Posted On 15. Februar 2016 By In Crimemag, Interview, News With 2321 Views

Interview: Garry Disher

garry disher_authorDer Schauplatz als Charakter

Ein Treffen mit Garry Disher und seiner Peninsula.

Von Alf Mayer.

Crime fiction aus down under ist im Kommen. Alf Mayer hat sich vor Ort umgesehen und wird in den nächsten CrimeMag-Ausgaben davon berichten. Nächsten Monat folgt ein Interview mit Michael Robotham, von dem gerade „Schlaf für mich“ erschienen ist. Hier zum Auftakt der Reihe eine Begegnung mit Garry Disher. Über seinen in diesen Tagen auf Deutsch erschienenen Roman „Bitter Wash Road“ konnten CrimeMag-Leser bereits im September 2014 lesen. Deutschland hat für ihn einen guten Klang, er mag die Cover und die Wertigkeit seiner deutschen Ausgaben, schätzt Thomas Wörtche und Frank Nowatzki sehr, die ihn hier bekannt gemacht haben.

Wie es der Zufall will, sind wir für zwei Wochen beinahe Nachbarn. Die kleine Siedlung, in die unsere Freundin Rosie vor einigen Wochen gezogen ist, weil es ihr auf der anderen Halbinselseite zu laut und eng wurde, liegt „gleich um die Ecke“. In Australien sind das zweieinhalb Kilometer, zwei Straßenkreuzungen im Farmland bis zu jener „dirt road“, an der Garry Dishers Haus steht. Die vierzehn Tage, die wir uns bei unserer Freundin Rosie eingemietet haben, sind so auch eine Gelegenheit, sich mehrmals zu treffen und zudem die Gegend zu erforschen, die Garry so anschaulich in seinen Hal-Challis-Romanen beschreibt. Das betonen übrigens auch die Einheimischen, sie reden von Garry Disher nicht ohne Stolz. Jede der Buchhandlungen auf der südlich von Melbourne gelegenen Mornington Peninsula, einfach nur „The Peninsula“ genannt, führt seine Bücher, dort ein unsigniertes Exemplar zu bekommen, ist unmöglich. Ich habe es versucht. Garry Disher ist ein „local hero“, das aber auf die leise und eher verhaltene Art. Er ist kein Mann der lauten Töne.

Jeder Buschbrand eine Nachricht wert

Es braucht ein wenig, bis er sich aus seinem Auto gefaltet hat, als er mich zum ersten Kaffeetrinken abholt. Ein großer, schlanker, verdammt gut aussehender, jedoch zurückhaltender Mann in einem unauffälligen Wagen, der seinem Räuber Wyatt für eine Erkundung oder seinem Polizisten Hal Challis für eine Beschattung dienen könnte. „Ich dachte, wir fahren hinüber an den Strand. Unterwegs kann ich ein wenig von der Gegend erklären“, sagt er. Wir landen in einem kleinen, bodenständigen Café, finden einen schattigen Platz auf der Terrasse. Es ist heiß. An die 40 Grad. Hochsommer. Aber mit Extremen. Sagt man von Melbourne, dass man dort an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben könne, so ist das Wetter auf der Peninsula noch wilder. Einmal erleben wir binnen 24 Stunden einen Temperaturunterschied von 30 Grad. Von 42 Grad am Mittag geht es auf 12 Grad am nächsten Morgen, abends ist es dann wieder so warm, dass die Menschen nach Feierabend beim Baden sind. Ein chill out am Strand, das gönnen sich hier viele, so wie in Bayern der Biergarten zum Feierabend gehört. Die bunten Badehäuschen auf der Mornington-Seite werden wie viele Campingplätze bereits in der dritten Generation weitergegeben. Nirgends aber hindert Privatbesitz den Zugang zum Strand; „in Australien“, sagte mir ein Freund, „sind wir der Ansicht, dass allen, egal ob arm oder reich, die Schönheit der Landschaft gehört“.

