Geschrieben am 15. Januar 2018 von für Crimemag, CrimeMag Januar 2018, News

Alf Mayer: Die Mister-Dynamit-Romane von C.H. Guenter

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Schweres Wasser – Leichte Mädchen …
Eine etwas andere Kulturgeschichte der Bundesrepublik

– Alf Mayer über die Romanserie MISTER DYNAMIT mit dem BND-Agenten Bob Urban.

Teil 1: Der Schnelldurchgang
Teil 2: Die Vergangenheit ist alles andere als tot 
Teil 3: Das Personal, die Reiseziele und die Anfänge
Teil 4: Meisterwerke der Klappentext-Kunst und Romane, die noch im Bücherschrank schwelen
Teil 5: Bob Urban, Deutschlands Rache für den verlorenen Krieg? – Momentaufnahmen, querbeet.
Teil 6: Anhänge

Sie ist längst nicht hinreichend geschrieben, die vor Trivial- & Populärkultur und seriellem Erzählen unerschrockene Literaturgeschichte der Agentenromane des 20. Jahrhunderts. So wie der Privatdetektiv  – prototypisch in Gestalt Lew Archers (CrimeMag-Porträt „Das Leben der Anderen“ seines Autors Ross Macdonald hier) oder Dashiell Hammetts Sam Spade – die Familiengeheimnisse und Kellerleichen unserer modernen Zivilisation zutage fördert, so lassen sich auch die fiktionalen Geheimagenten aller Länder als eine Kollektiv-Armee von Phantomen verstehen, die unerschrocken in den Unterbau der politischen Macht-, Schuld- und Gewaltverhältnisse steigen und kollektive Dramen und Konflikte bearbeiten, so verquer das auch daherkommen mag. Kundschafter unser Träume, Phantasien & Traumata. „Trivial“ heißt hierzu das Urteil der Ignoranten. Sie haben keine Ahnung. Und gewiss auch keine von Code 18.

366_eisenfresser300Dieser Agent des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND namens Bob Urban ist eine feste Größte im Spionageuniversum, ein Fixstern geradezu. Als MISTER DYNAMIT – mit insgesamt 305 Romanen zwischen 1965 und 1992 – kam er auf eine der größten Agentenserien der Welt, wenn nicht der größten, und ist ein ganz und gar  deutsches Produkt: das Werk eines einzigen Autors, alle Manuskripte im Dreifingersystem getippt und nach Fertigstellung rituell in einem Safe verschlossen, selbst wenn es nur für eine Nacht war, weil der Abgabetermin drängte. Eine Zeitlang erschien sogar – Recyling als MD Erfolgsnachdruck und obendrauf als MD Classic inklusive – alle 14 Tage ein Mister-Dynamit-Roman, die (bis heute geheimgehaltenen Auflagenzahlen) waren enorm, Schätzungen gehen von 120.00 bis 200.000 Stück pro Folge aus. Serien mit Verkaufszahlen unter 20.000 galten Mitte der 1970er als unrentabel, eingestellt wurde die Serie im wiedervereinigten Deutschland im September 1992. Schon das Cover des fünften Mister-Dynamit-Romans, Verrat am Nil (1965), hatte verkündet: „Geschrieben von dem MISTER DYNAMIT-Autor, dessen Romane 10 Millionen Gesamtauflage erreichen.“ Im österreichischen Oeridur-Verlag erschienen zwischen 1999 und 2005 noch sieben weitere Dynamit-Romane. Noch mehr gaga als die andern.

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C.H. Guenter aka Karl-Heinz Günther (1924 – 2005)

Teil 1: Der Schnelldurchgang

C.H. Guenter, wie er sich nannte – eigentlich hieß er Karl-Heinz Günther, siehe unten das Faksimile eines Briefes an mich aus dem Jahr 1988 – war Mittelfranke. Ein Viel- und Lustschreiber vor dem Herrn. Die Noris-Banditen hieß sein großer, posthum erschienener „Lebensroman“ (Blitz Verlag, 2005). Im Jahr 1924 geboren, wurde er nach dem Notabitur im Zweiten Weltkrieg zur Kriegsmarine eingezogen, war auf See im Einsatz, floh 1945 aus britischer Gefangenschaft, musste das Geschäft seines Schwiegervaters als Kaufmann führen, begann eine Nebenkarriere mit Schlagertexten und Kurzgeschichten. Landser-, Western- und Abenteuerstories waren seine ersten Veröffentlichungen. Ab 1956 wandte er sich der Spannungsliteratur zu, verfasste bis 2005, also in knapp 40 Jahren alles in allem rund 500 Kriminalromane und an die hundert Romanhefte.

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Einsatz auch bei Mr. Dynamit als Redakteurin: Bré Tsinga, die Gotteskriegerin

Alltagsverbrechen jedoch waren nicht sein Ding, „ihm ging es um das Ausgefallene, um die möglichst perfekte Darstellung ungewöhnlicher Verbrechen, bei denen häufig modernste Technik eingesetzt wird“, beschrieb das sein Verlag, der 1970 vom Hamburger Heinrich Bauer übernommene Erich Pabel Verlag in Rastatt, bald verschmolzen mit dem Arthur Moewig Verlag aus München. (Übrigens teilten sich Perry Rhodan und Atlan etliche Jahre – dies ein Beweis, wie die Welten doch klein, rund und miteinander verbunden sind –  ihre Redakteurin Sabine Bretzinger, auch bekannt als Bré Tsinga, mit Mister Dynamit.)

Karl-Heinz Günther erfand 1959 als Bert F. Island und Joe Amsterdam seinem Verleger das Gegengift zu Jerry Cotton, nämlich den auf weit über tausend Hefte und Romane kommenden „Kommissar X„, der in sieben Verfilmungen von Tony Kendall verkörpert wurde. Er selbst verfasste dafür zwischen 1959 und 1964 58 Heftomane und insgesamt 51 KX-Taschenbücher, ehe er sich ganz auf seinen Geheimagenten Bob Urban verlegte. CrimeMag freut sich, Ihnen in dieser Ausgabe exklusiv aus kompetenter Feder  die BND-Unterstützungsgeschichte des einzigen Mister Dynamit-Films sowie eine ausführliche Filmbesprechung präsentieren zu können. (Siehe auch Bodo V. Hechelhammer und Reinhard Jahns Würdigung des Mr.Dynamit-Phänomens.)

Scan 3ScanAnders als mit der Vielschreiberwerkstatt für KX ließ Karl-Heinz Günther sich die Rechte an seiner Agentenfigur nicht nehmen oder abkaufen, behielt die alleinige künstlerische Oberhoheit. Warum denn immer ein CIA-Agent, hatte er sich gedacht. So kam er auf den BND und auf Bob Urban, „denn alle Geheimdienste haben einen Macher“, sagte er im einzig seriösen Porträt, das es außerhalb des „Lexikons der deutschen Krimi-Autoren“ von ihm gibt, in Helmut Zieglers „Weltenrettung, Made in Germany“ im Wiener 5/87, für das er sich auch mit Schlapphut und Pistole ablichten ließ. (Leider ließ ich 1988 ein Angebot sausen, mich mit Guenter in Gräters „Extrablatt“ zu treffen.) Zur Zeit von Zieglers Porträt feierte Mister Dynamit gerade sein 250. Betriebsjubiläum, aber 55 Romane und ebensoviele Monate später, im September 1992, war dann wortlos Schluss.

US_no 5_urban_robert3Die Begründung für die Einstellung der Mister-Dynamit-Classic-Reihe im Januar 1992 lässt sich wohl auf die Serie insgesamt übertragen: Immer noch mit dem Claim „DYNAMIT-Leser blicken hinter die Kulissen des Weltgeschehens“ informierte der Verlag anstelle der üblichen Vorschau damals so: „C.H. Guenter hat über Jahre bewiesen, dass seine Romane mit dem Finger am Puls des Weltgeschehens geschrieben werden. Die politischen Entwicklungen in den letzten zwei Jahren (i.e. die deutsche Wiedervereinigung – AM) haben uns vom Verlag und den Autor – wie viele andere auf der Welt – natürlich in gleicher Weise überrascht. Damit ist die Mister-Dynamit-Classic-Reihe leider so weit von der Wirklichkeit entfernt, dass wir uns entschliessen mussten, sie als nicht mehr zeitgemäßg einzustellen.“ 

Der Fama nach war in den 1970er Jahren sogar an eine US TV-Serie mit Michael Douglas als Bob Urban gedacht. Die sieben in USA erschienenen Mister-Dynamit-Romane änderten teilweise den Namen des Agenten in Max Galan. Kein schlechter Name für einen Frauenhelden.

Aus dem Arbeitsleben eines Feldagenten

Nun aber auf in die Welt des Mister Dynamit. Schnallen Sie sich an. Oder, wie Thrillerautor Andreas Pflüger, den ich erst vor kurzem mit Bob Urban bekanntmachen konnte, sogleich titelte: Mister Dynamit – Da sitzt mir jetzt schon das Lachen in den Knochen.

Ein Mafia-Boss klaut eine Atombombe und erpresst die NATO, ein Waffenfabrikant dreht durch, ein General stirbt in den Armen eines Callgirls, eine Verbrecherorganisation will die Superwaffe, wahlweise die Superdroge, ein deutscher U-Boot-Kommandant aus WW II macht immer noch die Weltmeere unsicher, in Arabien gibt es Kriegspläne gegen Europa, in London wird ein Herrenclub übermütig, die ultrageheimen Kriegsroboter der Amis und Sowjets und Chinesen haben einen „de facto deutschen“ Schöpfer, einen Österreicher. Freischaffende „Liberators“ befreien die falschen Gefangenen, ein Ritterorden rächt sich in der 25. Generation, Wissenschaftler werden entführt, immer wieder und wieder. Der Plan für die Weltkrise stammt aus Deutschland 1943, die Chinesen entwickeln eine Fernrakete, ein Konzern will die Welt erobern und geht auch über deutsche Leichen, Waffenhändler werden gefährlich, Industrielle ebenso, Spione versuchen ihre Herren zu erpressen, auf Jamaika befindet sich eine Universität des Verbrechens. Ein Eskimo-Doktor hat ein Geheimmittel erfunden, das die Welt aus dem Gleichgewicht bringen kann, einige Bücher weiter ein Kirgise ein anderes, auch am Amazonas kommt so etwas vor. Zehn Playboys an der Riviera sterben einer nach dem andern, sie alle sind getarnte Geheimagenten, also muss der elfte, ebenfalls als Playboy getarnt, die Sache retten. Am Himalaya gibt es eine Geisterstadt mit den Regierungsgebäuden der Welt – wer übt dort? Und was? Ein Polaris-U-Boot verschwindet, eine deutsche Geheimwaffe gegen die alliierte Invasion kam nie zum Einsatz und fällt jetzt in die falschen Hände. Landen UFOs am Südpol? Britische Rüstungsexperten sterben in Reihe, ein Inselvolk vertreibt seinen Diktator, ein deutsches U-Boot wird zu Tode gejagt, eine Zigeunerkönigin verfügt über eine Superwaffe, Beduinen revoltieren gegen einen Sultan, es regnet Gift auf die Mohnfelder des persischen Kaisers.

369_Mister Dynamit 369_300Wer hetzt die Großmächte gegeneinander? Wer gefährdet den Weltluftverkehr? Wie kann Wasser zu einer Waffe werden? Überhaupt Waffen, es gibt einfach zu viele, findet sogar der Held. Eine deutsche Erfindung aus dem Spessart gegen den Hunger verkehrt sich in ihr Gegenteil. Überhaupt Erfindungen und deutscher Forschergeist. Da gilt es immer wieder aufzuräumen. Hundert Missionare, ausgebildete Einzelkämpfer, verschwinden – ein Benediktinermönch bittet um Hilfe (Das schwarze Hundert). Privatarmeen, Piratenschiffe, Bluffs, Bluffbluffs und Gegenbluffs, Poker brutal (so heißt tatsächlich ein Titel), Diktatoren und Ex-Generäle, Privatgeschäfte von Spionen, Revolutionäre, ein Krieg im Kongo und ein deutscher Söldnerboss, Meisterkiller, Mafia-Killer, Auftragskiller, Waffenkonstrukteure, Terrorkartelle, Syndikate. Ein italienischer Pilot, der 1919 die Anden bezwang, eine Verschwörung im Orient, ein fremdes U-Boot im Amur-Fluß. Großmacht entwickelt Superwaffe, Kleinmacht entwickelt Superwaffe, Superwaffen tauschen die Hände. Verrat überall. Und Verrat-Verrat. Rache. Und Rache-Rache. Araber-Rache, Frauen-Rache, Balkan-Rache, Türken-Rache, Südsee-Rache, Karibik-Rache, Japan-Rache: Lord Balanca, einer der reichsten Männer der Erde, hat seine Mutter durch die Bombe von Hiroshima verloren. Eine Waffe aus dem Vietnamkrieg, die „Gänseblümchensense“, soll in Nahost eingesetzt werden, die gefährlichste Armee aller Zeiten folgt blind dem Befehl eines Königs der Rechtlosen. Die Staats-Yacht des Scheichs von Ermerack wurde gerammt, zwischen Frankfurt und Peking verschwinden Rohdiamanten und in Schottland, in Venezuela, in Vegas, in Paris, in Texas, in Moskau und Fragnichtwo wird so viel Geld geraubt, dass es für sechs bis zwölf Romane reicht, den über das Gold der Bundesbank nicht eingerechnet.

