Geschrieben am 1. November 2021 von für Crimemag, CrimeMag November 2021

Schatzsuche November ’21: Crime Neuerscheinungen

Eine Vielzahl Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin. Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics geben Katrin Doerksen und Thomas Groh

Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokale Buchhandlung(en) besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. –

Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:

Mit großem Vergnügen lese ich momentan John Le Carré»Silverview« (Ullstein) und bin sehr gespannt, wie es meinem Berufskollegen Julian Lawndsley im Laufe des Romans noch so ergehen wird. 

»606« gefährliche Verbrecher sind unterwegs – ausgebrochen aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der Wüste von Nevada. Ich freu’ mich riesig auf das neue Buch von Candice Fox (Suhrkamp, Übersetzung Andrea O’Brien)! Von ihr bin ich noch nie enttäuscht worden.

Die Ausbeute ist in diesem Monat nicht so groß … interessieren könnte mich Ann Petry»The Street« (dtv, Ü: Uda Strätling) und vielleicht Erzählungen von Jo Nesbo zum Thema »Eifersucht« (Ullstein, Ü: Günther Frauenlob).

Klar – die »Tage-und Notizbücher« von Patricia Highsmith (Diogenes, Ü: Melanie Walz, pociao, Anna-Nina Kroll, Marion Hertle und Peter TorbergDiogenes) müssen her. Hilft nix …

Sehr schön finde ich, dass der Argument Verlag die Bücher von Pieke Biermann wieder auflegt. Man kann sie sich einzeln kaufen (»Potsdamer Ableben«»Violetta«,»Herzrasen«»Vier, fünf, sechs«) oder im Schuber (»Das Berlin-Quartett«), und da ich die alten Rotbuch-Ausgaben aus irgendeinem Grund nicht mehr habe, werde ich mir wohl den Schuber zulegen.

Und zum Schluss, nicht sehr originell, aber ich glaube, ich lese mal Jonathan Franzen »Crossroads« (Rowohlt, Ü: Bettina Abarbanell). Der liegt hier schon von jemand anderem gelesen rum. Das ging so schnell und jetzt bin ich neugierig.

Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg

Frisch ausgepackt und im Buchladen gestapelt habe ich:
Franck Bouysse, Rauer Himmel (Ü: Christiane Kayser), Polar 2021, 191 S., 22 Euro: Vom Leben und Sterben in den Cévennen. Schnee, Kühe und Rotwein. Assoziationen zu Colin Niels „Nur die Tiere“ kommen auf. Und das ist durchaus als Empfehlung gemeint.

Alan Parks, Bobby March forever (Ü: Conny Lösch), Heyne Hardcore 2021, 427 S., 16 Euro: Glasgow scheint im Genre angesagt zu sein. Tiefgrau wie die Stadt und der Romanheld Harry McCoy. Ein Autor auf den Spuren von Denise Mina  und Liam und William McIlvanney. Und auch das ist als Kompliment gemeint.

Álvaro Enrigue, Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles (Ü: Carsten Regling), Blessing 2021, 558 S., 24 Euro: Sicher, das ist eher ein Western als ein Krimi. Das Verbrechen findet aber gleichwohl statt: Der Völkermord an den Apachen. Und der Autor begibt sich auf die Suche nach den Wurzeln von Idealen, Identitäten und Nationalismen. 

Liza Cody, Milch oder Blut (Ü: Martin Grundmann), Argument 2021, 352 S., 23 Euro: In London trifft die Stadtgärtnerin Seeman Dahami trifft auf einen alten Mann namens Lazaro. Und alles wird anders.

Wassili Grossman, Stalingrad (Ü: Christiane Körner, Maria Rajer, Andreas Weihe und Anselm Bühling), Claasen 2021, 1275 S., 35 Euro: Die Vorgeschichte zu Grossmans (ebenso umfangreichem) Roman „Leben und Schicksal“. Das „Krieg und Frieden“ des 20. Jahrhunderts behandelt ein Verbrechen, das Faschismus heißt.

Bettina Balàka, Dicke Biber. Ein Naturschutz-Krimi, Leykam 2021, 253 S., 17 Euro: Pico reist in den Ferien gegen seinen Willen mit seinen Eltern ans Donauufer statt ans Mittelmeer. Moder, Mücken und Biber. Und irgendwann auch tote Biber in Lebendfallen. Und dann wird es spannend für Krimifans ab zehn Jahren.