Manchen Rebsorten bekommt das Peninsula-Terroir ganz besonders, die rund 70 allesamt noch keine 40 Jahre alten Weingüter produzieren hervorragende und teils ordentlich teure Weine, der Pinot Noir ist (zu Recht) berühmt, auch der feine Pinot Gris. Zum Abendessen bringt Garry Disher einen angenehm bodenständigen Shiraz mit, von einem Nachbarn. Elan ist ein Weingut mit gerade 2,5 Hektar Anbaufläche. Es ist der einzige Wein mit Korkverschluss, der mir auf meiner Australienreise begegnet, die teuren Importfranzosen ausgenommen.

disher drachenmann3293002927Ob er auch mit den Füßen in einem Eimer dusche, wie Hal Challis das bei seinem allerersten Auftritt am Beginn von der „Drachenmann“ tut, um das Wasser dann noch in der Waschmaschine zu verwenden? Garry lächelt. Das komme vor. „Wir haben hier eine ernste Trockenheit. Vor Weihnachten gab es sehr heftige Brände unten an der Great Ocean Road.“ Als ich ihm von Westaustralien erzähle, wo wir unsere Reise begannen und Ortsnamen nenne, weiß er, dass es da nur wenig später gebrannt hat. Buschfeuer sind einem auf dem Land wohnenden Australier immer Aufmerksamkeit und Nachricht wert. Zwei Wochen, nachdem wir weitergereist waren, hat es in der Gemeinde von Garry Disher gebrannt, erfahre ich in einer Mail. Es war nur ein kleines Buschfeuer, schnell wieder unter Kontrolle.

Natürlich werde ich nun nach zwei Wochen Peninsula die Polizeiromane von Garry Disher noch einmal mit anderen Augen lesen. Im ersten Buch der Hal-Challis-Reihe, im „Drachenmann“ von 1999, nimmt Garry uns Leser mit beim Amtsantritt von Hal Challis in Waterloo. Gleich auf den ersten Seiten macht der Autor uns mit dem Schauplatz all der kommenden Romane vertraut – sechs sind es bisher:

Die Mornington Peninsula, wie Disher und Challis sie beschreiben

„Die Halbinsel. Die Leute redeten von ihr, als wäre sie eine homogene Einheit. Das tat man nur, wenn man sie nicht kannte, dachte Challis. Das tat man nur, wenn man dachte, dass ihre unverwechselbare Form – ein kommaähnliches Landstück, das sich südöstlich von Melbourne ins Meer hineinkrümmte – ihr eine eigene Identität verlieh, oder wenn man nur ein einziges Mal durchgefahren war und dabei lediglich Strände, Ackerland und ruhige Küstenorte gesehen hatte.

Nicht, dass sie eine große Fläche bedeckt hätte – weniger als eine Autostunde von oben bis unten und an der breitesten Stelle etwa zwanzig Minuten quer hindurch -, aber für einen Polizisten wie Challis gab es mehrere Halbinseln. Die alte Halbinsel mit ihren kleinen Farmen und Obstgärten, abgeschiedenen Landsitzen, ein wenig Kleinindustrie und Fischerei und ruhigen, von Rentnern und Urlauberfamilien bevölkerten Küstenorten wich langsam der neuen Halbinsel der Weinboutiquen, Wochenendfarmen und Nebenstraßen voller Bed&Breakfast-Pensionen, Töpfereien, Naturheilkundekliniken, Kongresszentren, Teestuben und Galerien. Der Tourismus war einer der größten Industriezweige, und Leute, die ihrem Beruf nachgehen mussten – wie Challis selbst -, flüchteten aufs Land, um sich dort einen Schlupfwinkel zu sichern. Einige einheimische Firmen verdienten gut daran, Scheunen in amerikanischem Stil hochzuziehen und gusseiserne Herde einzubauen. Und die Ortschaften waren verstopft mit teuren Allradfahrzeugen.

Aber obwohl mehr Geld im Umlauf war, verteilte es sich nicht zwangsläufig auf mehr Menschen. Eine befreundete Sozialpädagogin in der Stadtverwaltung hatte Challis von der wachsenden Anzahl obdachloser, drogenabhängiger Jugendlichen berichtet, mit denen sie zu tun hatte. Industriebetriebe und Geschäfte wurden aufgegeben, gleichzeitig zogen immer mehr Familien in die billigen Wohnsiedlungen, die sich an den Rändern der größeren Orte, Waterloo und Mornington, ausbreiteten. Die Regionalverwaltung, einst einer der größten Arbeitgeber, kürzte die Ausgaben auf der Allernotwendigste und beschäftigte Manager, deren Menschlichkeit ebenfalls auf das Allernotwendigste reduziert war. ‚Freistellungen‘ erfolgten ohne Vorwarnung und niemals von Angesicht zu Angesicht. Die Sozialpädagogin verkaufte jetzt hausgemachte Pickles und Marmeladen auf den Märkten der Gegend. Sie hatte einen Brief mit der Mitteilung bekommen, dass sie überflüssig sei und ihre ganze Abteilung geschlossen werde. „ Nur drei Tage Frist, Hal.“
Das geschah jetzt überall, und mit den Folgen musste sich die Polizei herumschlagen.
Was nicht hieß, dass die Halbinsel kein angenehmer Ort zum Leben war. Challis hatte das Gefühl, endlich nach Hause gefunden zu haben.“ (Aus „Der Drachenmann, Seite 11-12.)