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Eine NSA-Agentin macht Probleme (Die letzte Spur von Leo, Dez 1975), ein Fluchttunnel unter der Mauer wird zur Goldgrube (Tage der Rache), auf Mallorca muss eine deutsche Politikerehe gerettet werden, ein Bewusstloser wird aus der Adria gefischt (dies vor Jason Bourne), ein Atomtest der Engländer wird sabotiert. Ein Verteidigungsminister verschwindet, ein anderes Mal ein Testpilot, auch einmal ein chinesischer Marschall, Russen sowieso und Amis, ja sogar einmal 1000 Uno-Soldaten in Nahost. Ein sowjetischer Atombomber wird entführt, ein andermal ein ganzes Schlachtschiff, der Alarmkoffer des US-Präsidenten gerät in Verlust, der Präsident einer Hilfsorganisation unterschlägt viele Millionen Dollar, eine Bank bricht zusammen (Die schwarze Zitadelle, Dez 83), Banken verschwören sich (1985), eine Superwaffe fällt in die Händen arabischer Kommandos, sumerische Tontafel werden entziffert, das Geheimnis eines Perser-/Inka-/Chinesen-/Tundra-/Amazonaskönigs wird enthüllt, Geheimdienste kämpfen um das 250 Jahre alte Pulver eines Alchimisten, eine Meißener Porzellanvase mit blauroter Malerei soll die Flucht eines Mannes aus dem Osten vorbereiten. Flugzeuge verschwinden, U-Boote tauchen wieder auf, auf der ganzen Welt verstreut liegen die Überreste deutscher Vergangenheit, die es vor falschen Händen zu bewahren gilt.

Noch im drittletzten Roman – Der Transural-Bomber (1992) – wird, sagt die Coverzeile, „Das Meisterwerk deutscher Konstrukteure zur Waffe eines selbsternannten Halbgottes.“ Denn der hässlichste Mann Amerikas liebt die schönste Frau von Hollywood. Sie aber erwidert seine Zuneigung nicht. So beginnt der mächtige Journalist, sie unter Druck zu setzen. Sie ist aus Deutschland. Ihre Familie waren Kriegsverbrecher. Der Transural-Bomber ist das Mittel der Erpressung. – Klar ein Fall für den Bundesnachrichtendienst. (Der übrigens, hartnäckigen Journo-Behauptungen zum Trotz, durchaus auch im Inland ermitteln darf/ durfte.)

654_ Burg Rabenstein Problem300Teil 2: Die Vergangenheit ist alles andere als tot …

Es kann der Deutsche nicht in Frieden schlafen oder ohne Agententhriller sein, wenn Hypnoseforschung, Triebwerkskonstrukteure, Ingenieurs- und Forschertum, hochergiebige Getreidesorten, Bakterien, ja sogar Chaosforschung, falsch eingesetzt, dauernd Waffen für die Falschen schaffen. Und wenn es dann obendrauf auch noch all die Folgen von Zweitem Weltkrieges und deutschem Erfindergeist gibt. Kollektivschuld einmal anders, und oft auf den Atlas-Schultern von Mister Dynamit alleine. Vom Nordpol bis zum Südpol ist er beständig unterwegs, größeren Schaden zu verhindern, der mit ehemaligem deutschem Eigentum angerichtet werden könnte. Um es mit seinem Operations-Chef Oberst Sebastian zu sagen: „Tun Sie was Sie wollen, aber finden Sie mir den Burschen. Könnte ja jeder daherkommen und mit Staatseigentum auf den Ozeanen spazierenfahren“, knurrt der, als es um einen auf den Weltmeeren irrlichternden Fliegenden-Holländer-haften U-Boot-Kommandanten aus WW II geht, der natürlich ganz nibelungenhaft „von Hagen“ heißt. (Captain Montechristo)

Eine Grafenburg im Thüringer Wald ist Anfang und Ende eines Planes, um Mittelasien in Flammen zu setzen (Das Burg Rabenstein-Problem). Für eine Atomexplosion werden Japan und die BRD verdächtigt. Anderswo provoziert man den Gegner zu einer Invasion, um die eigene, ungestört von der anderen Weltmacht, beginnen zu können (Mieser alter Spion). In Sibirien wird eine Armee vernichtet – ist den Russen eine Superwaffe außer Kontrolle geraten? (Ein perfekter Verrat) Einem afrikanischen Diktator werden die Hilfsgelder gesperrt, da nimmt er 300 Deutsche als Geiseln. Und dann gibt es noch BALMUNG – SIEGFRIEDS SCHWERT. Eine Organisation, die Frieden anstrebt, und sei es durch Königsmord. Ein ostdeutscher Forscher entdeckt geniale Bakterien. Sie fressen Ölteppiche bei Tankerkatastrophen und Giftmülldeponien. Aus Angst vor Missbrauch versteckt er seine Mikroben im Panzerschrank Nr. 22 bei einem anständigen Geheimdienstler in der Normannenstraße. Als die Berliner nach der Novemberrevolution die Stasi-Zentrale stürmen, fehlt er. (Ein Tresor in Berlin) Dann findet auch noch der Strandvogt von Sylt eine Etruskerleiche und Vernichtungswaffen des Altertums bedrohen die Ölbohrinseln in der Nordsee …

664_ deutsches Erbe Mitla-Pass-Geheimnis_LETZTER_300-tile

Urban und das deutsche Erbe: 50 Jahre ruhen die Mitgliederlisten einer geheimen arabischen Revolutionsarmee in einem gesunkenen deutschen Weltkriegs-U-Boot, bis einer der Enterbten sie entdeckt. (Der Pirat von Akaba) Ein Mann reist im Jahre 1940 von Deutschland über Moskau nach China und wird von Banditen entführt. 50 Jahre später gibt es eine neue Kriegstechnik, beruhend auf Gedankenübertragung. (Drachentöter) Ein Heinkel-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg landet 1989 nach Englandeinsatz auf einem NATO-Stützpunkt. – Wo war er in den vergangenen 45 Jahren? … dann beschießt ein deutscher Jagdpanzer den Arc de Triomphe in Paris … dann trifft ein Brief Hitlers im Weißen Haus ein, Adresse: Reichskanzlei im Kyffhäuser. Der Inhalt: Beendet den Wahnsinn der Weltzerstörung – oder ich vernichte euch. Die NATO-Geheimdienste stehen vor 1000 Fragen. Verschiebung der Zeitachse, fragen sich die Wissenschaftler. (Das Barbarossa-Rätsel, 1991) Zitat: „Alles Deutsche stinkt eben immer noch nach Nazi“, sagt der BND-Vize. – „So wie Benzin immer nach Auto riecht“, verglich Urban es.

Das Vermächtnis des Hunnen: Im März 1943 verlässt ein Geleitzug New York. Mit ihm reist ein genialer Arzt nach England, der in der Lage ist, das Leben der kranken Männer an der Spitze der Alliierten zu verlängern. Sein Schiff verschwindet. Um die Behauptung zu entkräften, ein deutsches U-Boot hätte ein amerikanisches Lazarettschiff versenkt, sterben 43 Jahre später deutsche Marineoffiziere. (Die Rettung) Sie verjagen ihn 1939 aus Deutschland. Er nimmt 15 Mio Dollar mit und legt sie hochverzinslich an. 50 Jahre nach seinem Tod soll mit dem Kapital Rache an den Schuldigen geübt werden. Doch Stalin und Roosevelt leben nicht mehr. Also müssen andere daran glauben. (Das Vermächtnis des Hunnen) Ein Chemiker, 1943 zum Minenräumen an der Ostfront verurteilt, rettet sein Leben durch Preisgabe einer sensationellen Entdeckung. Bei einem Bombenangriff in Hamburg kommt er ums Leben … 45 Jahre später ist zurück. (Tote haben es leicht) Nahezu 50 Jahre nach dem II. Weltkrieg droht eine deutsche Geheimwaffe die Weltmärkte zu ruinieren, denn 1945 folterten Russen einen deutschen U-Boot-Kommandanten zu Tode. Er wird beschuldigt, ein Lazarettschiff versenkt zu haben. Ein halbes Jahrhundert später schlägt der Rächer zu. (Mein Preis – dein Blut) Ende des II. Weltkriegs stehen in der Normandie amerikanische Atombomber bereit. Aber nicht Berlin ist ihr Ziel … sondern Moskau, stellt sich heraus. (Keiner kam bis Tara)

470_ Schwarze Ballermann300Putzkolonne Kyffhäuser: „Tjscha, Götterdämmerung ist angesagt. Die Stunde der Wahrheit ist gekommen, Eva“, sagt Urban zu einer Hamburger Reederstochter. „Oder soll ich Sie Eva Braun nennen?“ In einem hohen Stuhl, gekrönt von einem Hakenkreuz, sitzt ein alter Mann mit weißem Haar, streng gescheitelt fällt es ihm links in die Stirn. Dazu trägt er ein weißes Bärtchen. So und nicht anders muss man sich Hitler mit hundert vorstellen … Es geht um Banknoten im Wert von 70 Milliarden, Hitlers Gold und die in KZ-Werkstätten gefälschten Pfund und Dollar… Weltinflation … Geld für notleidende Völker … Urban als die „Putzkolonne Kyffhäuser“ zündet es an.

Fernbomber und Tiger-Panzer: Im Kriegsjahr 1940 bombardiert ein deutscher Pilot eine britische Riesenkanone. Sie ist nur eine Attrappe, die echte hingegen wohlversteckt. Jahrzehnte später setzt ein Waffenhändler aus Kenia alles daran, das Ferngeschütz an sich zu bringen … (Der schwarze Ballermann) Vor 33 Jahren wurde im Atlantik eine deutsche Geheimwaffe versenkt – doch als man sie in Bengalen brauchte, tauchte sie wieder auf. (Viereck des Todes) 1945: Rückzug auf dem Balkan. Drei Tiger-Panzer bleiben ohne Benzin liegen, und ein deutscher Offizier gerät unter die Partisanen. 30 Jahre später hat das Folgen. (Der unheimliche Charly) Winter 1945: Deutsche Fliegeroffiziere führen mit ihrem Heinkel-Fernbomber für Japan Geheimaufträge durch. Als die Amerikaner sich Tokio nähern, werden die Deutschen an die Wand gestellt. Nur einer entkommt. 25 Jahre danach ist der „Orden der Drachenritter“ wieder erstarkt. Ihm gehören japanische Bankiers und Großindustrielle an. Sie wollen Amerikas Einfluss in Ostasien brechen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. (Die Frau aus dem Vulkan

Urban und die Nazis: „Eines wollen wir sofort klarstellen“, sagt Urban zu einem anderen Agenten. „Es ist kein Nazigold, okay?“ Der Israeli verstand, worauf Urban anspielte. Wenn Juden einen Deutschen unter Druck setzen wollten, fingen sie stets an, über die Vergangenheit zu reden… „Unterstützung? Mann, wenn es brenzlig wird, darf es doch wieder keiner gewesen sein. Und vor allem kein Deutscher, dessen Urgroßvater vielleicht Nazi war“, sagt Spiegel zu Urban. (Kommando im Hades, 1987)

