
Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …
… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.
Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren.
CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen
Chatwins (Berlin),
Wendeltreppe (Frankfurt)
und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg)
auf interessante Neuerscheinungen hin.
Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun.
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Claudia Denker, Chatwins, Berlin:
Einatmen, lesen, ausatmen. Der neue Roman von Frank Göhre »Sizilianische Nacht« ist bereits im März erschienen (CulturBooks), ich habe ihn jetzt erst gelesen, und bin sehr froh darüber. Die letzte Nacht des Dandys, Erfinders und Schriftstellers Raymond Roussel (bei Göhre heißt er Jean-Paul Durand) – oder wie sie gewesen sein könnte – faszinierend.

Nick Harkaway, Sohn von John le Carré (also der, der auch Aidan Truhen ist), hat »Smiley« (Ullstein, deutsch von Peter Torberg) wieder aufgeweckt. Ich bin sehr gespannt, ob ihm das gut gelungen ist. – Siehe dazu auch in dieser Ausgabe nebenan Dirk Schmidt und Joachim Feldmann, d. Red.
Emmett heißt der Jugendliche im Kriminalroman von Alexandra Wilson (Suhrkamp, deutsch von Karin Diemerling), wie Emmett Till, der 1955 mit 14 Jahren ermordet wurde. Auch in »Die feindliche Zeugin« wird ein Schwarzer zu Unrecht beschuldigt.
Oh, neuer Verlag – Peter Grandls neuer Krimi »Reset – Die Wahrheit stirbt zuerst«, nun bei dtv – ich bin gespannt.
Als ich gelesen habe, worum es im neuen Buch von Ayelet Gundar-Goshen geht, habe ich sofort Lust bekommen, es zu lesen. »Ungebetene Gäste« (Kein & Aber, deutsch von Ruth Achlama), her damit!
Und hier noch ein Herzensding, das kein Krimi ist:
Der Fotograf Wolfgang Krolow ist 2019 leider verstorben, er lebte in meinem Kiez und ist mir oft über den Weg gelaufen. Nun ist ein Buch mit seinen Fotos aus den 70er- und 80er- Jahren erschienen: »Kreuzberg die Welt« (Assoziation A). Für alle, die das alte Kreuzberg kennen, und erst recht für die, die nicht. – Siehe auch Thomas Wörtche in dieser Ausgabe, d. Red.
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Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:
Hendrik Klein: Code Kill (HarperCollins)
Anna Nicholas: Das Teufelshorn (Diogenes)
Martin Walker: Déjà-vu (Diogenes)
Simon Mason: Ein Mord im November (Goldmann)
Michael Connelly: Das zweite Herz (Kampa)
Uketsu: HEN NA E Seltsame Bilder (Bastei Lübb)e
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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:
Diese Bücher habe ich gerade gelesen oder werde es ganz bald tun:

Susanne Kaiser, Riot Girl. Ein Fall für Obalski, Wunderlich 2025, 412 S., 24 Euro:
LKA-Ermittlerin Obalski arbeitet undercover im Jugendamt München. Eine feministische Gruppe namens „Influenzas“ bringt in den sozialen Medien die Männerwelt zum Beben. Eine neue starke weibliche Stimme auf dem deutschen Krimimarkt.
Eliza Clark, Boy Parts (Ü: Elena Helfrecht), Festa 2025, 368 S., 24,99 Euro:
Ein Psychothriller um Fetischkunst in Newcastle. Mein Kollege bei unserem Krimi-Talk „Rasterfahndung“ hat beschlossen, dass ich das Lesen soll. Der Guardian schreibt, dass ich vor Lachen heulen und/oder vor Entsetzen die Augen schließen werde. Schau’n wir mal.
Xavier Dorison/Fabien Nury, Narrengold (Ü: Resel Rebiersch), illustriert von Laurent Astier, schreiber & leser 2025, 116 S., 24,80 Euro:
Paris, Juni 1940: Die Wehrmacht ante portas, die französische Staatsbank will die Goldreserven nach Bordeaux schaffen. Sambio, der Korse, und seine Bande wollen das Gold auch. Rasante Graphic Novel nach einer Romanvorlage von Pierre Siniac. Wer das war, erklärt Robert Brack in Sonja Hartls Podcast „Abweichendes Verhalten.“ Kann man nachhören!
Stefanie Schüler-Springorum, Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes, Fischer 2025, 256 S., 25 Euro:
Der 8. Mai 1945 war der Tag der Befreiung. Und ja, er sollte unbedingt ein gesetzlicher Feiertag werden. Aber für einige Verfolgten-Gruppen waren Schikanen und Diskriminierung noch lange nicht vorbei: Die Berliner Historikerin erzählt die Leidensgeschichte von Sinti und Roma, von Homosexuellen und sogenannten „Asozialen“ in der jungen Bundesrepublik. Unbedingt lesenswert!
Sonnige lange Lesetage wünscht
Torsten Meinicke, Buchladen Osterstraße
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Fundstücke aus der Redaktion
Thomas Wörtche:
„Eternauta“, nach einem Szenario von Héctor Germán Oesterheld, gezeichnet von Francisco Solana López, erschien 1957 – 1959 in 106 Folgen in der Zeitschrift Hora Cero in Buenos Aires, ist ein Schlüssel-, Meister- und Großwerk der globalen Comic-Kunst. Jahrzehntelang hatte man versucht, eine filmische Version herzustellen, jetzt ist es soweit: ETERNAUTA, eine argentinische Produktion, läuft als sechsteilige Mini-Serie bei Netflix.
Sollte ich doch eine sentimentale Ader haben – dann für Die kleine Spitzmaus, ein Kinderbuch von Akiko Miyakoshi (Ü: Paula Weber und Nicola T. Stuart). Ein Lob der Bescheidenheit wider das abscheuliche Gewese der SelbstdarstellerInnen.

