Warren-Oates-Biografie „A Wild Life“ (2009) gehört die „Cockfighter“-Episode zu den beschwingtesten Passagen.

Cockfighter poster

Kleiner bibliografischer Abriss: Erfolg kam nach 40 Jahren

„Miami Blues“ ist der erste von vier Romanen mit dem Polizisten Hoke Moseley, dem einzigen Mann in ganz Miami, der Schuhe mit Schnürsenkeln trägt und auch sonst seltsame Angewohnheiten hat. Das Buch erschien im März 1984 bei St. Martin’s Press, erhielt schnell gute Kritiken. Elmore Leonard zum Beispiel verkündete: „Niemand schreibt einen besseren Kriminalroman als Charles Willeford“, Donald E. Westlake fand: „Hoke Moseley is a magnificent battered hero. Willeford brings him tuo us lean and hard and brand new.“ St. Martin’s drängte auf eine Fortsetzung, Willeford versuchte seinen Helden mit dem wüsten Manuskript „Grimheaven“ abzuservieren (siehe dazu weiter unten), lieferte 1985 aber doch „New Hope for the Dead“. Es war ruhiger als das erste Buch mit Hoke, machte aus einem Protagonisten, der ursprünglich für ein einziges Buch gedacht gewesen war, eine vielversprechende Serienfigur. Im Jahr darauf brachte Random House Willefords Memoiren als junger Soldat im Hardcover heraus, das fulminante „Something About a Soldier“, und St. Martin’s wollte einen neuen Hoke.

Layout 1Nach beinahe 40 Jahren als Schriftsteller war Willeford plötzlich gefragt. „Sideswipe“, der dritte Moseley, erschien 1987, die Taschenbuchauflagen mit den bunten Covern, die bei Ballantine erschienen, liefen prächtig. Dennis McMillan, ein verrückter Verleger der Extraklasse, legte zwei limitierte und signierte Editionen auf. Die erste war „New Forms of Ugly“, eine neu bearbeitete Version seiner Magisterarbeit von 1946 über den „Immobilized Man in Modern Fiction“, sein literarisches Credo, in dem er sich auf Dostojewski, Kafka, Beckett, Chester Himes und Saul Bellow bezieht. Die Auflage betrug 350 (ich schätze mich glücklich, damals von Dennis ein Exemplar erhalten zu haben). Ebenfalls bei McMillan in Kleinauflage erschien „Kiss Your Ass Good-Bye“, ein selbst genügsames Fragment, wie Willeford-Biograf Don Herron es nennt, des Romans „The Shark-Infested Custard“. Den Titel „Kiss Your Ass Good-Bye“ hatte Willeford eigentlich für das Buch erwogen gehabt, das er dann „Miami Blues“ nannte, Dennis McMillian war dringend der Ansicht, dass diese Worte unbedingt zusammen mit dem Namen Willeford auf einem Buchumschlag erscheinen müssten. (Auch hier freue ich mich über eines der 400 signierten Exemplare.) Der vierte Hoke kam bei Random House im Frühjahr 1988 heraus, es war das erste Mal in seiner Karriere, dass Willeford einen sechsstelligen Vorschuss erhielt. Einige Vorausexemplare erreichten ihn in Miami, ehe er, den die letzten Jahre gesundheitliche Probleme geplagt hatten, am Palmsonntag 1988 einen Herzinfarkt erlitt. Seinen endlichen Durchbruch hatte er nur einige Tage genießen können.

Klarstellung für ein geheimnisumwittertes Manuskript

Posthum erschien 1988 ein zweiter Memoirenband als feines Hardcover bei der Countryman Press in Woodstock/Vermont „I Was Looking for a Street“ (Leben auf der Straße, von Jürgen Bürger übersetzt). James Lee Burke stellt dieses Buch auf eine Augenhöhe mit Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“. Und dann erschien da noch, ebenfalls posthum, im Verlag von Maurice Neville, einem Freund Willefords, das „Cockfighter Journal: The Story of a Shooting“, dem Sie gerade hier ein wenig begegnet sind. Spätere posthume Veröffentlichungen zähle ich hier nicht weiter auf.

Charles_Willeford_-_Grimhaven_-_CoverNiemals erscheinen wird übrigens – das hat Betsy Willeford mir ausdrücklich versichert – das legendenumwobene „Grimheaven“, das in der den Willeford-Nachlass behütenden Broward County Library und dort im Bienes Center for the Literary Arts in Fort Lauderdale, Florida, einseh-, aber nicht kopierbar ist.

Hoke bringt darin seine beiden Töchter um, dreht komplett durch. Diese seinen Figuren gegenüber grausame Geschichte war nie für eine Veröffentlichung bestimmt, Willeford wollte sich damit lediglich seines Verlages und einer Figur entledigen. „Dieses Manuskript war eine Aberration. Charles wollte NIE, dass es veröffentlicht wird und dass er damit in Erinnerung bleibt“, versicherte mir Betsy Willeford.

Wie James Lee Burke betont auch sie: „Wer Charles kennenlernen will, muss seine autobiografischen Bücher lesen. Da ist er drin.“ James Lee Burke, noch einmal in einer Mail: „I loved Charlie. He was always fun, always laughing, and always on top of the game. He was one of the most unusual and interesting men I ever knew, a chivalric man in every regard. Few people understood what a disciplined and fine writer he was.“

PS: Weil James Lee Burke vom Mann-Sein spricht, sei darauf hingewiesen, dass „Cockfighter“ (Hahnenkampf) vielleicht eines der männlichsten Bücher ist, die es gibt. Dies nicht nur, weil es auf der Oberfläche eine – Homers „Odyssee“ nachempfundene – Reise ist, Geschichte eines blutigen Sports, brüderlicher Rivalitäten, Trinkereien, Wettkämpfen und Sex, sondern im Kern um eine weit tiefer gehende Maskulinität kreist. Um eine Männlichkeit voller Stolz, Pedanterie, Sturheit, Einsamkeit, fast tollwütiger Autarkie und Härte, um eine Haltung, die Männer macht und sie verzehrt. Um einen schmalen Grat.

Alf Mayer

Willefords Hoke Moseley-Romane:
Miami Blues (1984),
New Hope for the Dead (1985, dt. Auch die Toten dürfen hoffen; auch als: Neue Hoffnung für die Toten)
Sideswipe (1987, dt. Seitenhieb)
The Way We Die Now (1988, dt. Bis uns der Tod verbindet; auch als: Wie wir heute sterben)

Im Text erwähnte Willeford Bücher:
Cockfighter (1962/ 1972; dt. Hahnenkampf)
Die schwarze Messe, Pulp Master 2005 (Honey Gal, 1958, auch als: The Black Mass of Brother Springer, 1989)
Antihero feat. Charles Willeford, Maas/ Pulp Master 2001
Ketzerei in Orange (The Burnt Orange Heresy, 1971, dt. auch als: Die Kunst des Tötens), Maas/ Pulp Master 2005
Kiss Your Ass Good-Bye (1987, dt. als Miami Love)
A Guide for the Undehemorrhoided (1977)
Something About a Soldier (1986)
New Forms of Ugly: The Immobilized Hero in Modern Fiction (1987)
Everybody’s Metamorphosis (1988)
I Was Looking for a Street (1988, dt. Ein Leben auf der Straße)
Cockfighter Journal: The Story of a Shooting (1989)
Susan Compo: Warren Oates. A Wild Life. Universitiy Press of Kentucky, 2009.
Über den Film „Cockfighter
Charles Willefords „Miami Blues

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