All posts by Ulrich Noller

„Ich arbeite rein intuitiv“ Frauke Buchholz im Gespräch über ihren Roman „Frostmond“ und die Situation der First Nations in Kanada. Ulrich Noller: Eine Straße steht im Mittelpunkt Ihres Romans: Der „Highway of Tears“. Was hat es damit auf sich? Frauke Buchholz: „Highway of Tears“ – „Straße der Tränen“ – bezeichnet einen Abschnitt des Transcanada Highways 16, der es zu trauriger Berühmtheit gebracht hat. Auf dieser 725 Kilometer langen Bundesstraße, die sich durch Kanadas Westen zwischen Prince George und Prince Rupert in der Provinz British Columbia erstreckt, verschwinden seit Jahrzehnten immerRead More
Anthony J. Quinns Noir “Auslöschung” erzählt von Politik und Verbrechen an der nordirisch-irischen Grenze. Also an der zwischen Großbritannien und der Europäischen Union: Ein so komplexer wie packender Roman, der im Original schon im Jahr 2012 erschien, durch den Brexit aber gerade jetzt wie ein Buch zur Stunde anmutet. Wie wird man eigentlich zum Kriminalschriftsteller? Interesse am Zusammenhang von Gesellschaft und Verbrechen, Spannung und Unterhaltung, Lust am Rätsel und an Geheimnissen – vielfältige Antworten auf diese Frage sind denkbar und die meisten davon in Variationen auch oft gesagt. Anthony J.Read More
Der erste echte Lockdown-Roman „Und, dürfen wir dann demnächst eine spannende Corona-Geschichte erwarten?“ Eine beliebte 2020-Frage an Literatur-, Film- und Fernsehschaffende. Meist im Anschluss an eine Erkundigung, wie es denn so gehe in den nervigen Lockdown-Zeiten. Die Antwort war meist eher verhalten: „Grundsätzlich schon denkbar, klar. Aber jetzt, wo wir mitten drin stecken? Geht gar nicht. Irgendwann – vielleicht …“ Stimmt nicht, möchte man nach der Lektüre der nigerianischen Schriftstellerin Oyinkan Braithwaite hinzufügen. Denn das geht sehr wohl. Sogar ganz hervorragend. „Das Baby ist meins“ ist der erste Corona-Lockdwon RomanRead More
„Ich habe mir die Freiheit genommen, in diese spezifische historische Situation hineinzufiktionalisieren.“ Gerade erst erschienen, gilt „Die Experten“ von Merle Kröger bereits als eines der substantiellsten Bücher dieses Jahres. Ulrich Noller hat sich für uns mit Merle Kröher unterhalten – sein WDR-Blog und seine ausführliche Buchbesprechung hier. Ulrich Noller: Thriller oder nicht Thriller, ist das für Dich eigentlich die Frage? Merle Kröger: Absolut, und ich möchte diese Frage mit „Thriller!“ beantworten. Allerdings nicht, um irgendein Verkaufsargument oder ähnliches für das Buch zu finden. Sondern weil ich mich von Beginn meinerRead More
Die Verhältnisse umkehren Ulrich Noller über einen der ersten Corona-Lockdown-Romane „Und, dürfen wir dann demnächst eine spannende Corona-Geschichte erwarten?“ Eine beliebte 2020-Frage an Literatur-, Film- und Fernsehschaffende. Meist im Anschluss an eine Erkundigung, wie es denn so gehe in den nervigen Lockdown-Zeiten. Die Antwort war meist eher verhalten: „Grundsätzlich schon denkbar, klar. Aber jetzt, wo wir mitten drin stecken? Geht gar nicht. Irgendwann – vielleicht …“  Stimmt nicht, möchte man nach der Lektüre der nigerianischen Schriftstellerin Oyinkan Braithwaite hinzufügen. Denn das geht sehr wohl. Sogar ganz hervorragend. „Das Baby istRead More
Grenzgänger Wann ist eigentlich die Geschichte eines Verbrechens noch ein Krimi – und wann dazu im Gegensatz schon nicht mehr? Im Bereich der Genreliteratur, Abteilung „Kriminalroman“, haben in den Jahrzehnten vielfältige Entwicklungen stattgefunden, ein teils hoch kreativer Prozess. Am Interessantesten war er oft da, wo SchriftstellerInnen die Grenze des Genres ausgelotet haben. Die, wie sich herausstellte, einen ausgesprochen schmalen Grat darstellt – so schmal, dass möglicherweise gar keine Grenze mehr auszumachen ist. Ein Krimi? Na ja, halt ein Roman. Und das eröffnet Möglichkeiten … Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung ist derRead More