disher bitter wash3309186„Ich habe immer viel Material“

Ja, ihm selbst ginge das auch so mit dem nach Hause gefunden haben, bestätigt mir Garry Disher. Er lebt hier seit über 20 Jahren. Seine 22jährige Tochter studiert in Melbourne, er zieht die Peninsula vor, kann zwischen zwei Küsten wählen, wenn er – was er die Woche über öfter tut – an den Strand will. Im Outback zu leben wie Hirsch in „Bitter Wash Road“, das könne und wolle er nicht, da fühle er sich eingesperrt. Aber sei das nicht seine Herkunft?, werfe ich ein.

Garry Disher: Ich bin im Hinterland aufgewachsen. Ein kleiner Ort. Manchmal zieht es mich da auch wieder hin, aber das ist nichts für Dauer. Ich mag es, den Strand in der Nähe zu haben. Aber all die Farben, Gerüche, Eindrücke, Erfahrungen und Stimmungen in Busch und Outback sind immer noch da.
Frage: Und dorthin gibt es ja immer wieder literarische Ausflüge. Jetzt Hirsch in seinem kleinen Kaff drei Stunden nördlich von Adelaide, und hat nicht auch Challis mal …“
Garry Disher: … einen Fall im Outback gelöst. Ja. Es war in „Beweiskette“ (Chain of Evidence). Challis hat sozusagen den gleichen familiären Hintergrund wie ich.
Frage: Was macht die Mornington Peninsula so besonders?
Garry Disher: Ich mag den Abwechslungsreichtum der Landschaft und all die kleinen Orte. Wir haben ein Strandleben von ruhig und beschaulich bis fast mondän, mit Strandzugängen für jedermann; wir haben Farmen im Hinterland und Weinberge teils bis fast ans Meer. Im Süden, an der Halbinselspitze, haben die reichsten Familien Australiens ihre Villen, die Peninsula ist ihr Spielplatz. Aber es gibt auch viele Viertel voll sozialer Probleme, es gibt Armut und soziale Gegensätze – all das ist ein wirklich reichhaltiges Setting für einen Autor von Kriminalromanen. Ich liebe es, die Lokalnachrichten zu lesen. All die kleinen Sachen, wenn Jugendliche nachts Mülltonnen ausleeren, was immer. Das fließt in meine Romane. Ich habe immer viel Material.
Frage: Unsere Freundin Rosie ist aus Dromana weggezogen, weil man dort kaum mehr über die Straße an den Strand kommt und weil die Jet-Skis sie nerven …
Garry Disher: In den mehr als 20 Jahren, die ich hier lebe, hat sich viel verändert. Bis in die 1930er Jahre war die Halbinsel nur per Schiff erreichbar, es gab keine Straße aus Melbourne. Die alten Küstenorte haben sich teils enorm vergrößert, neue Siedlungen breiten sich auf Farmland aus. Aber all die sozialen Dienste und Einrichtungen, Schulen, Krankenhäuser und Sozialhilfestationen halten damit nicht Schritt. Das verursacht soziale Spannungen und macht der Polizei Kopfschmerzen. In meinen Kriminalromanen gehe ich dem nach. Für mich handeln sie ebenso viel von einem Ort und einer Lebensweise wie es in ihnen um Verbrechen und deren Aufklärung geht.
Frage: Der Schauplatz als Charakter, ist das eine zufällige Sache oder hat es Methode?
Garry Disher: Wo eine Geschichte spielt, das sollte in allen literarischen Formen von Wichtigkeit sein, nicht nur im Kriminalroman. Das Setting prägt die Charaktere und sie gestalten das Setting, das kann man nicht voneinander trennen. Meine Charaktere sind keine amorphen Gestalten. Wenn ich eine Szene schreibe, kann ich sehen, wo sie spielt, und wie meine Protagonisten mit diesem Ort interagieren.

