Alf Mayer über einen aus der Zeit gefallenen Bildband Ellen von Unwerth. Heimat. Verlag Taschen, Köln 2024. Großformat 25 x 33 cm. Gewicht 3,23 kg. 452 Seiten, 60 Euro. Verlaginformationen: taschen.com. „Im Bett a strammes Madl;und darunter an Kasten voll Geld;ja gibt’s denn was Schöneres auf dieser Welt!“(Motto zu Alois Brummers Lederhosen-Film Auf ins blaukarrierte Himmelbett, 1974) Dieser Fotoband ist die reine Subversion. So subversiv, dass kein Markus Söder damit für seinen Freistaat posieren würde, obwohl er generell vor wenig zurückschreckt. Dabei stimmen all die Accessoires:Bayern pur.Heimat pur.Lederhosen, Dirndl, Holz
Read More Blabla BlablaPodcasts, überall nur Podcasts. Jeder macht inzwischen einen. Ob über Beziehungen, Essen, Technik, Gesellschaft oder Verbrechen. Kein Wunder, Lockdown-bedingt leiden die einen unter Vereinsamung und können ihre Selbstgespräche nicht mehr ertragen, den anderen sind sämtliche Bezugspersonen weggestorben. Da braucht es irgendetwas, wo man anderen Menschen zuhören kann und Hörbücher haben vermutlich alle schon durch. Den endgültig letzten Beweis für die Popularität von Podcasts fand ich in einem Facebook-Post meiner … äh … Moment … Schwägerin aus meiner Heimat, wo sie mit Mutterstolz berichtete, dass ihr Sohn, mein … äh
Read More Thomas Mann und Joseph: im Exil – Variationen zu Sprache als Heimat Thomas Manns biographisch-räumliches Exil[1] seit 1933 verbindet sich mit dem Anliegen, eine deutsche Kulturtradition vor den Barbaren zuhause zu retten und einen mythopoetischen Gegenentwurf durch die Variation einer (biblischen) Geschichte über einen anderen Exilierten zu erschaffen, und zwar mit den Joseph-Romanen[2]. Im Folgenden war es mir vor allem wichtig, der Stimme Thomas Manns den Vorrang zu lassen; darum auch längere Zitate, die nur einen kleinen Einblick in das umfangreiche Schaffen seiner Exilzeit geben können. In der Tat handelt
Read More Im Mai hat Carsten Jensen den ersten Europa-Preis der Europa Universität Flensburg erhalten. Jensen gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Erzählern unserer Tage – sein Roman „Der erste Stein“ setzte Maßstäbe – so sieht aktuelle politische (Kriminal-) Literatur aus. CM präsentiert stolz seine Rede anläßlich der Preisverleihung im Mai 2018: Heimatlosigkeit Der Begriff Heimat hat im Dänischen keinen düsteren Klang. Es gibt sogar eine Art Heimatliteratur, die aber vermutlich nur von Literaturhistorikern gelesen wird – es sind Autoren wie Jeppe Aakjær und Johan Skjoldborg. Erstaunlicherweise prangern diese Schriftsteller aber soziale Missstände
Read More Wie Schabbach zum Nabel der Welt wurde – Edgar Reitz erzählt von der Hölle im Hunsrück & der Sehnsucht nach einer „anderen Heimat“. Von Wolfram Schütte. Es gehört zu den erfreulichen Zeichen & Wundern des heutigen Tages, dass Edgar Reitz, nachdem er in den vergangenen Jahrzehnten immer verzweifelter, demütigender darum hatte kämpfen müssen, dem öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen die finanziellen Mittel für sein monumentales, dreiteiliges & episodenreiches „Heimat“-Projekt (seit 1984 zusammen über 50 Stunden) abringen musste, nun einen vierten Teil realisieren konnte, der (zuerst) in unsere Kinos kommt. Und zwar als
Read More Keller 1 bild / 100 worte Sitzt ein struppiger, glasiger Trinker in der Öpfelchammere. Mit einem Mal trübt sich das Licht. Was ist mit euch, „Augen, meine lieben Fensterlein“? Aja. Kein anderer ist’s als der Gottfried Keller. Viel schrieb und dichtete der Schweizer, doch mit den Frauen wollte es nicht klappen, und so soff er vor sich hin. Die Öpfelchammere mit ihrem hölzernen Oberstübchen steht bis heute, auch wir tranken einst da, zwar keinen Schnaps, und noch erloschen unsere Augen nicht, glimmten nicht innerlich zwei Sternlein, die Wanderschuhe stecken weiter
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