599_ Adler fliegt allein300Urban und die Geheimwaffen: „Die Deutschen hatten damals Projekte in der Entwicklung, die heute noch Spitzentechnologie sind. Ich denke da beispielsweise an ihre Borsig-Luft-Luft-Raketen, an gewisse Medikamente, Antibiotikas, an Kunststoffe wie Perlon, die ganze Wasserstoffantriebstechnik, Kohleverflüssigung und Anti-Radar-Maßnahmen“, sagt ein Russe zu Urban über Fracht vom Meeresgrund. „Container halten gut.“ …. Später offenbart sich die Amerikanerin Coleen Sax, ihr Vater hatte damals das U-Boot Nullvier versenkt, als Lockvogel: Es geht um Chemiker bei der IG-Farben… um radarabweisende Farbe, um den Lutzdorf-Anstrich … der per U-Boot nach Japan sollte, denn dort baute man ganze Geschwader von U-Booten, um sie gegen die übermächtig werdende amerikanische Pazifikflotte einzusetzen. Allen Bemühungen der modernen Chemie zum Trotz gelang es bis heute nicht, einen Tarnanstrich zu entwickeln, der auch nur ansatzweise so wirksam ist wie der Lutzdorfsche. (Der Adler fliegt allein, 1987)

Urban und die Germania-Gang: „Es war ein im Untergrund noch existierendes SS-Geheimkommando. Für Unsummen legten die ehemaligen Experten von SS-Obersturmbahnführer Skorzeny, der Mussolini am Gran Sasso befreite, den Präsidenten um.“ – „Warum?“, fragte Urban. „Verzeih, dass ich daran zweifle.“ – „Im Auftrag.“ – „Wessen?“ – „Im Auftrag des Big Business, des deutschen Big Business, aus Rache dafür, dass ihnen die Sieger bei Kriegsende alle Patente, Forschungsergebnisse und die besten Wissenschaftler wegnahmen und nie einen Cent Lizenzgebühren zahlten. Und das in bitterer Konkurrenz zu den Russen.“ — Die Israelis behaupten, hinter dem Kennedy-Mord stecke die SS. Das Gerücht wird öffentlich. „Das verläuft sich“, sagt der Chef des Bundespresseamts. Der Kanzleramtsminister kann das nicht so locker sehen: „Wir haben mit arbeitslosen, politisch verwahrlosten Jugendlichen in Gebieten der ehemaligen DDR tatsächlich ein Neonazi-Problem.“ (Der Texas-Kontrakt, 2003, ursprünglich Die Germania-Gang – Aus dem Geheimsafe des Autors)

Teil 3: Das Personal, die Anfänge und die Reisezeile

Morgen küsst euch der Tod
Code 18 jagt Grauauge
Dreitausend Särge
Die grausamen Tage
Captain Montechristo
Verrat am Nil
In Moskau ist es aus mit dir
Die unsichtbare Truppe
Mein Grab in Marokko
Kurier ins Dunkel.
Das sind 1965/66 die ersten zehn Titel einer neuen Romanreihe in Deutschland.

212_morgen küsst der tod300-tile

Es folgen:
Mein Tod auf Jamaika
Stahlhand
Bis uns der Teufel holt
Duell in der Südsee
Land der tausend Henker
Das Loch im Kopf des Königs
Das kalte Gefühl im Nacken
Meuterei in der Hölle
Mein Kopf rollt in Rio

333_Jamaika-folgende

664_ Mitla-Pass-Geheimnis_LETZTER_300

Der letzte Mr. Dynamit, September 1992

Dann hat MR DYNAMIT eine eigene Taschenbuchreihe im Pabel-Verlag, Rastatt.
Zehn Kosaken für Anuschka wird zum Erfolgsnachdruck Nr. 1, es folgen:
Ein Staubkorn in Tokio
Goodbye, Eisenfresser!
Grenzfort Mariza
Drei alte Kameraden
Mein geheimster Auftrag
Leibregiment Satan
Nachtangriff auf Suleika
Durchbruch nach Mahabad
Die Frau aus dem Vulkan
und viele, viele andere. Insgesamt 195 Erfolgsnachdrucke. Dazu gibt es noch die Wiederaufwärm-Recylingreihe MISTER DYNAMI CLASSIC. Im wiedereinigten Deutschland aber verschoben sich anscheinend dann die Interessen, die Auflagen gingen zurück. „Die Themen, die der Herr Günther immer hatte …“, bedeutete mir Mitte der 1990er eine frühere Redakteurin am Telefon. Mit dem am 1. September 1992 erscheinenden Mitla-Pass-Geheimnis wurde die Reihe so unvermittelt schnell eingestellt, dass es nicht einmal mehr zu einem Abschied reichte. Die Zeit von Mister Dymanit war vorbei.

451_Reiseziele Brich den Hals 300-tile

Wer ihn list, der kam herum:
Duell in der Südsee
Horchposten Südpol
Meuterei in der Hölle
Ein Tango am Himalaja
Krumme Tour in Singapur
533_300530_300Kalte Spur nach Babylon
Order aus Tokio
Express nach Madrid
Ein Coup am Ende der Welt
Drüben in Paris
Südseeblitz
Ein Kreuz südlich von Bagdad
Nach Peking oder zur Hölle
Desaster am Ostpol
Bluff im Atlantik
Die ägyptische Spur
Griechisches Feuer
Südkap-Express
Keiner kam bis Tara
Geheimfront Südsee
Hinter den sieben Meeren
Der Nippon-Turm.

431_Sterben mohn 300-tile

Andauernd schrammt der Held knapp am Tod vorbei:
604_300601_In Bombay300Stirb nie an einem Montag
Mein sanfter Weg zur Hölle

Bis uns der Teufel holt
Stirb mit mir heut Nacht
Mein Kopf rollt in Rio
Stirb mit mir heut Nacht
Sterben tut weh
Alles geht einmal kaputt
Heisser Tod in kühlem Sarg
In Bombay, wenn ich noch lebe

Brich den Hals in Havanna
Mein Preis – dein Blut,
Leichenhaus… und aus
Mein Leichnam in Istanbul
Mein Grab in Marokko
Roter Mohn auf mein Grab.

382_Mister Dynamit 382_300-tile

Und er bekommt die schönsten Fälle:
Die Rheingold-Operation
Der Nibelungencoup
Das Barbarossa-Rätsel
Kennwort Adlerhorst
Wotans Rache
657_Balmung-Siegfrieds Schwert300621_O.R.G.A. - Die Erben des Teufels300Raubzug nach Lampedusa
Der Mann aus Liliput
Der Stein des Herkules
Der Gigant von Messina
Kalte Spur nach Babylon
Das Erbe des Kirgisen
Kurier vom anderen Stern
Flucht nach Byzanz
König Salomons Ring
Das Vermächtnis der Hunnen
Im Auftrag des Kanzlers
Balmung – Siegfrieds Schwert.

212_morgen küsst der tod300Bob Urban: Glutamin im Hirn, Dynamit im Blut

„Eigentlich haben wir im ganzen BND nur einen Mann, der tatsächlich universell verwendbar ist. Ich könnte Ihnen den Namen nennen“, sagt Personalchef von Triefenberg zum Fachreferenten für das Personal, der die Lochkartenmaschine bedient, „möchte aber der Maschine nicht vorgreifen.“ Wir sind im Jahr 1965, beim allerersten Auftritt von Code 18 in Morgen küsst euch der Tod (mit Lex Barker verfilmt, siehe die Filmbesprechung nebenan). Die ratternde IBM ist mit der A-Kartei gefüttert: Jeder Spezialagent hat hier seine Karte. Sie enthält alles über ihn: Größe, Gewicht, Alter, Herkunft, Ausbildung, Spezialschulung in Fremdsprachen, Sportarten, Details über besonders körperliche und geistige Fähigkeiten, Intelligenzquotient, Lieblingsfarbe, bevorzugter Frauentyp; das Instrument, das er spielt, die Zigarettenmarke, die er raucht, Haarschnitt, Marke des Rasierwassers. Für jede Position ist an einer bestimmten Stelle der Karte ein kleines Rechteck eingestanzt.
„Absolut zuverlässig ist heute nur noch die Elektronik“, betont von Triefenberg. „Ich denke, sie spuckt die Karte 18 aus – Bob Urban.“
„Bob Urban“, murmelt der Angestellte. „Kann hinkommen. Der Junge hat Dynamit im Blut und Glutamin im Hirn.“
„Daher sein Firmenname“, sagt von Triefenberg. „Mr. Dynamit ist jedenfalls besser als Mr. Glutamin.“
Die Karte fällt ins X-Fach. Es ist Code 18. Bob Urban, Major, 31, sieben Dienstjahre. Nachrichtentruppe, zwei Jahre Marine, zwei Luftwaffe, sieben Monate Bundeskriminalamt. Patent A 5, Steuermann auf großer Fahrt, Blindflugschein, US-Training auf Düsenjäger bis F.104 und Transportflugzeuge bis Noratlas. Acht Semester TH München/ Berlin. Hochfrequenz und Maschinenbau, IQ 123, Dolmetscherexamen französisch, englisch, spanisch. Olympiareifer Fünfkämpfer, Pistolenmeister, ledig. Liebt Tolstoi, Flamencomusik, schlechter Sänger, mäßiger Tänzer. Bevorzugte Frauen: rothaarig mit einem Stich ins Blinde.
„Die haben die schönsten Beine“, murmelt BND-General Sebastian, als er die Personalakte studiert. „Und Sommersprossen zuweilen.“

386_Nachdruck_Mister Dynamit 386_300Ja, ich bin Bob Urban, dachte er …

Erst auf Seite 54, nachdem bereits in Stuttgart-Degerloch ein Flugkapitän gefügig und ein Inselflugplatz von einer U-Boot-Besatzung startklar gemacht wurden, eine Düsenmaschine gestohlen, US-Marines mit weißen Kreuzen bespritzt, ein korrupter General von einer Blondine verwöhnt und Mafiaboss Baretti eingeführt wurde, tritt Mister Dynamit erstmals auf. Dies in einem Stück fast experimenteller Literatur. Textauszug Kapitel 2 – Die Blutmühle:

Jetzt hieß er Bob Urban, und seine Freunde nannten ihn Bob. Aber alle anderen, die ihn hassten und fürchteten, nannten ihn nur „Mr. Dynamit“.
Als er noch Major bei der Bundeswehr war, einer von den jungen Stabsoffizieren und gerade 29 Jahre alt, hieß er anders. Damals führte er noch den Namen, der auf seinem Taufschein stand. Das alles hatte sich geändert. Dieses und vieles andere.
Den Dienstgrad hatte er abgelegt, den Namen gewechselt; sein Aussehen und seinen Lebensstil getarnt. Er hatte seine Vergangenheit abgeschüttelt wie ein Bär den Winterpelz.
Heute arbeitete er bei der Abwehr. Kurz BND genannt. Sie hatten ihn herübergeholt, weil sie für das heikelste Geschäft die Besten brauchten.
Er liebte seinen Job, aber nicht nur ihn. Er liebte auch Flamenco-Gitarren und Whisky sour. Und noch nie zuvor hatte er sein Leben so geschätzt wie jetzt, wo es ihm nur noch zur Hälfte gehörte, oder zu einem Drittel. Genau ließ sich das in keiner Stunde bestimmen…
Ja, ich bin Bob Urban, dachte er, und dass ich ein Anfänger war, ist schon lange her.
Ich fahre durch Nizza, dem schönsten Steinbruch der Riviera zwischen Cap Antibes und Cap Ferrat. Ich fahre meinen alten Carrera, die Rakete auf Rädern mit über hundert PS.
Nacht in Nizza, tausend Lichter spiegeln sich im Asphalt. Es hat geregnet, jetzt stehen schon wieder Sterne über der Bucht.
Bald kommt der Morgen, dann ist wieder eine Nacht um. Schade, ich liebe die südlichen Nächte.
Dort ist die Negresco-Kreuzung. Wie oft bin ich dort abgebogen? Immer, wenn ich zu Michette fuhr. Diesmal biege ich nicht ab. Hat noch Zeit, Zeit für einen Whisky an einer Bar.
Da gibt es ein Bistro, da haben sie Platten von Zorro Corregidor in der Musikbox. Ich muss mal wieder Zorro Corregidor hören. Seine kastilianische Serenade. Keiner spielte sie so wie er. Ich glaube, der Junge kann mit der Gitarre umgehen wie ich mit einer Mauser.
Außerdem trinke ich gern Whisky sour. Mit einem Glas in der Hand bist du nie allein. Aber auch das täuscht dich nicht darüber hinweg. Du hast den härtesten Beruf der Welt, Bob Urban. –
Ja, hier bin ich, und das ist Nizza. Die vertraute und doch so fremde Stadt. Fremd ohne Michette, so wahr ich nicht Bob Urban heiße.
Und deshalb fahre ich jetzt zu Michette, dachte Bob Urban, ohne Whisky, gleich jetzt sofort. Ich möchte meine Hand auf ihre kleine Brust legen, wo man ihr Herz schlagen fühlt.
Er bog bei der Negresco-Kreuzung ab. Es war die Nacht vom 18. auf den 19. September. Trotz Regen eine schwüle Nacht.
Es ging auf zwei Uhr.
Hinter der Kreuzung ließ er die Viernockenwellenmaschine jaulen.

