Geschrieben am 1. März 2024 von für Crimemag, CrimeMag März 2024

Drei Bände über den Filmautor Sohrab Shahid Saless

»Lass sichtbar werden, was ohne dich vielleicht niemals gesehen würde.« (Robert Bresson; auch als Motto über einem der Buchkapitel)


Mit nur zwei frühen Filmen hat er sich in das kulturelle Gedächtnis seines Heimatlandes Iran und in die Welt-Cinematographie eingeschrieben, zählt zu den großen persischen Filmemachern. Insgesamt vier Kino-, sieben Fernseh- und drei Dokumentarfilme umfasst sein Werk, der Großteil in Westdeutschland entstanden – ewiggültige Meisterwerke dabei. Aber er ist hierzulande fast vergessen. Deshalb ist es mehr als gerecht, dass nun ein dreibändiges Buch mit zusammen 1500 Seiten (in Worten: fünfzehnhundert) den Filmautor Sohrab Shahid Saless der Dunkelheit entreißt. Einst wurde er mit zum Neuen Deutschen Film gezählt.

Behrang Samsami: Die langen Ferien des Sohrab Shahid Saless. Annäherungen an ein Leben und Werk. Exil-Verlag, Frankfurt 2023. 3 Bände, broschiert, zahlreiche Abbildungen. 1500 Seiten, 99 Euro.Verlagsinformationen hier.

Eine »Annäherung an ein Leben und Werk« nennt Autor Behrang Samsami seine monumentale Studie. Bescheidener kann man kaum sein. Und immer wieder betont er, dass seine Analysen »nicht den Anspruch erheben, filmwissenschaftlichen Charakters zu sein«. Sagen wir es mit Understatement: Ich habe schon flachere filmwissenschaftliche Analysen gesehen als dieses grandiose Ehrenmal für einen der Großen des Film-Olymps.

Band 1 (588 Seiten) erzählt die Lebens- und Werkgeschichte von Sohrab Shahid Saless.
Band 2 (502 Seiten) widmet sich einzelnen Filmen.
Band 3 (420 Seiten) versammelt Gespräche mit Mitarbeitern und Weggefährten, Interviews, Briefe, Liebesbriefe und Karten, Texte, Treatments und Drehbücher.

Plakat der Saless-Retro in Teheran 2017

Bemerkenswert ist auch der Verlag dieses Buches. Es ist im kleinen Frankfurter Exil Verlag erschienen, der vor allem, durch die seit 1981 bestehende renommierte Fachzeitschrift EXIL bekannt ist. Verlegerin Edita Koch bringt nur wenige Bücher im Jahr heraus. Umso bemerkenswerter jetzt das herkulische Saless-Unternehmen. (Ein Interview mit ihr hier.)

Autor Behrang Samsami, 1981 im Iran geboren, hat an der Freien Universität Berlin Neuere deutsche Literatur und Geschichtswissenschaft studiert. 2009 wurde er dort mit der Studie »Die Entzauberung des Ostens. Zur Wahrnehmung und Darstellung des Orients bei Hermann Hesse, Armin T. Wegner und Annemarie Schwarzenbach« (2010) promoviert. Er ist Mitherausgeber der Neuausgabe von Essad Beys Biografie »Nikolaus II. Glanz und Untergang des letzten Zaren« (2011; EA 1935). Zu seinen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkten gehören: Literatur der frühen Moderne, Reiseliteratur, Migrationsliteratur.

Ein Reisender, ein Migrant, ein Weltenbürger, unbehaust, das war Sohrab Shahid Saless bis ins Mark, 1944 in Teheran geboren, Filmstudium in Paris und Wien, 1974 mit seinen ersten beiden Filmen auf der Berlinale und danach im Exil geblieben, iranischen Boden nie wieder betreten, deutscher Filmemacher geworden, in Westberlin, München, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Bielefeld, Oldenburg und Hamburg gewohnt, mit sechs Jahren Abstecher in die Tschechoslowakei, für 13 Fernseh-, Kino- und Dokumentarfilme gekämpft, am 2. Juli 1998 in den USA an inneren Blutungen gestorben. 54 Jahre alt.