Posted On Juli 1, 2020By Ulrich NollerIn Crimemag, CrimeMag Juli 2020

Ulrich Noller: Interview Sunil Mann

„Eine kleine exotische Sensation“ Ein Interview mit dem Schweizer Schriftsteller Sunil Mann – von Ulrich Noller. Sunil Mann, geboren 1972, ist einer der bekanntesten Kriminalschriftsteller der Schweiz. Gerade jetzt im Juni wurde er vom Kanton Bern auf Empfehlung der deutschsprachigen Literaturkommission für herausragende literarische Arbeit ausgezeichnet. Nach sieben Bänden um seinen – ebenfalls indischstämmigen – Privatdetektiv Vijay Kumar macht er sich mit dem Roman “Der Schwur” (Grafit Verlag, 13 Euro) samt frischem Team jetzt auf zu neuen Ufern. Die Geschichte bietet nicht nur sehr gute Unterhaltung, man darf sie auch als gesellschaftspolitisches Statement verstehen.Read More
„Mit leichter Besorgnis und trotz alledem noch optimistisch“ Frank Goldammer, 44, schreibt Kriminalromane, die in den 1940er und 1950er Jahren in Dresden angesiedelt sind. Zuletzt erschien im Dezember „Roter Rabe“; Anfang Januar 2019 schaffte der Roman es unter die Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste. Ein Gespräch über die Frage, wie viel Vergangenheit in der Gegenwart steckt – und umgekehrt. Ulrich Noller: Dein Max Heller ist jetzt ein Bestseller. Nicht schlecht, oder? Frank Goldammer: Mir wird das immer erst bewusst, wenn mich jemand danach fragt. Es ist schon wirklich eine tolle Sache;Read More
Flirrender Großstadtroman Ulrich Noller hat Hintergründe zu Susanne Saygins Debütroman zusammengetragen. KKK, Kirche, Kölsch und Karneval? Nein, Köln, das Metropölchen am Rhein, kann schon mehr, kann vieles, klare Sache. Aber Krimi? Geht so. Viel Köln-Krimi, viel Vorabendblabla, wenig Essenz, so zumindest mein Eindruck, wobei Ausnahmen natürlich die Regel wie immer bestätigen. Toll jedenfalls, dass jetzt “Feinde” erschienen ist, der Debütroman von Susanne Saygin, einer Berlinerin, die allerdings lange in Köln gelebt hat. Wichtig zu wissen ist das deshalb, weil die Autorin durch eigenes Erleben auf den heftigen Stoff gestoßen ist,Read More
Geschichte und Geschichten: Der Trümmerkrimi als eine Art gesellschaftliche Psychoanalyse der zerrissenen Gegenwart Immer noch und immer wieder ein spannender Trend auf dem deutschen Buchmarkt: Romane, die in der Nachkriegszeit angesiedelt sind – und die gesellschaftlichen Strukturen damals nicht bloß spiegeln, sondern mit den Mitteln der Unterhaltungsliteratur spürbar machen wollen. Zentrum und Motor dieser Entwicklung ist die Kriminalliteratur mit den so genannten „Trümmerkrimis“. Genreromane also, die einen Anker in der Zeit des endenden Weltkriegs haben bzw. in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das gibt es nun schon seit einigen Jahren, etwa vonRead More
„Es gibt keinen unschuldigen Kriminalroman.“ Wie politisch ist die Kriminalliteratur? Wie sieht es in Deutschland aus? Was können Politkrimis – was sollen sie? Welche Antworten können Politthriller in postfaktischen Zeiten (nicht) liefern? Und wie kommt´s, dass in Sachen Politik die Realität hierzulande derzeit so viel kreativer ist als die Fiktion? Darüber hat Ulrich Noller am Abend der Bundestagswahl, direkt zur ersten Hochrechnung, mit Thomas Wörtche gesprochen.   Noller: Politik und Verbrechen in der Kriminalliteratur: Wie politisch ist das Verbrechen? Wörtche: Das Verbrechen ist immer politisch. Denn Verbrechen hängt immer vonRead More
Die Substanz, um sich durchzusetzen … Dieses Interview erschien zuerst am 10. April auf dem WDR-Blog von Ulrich Noller. Candice Fox´ Roman „Fall“, der heute erscheint, ist der letzte Teil ihrer Hades-Trilogie. Der Publizist und Literaturwissenschaftler Thomas Wörtche, geboren 1954, ist der Mann, dem wir es zu verdanken haben, dass diese außergewöhnliche Autorin aus Australien seit ein paar Jahren auch auf Deutsch zu lesen ist. Wörtche hat lange mit dem Schweizer Unionsverlag zusammen gearbeitet, mit seiner metro-Reihe machte er viele (oft unkonventionelle) AutorInnen aus aller Welt in Deutschland bekannt. Nach einemRead More