409_Mister Dynamit 409_300Unverhältnismäßig oft begegnet ihm rotes Schamhaar

Bob Urban altert so gut wie nicht über die Jahre. Auch sein vom Schmied von Kochel stammendes schmiedeeisernes Bett verlottert trotz Dauerbelastung nicht. In jedem, aber wirklich jedem Mister-Dynamit-Roman wird mit keineswegs harmlosen Frauen, sondern oft richtig scharfen Frauen gevögelt. Agentinnen, Erbinnen, Rächerinnen, wenige nur sind Zivilistinnen, gerne auch mal eine Schlagersängerin. Draußen, drinnen, oben, unten, mitten im Gefecht, ganz egal. Urban wohnt in München-Schwabing, in einer Parallelstraße der Georgenstraße (Operation Eiszapfen), hat ein einigermaßen komfortables Jagdhaus im Kaisergebirge (Clay der Hai) – und mindestens eine, wenn nicht gar bis zu drei Frauen pro Roman. Unverhältnismäßig oft begegnet ihm rotes Schamhaar. Was kann er dafür, dass er gut aussieht? Zitat: „Zu den grauen Augen, der kräftigen geraden Nase, dem Hunderttausend-Volt-Kinn trug er ein Lächeln um den Mund, als würde er alles, was je auf ihn zukam, locker mit links nehmen.“ (Eliteeinheit Nero) Und noch ein Zitat: „Urban war kein Rassist. Nur bei Pferden, Hunden und Frauen machte er eine Ausnahme. Begegnete ihm da ein edles Exemplar, hielt der Eindruck lange nach… Er konnte das Bild der Contessa nicht loswerden…“ (Der Mann ohne Gefühl)

In Captain Montechristo, dem mit 205 engen Seiten voluminösesten MD-Roman, reitet er – wohl ein erzählerischer Ausgleich zu den vielen U-Boot-Szenen – einen Leopard-Panzer fast zu Schanden (siehe das PS. unten). Wie James Bond raucht er eigens für ihn angefertigte Zigaretten, und zwar Monte Christo, mit Goldfilter und einer Mischung von ägyptischem und Virginia-Tabak. Sein Getränk ist der “Dynamit”, besteht aus vier Teilen Bourbon und einem Teil trockenem Wermut.
590_ Falcone-Schlacht300Die Aufträge erhält er von Oberst i.G. a. D. Wolf Sebastian– klein, rundlich, Monokel. Harter Hund. Fairer Chef. Als junger Major und Kommandeur eines Panzerbataillons einst bis zum Ärmelkanal durchmarschiert (Die Falcone-Schlacht). Die Abkürzung steht für im Generalstab, außer Diensten. Wenn ihm sentimental wird, also immer wenn es um Kameradschaft und vielleicht das Sterben im Felde geht, nennt er seinen Lieblingsagenten beim Vornamen, fragt Bob auch mal: „Neuer Kragenschnitt an Ihrem Hemd. Wo lassen Sie arbeiten?“ – „In Hongkong.“ – „Von der Stange?“ – „Gehobene Maßkonfektion, Schweizer Popeline. Modell Jüterborg.“ – „Muss ich mir merken.“

Der Q des BND ist Professor Strahlmann, der Preis für seine Gadgets oder wenn man sein Wissen anzapft, heißt: selbstgebrannten Schnaps probieren. Ohne Rücksicht auf Magen und Speiseröhre. Dann gibt es noch den BND-Personalchef Graf von Triefenberg, der die Spesenabrechnungen schärfer kontrolliert als eine Äbtissin die Keuschheit ihrer Nonnen. Spezialfeind von Bob Urban. Holzbein. Schnösel. Als er aber zum Austausch für eine alte Akte entführt wird, ist es Urban, der ihn rettet und ihm das nicht unter die Nase reibt. Und dann ist da zudem Urbans Fahrer, Feldwebel Bubi Spiegel. Treue Seele. Über Urban kommt er an allerlei exotische rollende Gefährte, aber Urban fährt auch gerne selbst. Paris–München, das ist Mittelstrecke für ihn – im Auto. „Fünf Stunden Donnergeheul aus dem BMW-Auspuff. Auf den 700 Kilometern verbrauchte der 250-PS-Motor locker 160 Liter Super verbleit. Aber es war ja auch keine Kaffeefahrt zu Omas Guglhupf.“

397_Leichnam IstanbuljpgTeil 4: Meisterwerke der Klappentext-Kunst und Romane, die noch im Bücherschrank schwelen

Das also ist die Welt von Mister Dynamit. Und das Werk von C.H. Guenter, der als seriöser älterer Herr mit weißem Schnurrbart eine Anmutung von „Großvater erzählt“ auf der Rückseite der MD-Romane verbreitete. Geradezu unwiderstehlich dazu der Kontrast der betont markigen Klappentext-Sprache. Und erst recht der Slogans und der Vorschau-Teaser. Mit zum Lesegenuss gehörte in jedem Buch die Ankündigung für das nächste Abenteuer. Fast durchgängig Meisterwerke der Klappentext-Kunst. Ganz große Klasse. Hier Beispiele:

Ein Roman wie eine Zigarette ohne Filter, stark, aromatisch, naturrein. (Duell in der Südsee) 
Blumen verwelken und Schokolade macht dick, aber dieser MISTER-DYNAMIT-Roman wird Sie wie immer in den Bann ziehen. (Sterben muss auch mal sein)
Ein Roman wie ein Hieb in den Magen, auf den es nur eine Antwort gibt: MISTER-DYNAMIT – was sonst! (Den Teufel an die Wand)
Dieser MISTER-DYNAMIT-Roman ist ein Dauerheuler, der sie entnervt wie eine Luftschutzsirene in der Nacht. (Feuerküsse für Miss Wong)
335_stahlhand300Wasser löscht Feuer, wo aber der Brand zu groß ist, kann ihn nur noch Dynamit ausblasen. Ein Roman, der noch in Ihrem Bücherschrank schwelt. (Stahlhand)
Ein Roman, den Sie lesen, auch wenn Sie sonst nie ein Buch zur Hand nehmen! (Die grausamen Tage)
Ein Roman, der Sie hochbringt wie eine Spritze Morphium. (Kurier ins Dunkel) 
Ein neuer Beweis: Seit MISTER-DYNAMIT ist Opas Kriminalroman gestorben. (Der Gigant von Messina, 1970)
Eine Unterhaltung, die Ihnen das Fernsehen niemals bieten kann.
Wieder ein MISTER-DYNAMIT-Roman, den Sie noch im Kopfstand lesen – und den Sie erst beiseite legen, wenn er zu Ende ist. (Das Paradies des Satans)
Über einen Punkt lässt dieser Roman keinen Zweifel offen, daß lesen weniger gefährlich ist als dabei zu sein. (Ein Hundesohn wie du)
Ein MISTER-DYNAMIT, der Ihnen den Zunder gibt, den Sie heutzutage brauchen. Bald bei Ihrem Zeitschriftenhändler. Falls er ihn dann noch vorrätig hat. 

Durchgängiger Kern-Slogan: DYNAMIT-Leser blicken hinter die Kulissen des Weltgeschehens.
Etabliert wurde dieser Spruch (Werber würden sagen: der Claim) im Protestjahr 1968 am Ende des 17. Mister-Dynamit-Abenteuers, Das Loch im Kopf des Königs. C.H. Guenter bekam dafür die ganze letzte Buchseite, als Brief an seine treuen und potentiellen weiteren Leser, die er auch zu Rückmeldungen aufforderte. Er selbst setze sich erst einmal „nach China ab. Zu Mao. Sonst denkt der noch, ich hätte was gegen ihn.“ Nun, ich kannte bekennende Maoisten und Weltrevolutionäre, die Mister Dynamit lasen, der durchaus ein Herz für Freiheitsbewegungen hatte. In Maßen, natürlich.

Darauf einen Armagnac: Eigentlich hätte er schon auf der Alpenstraße sterben müssen, wo ihm die Killer im Nacken saßen, oder im Hollywoodbett jener Schönen, die Armagnac wie Apfelsaft trank, aber sie hoben sich sein Ende für den Schluss auf. – Es kam, als der Wirbelsturm anfing zu rasen. Da half ihm auch die beste Wettervorhersage nicht mehr. Es muss nicht immer Haschisch sein, ein DYNAMIT-Roman tut es ebenso. (Dunkelblauer Hurrikan)

Exkurs: Zehn Mister-Dynamit-Titel, die es leider nie gegeben hat:
Mister Dynamit – Die Bestie fliegt Economy
638_ Auftrag des Kanzlers300Mister Dynamit – Sein Blut war pures Nitroglyzerin
Mister Dynamit – Ein Totenbett aus Blei
Mister Dynamit – Der Sensenmann macht Überstunden
Mister Dynamit – Die Bestie von Kassel
Mister Dynamit – Agenten sind die größten Schweine
Mister Dynamit – Du quatschst dich noch ins nasse Grab
Mister Dynamit – Ein Henker ist kein Blumenstrauß
Mister Dynamit – Der Teufel liest Prawda
Mister Dynamit – Tote Puppen tanzen besser

Und noch extra: Mister Dynamit – Wenn die Lunte senkrecht steht
Mister Dynamit –
Der Scheich ritt einen Araber
Mister Dynamit –
Treibsand ist kein Entspannungsbad
Mister Dynamit – Die Bombe kam montags
Mr. Dynamit – Der Mann, der den Himalaya sprengte
Mister Dynamit – Der Taunus ist nicht genug


376_Mister Dynamit 376_Leibregiment
Eine Sache, die keiner haben will: Entspannung

Und dann erst die Slogans: 
Zwanzig Jahre bekam er nur Knochen. Aber an ihnen schärfte er die Zähne für den großen Biß. (Geldmanns Ende)
Alte Söldner fahren nur zur Hölle, wenn die Kasse stimmt. (Leibregiment Satan)
Sie liebten Champagner, Kaviar und Kartoffelpuffer. Den Mann, der ihnen blaue Bohnen servierte, den schätzten sie nicht. (Die Chicago-Brüder)
Er ist ein Gangster, mächtig und unangreifbar. Eines Tages hat er es satt, immer nur Millionär zu sein. (Neunfinger)
Er stellt alle Gangstersyndikate der Gegenwart in den Schatten, obwohl er seit 700 Jahren tot ist (Raubzug nach Lampedusa) 
In einem einsamen Kampf zwischen südlichen Stränden und Sibirien, gefördert und behindert durch zwei rätselhafte Frauen, reibt sich der BND-Agent Bob Urban für eine Sache auf, die keiner haben will. Für die Entspannung … (Die Mauritius-Krise)
Ein UFO in den Abruzzen… hochtrainierte Shao-Killer von WOLF, der mächtigen Weltindustrie-Organisation… und der Club of Rome. (Das Mallory-Projekt)
Einer Ratte gleich, beißt sich Urban durch einen Kothaufen von Verrat und Korruption. (Geheimfront Südsee)

Dazu diese Anreißer auf dem Cover und die Klappentexte auf der Rückseite.

250_300ß särge3000 Särge: Der Autor der Mister-Dynamit-Romane, Jahrgang 1924, zählt sich zu der Generation mit den schlechten Erfahrungen. Er schreibt spannende Unterhaltung und behauptet, etwas anderes könne er nicht besser. So entstanden 150 Krimis in seiner Werkstatt, dazu Filme und Fernsehspiele. Der Reißer „3000 Särge“ hat es in sich: Zwischen Bosporus und Gibraltar schwimmen 60 Millionen Dollar. Mr. Dynamit kriegt kaum noch Luft.