Kein einfaches Leben. Unbehaust, buchstäblich. Herzblut verströmt. Und Genie.

Im Nachhinein, so  Behrang Samsami, »nimmt der Titel eines Films, den er 1979 über die deutsch-jüdische Filmkritikerin Lotte H. Eisner (1896–1983) und ihr Leben im französischen Exil gedreht hat, sein Schicksal vorweg«. Der Titel lautet: Die langen Ferien der Lotte H. Eisner. Im Film-Interview, das Saless mit ihr führt, erzählt Eisner an einer Stelle von ihrer Flucht vor den Nazis im Frühjahr 1933 zu ihrer Schwester nach Paris: »Und wie ich ankam, weiß ich nur, am ersten April, sozusagen als Aprilscherz, da sagte mein Schwager zu mir: ›Du bist auf Ferien hier.‹ Und ich sagte: ›Eugène, es werden sehr lange Ferien sein.‹«

Als erster Regisseur in der Geschichte der Berliner Filmfestspiele laufen 1974 gleich zwei Filme von ihm auf dem Festival. YEK ETTEFAGHE SADEH (Ein einfaches Ereignis) im Forum und TABIATE BIJAN (Stilleben) sogar im Wettbewerb. Silberner Bär, dazu der Otto-Dibelius-Preis, der Fipresci-Preis der internationalen Filmkritik und noch mehr.

STILLLEBEN ist der letzte Film, den Saless im Iran dreht. Er hatte zwischen 1968 und 1973 über 20 Dokumentarfilme für das iranische Kulturministerium gemacht, darunter Filme über Rituale der Derwische, über die politischen und gesellschaftlichen Reformen des Schahs – „Weiße Revolution“ genannt – und den technischen Fortschritt. Zuvor hatte er von 1963 bis 1967 in Paris und Wien Regie und Dramaturgie sowie Filmgestaltung und Fernsehen studiert. Aber: »Als Ausländer bekam ich aber selten den Fotoapparat und die Filmkamera in die Hand: Ich könnte die teuren Geräte kaputt machen.«

Der Theater- und Filmkritiker Friedrich Luft schreibt 1974 in der Welt: »Welches war, will man überhaupt vergleichen, der schönste, welches der beste Film der Berlinale? Einer aus Iran. Sein Regisseur: Sohrab Shahid Saless! Titel: ‚Stilles Leben’, Ein uraltes Bahnwärterehepaar an einer toten Gleisstrecke im Iran. Zwei Züge pro Tage. Verkehr auf der die Gleise kreuzenden Straße minimal. Zwei alte Leute leben hier in einer Einsamkeit und Lebensferne, in einer Endsituation, die wie von Beckett erfunden scheint.

Wie von Beckett (oder doch für seine traurigen Augen) auch der ganze Film. Nichts passiert, nur die Monotonie leeren Alltags tropft vom grauen Himmel. Kein Lichtstrahl. Keine schnelle Bewegung, ausgenommen die der wenigen Züge. Kaum Worte werden gewechselt. Diese Menschen sind wie zugewachsen. Ihre Einsamkeit ist hermetisch. Wie ganz spannungslos, aber spannend gemacht wird, wie die Windstille über dieser Landschaft zu rauschenbeginnt, wie die triste Unansehnlichkeit seiner Bilder diesen Film bald schön, ja ihn atembenehmend macht, all das hatte keinen Vergleich. Dieser Film muss in unsere Kinos. Hier ist ein Meisterwerk, jetzt schon zur Filmgeschichte gehörend.«

Anfang Juli 1974, am Ende der Berliner Filmfestspiele 1974, ist Saless der große, sechsfache Preisträger. Ein halbes Jahr später findet er sich bei den Behörden derselben Stadt als Bittsteller in eigener Sache. Es geht um seine Aufenthaltsgenehmigung und um seine Arbeitserlaubnis. Die gilt explizit nur für die Tätigkeit als Filmregisseur, er braucht also immer einen Produzenten und er kann selbst keine Förderanträge stellen. »Die Aufenthaltserlaubnis ersetzt nicht die Arbeitserlaubnis« steht in seinen Pass gestempelt.