Die Sache mit der Schlange und mit Waterloo

Frage: Kann ich das genauer haben?
Garry Disher: Ich weiß all die atmosphärischen Details einer Szene, nicht nur, ob es ein Wald ist, eine Straße oder ein Strand. Es kommt auch auf das Licht an, auf all die Sensorik und all die Kleinigkeiten, sagen wir zum Beispiel auf die Glasscherben im Straßengraben. (Lacht.) Heute Morgen habe ich die erste Szene in einem neuen Buch geschrieben. Für meine deutschen Leser habe ich gleich am Anfang eine Schlange eingebaut, gleich eine Bedrohung. Viele Deutsche haben Angst vor Schlangen, nicht?

Nun lache ich und muss an die Schweizerin denken, die wir in Perth trafen, dabei, mit ihrem Mann die Nullarbor zu durchfahren, 1200 Kilometer Ödnis ohne Baum und Unterkunft, jede Nacht Camping unter den Sternen, und wie sie von den gefährlichen Tieren Australiens phantasierte, die Spinnen schon an ihr hochkrabbeln fühlte ….

Frage: Waterloo in den Hal-Challis-Romanen, das ist Hastings?
Garry Disher: (umstandslos) Ja.
Frage: Warum der Tarnname? Ist das so etwas, wie Ed McBain das mit New York gemacht hat?
Garry Disher: (lacht) Es gibt mir mehr Freiheiten. Ich kann, wann immer es notwendig wird, von der Realität abweichen. Waterloo hat zum Beispiel einen Flugplatz, Hastings nicht. Ein Leser aus Melbourne hat sich einmal bitterlich beklagt, die Haltestelle für die Straßenbahn auf jener Strecke sei aber nicht an jener von mir beschriebenen Ecke, sondern hundert Meter weiter. Immerhin hat er das Buch gelesen (lacht). Mit Waterloo erspare ich mir so etwas. Manchmal melden sich Leser, weil sie ein bestimmtes Naturressort nicht finden. Ich bin der Ansicht, ein paar Freiheiten braucht ein Autor.

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Eine gute Nachricht: Wyatt hat noch Vieles vor

Frage: Hal Challis ist Polizist, Wyatt ein Berufsverbrecher. Das sind zwei ziemlich entgegengesetzte Seiten. Wie vereinbart sich das?
Garry Disher: (lacht) In meinem Kopf geht das gut. Wobei Challis, denke ich, den werde ich eine Weile ruhen lassen. Vor Weihnachten habe ich ein Manuskript abgegeben, in dem Ellen Destry die Hauptrolle spielt. Es kommt in Australien Ende des Jahre 2016 heraus. (Im deutschen Sprachraum steht noch die Übersetzung von Whispering Death, 2013, aus, AM.) Jetzt der Roman mit der Schlange, das ist ein Vigilante-Cop, ein Polizist, der nicht zufrieden damit ist, was er im Dienst zur Verbrechensbekämpfung machen kann.
Frage: Hirsch aus „Bitter Wash Road“, sehen wir den wieder?
Garry Disher: (wird verhalten) Das weiß ich noch nicht. Es gab da einige Charaktere, die ich nicht so dringend wieder treffen will.
Frage: Und Wyatt, wie geht es mit ihm weiter? Es gab sechs Romane zwischen 1991 und 1997, dann dreizehn Jahre Pause bis „Wyatt“ (Dirty Old Town) und jetzt gerade frisch „Heat“. (Bereits von Frank Nowatzki für Pulpmaster gebucht, wo all die Wyatt-Romane erscheinen und erhältlich sind, AM.)
Garry Disher: (lacht) Oh, da habe ich noch eine ganze Schublade voller Ideen. Ich kann Wyatt sogar sehen, wie er eine Drohne einsetzt… Womit ich vorsichtig bin, ist, mich auf sein Alter festzulegen. Als ich mit Wyatt anfing, hatte er Army-Hintergrund aus Vietnam, war Anfang vierzig, also müsste er jetzt … Ich lasse sein Alter im Ungefähren, denn ich habe noch viel mit ihm vor.
Frage: Ein „freelance robber“ als Figur für das 21. Jahrhundert? Ein Selbständiger auf Raubzügen?
Garry Disher: Passt das nicht? (Schmunzelt.) Das Schlimme – und für mich als Autor Gute – ist, dass er für seine Sachen mit anderen Leuten zumindest ein stückweit zusammenarbeiten muss. Da kann ich mir alles Mögliche an Charakteren ausdenken und ihn damit konfrontieren. Alle Erzählung wird von einer Frage getrieben: Wird er davon kommen? Warum haben sie es getan? Was sind die Konsequenzen?