Captain Montechristo: Ein Mann und sein altes Unterseeboot aus dem 2. Weltkrieg verkörpern eine Macht, wie sie ein einzelner nie besaß. Wer ist der Erbe? Jener Häftling in Amerikas sicherstem Militärzuchthaus, dessen Haß heißer ist als die Sonne? Dann wird der Pazifische Ozean zum Inferno. Mister Dynamit folgt dem gefährlichsten Mann des Jahrhunderts über 20.000 Meilen. Luft, Erde und Wasser sind gegen ihn. So ein Kampf kann nur mit dem Untergang enden. (Selbst ein U-Boot-Mann gewesen, ziehen sich U-Boot-Geschichten in breiter Bugwelle quer durch C.H. Guenters Werk. Nachdem der Verlag die Mister-Dynamit-Reihe 1992 eingestellt hatte und nach kreativer Pause veröffentliche er bis zu seinem Tod noch 14 Seewolf-Romane, siehe unten das entsprechende PS. Am Ende von Captain Montechristo lässt der Autor seinen Helden (beinahe) sterben, bei einem Autounfall auf Okinawa wird der nie angeschnallte Bob Urban aus einem Sportwagen katapultiert und bohrt sich in die Erde. – Ein echter Schockmoment.)

309_In MoskauVerrat am Nil: Ein Luxuswagen, Sonderanfertigung aus Detroit, soll dem Westen Arabiens die Freundschaft erhalten. Aber selten ist den USA eine Geheimoperation ärger mißglückt. In einer Nacht sterben ihnen die besten Männer weg. MISTER DYNAMIT, totgeglaubt, tritt aus der Versenkung. Von Kairo bis Beirut brennt er der Levante seinen Stempel auf.

In Moskau ist es aus mit dir: Aus dem größten Versuchszentrum Amerikas verschwindet ein Geheimobjekt. Das Gerät führt die Deckbezeichnung MONK. In der gleichen Woche erfolgen rätselhafte Anschläge auf Forschungsinstitute in Deutschland. Wieder ein MONK? – Die Regierungen geraten in Panik. Wenn es MONK gelingt, den Kreml zu sprengen, ist das der Weltkrieg. – Dreimal steht MISTER DYNAMIT MONK gegenüber. Das letzte Mal in Moskau. Und dies, obwohl eine Zigeunerin ihn warnte: In Moskau ist es aus mit dir.

322_MarokkoMein Grab in Marokko: Ein bekannter Ingenieur für Stauwerke verschwindet in der Donau. – In Sizilien fliegen Speicherseen in die Luft. Die Fluten begraben Dörfer unter sich. – Geheimnisvolle Einschüsse zwingen NATO-Flugzeuge zur Landung. Und jede Spur endet im Nichts. – Auf der Suche nach dem Nichts verschlägt es MISTER DYNAMIT nach Marokko. Dort sitzt ein Mann, der einen japanischen Weltkonzern betrog. Rache ist sein Geschäft. Ein Knopfdruck von ihm, und Europa ertrinkt …

Kurier ins Dunkel: Die Großmächte verfolgen einen Eskimodoktor, denn er besitzt den Schlüssel, die Welt zu verändern Die Amerikaner jagen in bis Grönland, die Russen töten ihn. Nur noch einer kennt jetzt des Geheimnis des „Kazorra“. Mister Dynamit gerät zwischen die Zahnräder der Macht, als er für die USA Flugzeugersatzteile nach Tibet schmuggelt. Gegen seinen Willen wird der deutsche BND-Agent Erbe des Kazorra-Rätsels. Alle Welt ist entschlossen, diesen Mann auszulöschen. Sein Gehirn ist der Weltfeind Nr. 1.

Stahlhand: Bei einem Grenzgefecht verliert Leutnant Tata seine Hand. Man stößt ihn aus der türkischen Armee aus. Aber Tata hat in Europa Freunde. Er ruft, und sie kommen. Zu dritt sind sie unschlagbar. Ihr Betriebskapital holen sie von der NATO, ihr Ziel ist die Macht. Haß entzündet das Mittelmeer, bis es brennt wie eine Pfanne voll kochendem Öl. Solche Feuer kann man nur mit DYNAMIT ausblasen …

Die Frau aus dem Vulkan: Winter 1945: Deutsche Fliegeroffiziere führen mit ihrem Heinkel-Fernbomber für Japan Geheimaufträge durch. Als die Amerikaner sich Tokio nähern, werden die Deutschen an die Wand gestellt. Nur einer entkommt. Fünfundzwanzig Jahre danach ist der „Orden der Drachenritter“ wieder erstarkt. Ihm gehören japanische Bankiers und Großindustrielle an. Sie wollen Amerikas Einfluß in Ostasien brechen. Da ist Ihnen jedes Mittel recht. Ihr Boß ist eine Frau. Wie eine einschlagende Granate ist sie plötzlich da. Ihr Wille treibt Männer in den Tod, läßt Konzerne zittern. Wenn sie in New York das Telefon abhebt, fliegen in Okinawa die Fetzen.
Doch im Herbst taucht ein Mann auf, der ihr Format hat. Nur MISTER DYNAMIT ist fähig, ihr zu trotzen.

EN Der Tag als Joe geschlachtet wurde EN_CoverDas Paradies des Satans, 1969: Fünfzig Jahre war er Gefangener des Eisbergs – dann trieb er seine Befreier ins Verderben … Die US-Marine kann nur noch zusehen, wie die Russen einen riesigen Eisberg mit einem eingefrorenem Stier in ihre Gewässer abschleppen. Von da an hören die amerikanischen Forscher nichts mehr von diesem geheimnisvollen Fund. – Aber vier Jahre später wächst in Sibirien ein riesiges Bauwerk. Amerikas beste Agenten versuchen den Zweck des Projektes zu ergründen. Sie müssen sterben. Für MISTER DYNAMIT beginnt die Sache unter Palmen und endet im Leichenkeller. 

Der Tag, an dem Joe geschlachtet wurde, 1976: Er konnte kaum „Hänschen klein“ singen – aber als Saboteure das Gehirn des Computers Joe zerstörten, war Amerika hilflos …

Die Orkus-Falle, 1980: Drei Spitzenagenten westlicher Geheimdienste sind beschuldigt, einen Millionenraub begangen zu haben. Sie werden fristlos entlassen und weltweit gesucht. Aber schon läuft ein viel größerer Coup an. Diesmal geht es nicht um die Ölladung eines Supertankers, sondern um ein Schiff voller Vernichtungswaffen, das die Ostsee mit unbekanntem Ziel verlassen hat. Und wieder sind die drei Ex-Agenten in den Fall verstrickt. Mister Dynamit ist noch dabei, auf dem sonnigen Mallorca eine Politikerehe aus den Klatschspalten der Sensationspresse zu retten, als man ihn an die Front ruft, wo ein europäischer Bruderkrieg droht.

593_elite-einheit nero300Eliteeinheit Nero, 1986: Sie war nur eine mäßige Rocksängerin, aber einer ihrer Songs enthielt genug Gift, um Millionen zu töten. In der Altstadt von Nizza wird ein Luxusautomobil gestohlen. Stunden später ist es unterwegs nach Nahost. Zwar enthält der Handkoffer, den der Autodieb für sich behält, nur Tonbänder einer Sängerin, aber sie ist zugleich Ehefrau eines Gen-Forschers, der einen Weg fand, die Welt vor dem Hunger zu retten. Der BND-Agent Mister Dynamit jagt hinter den geheimen Unterlagen her, verbündet sich mit Nutten und Ganoven …

„Mister Dynamit“, antwortete Babyface leise, „der Mann mit dem berühmten Kriegsnamen, der Killerwal im großen Teich der Karpfen, das lässig lockere Monster, Urban, das Untier, die schiere Legende, Urban, der Eschnapur-Tiger …“ (Mieser alter Spion) „Rette meinen Sohn“, flehte Scheik Achmud, „oder es gibt einen fürchterlichen Krieg.“ (Blauer Ritter der Wüste) Bob Urban ist ein Superheld – und in keiner Weise lächerlicher als die heutigen, das Weltkino dominierenden Comic-Helden. 

661_300… oder frißt die Welt sich selbst auf?

Der Pirat von Akaba: Fünfzig Jahre ruhen die Mitgliederlisten einer geheimen arabischen Revolutionsarmee in einem gesunkenen deutschen Weltkriegs-U-Boot, bis einer der Enterbten sie entdeckt. Im Kuweit-Krieg leistet er Hilfe für Hungernde und Kranke. Sie lohnen es mit Mord. Aus Rache beraubt und versenkt er ihre Schiffe. DER PIRAT VON AKABA treibt nicht nur den Nahen Osten in eine neue Krise, sondern auch Bonn. Weil er sich mit deutschen Torpedos wehrt, wird er ein Fall für MISTER DYNAMIT.

Die Albion-Pleite: Als der Irak noch die Mullahs in Persien bekämpfte, lieferten sie ihm Waffen und Mega-Gift. Nach dem Golfkrieg wollen die USA und England dies nicht mehr wahrhaben. Sie aktivieren den Topspion Curtiz, um die Spuren zu löschen. Die supergeheime Operation wird DIE ALBION-PLEITE. Curtiz verschwindet, und das Rettungskommando wird in der jordanischen Wüste massakriert. MISTER DYNAMIT weigert sich standhaft, für Albions Pleite verheizt zu werden. Doch sie finden einen Dreh, um ihn zu zwingen.

Balmung – Siegfrieds Schwert: Der Top-Agent Mister Dynamit entdeckt im Sudan ein Massenvernichtungsmittel. Daraufhin sperrt Bonn die Hilfsgelder, und der Diktator nimmt dreihundert Deutsche und Amerikaner als Geiseln. Aber da gibt es noch BALMUNG – SIEGFRIEDS SCHWERT. Eine Organisation, die Frieden anstrebt, und sei es durch Königsmord. Sie hetzt den gefährlichsten Killer Europas auf El Hassir. Doch wenn der Diktator stirbt, sterben auch dreihundert Geiseln. Zwischen Kairo und Khartum kämpft Mister Dynamit allein gegen den totalen Wahnsinn.

645_ Barbarossa-Rätsel300Ein Tresor in Berlin: Ein ostdeutscher Forscher entdeckt geniale Bakterien. Sie fressen Ölteppiche bei Tankerkatastrophen und Giftmülldeponien. Doch ihr Hunger ist unstillbar. Aus Angst vor Mißbrauch versteckt der Wissenschaftler seine Mikroben im Panzerschrank Nr. 22 – Als die Berliner nach der November-Revolution die Stasi-Zentrale stürmen, fehlt er. – Nicht nur der Tresor ist verschwunden, auch der einzige Mann, der von seinem Inhalt weiß: der Ex-Stasi-General Jo Hartmann. – Lässt sich das Geheimnis des Tresors wahren, oder frißt die Welt sich selbst auf?

Das Barbarossa-Rätsel: Ein Heinkel-Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg landet 1989 nach Englandflug auf einem NATO-Stützpunkt. Wo war er in den vergangenen 45 Jahren? – In einem norwegischen Fjord läuft ein deutsches Torpedoschnellboot ein, und in Paris beschießt ein Jagdpanther den Arc de Triomphe. – Verschiebung der Zeitachse? fragen sich die Wissenschaftler. Dann trifft ein Brief Hitlers im Weißen Haus ein: Beendet den Wahnsinn der Weltzerstörung, oder ich vernichte euch. 

Ali Babas Verschwörung: Wer die Küste besitzt, hat das Öl. Die einen liegen in ihren Wüstenzelten, krepieren vor Hunger, und der Fettsack von Scheich sitzt auf seinen Milliarden. – Als sie ihren Anteil fordern, ruft der Tyrann: „Hunde, wollt ihr ewig leben!“ und läßt die Armee marschieren. Da beschließen sie, ihn zu schlachten. Aber zehntausend Mann Leibwache umgeben ihn wie Wände aus Tresorstahl. In seiner Not greift Ali Baba zu den alten Tricks. Er ruft die Geister. Die großen Gangster der Welt erscheinen, und auch Mister Dynamit.

Teil 5: Bob Urban, Deutschlands Rache für den verlorenen Krieg? – Momentaufnahmen, querbeet. 