Dar Ghorbat (In der Fremde/ Far from Home). 1975. Iran/Deutschland. Regie: Sohrab Shahid Saless © Provobis Gesellschaft für Film und Fernsehen mbH und The Shahid Saless Archive

Noch widersinniger wird es mit seinem nächsten Film, formal eine Koproduktion mit dem Iran. IN DER FREMDE, mit einem besonders wertvoll der Filmbewertungsstelle ausgezeichnet und für den Wettbewerb der Berlinale ausgewählt, wird nicht zur Auswahl für den (auch finanziell vergoldeten) Bundesfilmpreis zugelassen. Das Bundesamt für gewerbliche Wirtschaft verweigert den Vorbescheid (i.a. die Anerkennung als deutscher Film), weil die Stabliste des Films nicht den Bestimmungen des Filmförderungsgesetzes entspreche. Es gäbe zu wenig deutsche Darsteller. Da hilft es nichts, dass der deutsche Koproduzent, die katholische Provobis Film, darauf hinweist, »dass der Film, der das Leben türkischer Gastarbeiter in Berlin in völliger Isolation von ihrer sozialen Umgebung schildert, ‚nur mit Darstellern besetzt werden konnte, die schon vom physiognomischen Eindruck her nicht deutsch sein durften!’«. Der stern berichtete darüber unter der Überschrift »Ein paar Türken zuviel«.

Auf der Berlinale wird der Film, der zum ersten Mal ungeschminkt und poetisch das Leben der Gastarbeiter in Deutschland zeigt, als Favorit und Preisträger gehandelt. Für den alten großen Friedrich Luft etwa ist es »der beste Film des Festivals… Man sieht Berlin wie mit den türkischen Augen. Ein dunkleres Berlin. Ein zuweilen bedrohliches, dann wieder wie verstepptes Berlin, eine Stadt mit den Augen von Menschen gesehen, die, hier lebend, doch eben immer fremd bleiben müssen, nie ganz ohne die Angst des Fremdseins… Besseres sah man in den zehn filmüberfüllten Tagen sonst nicht, ‚In der Fremde’ überragte alles.«

Den Goldenen Bären aber erhält aus diplomatischen Gründen JAKOB DER LÜGNER, der erste je beim Westberliner Festival gezeigte DDR-Film. Für Saless blieb der FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik. Rudolf Thome, selbst Filmemacher, schreibt im Berliner Stadtmagazin Hobo: »IN DER FREMDE ist vielleicht der wichtigste Film, der nach dem Krieg in Berlin gedreht worden ist, der mehr von Berlin zeigt, der mehr über Berlin sagt als alle bisher gedrehten ‚Berliner Filme’…«

Ron Holloway (1933-2009), 1959 zum katholischen Priester geweiht, seit Mitte der 1970er Variety-Korrespondent für Deutschland und Osteuropa, seit 1976 Mitglied der Auswahlkommission bei den Berliner Filmfestspielen und zusammen mit seiner Frau, der deutschen Schauspielerin Dorothea Moritz, ist Gründer der eigenen, englischsprachigen Zeitschrift Kino – German Film, von der in rund 25 Jahre über 80 Ausgaben erscheinen und für das internationale Ansehen und die Bekanntheit des Neuen deutschen Films unschätzbare Dienste tun. Ron Holloway ist neben dem Schweizer Dominikanerpater und Filmpublizisten Ambros Eichenberger der zweite Filmexperte mit katholischem Hintergrund und Helfer und Förderer. Saless notiert von einem Arbeitsessen mit »Dr. Holloway«, so fächert Band 1 die Arbeitsbeziehungen des Regisseurs detailreich und fundiert auf: »… wir haben zusammen im amerikanischen Club gegessen. Das Essen war nicht gut. Er ist auch nicht reich… ihm geht’s finanziell nicht sehr gut … wir haben von Tschechow viel gesprochen … und auch von Bresson, und er will mir einen Produzenten finden. Trotzdem, dass er ein Katholik ist, hat ihm mein neuer Stoff ‚Das Leben eines Märtyrers’ sehr gut gefallen.«

