Geschrieben am 1. Februar 2026 von für Crimemag, CrimeMag Februar 2026

Eggenberger über „Repair Club“ 2 von Charles den Tex

Agenten sind nie wirklich pensioniert

John Antink war während des Kalten Krieges Geheimagent, wurde später Chef des niederländischen Geheimdienstes. Inzwischen ist er längst pensioniert, doch die Vergangenheit holt ihn immer wieder mal ein – ein Agent ist nie wirklich pensioniert. Im vorzüglichen Roman „Repair Club“, 2024 auf Deutsch erschienen, war es der lange Arm des früheren KGB-Agenten in Dresden, der heute Russland autokratisch regiert, der Antink zurück in die Sphären der geheimen Dienste zwang. Sogar noch besser ist nun der zweite Antink-Thriller des niederländischen Autors Charles den Tex: „Trauma“ heißt der Roman im Original, auf Deutsch wird er plakativ als Fortsetzung vermarktet mit dem Titel „Repair Club – Der Countdown läuft“. Ein dritter Band ist für Ende Mai 2026 angekündigt.

Der neue Roman beginnt, wie der erste, mit dem Repair Club, den Antink mit einer Freundin und zwei Freunden betreibt: An wechselnden Orten in Den Haag repariert das Quartett kostenlos kaputte Haushaltsgeräte – als Beitrag an das soziale Leben in ihrer Stadt und für die Nachhaltigkeit. Antink lebt ansonsten zurückgezogen und ist nur für die engen Freunde erreichbar. Andere, die ihn suchen, finden ihn fast nur dann, wenn er öffentlich am Reparieren ist. So auch der Mann, der ihm ein etwa zwanzig Jahre zuvor in Afghanistan entstandenes Foto einer Frau, die erschossen worden war, bringt. Zusammen mit einer rückwärts laufenden Zeitanzeige: Rund zwei Wochen gibt er Antink, um ihm den Mann zu liefern, der die Frau erschossen hat.

Antink erkennt die Situation auf dem Bild sofort. Er war damals dabei. Was da passierte, hat ihn jedoch so traumatisiert, dass seine Erinnerungen daran diffus sind. Obwohl er nicht weiß, wieso der Mann den Schützen von damals sucht und was nach Ablauf der Frist geschehen soll, macht sich Antink mit seinen Verbindungen zu den Geheimdiensten auf, den Gesuchten ausfindig zu machen. Gleichzeitig erfährt er vom einzigen Repair-Club-Mitglied, das noch im Geheimdienst aktiv ist, dass dort nach einer afghanischen Übersetzerin gesucht wird, die durch ihre Tätigkeit angeblich über niederländische Geheimdienstinformationen verfügt und sich aus dem sicheren Haus, in dem sie untergebracht war, trickreich abgesetzt hat. An Zufälle glaubt Antink nicht, aber er weiß nicht, wie die Fälle zusammenhängen. Er muss das herausfinden, bevor die Zeit abläuft. Dafür sucht er Personen persönlich auf. Er ist ein Agent alter Schule, digitale Kanäle meidet er, um möglichst wenige Spuren zu hinterlassen.

Band 1 der Reihe

Der raffiniert geplottete und spannend erzählte Agententhriller thematisiert unter anderem das Versagen der westlichen Organisationen beim Schutz ihrer lokalen Helferinnen und Helfer beim Abzug aus Afghanistan. Und er handelt von Intrigen und Machtspielen zwischen verschiedenen Geheimdiensten, wie auch von Exponenten dieser Organisationen, die eine eigene Agenda verfolgen oder einfach nur ihren Arsch retten wollen.

Antink muss sich gleichzeitig auch mit der niederländischen Politik auseinandersetzen. Eine von der Politik geforderte Kommission soll das Versagen des Vorgehens gegen die organisierte Kriminalität im Land untersuchen – und die Innenministerin will für diese Kommission den Ex-Geheimdienstchef. Antink hält nicht viel von solchen Kommissionen: „Wenn John dem Ganzen eine positive Bezeichnung geben wollte, würde er von Träumen sprechen, von Fantasien, an die die Politik glaubt. In weniger guter Absicht bezeichnet er das Ganze als Täuschung. Lügen. (…) Als gäbe es keinen Zusammenhang zwischen der Kriminalität und dem Steuerparadies, zu dem sich die Niederlande entwickelt haben. Das ideale Land für Betrüger, um große Mengen Geld über GmbHs mit Steuervorteilen in Sicherheit zu bringen. Als gäbe es keinen Zusammenhang zwischen der Regierungspolitik und dem offensichtlich ach so gesunden Klima für die internationale Drogenmafia.“

In den Niederlanden ist der 1952 geborene Charles den Tex ein bekannter Bestsellerautor; mehrere seiner Bücher wurden verfilmt und waren Vorlagen für TV-Serien. Er hatte zunächst in London Fotografie und Film studiert, später in Paris als Englischlehrer gearbeitet, dann als Werbetexter in Amsterdam und als Kommunikationsberater. Sein erster Roman, „Dump“ erschien 1995. Inzwischen hat er rund zwei Dutzend Bücher veröffentlicht, mehrheitlich Kriminalromane, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden.

Klassische Agententhriller wie die „Repair Club“-Trilogie, die nicht von irgendwelchen wilden Weltverschwörungen schwafeln, sondern sich kenntnisreich mit tatsächlichen Vorgängen auseinandersetzen und diese gekonnt in bewegende und im besten Fall auch politisch relevante Geschichten umsetzen, sind leider selten geworden. Gut, dass es Charles den Tex gibt. Wir freuen uns auf den dritten Antink-Thriller.

Charles den Tex: Repair Club – Der Countdown läuft (Trauma., 2023). Aus dem Niederländischen von Simone Schroth. HarperCollins, Hamburg 2025. 463 Seiten, 14 Euro.

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Hanspeter Eggenberger veröffentlicht als einziger Kritiker im deutschsprachigen Raum so gut wie je Woche die Besprechung eines aktuellen Kriminalromans. Seine Internetseite krimikritik.com sei hiermit ausdrücklich empfohlen., d. Red.
Seine Texte bei uns hier.

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