Urban und die Perversion hoch drei: Urban fühlte sich auf irgendeine Weise verarscht. Er war weiß Gott ein Insider und glaubte, die Zusammenhänge zwischen Politik, Forschung, Rüstung und Wirtschaft zu kennen. Aber was da verpulvert wurde, nur um den Gegner zu täuschen, was da an Mitteln hinausgeworfen wurde, um einen kaum messbaren Vorsprung zu gewinnen, und in der gleichen Zeit kamen in den Hungerregionen Hundertausende von Menschen ums Leben.
Das war Perversion hoch drei.
Mann, das wurmte ihn allmählich.  (Tödlicher Bumerang)

618_300Urban, tricktechnisch vom BND gefeuert … und an den KGB ausgeliehen. „Man brauchte eine Nachricht nur mit top-secret zu belegen, und schon wusste die Gegenseite Bescheid.“ Zitat: „In Moskau hält man viel von Ihnen, Oberst Urban. Sie sind der meistgefürchtete, meistgeachtete und bewunderte Westagent aller Zeiten … Angeblich geht der Spruch um, Urban sei Deutschlands Rache für den verlorenen Krieg.“  (Der Cinderella-Trick) 

Urban und die Romananfänge (1): Schon Mitternacht und der Fremde rief nicht an. Ilona lag, nur mit dem Slip bekleidet, auf dem Bett. Es war zu warm. (Der Gigant von Messina) In der Hafenstadt Qui Non fand Ronnie Williams den Inder wieder, der ihm im vergangenen Jahr den Flugzeugmotor besorgt hatte. (Strafkommando) Urban schaltete seine Maschinenpistole von Dauer- auf Einzelfeuer. Er hatte nur noch das eine Magazin. (Sterben tut weh) Die dürren Halme krachten unter den Rädern des Jagdjeeps. Vor ihnen lag das Grasland, leer, heiß und blaßgrün unter der afrikanischen Sonne. (Der Mann ohne Gefühl
422_300Eigentlich hieß er Heinrich. Aber er nannte sich Henri. (Der Mann mit der Lupara) Nach der Kurve brauchten sie den zweiten Gang. (Roten Mohn auf dein Grab) Abgesehen von einem Fliegeralarm war dieser 26. Mai 1944 in Paris ein ruhiger Frühlingstag. (Viereck des Todes) Im Februar 1945 war alles, was mit der Niederringung Deutschlands zu tun hatte, von höchster Dringlichkeit. Deshalb konnte die Ladung auch nicht per Schiff zum europäischen Kriegsschauplatz befördert werden. (… dann lieber arm und tot)

Urban und die Legalität: Washington ist sauer, macht Druck. „Außenminister, Präsident, Bundeskanzler…. das löste die übliche Reaktion aus. Der Bundesnachrichtendienst wurde als stinkender Haufen, als stetes Ärgernis und zudem als absolut überflüssig bezeichnet. Wieder einmal dachte man an Neuorganisation, Reorganisation, Durchleuchtung, totale Kontrolle …“ Der BND-Präsident zum Kanzleramtsminister: Wir haben nur eine Tänzerin wieder zurückgekidnappt. „Nun“, meinte der Minister, „illegal plus illegal ist nicht gleich legal.“ – „Wie sagen doch die Engländer: Right or wrong, my country.“ – „Na schön, recht oder unrecht, die Interessen unserer Republik sollten an erster Stelle stehen. Ich bin auch dafür, ich bin ja kein Grüner.“

372_geheimster Auftrag592_Schloss an der ElbeMister Dynamit und die Roten: Schon 1970 in Mein geheimster Auftrag pressen die Russen Bob Urban als Tauschobjekt in ihre Dienste. Er soll die rätselhaften Todesfälle im Kreml klären und hetzt von Sibiriens Taiga bis in die Steppen der Mongolei, erwirbt sich die Achtung und dann die Freundschaft des KGB-Offiziers und späteren KGB-Generals Igor Krishnin, dem er immer wieder begegnet (etwa in Kampfstation Laurin oder in Drachentöter). Deutlich vor der deutschen Wende kommt auch der Stasi-Oberst Jo Hartmann als Kollege und Freund dazu, etwa in Ein Schloß an der Elbe,  Kurier vom anderen Stern oder Ein perfekter Verrat. Dort heißt es: Sie schüttelten sich die Hände. Sie wußten, was sie aneinander hatten. Es war nicht Freundschaft, es war mehr als das. Es war schon so eine Art Symbiose, das Zusammenwirken zweier verschiedener Lebewesen zu gegenseitigem Nutzen. Sie stellten eine Notblutkreislauf zwischen Bonn und Berlin dar, der dann zu funktionieren anfing, wenn nichts anderes mehr ging.

Urban und der Wert der Freundschaft: „Stimmt“, antwortete Urban. „Gute Freunde knallen dich für drei Mark ab. Jeder andere verlangt das Doppelte.“ (Stern von Okinwa)

Urban wird gelobt (1): Der Ami sagt: „Guter Mann, Ihr Mister Dynamit. Bitte verärgern Sie ihn, wir würden ihm sofort einen Vertrag geben. Auf Lebenszeit.“

557_verschworener Haufen300Urban, der Schluckspecht: Plötzlich hatte Spiegel eine Idee. „Ich kenne zwei Puppen“, schwärmte er begeistert, die haben sagenhaft zarte Hände. Die massieren uns Rücken und Arme besser als in einem japanischen Dampfbad. Die Haut geht zwar in Fetzen, aber die harten Muskeln werden wunderbar entspannt.“ – „Ruf sie an“, sagte Bob. „Das ist es, was dem stadtbekannten Meister fehlt. Es würde allerdings erforderlich machen, dass ich das Großkreuz mit Rubinen des Ritterordens vom Adlerhorst vom Halse nehme, aber ruf sie ruhig an. Und später veranstalten wir dann einen gemütlichen Abend mit so viel Alkohol, wie ein Jet von Frankfurt bis Honolulu Sprit braucht.“ (MD Nr 4, Die grausamen Tage)

Urban und die Waffen (1): „Vielleicht“, deutete Urban an, „hätten Sie erwähnen sollen, dass es weltweit 50.000 Atomsprengköpfe gibt, die die Erde hundertmal entvölkern können und dass Moskau und die NATO derzeit mehr als sieben Millionen Soldaten unter Waffen halten.“ Der BND-Vize antwortet: „Wichtig ist nicht die Menge an Waffen, sondern daß man sie vernichtet. Und sei es nur um Prozente. Nicht Fakten zählen, sondern die Gesten… Was“, wollte der Vize wissen, „würden Sie für feiernswert halten, Bob?“ – „Über den Daumen gepeilt, die Sprengung von 10.000 Panzern, T-74, Abrams und Leopards.“

Urban und Alexander Kluge: „Agenten in der Zirkuskuppel ratlos“, kommentierte Urban (Kampfstation Laurin, wo ihn der Bundeskanzler anruft, unverkennbar an seinem pfälzischen Dialekt.)

Urban wird gelobt (2): Der MI-6-Chef Lord Babbington schätzt ihn auch. „Für mich sind Sie einer der Größten, Bob. Schade, dass Sie ein lausiger German sind.“ Ob er ihm nicht einen Orden geben könne. „Besitze ich die nicht schon alle, Sir?“, gibt Urban zurück. – „Was darf es dann sein?“ – „Wie wäre es mit einem kurzen Händedruck, Sir?“, fragt Urban. Er ist in Eile, will vor dem Abflug der Maschine nach München gerne noch an der Bar einen Whisky nehmen. (Teufelskreis)

Urban und das Evangelium: „Das Wolfsgesetz“, sagte er, „kommt bereits im ältesten Evangelium vor. Es ist das erste Gesetz der Menschheit.“ (An geheimer Front)

414_frauen Mister Dynamit 414_300-tile

Mister Dynamit und die Frauen (1): Sie trug einen hautfarbenen Bikini in der Größe von bestenfalls vier Postwertzeichen … Ihre dunklen Brustwarzen zeichneten sich ab. Das dunkle Dreieck zwischen ihren Schenkeln schimmerte wie ein Persianerfell … Das war so eine Sache mit Tänzerinnen. Entweder sie waren lesbisch oder frigide. Wenn nichts davon zutraf, waren sie verrückt auf Sex, ebenso wie Hochleistungssportlerinnen. Eine Primaballerina war Olympiaklasse, und ohne Training war sie noch stärker auf Sex fixiert …
588_Operation Eiszapfen300Brüste wie halbierte Bowlingkugeln, einen Hintern wie von Botticelli gemalt und der kurze Flaum zwischen ihren Beinen war vielleicht sogar gesponnenes Gold. … „Ich bin verrückt, aber ich tu’s am liebsten in engen Kammern… Nimm bitte keine Rücksicht. Sei so brutal, wie du kannst“, keuchte sie. „Hammersex!“ – Es gibt seltsame Wesen, dachte er … (Ein oder zwei Romane weiter, hat Urban eine Vaterschaftsklage aus Italien am Hals.) – „Donnerwetter“, staunte sie. „Kein Slip. Der Gentleman trägt amerikanische Unterhosen, weiß mit weiten Beinen.“ – „Let him swing“, sagte Urban, „ist gesünder. Slips machen impotent. Und die Farbe weiß zwingt dich zu täglichem Wechsel.“ … Sie war das Wildeste, was an Stuten die freie Wildbahn durchbrauste. Es dauerte Stunden, um sie zu zähmen. … Er sah sie an, als sie die Strümpfe losmachte. Er hakte ihr den BH auf, nahm ihn weg. Und dann stand sie nackt da, wir irische Babys geboren wurden. „Weiße Haut, rotes Haar, wunderbar“, sagte er. „Diesmal hat es fünfzig Sekunden gedauert. Bestzeit, Mylady.“ – „Secret-Service-Agentdrill“, flüsterte sie und kroch zu ihm unter die Decke. (Zitate aus: Krieg in der Nuss-Schale, Eliteienheit Nero, Der halbe Weg zur Hölle, Die Pest am Hals, Operation Eiszapfen)

Urban, die Superkanaille: Der Russe schwieg und platzte dann heraus: „Du Bastard steckst also dahinter. Mister Dynamit, die Superkanaille. Aber das zahle ich dir heim. Dafür stecke ich dir das Dynamit hinten rein und blase dir den Mister weg. Ein für allemal.“ — „Du bist und bleibst ein räudiger Nazisprößling, Dynamit“, sagt der russische General … 

562_300Urban und die Romananfänge (2): Der Mann mit dem französischen Akzent sprach vom Umbringen wie ein anderer von der Vergasereinstellung seines Wagens. (Fisch im fremden Netz) Aus der kirgisischen Steppe tauchte die Sonne auf. Auf dem Exerzierplatz der Tockmak-Kaserne waren die Soldaten angetreten. (Ein Bastard im Visier) Ein Fieseler-Storch, Kurierflugzeug der großdeutschen Luftwaffe, flog, von Berlin kommend, so tief über den Rechliner See, dass die Wildenten aus dem Ried aufflatterten. (Der Pirat von Akaba)

Urban und der Sombrero: „Das war ein Tanz am Rande des Todes, wie?“ – Müde lächelnd winkte Urban ab. „Man hält es nicht für möglich“, antwortete er, „aber auch der Tod hat einen Rand, so breit wie ein Sombrero.“ (Das Ende von Verdammt gute Freunde)

Urban und die Frauen (2): Bob wurde einer Antwort enthoben, denn Cordula kam aus dem Lift. Genauer gesagt, sie hatte ihren Auftritt. Wo immer sie hinkam, war es ein Auftritt. Sie trug ein unwahrscheinliches Modell von schwarzem Bikini. Ein Ding mit langen Vorhangfransen am Halter und am Slip. Auf die versammelten männlichen Pupillen wirkte sie wie ein Elektromagnet unter Strom. Jeder peilte sie an wie rettendes Land. Sogar Bob, der sie tausendmal besser kannte als jeder hier, richtete sich auf. (Morgen küsst euch der Tod, 1965) Die KGB-Agentin Vera Rostanow aus In Moskau ist es aus mit dir badet gerne mit einem lebenden Hecht, 1967 war das überaus frivol.

