Große Piano-Kunst Ist der Pianist Joe Haider ein komischer Vogel, weil er sich seit Jahrzehnten keinen Deut um Moden und Trends, Entwicklungen und Zeitgeist schert? Weil er seit Jahrzehnten sein Genie pflegt, einfache Melodien in große Piano-Kunst umzusetzen, und sich dabei höchstens um die Qualität seiner Mitmusiker und die der Aufnahme schert? Rhetorische Fragen natürlich. Und immer noch, eben seit Jahrzehnten, freue ich mich auf jede neue Produktion und gerate bei ihm nie in die Routine des „Kennen-wir-doch-schon-lange“. Diesmal hat er sich mit dem Bassisten Giorgos Antoniou und dem Schlagzeuger
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Rock gegen Blähungen Kann man über die Liebe zur Musik, zu einer ganz bestimmten Musik überzeugend schreiben? Man kann, und wie – das beweist Navid Kermani in seinem „Buch der von Neil Young Getöteten“. Die neugeborene Tochter des Erzählers leidet unter furchtbaren Bauchkrämpfen – und die Eltern leiden naturgemäß mit. Einem eigenwilligen Impuls folgend legt der Vater, erklärter Neil Young-Fan, eine Platte seines Idols auf. Die ersten Akkorde von „The last Trip to Tulsa“ erklingen, und weil das Geschrei der Tochter das Intro übertönt, dreht der Erzähler den Lautstärkeregler auf.
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Hommage an Brooklyn Brooklyn ist nicht erst seit Selbys „Last Exit to Brooklyn“ eine literarische Legende – umwabert von unzähligen Ghetto-, Gangsta- oder (Off-) Kunst-Legenden ist er einer der bis heute quirligsten und authentischsten New Yorker Stadtteile geblieben. Mit „Die Festung der Einsamkeit“ legt Jonathan Lethem nun eine fast siebhundertseitige, facettenreiche Hommage an diesen 2 1/2-Millionen-Moloch vor. Neben dem eigentlichen Protagonisten Brooklyn spielt Dylan Ebdus eine zentrale Hauptrolle in diesem Roman. Fünf Jahre alt ist er, als er in den späten Sechzigern mit seiner kettenrauchenden Hippie-Mutter und seinem verschrobenen Künstlervater
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Extrem kreativer Umgang mit Tradition Marsalis´ voller, warmer Tenorsound kost die Harmonien, abseits von Kitsch und Klischee. Man muss puristische Veranstaltungen nicht immer nur auf ideologische Implikationen abklopfen. Im Fall von Wynton Marsalis war und ist man schon eher versucht, das zu tun. Aber seit Bruder Branford 1984 mit „Scenes in the City“ debütierte, hatte ich bei ihm seltsamerweise nie ein solches Bedürfnis – auch wenn er noch so sehr unter die technisch perfekten, aber ausdruckslosen young lions gerechnet wurde. Zwanzig Jahre später, tempus fugit, bin ich immer noch und
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Süffige Virtuosität Chang-rae Lee zeichnet in seinem neuen Roman „Turbulenzen“ mit leichter Hand eine multi-kulturelle Familiengeschichte. „Von hier oben, achthundert Meter über der Erde, sieht eigentlich alles ganz perfekt aus“ – wenn Jerry Battle mit seiner Propellermaschine „Donnie“ über Long Island schwebt, löst sich der übliche Alltagswust aus kleinen und großen Katastrophen, nervigen Routinen und verzwickten Beziehungen zu einer wunderbaren Klarheit und Leichtigkeit auf. Jerry Battle ist der Ich-Erzähler von Chang-rae Lees neuen Roman „Turbulenzen“. Mit seinen knapp 60 Jahren könnte Jerry, der seine Gartengestaltungsfirma schon an seinen Sohn Jack
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Ein leicht unangenehmes Pathos des eminent Bedeutsamen Patricia Barber ist, das kann man hier schön hören, eine sehr eigenwillige, sehr prägnante Pianistin und hat an dieser Rolle hörbar großen Spaß. Wenn Patricia Barber so weitermacht, dann wird sie bald zum Durs Grünbein des Songwriter-Gewerbes. Zumindest befürchte ich das, wenn ich die Drohung lese, sie arbeite gerade Ovids Metamorphosen zu Songs um. Jooh …. Bis es so weit ist, gibt es Live-Aufnahmen von drei Stationen ihrer Frankreich-Tournee im März und April dieses Jahres, zusammen mit Neal Alger an der Gitarre, Michael
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Dark Angel im Millionenspiel Wieder mal steht Berlin im Mittelpunkt eines jungen deutschen Romans. Doch das Berlin in Nadja Sennewalds zweitem Roman (nach „schöner_wohnen.doc“) hat nicht viel zu tun mit der Party-Hauptstadt so mancher Jungliteraten. Sennewald führt uns in das Berlin einer vielleicht gar nicht so fernen Zukunft. Die Stadt ist unterteilt in Sektoren, die von privaten Wachdiensten kontrolliert werden – aus Geldmangel hat die Stadt alle wichtigen Plätze privatisiert. Die Helden des Romans sind jugendliche Underdogs, die sich mit kleinen Jobs durchs Leben schlagen und plötzlich die Chance ihres
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Furios und fulminant Endlich in neuer Roman des Kultautors Matt Ruff. In „Ich und die anderen“ wird durch eine simple Zweierkonstellation ein ganzer Kosmos skurriler Geschichten aufgerissen. Denn die beiden Hauptfiguren sind multiple Persönlichkeiten und man weiß nie, mit wem man es gerade zu tun hat. Dass universitäre Abschlussarbeiten dröge Lektüre bieten, ist kein zwingendes Kriterium. Als ein junger Student Ende der Achtziger als Abschlussarbeit im Englischseminar einen Roman einreicht, hat dies gleich zwei weitreichende Konsequenzen: 1. Die maximale Länge solcher Arbeiten wird an der Universität von XXX fortan auf
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