Posted On März 6, 2017By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Romandebüt: Tijan Sila: Tierchen unlimited

Ganz und gar zeitgenössische Schelmenroman Von Ulrich Noller Mit einer ebenso schmerzhaften wie plastischen Gewalterfahrung beginnt Tijan Silas Debütroman „Tierchen unlimited“: „Ich floh nackt und blutend auf einem Rennrad. Das Blut floss auf Platzwunden, die ich auf den Lippen und Augenbrauen hatte, und aus meiner Nase, es sammelte sich in dunklen Zeilen auf meiner Brust. Fuhr ich über ein Schlagloch, stoben rote Tröpfchen in alle Richtungen davon, als schüttele sich ein Tier trocken, und meine Füße glitten aus den Pedalhaken. Sie kreisten beim Versuch des Wiedereinsteigens hilflos durch die Luft.Read More

Posted On Juni 1, 2016By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Roman: Nuruddin Farah: Jenes andere Leben

Weiterleben Weiterleben in Zeiten des Terrors: „Jenes andere Leben“ – der neue Roman des somalischen Schriftstellers Nuruddin Farah. Ein hochaktuelles Meisterwerk der Weltliteratur. Von Ulrich Noller – Zwei Menschen stehen im Zentrum dieser Geschichte: Bella, Mitte Dreißig, Fotografin, halb Italienerin, halb Somalierin, unterwegs auf der ganzen Welt und zu Hause in Rom. Und ihr älterer Halbbruder Aar, der wichtigste Mensch in Bellas Leben und alleinerziehender Vater zweier Teenager in Nairobi. Er arbeitet für die Uno und pendelt zwischen Kenia und Somalia. Als Aar bei einem islamistischen Terroranschlag in Mogadischu getötetRead More
Lesestoff aus Südamerika Drei sehr lesenswerte Übersetzungen von Geschichten aus Brasilien, Argentinien und Kolumbien: Neue Romane von Chico Buarque, Selva Almada und Héctor Abad. Von Ulrich Noller „Mein deutscher Bruder“ Als Bossa-Nova-Musiker ist Chico Buarque, geboren 1944, eine Legende; als Romancier kann man den Brasilianer noch entdecken. Zum Beispiel mit „Mein deutscher Bruder“ (S. Fischer, 19,99 Euro), seinem dritten Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Die Geschichte beginnt 1961: Nino, 17, weiß zwar, dass sein Vater lange vor seiner Geburt, Anfang der 1930er-Jahre, als Journalist in Deutschland gearbeitet hat, dass es dortRead More

Posted On November 4, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Roman: Shumona Sinha: Erschlagt die Armen!