disher the-heatFrage: Diese Figurenvielfalt ist ja ganz stark in den Polizeiromanen, und für ein Wyatt-Buch geradezu üppig jetzt in „The Heat“: die Kleinkriminellen, der Makler, seine ehrgeizige Nichte, deren Geliebter, die Kunsthändler – und, ach, was wird mit Hannah, für die Wyatt ein Gemälde zurückstiehlt? Zwischen den beiden knistert es ziemlich, und sie ist ja überraschend tough.
Garry Disher: Das hat sich erst ziemlich spät herausgestellt, dass Hannah solch eine Härte hart. Als Autor weiß man nicht immer, wie sich Charaktere entwickeln. Ich habe oft viel Spaß mit den Nebenfiguren, ich liebe die ein wenig dummen Charaktere. Ob Hannah wiederkommt? Warten wir es ab, ob sie sich bei mir meldet.
Frage: Es gibt ja auch den Garry Disher, der über Schreiben lehrt.
Garry Disher: Gelehrt hat. Ja. Diesen Abschnitt gab es und …
Frage: … sogar ein Buch. „Writing Fiction. An Introduction to the Craft“.
Garry Disher: Die dritte Auflage, 2001, bei Allen & Unwinn, das ist die beste.

Frage: Gibt es Gewohnheiten, die man als Autor entwickelt?
Garry Disher: Aber ja. Ich schreibe sechs Tage die Woche. Vormittags. Ich schreibe morgens mit der Hand. Nachmittags geht es vielleicht in den Computer. Manchmal gehe ich für einen Satz spazieren, bis er stimmt. Ich sitze wochenlang über dem Plot meiner Bücher. Jeder meiner Romane ist eine große Kiste an Papier. Meine Manuskripte habe ich dem War Memorial Museum in Canberra überlassen – „Hinter den Inseln“ (Past the Headlands) zum Beispiel hat einen Hintergrund im Zweiten Weltkrieg. Wenn man seine Manuskripte stiftet, gibt es einen kleinen Steuervorteil. Jetzt sagen sie, sie haben genug Kisten von mir. Sie brauchen keine mehr. Also recycle ich meine Blätter. Vorne ein neuer, hinten drauf ein alter Roman (lacht).

Für mich der besondere Moment: Als ich Garry Disher darauf anspreche, dass seine Helden Wyatt, Challis und auch Hirsch ja allesamt ziemlich einsame Männer sind – und er verhalten lächelnd antwortet: „Vielleicht, weil mir das auch liegt, das Einzelgängerische.“

(c) Alf Mayer, 2016

Gerade erschienen: Garry Disher: Bitter Wash Road (US-Titel: Hell to Pay). Übersetzt von Peter Torberg. Unionsverlag, Zürich 2016. 352 Seiten, 21,95 Euro. Verlagsinformationen zum Buch hier.

Ausführlich und informativ mit Garry Disher beschäftigt sich Sonja Hartl in polar-noir, ihr Schwerpunkt liegt dabei auf den Wyatt-Romanen.

Garry Dishers Hal Challis-Romane:
The Dragonman (1999) dt. als Drachenmann, 2001
Kittyhawk Down (2003), dt. Flugrausch, 2005
Snapshot (2005), dt. Schnappschuss, 2006
Chain of Evidence (2007), dt. Beweiskette, 2009
Blood Moon (2009), dt. Rostmond, 2010
Whispering Death (2013)

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Garry Dishers Wyatt-Romane:
Kickback (1991), dt. Gier, 1999
Paydirt (1992), dt. Dreck, 2000
Deathdeal (1993), dt. Hinterhalt, 2002
Crosskill (1994), dt. Willkür, 2004
Port Villa Blues (1996), dt. Vergeltung/ Port Villa Blues, 2006
The Fallout (1997), dt. Niederschlag, 2008
Wyatt (2010), dt. Dirty Old Town, 2013
The Heat (2015)

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