Posted On Februar 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Mianmian: Lalala

Pop und Poesie aus Fernost Noch immer stellen wir uns die Chinesen als ein mao-maus-graues und bienenfleißiges Völkchen mit konfuzianischer Prinzipientreue vor – doch dass auch hier der Kapitalismus und mit ihm die Pop- und Subkultur längst Einzug gehalten hat, beweist Mianmian mit ihrem bei chinesischen Jugendlichen schon Kultstatus genießenden Debut „Lalala“. In vier autobiographisch grundierten Erzählungen taucht Mianmian – „ich bin eine Frau der Spontaneität, der Hoffnungslosigkeit und der wilden Begeisterung“ – in die von westlichen Insignien gezeichneten Jugend- und Boheme-Szenen der Millionenstädte Shanghai und Peking ab. Schonungslos schildertRead More
Grandiose Meisterwerke Denis Johnson geht direkt ins Mark: Er erschüttert, verstört, bannt und begeistert mit seiner halluzinativen Prosa, mit eingedampften Sätzen von radikaler Härte und trunkener Traurigkeit. „Unter Wolken wie großen grauen Hirnen“ ziehen seine geschlagenen Helden bis zur schicksalhaften Auslöschung durch „einsame, schmerzende Landschaften“. Nachdem im Frühjahr Denis Johnson aktuellster Roman „Schon tot“ auf Deutsch erschienen ist, liegen jetzt mit „Engel“ und „Jesus Sohn“ zwei frühe – und um es vorwegzunehmen: sensationelle – Werke des amerikanischen Autors vor. Mit ihnen dürfte er auch hierzulande bald den Kultstatus erreichen, denRead More

Posted On Februar 13, 2004 By In Bücher

Denis Johnson: Schon tot

„Nichts ist wahr – alles ist erlaubt“ „Nichts ist wahr – alles ist erlaubt“ – dieser von Friedrich Nietzsche und William S. Burroughs schon gerne benutzte und die Postmoderne antizipierende Wahlspruch führt auch mitten hinein in die (surrealen) Untiefen von Denis Johnsons „Schon tot“: Die Wirklichkeit ist hier keine feste Größe mehr und öffnet ihre Türen in die faszinierend-bedrohlichen Räume des Traumes, der Psychose, des Drogenrausches und der Spiritualität. Entsprechend setzt sich das reichhaltige Personal von „Schon tot“ auch aus ziemlich merkwürdigen Existenzen zusammen: Alt-Hippies und LSD-Freaks, New Age-Verkünder, SelbstmordkandidatenRead More
Vergeblicher Ausbruch Eigentlich verlangt Bill Morrow ja gar nicht viel vom Leben: „Er wollte die Welt sehen, viele Bierchen trinken, viele Lucky Strikes rauchen und viele hübsche Körper streicheln.“ Aber auch diese bescheidenen Wünsche liegen für den jungen Sohn griechischer Einwohner in weiter Ferne: Wie von einem klebrigen grauen Kokon ist Bill Morrows Leben in dem Provinzstädtchen South Bend von Langeweile und Hoffnungslosigkeit eingesponnen. Hier, in der Heimat des legendären Studebakers, gibt es nur Autos und noch mal Autos und hin und wieder einen sehnsüchtig klagenden Song von Chet BakerRead More
Duell mit der Medienwirklichkeit Frank Beck, 38, geschieden, ist eine traurige Gestalt mit käsiger Haut, schlaffen Schultern, Fettansatz am Bauch und mit der „bewährten, ruhigen Gewissheit, auf der ganzen Linie gescheitert zu sein.“ Doch nichtsdestotrotz ficht dieser Frank Beck einen ebenso großen wie aussichtslosen Kampf aus: Er steht in einem verbissenen, monomanischen (Rede-) Duell mit der übermächtigen Medienwirklichkeit, versucht ihre Strukturen und Funktionsweisen bloß zu legen, ihre destruktive Kraft zu bannen: „Wo alles auf die Spitze getrieben ist, wirkt alles gleich flach und bedeutungslos.“ Je mehr Beck die flimmernden Talkshows,Read More

Posted On Februar 13, 2004 By In Bücher, Litmag

Norman Ohler: Mitte

Halluzinativer Berlin-Trip Mit avanciertem Furor jagt Norman Ohler den Leser durch Metropolen- und Bewusstseinslandschaften des 21. Jahrhunderts. Fast könnte man Norman Ohler für einen Ur-Ur-Enkel der Berliner Frühexpressionisten mit ihrer dynamisch-sinnlichen Großstadtprosa- und lyrik halten: Auch bei ihm wummert und ruckelt es, Sirren die Trams, Gleißen die Lichter, Glimmen die Zigaretten. Ein wahrnehmungsträchtiger Großstadtfilm in expressiven Wortkaskaden entfaltet sich hier und Schauplatz ist die „Mitte“ – nicht die Mitte des Seins, nicht die Mitte der Welt, sondern Berlin-Mitte, das hippe Szene-Viertel in der Hauptstadt, wo die Trends gesetzt werden undRead More
Kurze Blüte- und lange Schlafzeiten Deutsche Literaturgeschichten sind in der Regel von Heerscharen spezialisierter Wissenschaftler verfasst und umfassen locker mehrere tausend Seiten. Wie kann sich da nun ein gestandener Professor aus Stuttgart anmaßen, eine solche auf 150 Seiten abzuhandeln – ist das Frechheit, purer Übermut oder grandiose Ignoranz? Es ist nichts von alldem, sondern vielmehr der überzeugende Versuch, den durch die Germanistik sorgsam aufgebauten und gehüteten Mythos einer fruchtbaren und langen deutschen Literaturtradition die Luft abzulassen. So beginnt die deutsche Literatur bei Schlaffer eigentlich erst in der Mitte des 18.Read More
Exzellenter Psychothriller Wie schon in „Auf der dunklen Seite des Mondes“ beeindruckt Martin Suters Prosa durch ihre ungeheure Präzision und Plastizität – mit wenigen Strichen skizziert der ehemalige Werbetexter und Creative Director komplexe Charaktere und schafft eine dichte, sinnliche Atmosphäre, aus der immer wieder kostbare Momente der profanen Erleuchtung hervorblitzen. Stellen Sie sich vor, Sie wachen auf einer Intensivstation mit einer posttraumatischen Amnesie auf und haben die letzen 50 Tage Ihres Lebens verloren – Tage, in denen Sie sich plötzlich entscheidend verändert haben und Ihr gesamtes Dasein sich komplett umgekrempeltRead More