Strandende Schicksale, unendliche Geschichten – Wo liegt die Wahrheit, gibt es sie überhaupt? In ihrem Roman „Erschlagt die Armen“ verzweifelt Shumona Sinha an der Flut an Geschichten der „Asylanten“. Beinahe zumindest. Von Ulrich Noller Paris, eine überfüllte Metro, ein Disput – eine junge Frau zerschlägt eine Weinflasche auf dem Kopf eines Mannes. Beide sind Migranten, sie stammt wohl aus Asien, er aus einem afrikanischen Land. Die Frau war versehentlich an den Mann gestoßen, von hinten, er hat sich umgedreht – sie erkannt und dann sofort heftig bedrängt und beschimpft. WasRead More

Posted On Oktober 3, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag, News

Roman: Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen

Die Geschichten der Geflüchteten In ihrem Roman „Gehen, ging, gegangen“ lässt Jenny Erpenbeck einen emeritierten Professor in Berlin auf Flüchtlinge aus Afrika treffen – und nutzt diese Gelegenheit, um deren Geschichten zu erzählen. Von Ulrich Noller Richard war Altphilologe, ein anerkannter Experte für die Sprachen des antiken Rom und Athen also – zunächst in der DDR, später als Beamter der BRD. Er wurde vor nicht allzu langer Zeit in den Ruhestand verabschiedet, seine Frau ist schon gestorben, die junge Geliebte längst aus seinem Leben verschwunden. Kinder hat er nicht, dafürRead More

Posted On September 5, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag, News

Streifzug: Aktuelle Literatur von Einwanderern

Zeitgenössische deutsche Autoren mit einem besonderen Blick Seit Jahren präsentieren die Verlage immer wieder bemerkenswerte Romane von AutorInnen, die aus Einwandererfamilien stammen. Ein weites Feld, auf dem in diesem Herbst eine besonders reiche Ernte einzuholen ist. Von Ulrich Noller Das spiegelt sich auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, der auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vergeben wird: Mit Ilija Trojanow, Feridung Zaimoglu und Alina Bronsky stehen gleich drei SchriftstellerInenn, in deren Biographie Migration eine Rolle spielt, auf der diesjährigen Longlist. Ilija Trojanow, geboren 1965 in Bulgarien, kam alsRead More

Posted On September 5, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Streifzug: Ulrich Nollers Bestseller-Check

Von Männer und Frauen – Geschichten aus Norddeutschland und der Welt Ulrich Noller wirft einen Blick in aktuelle Bestseller, diesmal in Bücher von Klaus Modick, Ralf Rothmann, Reinhold Messner und Harper Lee. Ein erstaunlicher Erfolgstrend auf dem Buchmarkt: Geschichten aus dem Norden haben im Moment besonders gute Chancen, in den Bestsellerlisten ganz nach oben zu kommen. Dörte Hansens Roman (mehr bei CM hier) hält sich seit Monaten ganz vorne, auch die Bücher von Klaus Modick oder Ralf Rothmann sind unter den Top 20 zu finden. „Konzert ohne Dichter“ heißt KlausRead More
Ein Klassiker, ein Überraschungserfolg und eine Empfehlung – „Butcher’s Crossing“ – ein neu zu entdeckender Roman des Amerikaners John Williams, der mit „Stoner“ den Überraschungserfolg der letzten Jahre gelandet hat. Ein Bestseller aus Norddeutschland, Dörte Hansens „Altes Land“. Und eine Empfehlung, Nino Vetris „Mamas wunderbares Herz“. Von Ulrich Noller. Butcher‘s Crossing Einer der erstaunlichsten Besteller der letzten Jahren stammt von John Williams, dessen Campus-Roman „Stoner“ posthum zum Weltbesteller wurde. Jetzt gibt es einen zweiten Roman dieses Autors, der von 1922 bis 1994 lebte, und der erstmals auf Deutsch zu lesenRead More

Posted On Juni 3, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Maylis de Kerangal: Die Lebenden reparieren

Literarisches Denkmal – Einer muss sterben, ein anderer darf dafür überleben. Die unabwendbare Dramatik der Organspende. Eine im Grunde einfache Geschichte – die doch von höchster Komplexität ist. Davon erzählt Maylis de Kerangal in ihrem Roman „Die Lebenden reparieren“ auf grandiose Weise. Von Ulrich Noller Man wähnt sich erstmal in einem Surferroman – beinahe: Drei Jungs machen sich frühmorgens auf den Weg, sie wollen in der Morgendämmerung an der Mündung der Seine in der Nähe von Le Havre ein paar perfekte Wellen abpassen. Das klappt auch; es hat sich gelohnt,Read More

Posted On August 20, 2014By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Ulrich Nollers Bestseller-Check

