Posted On März 28, 2004 By In Bücher

Louise Welsh: Dunkelkammer

Dunkelste Abgründe Mit einem provozierenden, in die Abgründe Glasgows und der menschlichen Seele führenden Krimidebüt spielt sich Louise Welsh trotz einiger kleiner Durchhänger in die erste Liga der Spannungsliteratur. Welshs Protagonist Rilke ist ohne Zweifel einer der exzentrischsten in der internationalen Detektiv- und Schnüffler-Szene: Ein hagerer, klappriger Typ in den Vierzigern, der von seinen Arbeitskollegen im Auktionshaus Bowery „Kadaver, Leiche, Tod auf zwei Beinen“ genannt wird und mit Anzug und Schlangenlederstiefeln durch die Straßen, Parks und Kneipen Glasgows streunt – immer zu einem Drink oder zu einem schnellen homosexuellen AbenteuerRead More

Posted On März 28, 2004 By In Kolumnen und Themen

Der Fall Soprano

Himmelsakrafixnochamal Sie kennen das: Man schubst eine alte Frau die Treppe runter und gröhlt dann: „Eyy, was rennste denn auch so, Oma!“ Genau das macht das hochverehrte ZDF mit einer der intelligentesten, witzigsten, erfreulichsten, mit der schlicht besten Fernsehserie der letzten Jahre: Mit der wunderbaren Familien-Soap „Die Sopranos“. Natürlich bekommt man keine Quote, wenn man die Zuschauer jeden Samstag abend mit der bangen Frage terrorisiert, wann senden sie, senden sie jetzt überhaupt oder doch wieder nicht? Seit ein paar Wochen wird diese Folter noch getoppt: Zwischen Sportstudio und den „Sopranos“Read More
Thomas Wörtche, 11.03.2002 Nichts regt zum Spulen an, alles geht seinen grauen Gang. Jetzt machen sie uns wirklich fertig, jetzt haben sie uns an den Eiern, jetzt langweilen sie uns zu Tode. Korruption in Müllwirtschaft, Rathaus und Parteienlandschaft, ja was denn sonst? Deutsche Soldaten kommen bei Ausübung ihres Berufs ums Leben. Schlimm, aber Teil der Arbeitsplatzbeschreibung. Kanzler gegen Stoiber, nu, business as usual. Peter Handke ist doch ein großer Dichter und das mit den Serben, war da was? Wir leben schließlich in einer Alzheimer-Kultur. Der FC Bayern holt auf. HatRead More
Thomas Wörtche, 29.04.2002 Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Immer wenn ich durch die Kanäle zappe, schleppen aufgekratzte junge Menschen lange Klopapier-Bahnen hinter sich her oder ein alberner Bär macht alberne Verrenkungen, die auch wieder irgendwie mit Klopapier zu tun haben. Irgendwie habe ich das Gefühl, zunehmend in einer Gesellschaft zu leben, deren drängendstes Problem die Diarrhöe ist. Oder der Analzwang. Auf jeden Fall muss so eine Marketingoffensive, die Spurenbeseitigung und Analhygiene als fun & frolic inszeniert, irgendeinen besonderen Haken in der Realität haben: Entweder hat dieses Volk die HosenRead More
Thomas Wörtche, 20.05.2002 Wir wollen nette Dackel nicht beleidigen und bedenklich in Falten gelegte Stirnen nicht als dackelfaltig beschimpfen. Bedenklich in Falten gelegte Stirnen, gerade wenn multimedial zu betrachten, sind recht eigentlich der Ausdruck einer gewissen Offenhosigkeit. Denn ein Benehmen wie eine offene Hose legen diejenigen Herrschaften an den Tag, die die Intelligenz des pp.Publikums so geringschätzen, wie sie es offenkundig tun. Wobei man tunlichst zur Anstrengung der Klassifikation greifen sollte, um nicht gefühlte Offenhosigheit, profitorientierte Offenhosigkeit und tückische Offenhosigkeit zu vermischen. Selbst beim Pöbeln wollen wir schließlich Minimalstandards einhalten.Read More
Eine Kolumne von Thomas Wörtche – In „Far Side of the World“, dem zehnten Teil von Patrick O`Brians grandioser Seefahrer-Saga, segelt die Fregatte „Surprise“ endlos durch den Pazifik, immer am Äquator entlang, von der Westküste Südamerikas zu den Marquesas. Es blasen milde Winde, die See ist spiegelglatt, die Mannschaft hat nicht allzu viel zu tun. Mr. Mowett, der tüchtige Erste Offizier des Schiffes, nutzt die Zeit, um Homers Ilias zu lesen; jeden Tag ein Gesang. Ich kann deswegen auf Mr. Mowett neidisch sein, weil ich zu Patrick O`Brian nur nachtsRead More
Einer der wichtigsten deutschsprachigen Kulturkritikers des XX. Jahrhunderts. Einer, der das Suchen nach moralischen Orientierungen in einer Wüste von Gleichgültigkeiten nicht aufgibt. Einer, der sich seine Geistesfreiheit durch nichts und niemanden einschränken läßt. Zwanzig Jahre lang, zwischen den fünfziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, gehörte der in Wien geborene, nach dem Anschluß Österreichs nach Belgien emigrierte und vornehmlich im deutschsprachigen Raum publizierende Jean Amèry zu den luzidesten intellektuellen Köpfen. Stilistisch war er vielleicht sogar einer der ganz großen deutschsprachigen Publizisten des XX. Jahrhunderts. Obwohl Amèry in den großen ZeitungsfeuilletonsRead More
Kleine Enzyklopädie des ‚anderen Europa‘ Geschichten, Essays und sonstige Erregungen eines erfolgreichen Außenseiters der zeitgenössischen österreichischen Literatur. Um die Bedeutung des Wortes „Empathie“ zu verstehen, kann man im Duden nachschlagen: „Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung anderer Menschen einzufühlen“. Man kann aber auch ein Buch des in Wien und Madrid lebenden Schriftstellers Erich Hackl lesen, um so lesend zu erfahren, was man sich unter ‚Empathie‘ vorstellen kann. In großer Distanz zu allen literarischen Moden und Aufgeregtheiten, schreibt Hackl jetzt schon seit vielen Jahren an einem aus vielen kleinen ErzählungenRead More