Am Rande des Abgrunds Ponte City gilt als das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Johannesburg: Der runde, von einer riesigen Coca Cola-Reklame gekrönte Wohnturm ist 54 Stockwerke hoch und innen ausgehöhlt wie ein fauler Zahn. Nach dem Ende der Apartheid hat sich Ponte City vom hochmodernen Wohntraum zu einem berüchtigten Schreckensbabylon gewandelt, in dem die Gewalt und das Verbrechen gären. Ponte City steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Norman Ohler, mit dem er seine beeindruckende Metropolen-Trilogie abschließt. Von New York über Berlin schwenkt sein bei „Geo“ und „Spiegel“ geübter journalistischerRead More

Posted On Februar 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Michael Roes: David Kanchelli

Düstere Zukunfts-Parabel Mit seinem vierten Roman hat Michael Roes seine singuläre Stellung in der deutschen Gegenwartsliteratur eindrucksvoll unterstrichen Michael Roes ist einer der kompromisslosesten deutschen Autoren: Konsequent brandmarkt er in seinen Romanen mit avancierten literarischen Mitteln und ethnographischem Blick die vielfältigen Facetten des Kolonialismus und Rassismus in Vergangenheit und Gegenwart. Kein Hauch von postmoderner Ironie und unverbindlicher Travestie ist bei dem 1960 geborenen Wahlberliner zu spüren, sondern nur der unbedingte, von tiefem Ernst und offensichtlichem Mitleiden getriebene Einsatz gegen das Unrecht unserer Welt. In seinem neuen Roman „David Kanchelli“ verlagertRead More
Großartiger Erzähler Jochen Schmidt hat mit „Müller haut uns raus“ einen begeisternden Debut-Roman vorgelegt, der schon fast in einer Reihe mit Salingers „Der Fänger im Roggen“ oder Plenzdorfs „Die Leiden des jungen W.“ genannt werden darf. Seit dem Gewinn des „Open Mike-Wettbewerbs“ 1999 und dem kurz darauf erschienenen Kurzgeschichtenband „Triumphgemüse“ gilt der junge Berliner Jochen Schmidt als vielversprechendes Erzähltalent. Nun hat er mit „Müller haut uns raus“ einen begeisternden Debut-Roman vorgelegt, der schon fast in einer Reihe mit Salingers „Der Fänger im Roggen“ oder Plenzdorfs „Die Leiden des jungen W.“ genannt werdenRead More
Im dunklen Herzen der Macht Stefan Beuses Prosa strahlt eine luzide Leichtigkeit aus, in der dennoch das Abgründige mitschwingt und so eine dichte, mit hochpoetischen Bildern aufgeladene Atmosphäre evoziert Krimis boomen hierzulande: Schon längst sind sie dabei der Schmuddel- und Trivialecke entwachsen und dringen vehement in die heiligen Sphären der hohen Literatur ein. Immer mehr ambitionierte deutschsprachige Autoren – von Georg Klein über Michael Merschmeier und Veit Heinichen bis zu Martin Suter – benutzen den Krimi-Plot als ideales Vehikel um Hochspannung, Psychologie und Poesie zu vereinigen. Zu ihnen gesellt sichRead More
Weimarer Pop Wenn ein 22jähriger Debutant einen Berlin-Roman vorlegt, der schnell in die dritte Auflage geht und von den Großmeistern der Literaturkritik besprochen wird, dann riecht das verdächtig nach einem aktuellen popkulturellen Phänomen. Doch das dieses kein Markenzeichen allein unserer Zeit ist, zeigt das bereits 1930 erstmals erschienene „Fertig mit Berlin?“ von Peter de Mendelssohn – einen Autoren, den viele wohl eher noch als großen Zeitungsmann und als Thomas-Biograph denn als Schriftsteller kennen. Der jetzt im kleinen Elfenbein-Verlag neu aufgelegte Metropolen-Roman erzählt die Geschichte einer späten Jugend und gibt EinblickRead More
Wunderbare „short cuts“ Christina Chiu hat ihre short cuts mit traumwandlerischer Sicherheit und vielen Überraschungen komponiert und zieht den Leser tief in die Lebens- und Liebesgeschichten ihrer Protagonisten Christina Chiu könnte zu den aufregendsten Entdeckungen der noch jungen literarischen (Herbst-) Saison zählen: In ihrem Debut erzählt sie in elf kunstvoll miteinander verbundenen „short cuts“ aus dem Leben von drei chinesischen Familienclans, die zwischen Hong Kong und New York beheimatet sind – ihr Ton ist dabei ebenso melancholisch wie hochpoetisch: „Versprengte Wolken treiben dahin wie traurige Gefühle.“ Der Erzählkosmos der alsRead More
Parforce-Ritt durch Amerikas (Alb-) Träume Rick Moodys Sammelband bietet einen grandiosen, äußerst abwechslungsreichen Parforce-Ritt durch das amerikanische Leben in all seinen bunten und öden Facetten Als Romancier ist Rick Moody ein Meister der Trostlosigkeit und durchmisst seine Sujets konsequent bis an die Grenzen des Erträglichen: So in „Ein amerikanisches Wochende“, wo er das erbarmungslose Porträt einer Mutter-Sohn-Beziehung zeichnet; und so auch in dem jetzt wieder neu aufgelegten Debut-Roman „Garden State“, in dem der 40jährige lakonisch vom ziellosen Leben einer jugendlichen Clique in einem tristen Vorort in New Jersey erzählt. InRead More
Grandioser Kunst-Krimi „Ungeheuer ist viel – doch nichts ungeheurer als der Abgrund, der das Gewesene vom Verstehen trennt“ Dieser dunkle Sinnspruch führt in das tiefe Zentrum eines ganz und gar außergewöhnlichen Kunst- und Kriminal-Romans, der in höchst raffinierter Komposition ein kulturgeschichtliches Panorama von der Frührenaissance bis zur Gegenwart spannt und dabei von der ersten bis zur letzten Seite bannt. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine spontane Wette des niedersächsischen Oberstudienrates Dr. phil. Wernfried Hübschmann mit der exzentrischen Musikwissenschaftlerin Antonietta Riccioli: Es geht darum, das verschollene Requiem Guillaume Dufays – eines derRead More