498_300Urban und die Poesie: Der Mond hing wie eine Zitrone über den verkohlten Ruinen. Feiner Schnee wehte über das frostglatte Pflaster des Münchner Viktualienmarktes. Diese Januarnacht 1947 war kalt wie keine vorher. (Im Schatten des Falken) Die Nacht war wie ein dunkelblaues Gewölbe, an dem vereinzelt Lampen hingen. (Geheimstufe I)

Urban und die Romananfänge (3): Nach der Kurve brauchten sie den zweiten Gang. (Roten Mohn auf dein Grab) „Möchten Sie fernsehen?“, fragte der Unterstaatssekretär vom Wirtschaftsministerium die blonde Schönheit. (In Satans Diensten) Das FBI kochte vor Wut. (Mein sanfter Weg zur Hölle.) In Brasilien wurden die Straßen endlich besser. Dafür wurde das Benzin schlechter. Aber noch schluckte sein alter Ford-Mustang es klaglos. (Ein Coup am Ende der Welt) Die Werkstatt telefonierte, dass die Reparatur des Rolls-Royce drei Tage dauern würde, also nahm er den Mercedes. (Das Auge des Adlers) Der Jaguar war ein Bild von einem Auto und der Fahrer ein Bild von einem Kerl. (An geheimer Front) Gegen Abend ruderte der alte Jens noch einmal zum Fischen hinaus. (Ein Schloß an der Elbe

603_300Urban und der kalte Schnee: In Kurier vom anderen Stern tauscht Urban sich mit dem Stasi-General Joe Hartmann aus. Der sagt ihm anerkennend: „Du machst selbst aus Schnee noch ein Feuer.“ – Das war es, was Urban immer zu schaffen machte. Sie glaubten, er sei der große Zauberer. Dabei war er nur der große Bluffer – wenn es hochkam.

Urban und die Waffen (2): Am besten der ganze Dreck vernichtete sich selbst. Auch wenn eine Milliarde Forschungsaufwand dahintersteckte. Es war seine eigene, seine private Gewissensentscheidung. Niemand würde je davon erfahren… Es hatte ungefähr drei Minuten gedauert, bis der Wert, mit dem man 5.000 Einfamilienhäuser hätte bauen können, in Schutt und Asche fiel. Immerhin war die Erde noch einmal vor einer neuen Apokalypse bewahrt worden – Fragte sich nur, für wie lange. (Die drei aus dem Osten, 1987)

Urban und sein Wecker: Er trug immer einen wachsamen Wecker in sich, der bei Gefahr Alarm schlug. Doch diesmal war die Feder ab und es hatte zum letztenmal geklingelt. (Sterben tut weh, 1972)

461_ Grosser bandito300Urban und das Organisierte Verbrechen (1): Endlich kam der Mann, den Urban brauchte, ans Telefon. Er nannte sich Trapini und war der einflußreichste Mafioso Italiens…. „Hier Robert“, sagte Urban, „wie geht es dir, Onkel?“ Nicht, daß er die Mafia schätzte, aber es gab sie, und man mußte mit ihr fertig werden, so oder anders. Und weil es bis heute niemandem gelungen war, sie auszurotten, hatte Urban schon vor Hahren begonnen, sich ihrer zu bedienen… Mitunter hatte die Mafia den Weg ans Ziel genau um jene Stunden verkürzt, die am Ende nötig gewesen waren, um eine Katastrophe zu vermeiden. (Großer Bandito)

Urban und die Grünen: Um Kopf und Kragen war es gegangen, bis ihm gelungen war, diesen deutschen Parlamentarier aus den Händen von Banditen zu befreien. Ein Bundestagsabgeordneter der Grünen war ausgezogen, naturbelassene Stammesriten räuberischer Beduinen zu studieren, um ihr Sozialverhalten in neue Gesetzesvorlagen einbringen zu können. Ein Spinner, aber der Mann war gerettet worden – ohne Ansehen von Zurechnungsfähigkeit und Partei. (Kampfstation Laurin, 1986)

Code 18 und die Schluß-Sätze: Urban setzte sich in sein Auto und fuhr weg. Es macht keinen Spaß mehr, dachte er. Es hat nie Spaß gemacht. (Schlaf, mein Teufel schlaf ein) Dann stieg er in den Wagen, starte und fuhr an. Bevor er vergaß, was in München die Weißwürste kosteten, kehrte er lieber nach Hause zurück. (So brutal war mein Auftrag)

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Urban und das organisierte Verbrechen (2): „Über die Probleme, die von der Mafia ausgingen, wußten die anwesenden Abwehrexperten zur Genüge Bescheid. Ab und zu kam es zu Berührungen mit den Interessen der NATO. Im allgemeinen jedoch ging keine große Gefahr von ihnen aus. Unterweltorganisationen befaßten sich mit Herstellung und Vertrieb von Rauschgift, mit Schmuggel, Prostitution und illegalem Spiel in allen Varianten. Die Bekämpfung von Mafia und anderen Gangsterfamilien wie die der Sarden etwa, die sich auf Entführung und Erpressung spezialisiert hatten, war Sache der Polizei. Aber da gibt es jetzt „Scorpio“ und „Montagu“, sie haben ihre Organisationen modern strukturiert. Die Hauptabteilungen sind: Marketing, Analyse, Einkauf und Export. Wie hochsensible Fühler ermittelt eine Gruppe den Weltbedarf an Waffen, Know-how und High-Tech. Nach Kundenwunsch wird das Material beschafft. Angefangen bei Prototypen von Maschinengewehren, Raketen, Elektronik, Flugzeugen – bis, ja, bis zu einem ausgewachsenen Kampfpanzer. Baupläne, Betriebsanleitungen, Handbücher … werden übersetzt und mundgerecht zubereitet.“ (Das Luxor-Motiv, 1985)

581_300Urban und das Wiedersehen: „Sieht man sich wieder?“ – „Bei der nächsten Leiche, fürchte ich“, sagt Urban (Der Plan des Tigers)

Urban und der Sprit (1): „Feiner Stoff“, sagt Oberstabsfeldwebel Bubi Spiegel. „VAT-69.“ – „Das soll was zu trinken sein“, spöttelt Urban. „Nicht das schlechteste, Oberst.“ – „Und ich hielt VAT-69 immer für Vatikan-neunundsechzig, die Telefonnummer des Papstes.“ (Die Albion-Pleite)

Urban und die Vöglein am Himmel: Am Ende von Der Blutsauger (1972) wirft er sich erst einmal auf einem Boot an der dalmatischen Küste in eine Hängematte. Steckt sich eine Montechristo an: Der Herr, dachte er, schuf die Gangster, die Killer und die Kommunisten. Und er sorgte sich um sie und nährte sie wie die Vöglein am Himmel und die Blumen auf dem Felde. – Als wird der Herr auch ein verdammtes altes Agentenschwein wie dich, Robert, nicht ganz verkommen lassen.

419_Mister Dynamit 419_300Urban und die Roman-Enden: Als der Mond hoch kam, holte er die Gitarre. In einer stillen Ecke spielte er von Mario Castelnuovos Sonate „Espanol“ den dritten Satz. Er fand es unbeschreiblich schön. (3000 Särge) Urban setzte sich in sein Auto und fuhr weg. Es macht keinen Spaß mehr, dachte er. Es hat nie Spaß gemacht. (Schlaf, mein Teufel schlaf ein, 1972) Dann stieg er in den Wagen, starte und fuhr an. Bevor er vergaß, was in München die Weißwürste kosteten, kehrte er lieber nach Hause zurück. (So brutal war mein Auftrag, Juni 1973) Er wollte sich ein Stück Strand suchen, in einer stillen Bucht … Die Schlechtigkeit, dachte er, mag die Welt vergiftet haben, aber längst nicht die ganze. (Wer wird denn weinen, Monsieur) 

Urban und der Sprit (2): Der Bourbon schmeckte so, wie Whiskey immer schmeckt, wenn man wochenlang gekämpft hatte, gehetzt und gepeinigt worden war, sich verzweifelt geschlagen hatte und bei der Gelegenheit fast umgebracht worden wäre. Genauso schmeckte er, Tropfen für Tropfen. (Tod auf Raten)

Urban, der Bodenständige: Wie seine Rückkehr in die Zivilisation aussah, konnte sich Code 18 genau vorstellen. Er würde auf die Schnelle nach Hause fahren, ein Kotelett mit Champignons braten und ein Bier dazu trinken. Wenn das vorbei war, würde er alle erreichbaren Flaschen öffnen und sie zusammenschütten. Das gab einen rabenschwarzen Trost. Den hatte er nötig. Und er würde ihn auskosten bis zum Bodensatz, ziemlich allein …“ (MD Nr. 2, Code 18 jagt Grauauge)

488_300524_300Bob, der Flaggenhisser: Bevor er die Bucht verließ, drehte er sich noch einmal um. Und als er die weiße Jacht liegen sah in voller Beleuchtung, dachte er, welch ein stolzes Schiff. Er spürte nicht wenig Lust, die deutsche Flagge an ihrem Stock zu befestigen. Schwarz-Rot-Gold, das hätte gut ausgesehen gegen den steigenden Mond … (Die unsichtbare Truppe, 1967)

Urban und sein Herz: „Bob, du hast ein Herz aus Stein“, flüsterte sie. Jetzt glitzerte es sogar in ihren Augen. „Aus Stein?“, entgegnete Bob Urban lächelnd, aber unerbittlich. „Mir scheint, du hältst mich für einen Weichling.“ (Alles geht einmal kaputt) Ihm fiel kein Stein vom Herzen. Und auch das, was aus den Augen rann, war keine Träne, nur ein Regentropfen. (Das Versteck) Im heulenden Wind hörte Urban noch einmal, wie Judy seinen Namen rief. Er blieb nicht stehen und blickte sich auch nicht um. Was er fühlte, war gleich null. (Der Club der Marokkaner)

Urban und die Schlechtigkeit der Welt: Er wollte sich ein Stück Strand suchen, in einer stillen Bucht … Die Schlechtigkeit, dachte er, mag die Welt vergiftet haben, aber längst nicht die ganze. (Wer wird denn weinen, Monsieur) Nur eines stank ihm so ungeheuer, dass es letzten Endes immer ums gleiche ging. Um Geld, um Macht. Und Geld, das war eben Macht. (Viereck des Todes)

Urban und der Tresterschnaps: Man muss die Feste feiern wie sie fallen, dachte Urban, und sei es mit Tresterschnaps, Salamibrot und einer saurer Gurke. (Es war mein Job, Madam)

550_300Urban und der Sprit (3): Der Bourbon schmeckte so, wie Whiskey immer schmeckt, wenn man wochenlang gekämpft hatte, gehetzt und gepeinigt worden war, sich verzweifelt geschlagen hatte und bei der Gelegenheit fast umgebracht worden wäre. Genauso schmeckte er, Tropfen für Tropfen. (Tod auf Raten)

Urban und die flüggen Mädchen: Einen Tag später flog Bob Urban zurück. In München wurde auch jede Stunde ein hübsches Mädchen flügge, und außerdem gab es noch ein paar, die er von früher gut kannte. (Desaster am Ostpol)

Urban und der Stolz: Urban ließ sich nichts anmerken, aber für eine halbe Stunde war er mächtig stolz. (Das Auge des Adlers)

Urban und die Wahrheit: „Wir kennen die Wahrheit. Aber sollen wir sie verkünden?“ – „Alles ist Lüge. Lüge. Nur Lüge.“- „Und wir lügen tapfer mit“, fügte Urban hinzu.- „Das ist die Welt von heute.“- „Und die Welt von gestern.“ Urban verließ die Operationsabteilung. Unter der Tür, sagte er: „Und wie die Welt von morgen.“ (Der Killer des Königs)

Urban und die Frömmigkeit: „Für Himmelfahrtskommandos bin ich leider nicht fromm genug.“ (Die Falcone-Schlacht)

441_History Kalte Spur nach Babylon300-tile

Ein Fall nach dem anderen: Staudämme brechen, Munitionsfrachter explodieren, Radarstationen werden gesprengt, die schlechtesten Schützen der Roten Armee erzielen plötzliche wahre Meisterleistungen, ein winziger Käfer bedroht den größten Schwarzmarkt der Erde, in 3000 Meter Tiefe liegt bei den Bahamas das Wrack eines kubanischen U-Bootes. Führte ein deutsches Schiff den Rammstoß? Ein Toter aus dem Jahre 1817 weist den Weg zu einem Millionending. Im Sand nahe Beirut liegt ein braunes Blechrohr, die Spur zu einem Coup von ungeheuren Dimensionen. Spanische Schiffe trugen geheime Fracht für Holland, sie kam nie an. 400 Jahre später entdeckt einer die Lücke im Geschichtsbuch und schlägt Kapital daraus. In Sibrien züchtet man einen neuen Agententyp. Im Jahr 1863 verschwand der größte Fünfmastclipper als Zeiten auf seiner Jungfernreise im Südatlantik. Zwischen Rio und Spanien verschwindet ein Jumbo-Jet spurlos von der Erde. Genau einen Monat später landet er in Madrid.

