Geschrieben am 1. Dezember 2022 von für Crimemag, CrimeMag Dezember 2022

Schatzsuche Dezember 2022 – Neuerscheinungen

Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …

… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. 

Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. 

CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe von: Kaliber.38 und der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin. 

Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh

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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:

Dezember-Schatzsuchen sind gemein, weil das Weihnachtsgeschäft bereits begonnen hat, da möchte man zu Hause nur Ruhe, und leider ist die Ausbeute bei den Krimi-Neuerscheinungen in diesem Monat mal wieder etwas dürftig. 

Am allermeisten freue ich mich auf »Turmgold«. Das zweite Buch von Peter Grandl (Piper) erscheint genau am 1. Dezember. »Turmschatten« (2020) ist mir noch sehr präsent, ein rasend spannender Roman um rechten Terror mit Special Effects. Nun gibt es also eine »Turm-Reihe«. Ob es so grandios weitergeht? Hoffentlich.

Interessant ein Titel, von dem ich erst dachte, es sei ein Sachbuch. Er ist bereits im November erschienen: »Die geheimste Erinnerung der Menschen« von Mohamed Mbougar Sarr (Hanser, deutsch von Holger Fock und Sabine Müller). Etwas für die Feiertage!

Und weil mir sonst keine herausragenden Krimi-Novitäten aufgefallen sind, bin ich heute einfach mal kurz durch den Buchladen gegangen und habe zu Weihnachten ausgesucht: 

Ein Sachbuch –Grégory Salle»Superyachten« Luxus und Stille im Kapitalozän (edition suhrkamp, deutsch von Ulrike Bischoff)

Einen Roman aus dem August, den ich auf jeden Fall noch lesen werde – Christoph Peters: »Der Sandkasten« (Luchterhand)

Ein Buch für Fans – Patti Smith: »Buch der Tage« (Kiepenheuer & Witsch, deutsch von Brigitte Jakobeit)

Ein Kinderbuch – Axel Scheffler/Julia Donaldson: »Die Rüpelbande« (Beltz, deutsch von Salah Naoura)

Und für wenn einem gar nichts mehr einfällt: »Der Desinformator«, 125.000 Verschwörungstheorien zum Selbermachen (Hrsg.: Pia Frey/Peter Wittkamp, DuMont), da kommen so hübsche Sachen raus wie zum Beispiel »Ein gewisser Christian Drosten / hat die letzte Staffel von Game of Thrones ruiniert / und Ken Jebsen hat es die ganze Zeit gewusst«. Nettes Spielzeug! 

Fröhliche Weihnachten!

Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:

Sorry für die Verspätung. Da bin ich doch schon im Weihnachtsgeschäft versunken und habe dabei glatt die Abgabefrist für die Schatzsuche versäumt. Hier nun aber:

Gu Byeong-Mo, Frau mit Messer (Ü: Wibke Kuhn), Ullstein 2022, 286 S., 22,99 Euro: Eine Auftragsmörderin kommt in die Jahre und will noch nicht in den Ruhestand gehen. Ist gerade ausgeliefert, macht neugierig und erinnert natürlich ein wenig an die Aufzeichnungen eines Serienmörders.

Attica Locke, Pleasantville (Ü: Andrea Stumpf), Polar 2022, 452 S., 26 Euro: Wahlkampf in Houston/Texas und ein Wiedersehen mit dem Anwalt Jay Porter. Attica Locke liefert zuverlässich Qualität und Spannung und Benjamin Whitmer ein kluges Nachwort. „Und zum Glück gibt es auch eine Leiche.“

Naomi Hirahara, Clark & Divison (Ü: Karen Witthuhn), Ars Vivendi 2022, 272 S., 24 Euro: Viel mehr als nur ein Krimi! Nach dem Angriff auf Pearl Harbor werden japanisch-amerikanische Bürger erst interniert und später umgesiedelt. In Chicago sucht die 20-jährige Aki Ito die Schuldigen am Tod ihrer Schwester. Ein ganz starkes Stück Literatur. Und auch noch schön gestaltet. 

– Tom Lin, Die tausend Verbrechen des Ming Tsu (Ü: Volker Oldenburg), Suhrkamp 2022, 302 S., 16 Euro: Gerade ausgeliefert und schon gelesen. Ein blutiger Rachefeldzug mit Spannung, auch wenn der „Prophet“ ein wenig viel prophezeit. „Hell on Wheels“ zwischen Buchdeckeln!

Percival Everett, Die Bäume (Ü: Nikolaus Stingl), Hanser 2023, 365 S., 26 Euro: Die ersten Leseexemplare der Frühjahrsprogramme trudeln gerade im Buchladen ein. Rassistische Morde in Money/Mississippi. Schwarze Detektive gegen weiße Cops und den Ku Klux Kan. Großartig übersetzt, Achtung: Könnte Spuren vom N-Wort enthalten. Ab dem 20. Februar 2023 (hoffentlich) in allen guten Buchläden zu finden.

Und nochmal:

Jean Malaquais, Planet ohne Visum (Ü: Nadine Püschel), Edition Nautilus 2022, 661 S., 32  Euro: 75 Jahre hat es gedauert, bis dieser große und großartige Exilroman endlich ins Deutsche übersetzt wurde. „Last Exit Marseille“. Erste begeisterte Kritiken haben schon Vergleiche zu Anna Seghers Transit und Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz gezogen. Vielleicht das Buch des Jahres. – Siehe auch die Besprechung von Alf Mayer – d. Red.

Und ab geht es wieder ins Weihnachtsgeschäft. Schenkt Bücher! Die wärmen das Herz und sparen Heizkosten.
Torsten Meinicke

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Unsere anderen Schatzsucherinnen und Schatzsucher haben leider dieses Mal keine Zeit.

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