Für Variety stellt Holloway zur 27. Berlinale 1977 ein umfangreiches »Who’s Who in West German Film Industry« für den Zeitraum 1957-77 zusammen. Und da findet sich auch, ganz selbstverständlich: »Sohrab Shahid Saless – Gifted Iranian helmer living in exile in West Berlin after winning an armful of prizes at Berlin fest in 1974 … His meditative, stylized pix, inspired by Chekhov’s stories, are intense, formalistic treatises on alienation and loneliness lensed over short stretches of time …« Einem Artikel in der britischen Zeitschrift Film gibt Holloway die Überschrift »Shahid Saless – Cinema’s Chekhov«. Das dürfte ihm gefallen haben.

Holloway ist es auch, der mir, damals der Filmredakteur von medium, der ersten deutschen Medienzeitschrift, immer wieder von Saless erzählt und auch den persönlichen Kontakt herstellt. Ein Begriff war er mir schon davor: Mein Pokerkumpel Dieter Reifahrt hatte als Leiter des Kommunalen Kinos Frankfurt 1979 eine Saless-Retrospektive organisiert. Sein Strandfilm-Kollege Bert Schmidt arbeitete bei etlichen Saless-Filmen als Regieassistent. 1980 waren beide am Drehbuch von ORDNUNG beteiligt.

Leute wie wir, die düstere und nicht unterhaltsame Filme machen, haben kein Glück

In der Philippika »J’accuse. Notizen im Exil«, die Saless Anfang 1981 an Eberhard Fechner schickt und in der er, so Samsami, »sehr emotional auf seine bisherige Arbeit und aus seiner Sicht auf ihre Verhinderung in der Bundesrepublik schaut«, schreibt er unter anderem:

»Wer und welches Gesetz bestimmt darüber, dass die Beamten und Behörden der ‚Filmförderungsanstalten’, mit welchen Maßnahmen und überhaupt Kenntnissen, über meine und unsere Drehbücher und ‚Filmprojekte’ sich ein Urteil bilden dürfen? Und dies sogar zu formulieren wagen? … Ich lehne die Fähigkeit aller dieser Beamten als ‚Fachleute’ ab. Ich bitte um Überprüfung der Ausbildung und Intelligenz dieser Behörde, die durch unsere Steuergelder dafür honoriert wird, um uns zu beleidigen und zu entwürdigen… Warum dürfen wir Autoren und Regisseure die Überprüfer unserer Werke durch eine Wahl nicht selbst bestimmen?«

Im Frühjahr 1983 machen wir einen medium-Themenschwerpunkt:
– Irmela Schneider: Genau wider die Ordnungen. Der Filmemacher Sohrab Salid Saless. Ein Porträt (S. 50-53)
– Mamad Haghighat: »… weil er so menschlich ist.« Lotte H. Eisner über Sohrab Salid Saless (S. 53-54)
– Und Sohrab Shahid Saless selbst mit der Abrechnung: »Kultur als harte Währung, oder: Hollywood in Germany:«. Darin heißt es unter anderem: »Da ich ‚Aus’-Länder bin, darf ich nicht produzieren. Ich muss einen Produzenten finden, der mir die Ehre erweist und mit mir arbeitet.«

Und weiter; »Ich sage offen und ohne Rücksicht auf eventuelle Ungnaden, in die ich fallen werde, es gibt hier in der Bundesrepublik vielleicht acht Produzenten die einem Filmemacher Rückendeckung geben, damit er das machen kann, was er ursprünglich vorgehabt hat. Und es gibt sehr wenige Redakteure, die mutig sind, für einen Stoff zu kämpfen, auf die Barrikaden zu gehen, damit auch mal ein realistischer Film gemacht wird.