373 classic GUENTER-C-H+Mister-Dynamit-Horchposten-Südpol

1992 erschienen. Der letzte Band der Classic-Reihe. Kurz vor dem Ende der ganzen Reihe.

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1970 erstmals erschienen. 1992 dem Verlag inzwischen „zu weit von der Wirklichkeit“ entfernt.

In Nordpolnähe wächst ein gigantischer Eiszapfen gen Himmel, und am Äquator herrscht Revolution. Ein Heinkel-Bomber aus dem zweiten Weltkrieg landet 1989 nach Englandflug auf einem NATO-Stützpunkt. Wo war er in den vergangenen 45 Jahren? Wer zündete die Atombombe in der Südsee? – Es gibt nur einen Verdächtigen: Die Bundesrepublik Deutschland. Es ist wie in Babylon. Keiner glaubt an die Vorzeichen. Nicht als Weltraumfahrzeuge landen, nicht als Wüstenstaub in Norwegen die Truppen aufhält, nicht als fremde Wesen am Südpol stehen. Selbst Mister Dynamit findet für alles eine Erklärung. – Und plötzlich droht tödliche Gefahr. (Horchposten Südpol)

Urban und die Umwelt: „Sogar die Russen werden allmählich wach. Auf den Getreidefeldern der Ukraine ist das giftige Schwermetall Cadmium in unzulässig hoher Konzentration entdeckt worden. Wolga und Dnjepr sind nur noch Kloaken, ähnlich dem Rhein. Die großen Binnengewässer der UdSSR beginnen umzukippen. Blei findet sich dort, wo es nicht hingehört. Alles eine Folge von Überdüngung. Übermäßigem Gebrauch von Schädlingsgiften, ungereinigter Ableitung von Industrieabfällen und Abgasen.“ Hier eine Erfindung zu haben, das wäre das größte Geschäft seit dem Erdöl. Deswegen wurde jener Wissenschaftler entführt, dem Bob Urban auf den Fersen ist. Mit seiner Erfindung freilich kann man auch die Atomwaffen der Welt unschädlich machen. Das muss Bob Urban verhindern, gegen seine Überzeugung. „Halten Sie Atomwaffen etwa für unnötig?“, fragt ihn Lord Babbington. „Ich mag sie nicht“, antwortet Urban. „Der Idealfall wäre gewesen, wenn alle westlichen und östlichen Atomwaffen vom Chapman-Virus zerfressen worden wären.“ – Babbington lacht herzhaft. „Eine Utopie.“ (Teufelskreis)

608_Kurier vom anderen Stern300Urban und die Aliens: Ein unbekanntes Flugobjekt rast über Deutschland und verschwindet. In Paris stirbt Gigan, der berühmteste aller Hellseher. Unerwartet tritt sein Bruder auf, dessen telepathische Fähigkeiten so erstaunlich sind, dass die Geheimdienste glauben, dieses Wesen sei ein „Kurier vom anderen Stern“. Die Amerikaner entführen ihn nach Fort-X in eine uneinnehmbare Festung, und hoch in den Alpen versucht MISTER DYNAMIT das Rätsel der Herkunft von Gigan II zu lösen. Am Ende weiß er: Der Kurier vom andern Stern kann nur überleben, wenn er vor aller Augen stirbt. (Der Kurier vom andern Stern)

Urban und Helmut Kohl: Er wird in die Villa Hammerschmidt nach Bonn beordert. Er sieht aus dem Gegenlicht einen Schatten herauswachsen. Urban schätzte ihn auf zirka zwei Meter Länge und hundert Kilo Gewicht. Von dieser Statur gab es nur einen Mann in der Regierungsmannschaft, nämlich den Chef des Kabinetts. Es war der Kanzler, der auf ihn zukam. (Kommando im Hades)

699b oeri Chaos-TheorieMD1… und die Waffen (4): „Waffen sind scheiße“, sagte Spiegel am Ende. Urban nickte.

Urban und die Kohlenkiste: „Ohne den BND säßen wir da wie der Blinde in der Kohlenkiste“, sagt der Mann aus Washington. (Mister Dynamit und die Chaos-Theorie)

Urban und die Äbtissin: „Was sind Sie doch für ein Bastard, Urban.“ – „Mein Bastard-Geschlecht, das der Urbans – ist bis ins Mittelalter zurückzuverfolgen. Im ganzen Clan gibt es nur einen dunklen Punkt, eine Äbtissin, meine Ur-Ur-Urgroßmutter in Toulon. Sie war adlig, und ihr Blut begründete die Vornehmheit meiner Sippe.“ 

Alf Mayer

Buch Firuz Askin großP.S. 1: Die Cover: Viele, aber nicht alle Cover der Mister-Dynamit-Romane stammen von dem in Istanbul geborenen Firuz Askin (eine auf 500 Exemplare limitierte Mongraphie erschien 2010 im Heider Verlag, Bergisch Gladbach). Gleicher Jahrgang wie C.H. Guenter, ebenfalls eine gewisse Liebe zur See, bei Theo Bleser von der Union-Film in der Sonnenstraße München als Filmplakatmaler die ersten Sporen verdient, dann beim Moewig Verlag als freiberuflicher Illustrator gelandet, schließlich zum Pabelverlag gelangt, wo er für Kommissar X, Mister Dynamit und die Seewölfe-Serie die Cover malte. Seewölfe. Korsaren der Weltmeere brachte es zwischen 1975 und 1990 auf 760 Hefte. Schiffe aller Art, vom Dreimaster bis zum Flugzeugträger, sind neben Flugzeugen die häufigsten Bildmotive auf den Mister-Dynamit-Covern, da wurde viel gecovert, variiert und wiederverwertet. Das galt auch für all die Ladies in fortgeschrittenen Stadien der Entkleidung.

P.S. 2: Mister Dynamits Zeitgenossen: 

200 Zeitgenössisch para_ross thomas 2-tile

P.S. 3: Eine vollständige Mister-Dynamit-Titelliste, auch der entsprechenden Kommissar-X-Geschichten sowie eine Biografie finden sich im „Lexikon der deutschen Krimi-Autoren„. Alle Mister-Dymanit-Romane mit Cover gibt es bei romanhefte-info.de, großer Dank und Verneigung, AM.

P.S. 4: Das wäre ein Leckerbissen für C.H.Guenter gewesen, was Forscher jüngst entdeckten und erhärteten: nämlich Pharaonenwaffen aus Meteoriten-Stahl, also aus dem All.

285_Montechristo ganzP.S. 5: Der dickste Mister-Dynamit-Roman: Bob Urban treffen wir in Captain Montechristo an, als er gerade auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der bayerischen Opferpfalz einen neuen 39-Tonnen-Jagdpanzer derart traktiert, dass sich der General im Beobachtungsstand sicher ist: „Die Besatzung hat keine einzige Plombe mehr in den Zähnen. Einfach fabelhaft, der Junge! Wer ist der Mann?“ Kein Versuchsfahrer, wird ihm gesagt, ein Major a.D., abgestellt vom Bundesnachrichtendienst. Absolviert hier seine jährlichen Pflichtstunden im Panzerfahren und Schießen. „Name.“ – „Robert Urban.“ – „Nie gehört, den Namen.“ Der General dachte scharf nach. „Major Robert Urban? Nein, ich kann mich nicht erinnern.“ – „Der Name ist eine BND-Deckbezeichnung, Herr General.“ – „Und der Klarname.“ – „Geheim, Herr General.“ – Ein Blitzgespräch kommt dazwischen. Spezialauftrag für Bob Urban. – „Schade!“ sagt der General. „Hätte mir diesen Kerl gerne vorgeknöpft. Wir haben so wenig tüchtige Regimentskommandeure. Na, vielleicht ein andermal.“

Zwei Seiten weiter steht Urban im „Nußbaum-Lederbüro mit dem berückenden Charme einer altfränkischen Zugehfrau“ von Oberst Sebastian, dem Operationschef des BND. Durch sein Monokel mustert er Urban, brieft ihn über den Kapitän zur See Hermann von Hagen: „Geboren 1910, genannt Barbarossa, Träger des Eichenlaubs zum Ritterkreuz, versenkte auf sieben Feindfahrten und in 319 Seetagen ein Schlachtschiff und 34 Handelsschiffe, befehligte eines der letzten frontklaren Fernkampfboote des Schnorcheltyps IX D2. Hagen befand sich am Kapitulationstag in der Südsee. Obwohl nie eine Spur von seinem U 934 gefunden wurde und nie ein Mitglied seiner Besatzung auftauchte, gibt es Beweise dafür, dass er lebt.“ Und dass er Operationen durchführt. „Verstehe“, sagt Urban. „Ich werde also das Schwimmen unter Wasser trainieren müssen.“ – „Tun Sie was Sie wollen, aber finden Sie mir den Burschen. Könnte ja jeder daherkommen und mit Staatseigentum auf den Ozeanen spazierenfahren“, knurrt Sebastian.

Am Romanende auf Okinawa steigt Bob Urban  zu einem CIA-Mann in ein offenes Thunderbird-Cabrio, das ihn zum Flughafen bringen soll. Erschöpft schläft er bei 180 km/h auf dem Beifahrersitz ein. Ohne jede Bremsspur rast der Flitzer in einen Sattelschlepper. „Der schlummernde Bob Urban, wie immer nicht angeschnallt, wurde hinauskatapultiert. Wie eine Mörsergranate bohrte sich sein Körper neben der Straße ins Erdreich. – Von da ab hat niemand mehr Bob Urban gesehen. Aber Tausende von Menschen waren monatelang von dem Gerücht fasziniert, Bob sei gar nicht tot. Sie glaubten, er sei bei dem Unfall so grässlich zugerichtet worden, dass man ihn in einer Privatklinik verstecke.
Das Gerücht bekam Nahrung, weil die Kamera des Bildreporters, der Bobs blutüberströmten Körper fotografiert hatte, amtlich beschlagnahmt wurde…

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P.S. 6: Ab 1997 bis zu seinem Tod schrieb C.H. Guenter noch ein gutes Dutzend Seefahrer-Romane, alle bei Ullstein:
1997 Kriegslogger-29
1999 Der schwarze Baron (Luftfahrt-Historienthriller)
1999 Atlantik-Liner 
1999 Das Otranto-Desaster 
2000 U-Kreuzer Nowgorod 
2000 Geheimauftrag für Flugschiff DO-X (Luftfahrt)
2001 U-136 Flucht ins Abendrot 
2002 Das Santa-Lucia-Rätsel 
2002 U-Z jagt Cruisenstern 
2003 U-77: gegen den Rest der Welt  
2003 U-Boot unter schwarzer Flagge  
2003 U-XXI: die erste Feindfahrt war die letzte 
2004 Herr der Ozeane: U-500  
2005 U-Boot-Einsatz in der Todeszone 
2005 U-Boot Laurin antwortet nicht 

P.S. 7. Das Ende: Im Januar 1992 erschien der Mister-Dynamit-Roman Horchposten am Südpol von 1970 als Mister-Dynamit-Classic Nr. 182. Anstelle der üblichen Vorschau am Ende des Bandes, immer noch mit dem Claim „DYNAMIT-Leser blicken hinter die Kulissen des Weltgeschehens“ informierte der Verlag: „C.H. Guenter hat über Jahre bewiesen, dass seine Romane mit dem Finger am Puls des Weltgeschehens geschrieben werden. Die politischen Entwicklungen in den letzten zwei Jahren (i.e. die deutsche Wiedervereinigung – AM) haben uns vom Verlag und den Autor – wie viele andere auf der Welt – natürlich in gleicher Weise überrascht. Damit ist die Mister-Dynamit-Classic-Reihe leider so weit von der Wirklichkeit entfernt, dass wir uns entschliessen mussten, sie als nicht mehr zeitgemäßg einzustellen.“ Acht Mister-Dynamit-Romane weiter kam dann auch für die Serie selbst das Aus. So schnell, dass die Redaktion „aufgrund der Vorlaufzeit keine Möglichkeit mehr hatte, einen entsprechenden Text abzusetzen“.

Hier ein Brief mit einer – dann wegen eines Auslandsjahres nicht wahrgenommenen – Einladung. Sowie als Anlage 2) die Begründung für den doch recht wortkargen Abgesang auf eine Erfolgsserie.

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