Jutta Wilkesmann, Wendeltreppe, Frankfurt:

Arno Strobel: Sharing (Fischer)

Liza Cody: Milch oder Blut (Argument, Ü: Martin Grundmann)

Gilbert Adair: Oh Dear! Miss Mount und der Mord im Herrenhaus (Oktopus, Ü: Jochen Schimmang)

Laura Lippman: Wenn niemand nach dir sucht (Kampa, Ü: Kathrin Bielfeldt, Jürgen Bürger)

Michel Bergmann: Der Rabbi und der Kommissar. Du sollst nicht morden (Heyne)

Comic/Heimkino – von Katrin Doerksen und Thomas Groh

Berichte aus Japan – 3 Bände im Schuber von Igort
Reprodukt, jeweils 176 oder 184 Seiten,farbig, Klappenbroschuren, bestellbar

Im dritten Band seiner inzwischen arg liebgewonnenen Berichte-aus-Japan-Reihe widmet sich Igort japanischen Künstler*Innen weitab des Mainstreams. Das ist für sich genommen schon ein Fest, aber Reprodukt bringt zusätzlich auch noch einen Schuber mit allen drei bisher erschienenen Bänden heraus. Jede Seite in dieser Wundertüte japanischer Kulturgeschichte ist anders, virtuos, unvorhersehbar.

Nächstes Jahr in – Comics und Episoden des jüdischen Lebens von Diversen
Ventil Verlag, 168 Seiten, farbig, Hardcover, bestellbar ab 1.11.2021

Eine Comicanthologie, um 1700 Jahre jüdisches Leben und jüdische Kultur in Deutschland zu feiern. Die Geschichten von Simon Schwartz, Barbara Yelin, Hannah Brinkmann, Tobi Dahmen und anderen bilden ein Panorama, in dem es um Ausgrenzung und Antisemitismus, aber vor allem auch um jüdische Traditionen, Kunst, Humor und Alltagsleben geht.

Sibylla von Max Baitinger
Reprodukt, 176 Seiten, farbig, Hardcover, bestellbar

Eine Wiederentdeckung der heute schon beinahe vergessenen Barockdichterin Sibylla Schwarz in Comicform, bei der der Autor immer den Entstehungsprozess und seinen Blick auf die Künstlerin mit reflektiert. 2020 mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet.

Yoshios Jugend von Yoshiharu Tsuge
Reprodukt, 440 Seiten, schwarzweiß, Flexicover, bestellbar

Autobiografisch gefärbte Coming-of-Age-Story des Mangaka Yoshiharu Tsuge über einen Teenager, der versucht als Comiczeichner seine Familie im Nachkriegsjapan zu ernähren. Dafür flüchten sich Autor und Protagonist immer wieder in eine düstere Traumlogik.

Blacksad 6 – Wenn alles fällt (Teil 1) von Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido
Carlsen, 68 Seiten, Hardcover, lieferbar, 16 Euro

Viele Jahre mussten die Fans von Blacksad auf diese Fortsetzung warten. Jetzt geht es weiter mit dem Hardboiled Detective in Katzengestalt. Die Figur ist in den 50ern angekommen – und in New York braut sich was zusammen… – Dass Juanjo Guarnido mal für Disney Trickfilme gezeichnet hat, merkt man dem aufwändigen Zeichenstil sofort an. Doch die Welt von Blacksad besteht aus Asphalt und dunklen Gassen, es geht um Verzweiflung und Existenzkrisen. Noir, ohne Schwarzweiß zu sein. Ein moderner Klassiker.

Doberschütz – von Tom Peuckert
WDR, ARD-Audiothek, sieben Folgen 

Zu den faszinierendsten Figuren der Radiohörspiel-Krimiwelt in den letzten Jahren zählt zweifellos Privatdetektiv Doberschütz. Das Besondere: Doberschütz lebt in der DDR und ermittelt illegal auf eigene Faust. Heißt: Er legt sich nicht nur dem Verbrechen an, sondern auch mit dem System – aber vor allem: mit den Traumata seiner Vergangenheit. Denn Doberschütz war früher einmal Grenzschützer. Und als solcher hat er damals diesen einen, diesen fatalen Schuss abgegeben – und seitdem ist der Alkohol sein bester Freund… Sieben Folgen sind bislang erschienen, alle stehen in der Audiothek. Und es lohnt sich, sie in chronologischer Reihenfolge zu hören (Orientierungshilfe dafür bietet zB die Hörspiel-Datenbank)

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