Karl-Wilhelm Weber: Als Rom noch nicht Antike war. Eine Reise in die Römerzeit. Flott geschriebene Alltagsgeschichte Roms, weg vom Marmor, rein in die Kloaken und die Sklavenhalterei. Oft sehr überraschend. Und mit einem schönen Kapitel über Kriminalität und Kriminalitätshandling. Spannend.
Ein Prachtband von TASCHEN: 75 Years of ATLANTIC RECORDS. Eine Tour de Force durch 75 Jahre Blues, Soul, Rock, Avantgarde und schlimmen Kitsch. Eine musikhistorische und optische Großtat. Deutliches Must-Read.
Etwas aufsehenerregend Spannendes kommt von der schönen Edition Converso: Livia De Stefani: Trauben schwarz wie Blut (Ü: Klaudia Ruschkowski). Eine Frau schreibt 1953 (da ist das Original erschienen) über Mafia und andere Tabuthemen.
Wieland Schwanebeck (Hg): Der Weisse Hai revisited. Tja, satte 50 Jahre ist das her, als der Beißer die Filmindustrie durcheinander wirbelte. Und, ich habe ihn kürzlich noch einmal gesehen – ein richtig guter Film, immer noch. Wenn auch ökologisch verheerend in seiner krassen Hai-Feindlichkeit. Anyway, in einer aktualisierten Neuauflage seines Sammelbandes zum akuellen Anlass, deklinieren Schwanebeck und seine BeiträgerInnen so ziemlich alle Themen durch, die einem bei „Jaws“ so einfallen. Multithematisch, multiperspektivisch, akademisch.

Was Autokraten so gar nicht leiden können: Wenn man sich über sie lustig macht. Komik ist nun einmal eine vernichtende Waffe, „weltzernichtend“ gar, wie Jean Paul behauptete, nicht umsonst spricht man von der Vis Comica. Ein großartiges Beispiel widerständiger Komik war Curt Bloch: Das Unterwasser Cabaret. In winzigster Auflage und mit notdürftigsten technischen Mitteln schuf der deutsch-jüdische Bloch im niederländischen Versteck von August 1943 bis April 1945 eine sarkarstisch-satirische Chronik der Ereignisse: „Mein Dichten ist wie Dynamit,/ ist nitroglyzerinisch,/ Es bricht des Führerbaus Granit,/ Satirisch, spottend/ zynisch.“. Nachdem die brillanten Hefte jahrzehntelang verschwunden waren, gibt es jetzt eine sehr schön aufgemachte und kommentierte Auswahl in der Anderen Bibliothek.
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Sonja Hartl:

Beim SWR gibt es seit Anfang Mai ein Hörbuch zu einem meiner Highlights 2024: Sag mir was ich bin von Una Mannion – ein brillant konstruierter Roman über toxische Beziehungen und Manipulation: Inmitten eines Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex verschwindet Deena von einem Tag auf den anderen spurlos. Sie lässt zurück: Ihre vierjährige Tochter Ruby, die daraufhin mit ihrem kontrollierenden Vater Lucas nach Vermont zieht. 14 Jahre dauert es, bis Bewegung in den Fall kommt. 14 Jahre, in denen Lucas alles daransetzt, Rubys Erinnerungen an ihre Mutter nach seinem Willen zu manipulieren. – Der Roman hier bei uns von Frank Schorneck und von Thomas Wörtche besprochen.
Thematisch passend zu „Eternauta“: Die Hamburger Comic-Autorin Birgit Weyhe erzählt in ihrem neuen Buch Schweigen von Ellen Marx und Elisabeth Käsemann – zwei in Deutschland geborenen Frauen, die auf verschiedene Weise Opfer der Militärjunta in Argentinien werden. Ellen Marx floh 1939 als 17-jährige Jüdin vor den Nationalsozialisten nach Argentinien. In den 1970er Jahren „verschwindet“ ihre Tochter Nora. Elisabeth Käsemann geht 1969 aus politischem Idealismus nach Buenos Aires. 1977 wird sie verhaftet, in das Folterlager El Vesubio verschleppt. Und das Auswärtige Amt schweigt dazu. Ein hochinteressanter, wichtiger Sachcomic!