Geschichte, Geschichten und Geschichtchen – Neues aus den literarischen Bestsellerlisten: Volker Weidermann nähert sich deutschen Exilautoren, die im Sommer 1936 in Ostende Urlaub machten; Marc Elsberg zeichnet ein so düsteres wie plakatives Bild der digitalen Überwachung; Stewart O’Nan seziert Szenen einer Ehe; Jojo Moyes liefert eine Sozialschmonzette, die mit allen Mitteln auf Gerührtheit setzt; Ildikó von Kürthy schreibt zum x-ten Mal die gleiche Geschichte; Hanns-Josef Ortheil ist mit einer ganz persönlichen Berlin-Reise erfolgreich und Leonardo Padura reißt als heimlicher Bestseller am Ende alles raus … Von Ulrich Noller Stefan Zweig,Read More

Posted On Dezember 14, 2013By Ulrich NollerIn Crimemag, Kolumnen und Themen

Ulrich Noller im Gespräch mit Frank Göhre

„Ich blicke nicht gern zurück“ Frank Göhre wird Siebzig. Ein Gespräch über Wurzeln, Quellen, Inspirationen, Techniken, Pläne und Projekte. Außerdem erstmals und exklusiv: Wie ganz am Anfang nur dank des Einsatzes einer halben Flasche Whiskey knapp verhindert werden konnte, dass Frank Göhre, der Vertreter des urbanen Noirs in Deutschland, mit seinen Geschichten in der Lüneburger Heide landete. Von Ulrich Noller Ulrich Noller: Allem Anfang wohnt ein Ende inne. Deshalb, als erste Frage zum Siebzigsten: Gibt’s etwas, das für Dich als Autor überhaupt nicht mehr in Frage kommt? Was ist DeineRead More

Posted On November 30, 2013By Ulrich NollerIn Crimemag, Interview

Ulrich Noller im Gespräch mit Dinah Marte Golch

Ohne Produzentenschere im Kopf „Wo die Angst ist“, so heißt der Debütroman von Dinah Marte Golch, der im Herbst bei Kiepenheuer & Witsch erschien. Eine Debütantin, deren Namen man kennen kann, denn als Drehbuchautorin ist Dinah Marte Golch, geboren 1974, eine der Großen im Lande: Um die fünfzig ihrer Geschichten wurden verfilmt, für den Münchener „Tatort: Nie wieder frei sein“ bekam sie den Grimme-Preis. Und sie ist in Deutschland eine Pionierin der Arbeitens nach amerikanischem Muster, mit Projektverantwortung bis zum Schluss; ihre Serie „Stadt, Land, Mord!“ hat sie von vornRead More

Posted On Mai 15, 2013By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Jordi Punti: Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz

Cristòfol, Christopher, Christof und Christophe – Europa ist ja längst kein einheitliches, sondern ein ziemlich grob zusammengeschustertes Gebilde. Auch in der Literatur, wo es nach wie vor starke nationale, aus europäischer Perspektive letztlich also: regionale Schreibkulturen gibt, während „die“ europäische Literatur weiter auf sich warten lässt. Immerhin, gelegentlich gibt’s Ausnahmen, die diese Regel bestätigen. Im Moment zum Beispiel der Katalane Jordi Punti, dessen Roman „Die irren Fahrten des Gabriel Delacruz“ dank eines klugen Kniffs beides ist: völlig regional und absolut europäisch. Puntis Titel-Held Gabriel Delacruz stammt aus Barcelona, er istRead More

Posted On April 24, 2013By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag

Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so

Das verloren geglaubte Glück – Ein Stück Weltliteratur in des Wortes doppelter Bedeutung: Ulrich Noller ist begeistert von Taiye Selasis Debütroman. Kweku stirbt ohne Pantoffeln. Was erstaunlich ist, weil der Mittfünfziger eigentlich niemals ohne Pantoffeln durchs Haus läuft. Anders an diesem Morgen, der seinen Tod bringen soll. Kweku wacht früh auf, schleicht leise aus dem Wohnzimmer seines Hauses in Accra/Ghana, barfuß, hinaus zur Terrasse, in den Garten. Den stechenden Schmerz in seiner Brust registriert Kweku kaum, obwohl er es besser wissen müsste, denn er ist Arzt. Noch eine Stunde hätteRead More