An zehn Filmen habe ich ‚in der Fremde’ gesündigt. Viele werden sagen: Er hat Glück gehabt. Und das stimmt leider nicht. Leute wie wir, die düstere und nicht unterhaltsame Filme machen, haben kein Glück. Sie schreiben Briefe, entwerfen Treatments, verfassen Drehbücher, die nie verfilmt werden, und irgendwann kommt eine gute Seele, winkt ihnen zu und sagt – wie bei Kafka –: Jetzt bist du dran. Jetzt darfst du auch!«

Den Dokumentarfilm ANTON P. CHECHOV – EIN LEBEN liefert er bei den drei daran beteiligten Sendern umfangreicher als bestellt ab. »Obwohl der Film nicht länger als 90 Minuten werden durfte, hatte ich ihn als 130-minütigen Film zusammengeschnitten, um Chechov einigermaßen gerecht zu werden … Drei Gendarme der Kunst haben nun den Wunsch geäußert, den Film auf 90 Minuten zu kürzen, da die Sendezeit begrenzt ist… Ein umfangreiches Leben wie das von Chechov kann man ja nicht kürzen.« Der Film wird von der ARD nie ausgestrahlt, läuft nur in den Dritten Programmen – nachts.

Irmela Schneider schreibt über diesen Dokumentarfilm bei uns in medium: »Die intime Kenntnis von Tschechows Werk und Leben, die bis zur Identifikation reichende Sympathie mit ihm stellen gewiss eine der Grundbedingungen für die Qualität von Saless’ Dokumentation dar. Aber nicht allein profunde Kenntnis zeichnet dieses Dokumentation aus, sondern eine Struktur der Vermittlung von geschichtlichen Zusammenhängen, Gestalten und ihren literarischen Werken, die Modellcharakter für dieses Genre hat… Die sorgfältig ausgewählten Bilder, Zitate, Textauszüge und Szenenausschnitte sind in einem ruhigen, leisen Duktus montiert, sie hetzen einander nicht, sondern gewinnen jeweils Eigengewicht… Saless gelingt mit dieser Dokumentation, was auch – insbesondere die früheren – Filme auszeichnet: die Verknüpfung von dokumentarischer Präzision, analytischer Reflexion und poetischer Präsentation – eine Qualität, die gegenwärtig in Filmen selten anzutreffen ist.«

Aber die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten verflachen im Jahrzehnt des aufkommenden, vor allem von der konservativen Politik geförderten Privatfernsehens schon länger immer mehr im Spagat zwischen Kultur und Einschaltquote, Qualität und Anpassung. Kurzweilig, leicht verdaubar und genau 90 Minuten lang sollen doch bitte die »amphibischen Filme« sein, die das Fernsehen dem Neuen Deutschen Film kofinanziert.

Da ist so etwas wie UTOPIA verstörend fremd. So jemand wie Sorab Shahid Saless.

198 Minuten: UTOPIA, 1993 © wiki-commons

Benedikt Erenz schreibt 1998 sozusagen einen Nachruf zu Lebzeiten: »Fort ist er, schon seit Jahren«, heißt es darin. »Obwohl mit allem Lorbeer aller Festivals von Teheran bis Berlin bekränzt und gepriesen von allen TV-Jurys – allein den Grimme-Preis in Gold erhielt er mindestens dreimal–, gab es für ihn keine Chance mehr im Quoten-&-Zoten-Fernsehen und Sönke-Wortmann-Kino der neunziger Jahre. Schwieriger Mann. Düstere Filme. Zu lang. Viel zu lang. Saless, der Radikale, wurde aus dem öffentlichen Filmdienst hinauskomplimentiert…«

Am Ende von Band 1 seiner Monographie, auf Seite 527, zitiert Behrang Samsami den Vormärz-Dramatiker Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) aus dem Spielfilm GRABBES LETZTER SOMMER quasi als Motto für Saless und sein Werk:

»Ich bin nicht zynisch. Zynisch ist nur diese Gesellschaft. Ich knöpfe ihr nur die Hemden auf, nehm’ ihr die Perücke ab – und das mag sie gar nicht gern.«

Alf Mayer

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